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Fadogia Agrestis
Kräuter · Fadogia-Agrestis-Stängelextrakt
Fadogia Agrestis ist ein Strauch aus Nigeria, dessen Stängelextrakt seit einigen Jahren als Testosteron-Booster gehandelt wird. Zu ihm gibt es bis heute keine einzige Studie am Menschen. Alles, was über eine Wirkung behauptet wird, stammt aus Versuchen an Ratten in einem einzigen Labor.
Kurz gesagt
Fadogia agrestis ist ein Strauch aus der Kaffeeverwandtschaft, der in Nigeria und der Sahelzone wächst und traditionell gegen Malaria und als Aphrodisiakum genutzt wurde. Die gesamte Wirkbehauptung stützt sich auf eine Arbeit aus dem Jahr 2005, in der ein Labor der Universität Ilorin männlichen Ratten 5 Tage lang einen wässrigen Stängelextrakt gab: Die Tiere bestiegen die Weibchen häufiger, und der Testosteronspiegel stieg dosisabhängig. Humanstudien gibt es null. Dieselbe Arbeitsgruppe fand bei längerer Gabe über 28 Tage Marker, die auf eine Schädigung der Hoden hindeuten, und ein Jahr später Hinweise auf geschädigte Zellmembranen in Leber und Niere. Der überall zitierte Mechanismus über das Hormon LH ist in der Rattenstudie nicht einmal gemessen worden.
Was Fadogia Agrestis ist
Fadogia agrestis ist ein Strauch aus der Verwandtschaft des Kaffees. Er wächst in Nigeria und in der Sahelzone. Traditionell wurde er dort gegen Malaria eingesetzt und als Aphrodisiakum verwendet. Gehandelt wird heute ein Extrakt aus dem Stängel.
In der wissenschaftlichen Literatur ist die Pflanze fast nicht vorhanden. Eine Suche in der Datenbank PubMed nach dem Begriff Fadogia agrestis liefert 10 Treffer. 3 davon sind Rattenarbeiten aus demselben Labor, der Rest besteht aus Pflanzenchemie und Marktstudien. Studien am Menschen: 0. Bekannt geworden ist die Pflanze nicht über diese Literatur, sondern über eine reichweitenstarke Empfehlung, nach der sie innerhalb weniger Monate in den Sortimenten stand.
Was die Rattenstudie gezeigt hat
Das Labor der Universität Ilorin in Nigeria gab männlichen Ratten 2005 einen wässrigen Stängelextrakt. Gemessen wurde an Tag 1, Tag 3 und Tag 5. Die Tiere bestiegen die Weibchen häufiger, und der Testosteronspiegel stieg abhängig von der Dosis. Das ist der gesamte Befund, auf dem die Behauptung ruht, Fadogia sei ein Hormonbooster: 5 Tage, Ratten, ein Labor.
Die Größenordnung dieses Befunds lässt sich nicht auf den Menschen übertragen. Ratten verstoffwechseln Pflanzenstoffe anders, die verwendeten Mengen waren auf das Körpergewicht der Tiere bezogen, und Paarungsverhalten bei Nagern ist kein Maß für menschliche Libido. Ein Tierbefund ist ein Anlass, am Menschen zu prüfen. Geprüft wurde bisher nicht.
Der LH-Mechanismus ist eine Erzählung
In Produkttexten und Foren heißt es durchgängig, Fadogia wirke wie das luteinisierende Hormon aus der Hirnanhangdrüse, das die Hoden zur Testosteronproduktion anstößt. Diese Erklärung klingt nach Physiologie, ist aber keine Messung. Im Abstract der Rattenstudie kommt LH nicht vor.
Woher die Erzählung stammt, lässt sich nicht rekonstruieren. Offenbar hat jemand aus dem Ergebnis, also einem gestiegenen Testosteronwert, rückwärts einen Pfad gebaut und ihn als gesichert weitergegeben. Damit ist der Mechanismus nicht widerlegt. Er ist schlicht nie untersucht worden, weder bei Ratten noch bei Menschen.
Was gut belegt ist
Gut belegt ist an Fadogia Agrestis vor allem eines: dass es keine Humandaten gibt. Die verfügbaren Übersichten stellen das ausdrücklich fest, und die Literaturrecherche bestätigt es mit 10 Treffern, von denen kein einziger eine Studie am Menschen ist. Innerhalb der Tierdaten ist der Befund von 2005 sauber berichtet, mit einer Dosisabhängigkeit und Messpunkten an Tag 1, 3 und 5. Ebenso belastbar dokumentiert sind die beiden Folgearbeiten derselben Gruppe zur Verträglichkeit bei längerer Gabe. Auffällig ist, dass genau diese beiden Arbeiten in Produkttexten praktisch nie auftauchen, während die erste überall zitiert wird.
