Supplement
Zink
Mineral · Zink-Bisglycinat / Zinkpicolinat
Zink greift als Bestandteil von über 300 Enzymen in die Immunfunktion ein, und in einer Metaanalyse mit 5.446 Erwachsenen traten unter Zink 5 Atemwegsinfekte weniger je 100 Personenmonate auf – eine Number Needed to Treat von 20 bei moderater Evidenzsicherheit. Der große Cochrane-Review von 2024 verfehlte dagegen bei der Erkältungsprävention den primären Endpunkt, und die oft zitierte Verkürzung der Erkältungsdauer um 2,37 Tage ist wegen extremer Heterogenität keine belastbare Zahl.
Was Zink ist
Zink ist ein essenzieller Mineralstoff, der an über 300 Enzymen beteiligt ist und in Immunfunktion, DNA-Synthese und Wundheilung eingreift. Nahrungsquellen sind unter anderem Austern, Rindfleisch, Kürbiskerne, Linsen und Cashews. Im BK-Score stehen 7 von 10 Punkten bei der Human-Evidenz und 8 von 10 beim Mechanismus.
In den Erkältungsstudien wurden überwiegend Lutschtabletten eingesetzt, meist als Gluconat mit 45 bis 276 mg pro Tag über 4,5 bis 21 Tage.
Warum 97 Prozent Heterogenität die Zahl entwerten
Heterogenität, angegeben als I², misst, wie stark sich die Einzelergebnisse einer Metaanalyse voneinander unterscheiden. Bei I² = 97 % geht praktisch die gesamte Streuung auf echte Unterschiede zwischen den Studien zurück, nicht auf Zufall. Die Studien messen dann nicht dieselbe Größe.
Ein gemeinsamer Mittelwert beschreibt in diesem Fall keine Realität, sondern rechnet widersprüchliche Ergebnisse zu einer Zahl zusammen. Genau das ist bei der Verkürzung der Erkältungsdauer um 2,37 Tage der Fall – die Autoren stufen die Evidenzsicherheit folgerichtig als niedrig ein.
Was gut belegt ist
- In der zweiten großen Auswertung erreichte die Prävention Signifikanz. Hunter 2021 fasste 28 RCTs mit 5.446 Erwachsenen zusammen und berichtet 5 Atemwegsinfekte weniger je 100 Personenmonate (1 bis 8) bei moderater Evidenzsicherheit, entsprechend einer Number Needed to Treat von 20. Es ist der Befund mit der höchsten Evidenzsicherheit in dieser Datenlage – der Cochrane-Review von 2024 kam bei derselben Frage zu einem anderen Ergebnis.
- Zur Erkältungsdauer weisen beide Auswertungen in dieselbe Richtung. Nault 2024 gibt für Cochrane 2,37 Tage kürzer an (−4,21 bis −0,53), Hunter 2021 rund zwei Tage (0,61 bis 3,50). Beide Zahlen sind mit niedriger beziehungsweise sehr niedriger Evidenzsicherheit belegt, bei Cochrane zusätzlich mit einer Heterogenität von I² = 97 %. Belastbar ist die Richtung, nicht die Größe.
- Die Rolle im Immunsystem ist verstanden. Zink ist an über 300 Enzymen beteiligt und greift in Immunfunktion, DNA-Synthese und Wundheilung ein. Im BK-Score steht der Mechanismus bei 8 von 10 Punkten, die Anwendungserfahrung bei 10 von 10.
- Eine behördlich abgeleitete Höchstmenge. Das BfR schlägt 6,5 mg pro Tagesdosis in Nahrungsergänzungsmitteln vor, abgeleitet aus der von der EFSA 2014 festgelegten tolerierbaren Obergrenze von 25 mg pro Tag und dem geringen Abstand zwischen dieser Grenze und dem 95. Zufuhrperzentil aus der normalen Ernährung. Auch die Häufigkeit der Nebenwirkungen ist beziffert: RR 1,34 (1,15 bis 1,55) bei moderater Evidenzsicherheit.