Was die Studien zeigen
Ratten, 5 Tage, 2005
Ein Labor der Universität Ilorin in Nigeria gab männlichen Ratten einen wässrigen Stängelextrakt und maß an Tag 1, 3 und 5. Die Tiere bestiegen die Weibchen häufiger, der Testosteronspiegel stieg dosisabhängig. Das ist die Arbeit, auf der die gesamte Hormonbehauptung beruht.
Ratten, 28 Tage, 2008
Dieselbe Arbeitsgruppe verlängerte die Gabe auf 28 Tage. Die Marker der Hodenfunktion verschoben sich in Richtung Schädigung, und die Autoren beschreiben das auch so. Nur bei der niedrigsten Dosisstufe erholten sich die Werte nach dem Absetzen wieder.
Ratten, Leber und Niere, 2009
In der dritten Arbeit untersuchte dieselbe Gruppe Leber und Niere. Im Blut tauchten Enzyme aus dem Zellinneren auf, und ein Marker für Membranschäden stieg an. Kein Tier starb, aber die Autoren sprechen von geschädigten Zellmembranen in beiden Organen.
Literaturrecherche: keine Humanstudie
Eine Suche in PubMed nach Fadogia agrestis ergibt 10 Treffer. 3 stammen aus dem Ilorin-Labor und betreffen Ratten, der Rest ist Pflanzenchemie und Marktbeobachtung. Eine kontrollierte oder unkontrollierte Untersuchung am Menschen ist nicht darunter.
Produktanalyse: 5 von 17 ohne nachweisbaren Inhaltsstoff
Von 17 untersuchten Fadogia-Präparaten enthielten 5 keine nachweisbaren Pflanzenstoffe der Art. Bei einem beliebigen Produkt weiß man also weder, ob der Inhaltsstoff wirkt, noch, ob er überhaupt enthalten ist.
Wo die Daten gar nicht erst anfangen
Am Menschen ist zu Fadogia Agrestis nichts belegt. Nicht die Wirkung auf Testosteron, nicht die Wirkung auf Libido oder Energie, nicht die Verträglichkeit, nicht die Dauer einer sinnvollen Anwendung. Es existiert keine kontrollierte Studie, keine unkontrollierte Serie und kein publizierter Fallbericht, aus dem sich eine Aussage ableiten ließe. Die Angaben zu Mengen und Einnahmezyklen, die im Netz kursieren, stammen aus reichweitenstarken Empfehlungen und nicht aus Studien.
Auch die Risikoseite ist nicht belegt, und das ist der unangenehmere Teil. Die Hinweise auf eine Schädigung der Hoden und auf geschädigte Zellmembranen in Leber und Niere stammen von Ratten, bei denen sie ab etwa 4 Wochen auftraten. Ob sich das auf den Menschen überträgt, weiß niemand, weil es niemand untersucht hat. Damit steht ein berichteter Nutzen aus Anwenderkreisen einem vermuteten Schaden aus dem Tierversuch gegenüber, und beide Seiten haben dieselbe Datengrundlage am Menschen: keine. Wer Fadogia Agrestis einnimmt, ist der Sache nach die erste Humanstudie, ohne Ethikkommission, ohne Kontrollgruppe und mit einem Pulver, in dem der Pflanzenstoff nicht immer nachweisbar ist.
Status, Zulassung und Recht
Fadogia Agrestis hat in der Europäischen Union keinen zugelassenen Status. Der Stängelextrakt ist ein neuartiges Lebensmittel, und anders als bei anderen Pflanzen dieser Kategorie liegt nicht einmal ein Zulassungsantrag vor. Damit ist der Verkauf als Nahrungsergänzungsmittel in der EU nicht erlaubt. Dass die Ware dennoch angeboten wird, ist eine Frage des Vollzugs und ändert an der Einstufung nichts. Eine behördliche Sicherheitsbewertung existiert nicht, weil es kein Verfahren gibt, in dem sie stattfinden könnte. Ein niedriger Testosteronwert ist zudem eine ärztliche Diagnose und keine Selbsteinschätzung.