Was die Studien zeigen
Cochrane 2024: Prävention verfehlt, Behandlung unsicher
Nault 2024 wertete 34 RCTs mit 8.526 Erwachsenen und Kindern aus, davon 15 zur Prävention und 19 zur Behandlung. Der primäre Endpunkt der Präventionsstudien, das Erkältungsrisiko, wurde nicht erreicht: RR 0,93 (0,85 bis 1,01), niedrige Evidenzsicherheit. Für die Behandlung ergab sich eine Verkürzung der Erkältungsdauer um 2,37 Tage (−4,21 bis −0,53) bei I² = 97 % und niedriger Sicherheit. Die Symptomschwere blieb unverändert (SMD −0,03; −0,56 bis +0,50, sehr niedrige Sicherheit).
Zweite Auswertung mit anderem Zuschnitt
Hunter 2021 fasste 28 RCTs mit 5.446 Erwachsenen zusammen, oral, sublingual und intranasal angewendet. Zur Prävention werden 5 Atemwegsinfekte weniger je 100 Personenmonate berichtet (1 bis 8) bei moderater Sicherheit, entsprechend einer Number Needed to Treat von 20 – ein Beispiel dafür, wie sich relative und absolute Wirkung unterscheiden. Die Symptome klangen im Schnitt rund zwei Tage früher ab (0,61 bis 3,50), allerdings bei sehr niedriger Evidenzsicherheit.
Der klarste Negativbefund
In derselben Auswertung verhinderte sublinguales Zink nach kontrollierter Rhinovirus-Inokulation keine einzige Erkältung: RR 0,96 (0,77 bis 1,21) bei moderater Evidenzsicherheit. Das ist der methodisch sauberste Zugang zur Präventionsfrage, weil der Infektionszeitpunkt bekannt ist. Zum Cochrane-Review von 2024 erschienen zudem zwei Kritikbriefe, die Auswertung ist fachlich umstritten.
Wo die Daten aufhören
- Vorbeugung von Erkältungen. Der primäre Endpunkt des Cochrane-Reviews wurde verfehlt, das Konfidenzintervall reichte bis 1,01. Sublinguales Zink verhinderte nach gezielter Rhinovirus-Gabe keine Erkältung.
- Die Zahl von 2,37 Tagen. Bei I² = 97 % widersprechen sich die eingeschlossenen Studien so stark, dass der gepoolte Mittelwert keine belastbare Punktschätzung ist. Die Zahl taucht in der Werbung dennoch regelmäßig ohne diesen Vorbehalt auf.
- Welche Zinkform und welche Dosis wirkt. Der Cochrane-Review kann dazu keine Aussage treffen. Die Vermarktung einzelner Verbindungen als überlegen hat in diesen Daten keine Grundlage.
- Geringere Symptomschwere. Der Effekt lag bei SMD −0,03 mit einem Intervall von −0,56 bis +0,50 und sehr niedriger Evidenzsicherheit.
Status, Zulassung und Recht
Das Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 6,5 mg Zink pro Tagesdosis vor. Abgeleitet ist der Wert aus der von der EFSA 2014 festgelegten tolerierbaren Obergrenze von 25 mg pro Tag und dem geringen Abstand zwischen dieser Grenze und dem 95. Zufuhrperzentil aus der normalen Ernährung.
Sicherheit
Nicht-schwere Nebenwirkungen traten unter Zink häufiger auf: RR 1,34 (1,15 bis 1,55) bei moderater Sicherheit im Cochrane-Review, RR 1,41 (1,17 bis 1,69) bei Hunter 2021 mit einer Number Needed to Harm von 7. Bei dauerhafter Zufuhr über 40 mg pro Tag droht ein Kupfermangel, da Zink mit Kupfer um die Aufnahme konkurriert. Dieser Text ist Information und ersetzt keine medizinische Beratung.
BK-Score Belegt, mit Einschränkungen
| Human-Evidenz | 7 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 8 | |
| Sicherheits-Datenlage | 8 | |
| Hype-Abstand | 6 | |
| Anwendungserfahrung | 10 |
Bei Mangel und bei Erkältungsdauer gibt es kontrollierte Studien und Meta-Analysen, die Immunfunktion ist mechanistisch klar. Überdosierung stört den Kupferhaushalt – das steht selten in der Werbung.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Zink
Wie wirkt Zink?
Zink ist Bestandteil von über 300 Enzymen und greift in Immunfunktion, DNA-Synthese und Wundheilung ein. Diese Rolle ist mechanistisch gut verstanden. In den Erkältungsstudien wurden überwiegend Lutschtabletten eingesetzt, meist als Gluconat. Welche Zinkform und welche Dosis wirksam ist, lässt sich aus den vorliegenden Daten allerdings nicht bestimmen.
Beugt Zink Erkältungen vor?
Nach der besten verfügbaren Auswertung nicht. Der Cochrane-Review von 2024 mit 34 Studien und 8.526 Teilnehmenden verfehlte den primären Endpunkt Erkältungsrisiko mit einem relativen Risiko von 0,93 und einem Intervall bis 1,01. Sublinguales Zink verhinderte nach gezielter Rhinovirus-Gabe ebenfalls keine Erkältung.
Verkürzt Zink eine Erkältung?
Die oft zitierte Verkürzung um 2,37 Tage ist keine belastbare Zahl. Sie stammt aus einer Metaanalyse mit einer Heterogenität von 97 Prozent, in der sich die Einzelstudien massiv widersprechen. Die Autoren stufen die Evidenzsicherheit als niedrig ein. Die Symptomschwere änderte sich in derselben Auswertung nicht.
Was bedeutet eine Heterogenität von 97 Prozent?
Sie bedeutet, dass die zusammengefassten Studien praktisch nicht dasselbe messen. Das Maß I-Quadrat gibt an, wie viel der Streuung zwischen den Einzelergebnissen auf echte Unterschiede statt auf Zufall zurückgeht. Bei 97 Prozent beschreibt der gemeinsame Mittelwert keine gemeinsame Wirklichkeit, sondern verrechnet widersprüchliche Ergebnisse zu einer Zahl.
Wie viel Zink ist in Nahrungsergänzungsmitteln erlaubt?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt eine Höchstmenge von 6,5 Milligramm pro Tagesdosis vor. Grundlage sind die von der EFSA 2014 festgelegte tolerierbare Obergrenze von 25 Milligramm täglich und der geringe Abstand zwischen dieser Grenze und dem 95. Zufuhrperzentil der normalen Ernährung.
Welche Nebenwirkungen hat Zink?
Nicht-schwere Nebenwirkungen traten in beiden großen Auswertungen häufiger auf, mit relativen Risiken von 1,34 und 1,41 und einer Number Needed to Harm von sieben. Bei dauerhafter Zufuhr über 40 Milligramm pro Tag droht ein Kupfermangel, weil Zink mit Kupfer um die Aufnahme konkurriert. Keine medizinische Beratung.
Passt dazu
- Wirkt zusammen mitVitamin C
- Wirkt zusammen mitVitamin D3
- Vorsicht in KombinationEisen
- Gleiche KategorieBor (Boron)
- Gleiche KategorieShilajit
- Gleiche KategorieSelen
Quellen
- Nault 2024, Cochrane Database of Systematic Reviews CD014914.pub2 – 34 RCTs, Erkältung (PMID 38719213)
- Kritikbrief zum Cochrane-Review 2024 (PMID 39478818)
- Kritikbrief zum Cochrane-Review 2024 (PMID 40680659)
- Hunter 2021, BMJ Open – Rapid Review und Metaanalyse, 28 RCTs (PMID 34728441)
- BfR – Höchstmengenvorschläge für Zink in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-13.