Sicherheit
Zur Sicherheit von Fadogia Agrestis beim Menschen gibt es keine Daten. Es existiert keine Studie, die Nebenwirkungen systematisch erfasst hätte, und keine Pharmakovigilanz, die Meldungen sammeln würde. Was vorliegt, sind zwei Tierarbeiten derselben Gruppe, die den Extrakt untersucht hat. Nach 28 Tagen verschoben sich die Marker der Hodenfunktion bei Ratten in Richtung Schädigung, und nur die niedrigste Dosisstufe erholte sich nach dem Absetzen. In der Folgearbeit traten Enzyme aus dem Zellinneren im Blut auf, und ein Marker für Membranschäden in Leber und Niere stieg an. Die einzige Arbeitsgruppe, die die Pflanze je untersucht hat, hält sie bei längerer Gabe also für schädigend. Dazu kommt die Unsicherheit über den Inhalt der Präparate: Von 17 analysierten Produkten enthielten 5 keine nachweisbaren Pflanzenstoffe der Art. Eine Aussage über die Verträglichkeit beim Menschen lässt sich daraus nicht ableiten, weder in die eine noch in die andere Richtung.
BK-Score Nicht am Menschen untersucht
| Human-Evidenz | 0 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 2 | |
| Sicherheits-Datenlage | 1 | |
| Hype-Abstand | 1 | |
| Anwendungserfahrung | 4 |
Evidenz 0 und Mechanismus 2: Es existiert keine Humanstudie, eine PubMed-Suche liefert 10 Treffer mit 3 Rattenarbeiten aus einem einzigen Labor, und der beworbene LH-Pfad ist in der Rattenstudie von 2005 nicht einmal gemessen worden. Sicherheit 1: Am Menschen ist nichts systematisch untersucht; was vorliegt, sind Ratten, bei denen sich nach 28 Tagen die Hodenmarker in Richtung Schädigung verschoben und in der Folgearbeit von 2009 Hinweise auf geschädigte Zellmembranen in Leber und Niere auftraten. Hype 1: Gehandelt wird ein Testosteron-Booster auf Grundlage von 5 Tagen Rattenversuch, während 5 von 17 geprüften Produkten den Pflanzenstoff nicht einmal nachweisbar enthielten. Anwendung 4: Nach einer reichweitenstarken Empfehlung entstand binnen Monaten eine breite Anwenderbasis ohne jeden regulatorischen Rahmen, denn in der EU liegt nicht einmal ein Zulassungsantrag vor; die Richtung bleibt neutral, weil am Menschen keine Daten vorliegen, die in eine Richtung sprechen.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Fadogia Agrestis
Gibt es Humanstudien zu Fadogia Agrestis?
Nein, keine einzige. Eine Suche in PubMed ergibt 10 Treffer, davon 3 Rattenarbeiten aus einem Labor und der Rest Pflanzenchemie und Marktstudien. Eine Untersuchung am Menschen ist nicht darunter.
Woher kommt die Behauptung mit dem LH?
Aus keiner Messung. Im Abstract der Rattenstudie wird LH nicht erwähnt. Die Vorstellung, Fadogia wirke wie das luteinisierende Hormon, ist eine Erklärung, die jemand rückwärts aus dem gestiegenen Testosteronwert gebaut hat.
Wie stark war der Testosteronanstieg bei den Ratten?
Er war dosisabhängig und wurde an Tag 1, 3 und 5 gemessen. Eine Übertragung dieser Größenordnung auf den Menschen ist nicht möglich, weil die Mengen auf das Körpergewicht von Ratten bezogen waren und sich der Stoffwechsel unterscheidet.
Ist Fadogia Agrestis gefährlich?
Das weiß niemand, weil es am Menschen nicht untersucht ist. Bei Ratten verschoben sich nach 28 Tagen die Marker der Hodenfunktion in Richtung Schädigung, und in einer Folgearbeit fanden sich Hinweise auf geschädigte Zellmembranen in Leber und Niere. Ein berichteter Nutzen steht damit einem vermuteten Schaden gegenüber.
Ist Fadogia Agrestis in der EU zugelassen?
Nein. Der Stängelextrakt gilt als neuartiges Lebensmittel, und es liegt nicht einmal ein Zulassungsantrag vor. Der Verkauf als Nahrungsergänzungsmittel ist damit nicht erlaubt.
Ist in den Produkten überhaupt Fadogia enthalten?
Nicht zuverlässig. Von 17 analysierten Präparaten enthielten 5 keine nachweisbaren Pflanzenstoffe der Art. Eine Standardisierung, an der sich die Ware prüfen ließe, gibt es nicht.
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Quellen
- Yakubu et al., Asian Journal of Andrology 2005 — Universität Ilorin, Rattenstudie zum wässrigen Stängelextrakt
- Yakubu et al., Journal of Ethnopharmacology 2008 — Universität Ilorin, Gabe über 28 Tage an Ratten
- Yakubu et al., Human & Experimental Toxicology 2009 — Universität Ilorin, Leber- und Nierenmarker bei Ratten
- PubMed-Recherche Fadogia agrestis: 10 Treffer, keine Humanstudie
- Avula et al., Planta Medica 2019 — Produktanalyse von 17 Fadogia-Präparaten
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-19.