Supplement
Shilajit
Mineral · Mumijo, Fulvinsäure-Mineralharz
Shilajit, auch Mumijo genannt, ist ein teerartiges Harz aus Gebirgsgestein, das in der ayurvedischen Medizin seit Langem als verjüngendes Mittel gilt. Heute wird es vor allem für Testosteron, Energie und Kraft genommen. Es gibt dazu einige kontrollierte Humanstudien mit interessanten Ergebnissen, aber noch keine breite Datenbasis.
Kurz gesagt
In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie mit Männern zwischen 45 und 55 Jahren stieg das Gesamttestosteron nach 90 Tagen um 20,45 % gegenüber dem Ausgangswert und lag signifikant über Placebo. Eine zweite kontrollierte Studie fand bei 500 mg täglich einen geringeren Kraftverlust nach Ermüdung, allerdings nur in einer Untergruppe. Beide Studien wurden vom Hersteller des geprüften Extrakts finanziert, eine unabhängige Wiederholung ließ sich nicht finden. Kurzfristig war Shilajit in den Studien gut verträglich. Der eigentliche Haken liegt beim Produkt: Zusammensetzung und Reinheit schwanken, in Präparaten wurde unter anderem Thallium gefunden.
Was es ist
Shilajit tritt in Gebirgsregionen als dunkelbraune bis schwarze, klebrige Masse aus dem Fels. Es besteht aus Humin- und Fulvinsäuren, weiteren organischen Verbindungen und Mineralstoffen. Eine eindeutige Definition gibt es nicht: Eine Bewertung für die EU hält fest, dass Mumijo weder in seiner Herkunft noch in seiner Zusammensetzung klar festgelegt ist.
Für Studien wird deshalb meist ein gereinigter, standardisierter Extrakt verwendet. Das Präparat aus der wichtigsten Testosteronstudie war auf mindestens 60 % bioaktive Bestandteile standardisiert, davon mindestens 50 % Fulvinsäuren. Was im Handel als Harz, Pulver oder Kapsel angeboten wird, entspricht dem nicht automatisch.
Wie es wirken soll
In der ayurvedischen Tradition gilt Shilajit als Rasayana, als Mittel zur Verjüngung und Stärkung, auch der männlichen Fruchtbarkeit. Die modernen Studien knüpfen genau daran an und messen Hormone, Spermienwerte und Muskelkraft.
Der Mechanismus ist am Menschen kaum untersucht. In der Testosteronstudie blieb das Hypophysenhormon LH stabil, während FSH anstieg. Das spricht für eine Wirkung auf die Hormonachse, erklärt sie aber nicht. Beworben werden außerdem eine Unterstützung der Mitochondrien, ein Recycling von Coenzym Q10 und eine Versorgung mit Spurenelementen. Für diese Aussagen ließen sich bei der Recherche für diese Seite keine Humandaten finden. Studien an Gewebeproben zeigen, dass nach mehreren Wochen Einnahme bestimmte Gene im Muskel und in der Haut anders abgelesen werden, etwa für das Bindegewebe und kleine Blutgefäße.
Tradition und Anwendung
Shilajit ist kein neues Szeneprodukt. Neben der langen ayurvedischen Überlieferung ist die Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln in Europa belegt: Tschechien meldete sie für die Zeit vor 1997, deshalb gilt Shilajit in dieser Form in der EU nicht als neuartiges Lebensmittel. Erfahrungsberichte aus überprüfbaren Quellen, die über diese Tradition hinausgehen, liegen für diese Seite nicht vor.
Was gut belegt ist
Am besten belegt ist der Effekt auf das Testosteron gesunder Männer mittleren Alters. In einer randomisierten, doppelblinden Studie nahmen Männer zwischen 45 und 55 Jahren 90 Tage lang zweimal täglich 250 mg gereinigtes Shilajit oder Placebo. Das Gesamttestosteron lag an Tag 90 um 20,45 % über dem Ausgangswert und signifikant über der Placebogruppe, das freie Testosteron um 19,14 %. Aufgenommen wurden Männer, die im ADAM-Fragebogen Hinweise auf Beschwerden eines Testosteronmangels hatten, also genau die Gruppe, für die das Thema praktisch relevant ist.
Dazu kommen Hinweise zu Kraft und Fruchtbarkeit. In einer zweiten kontrollierten Studie mit 63 jungen Männern verloren die stärkeren Teilnehmer unter 500 mg täglich nach einer Ermüdungsübung weniger Kraft als unter Placebo. Und bei 28 Männern mit zu wenigen Spermien stiegen nach 90 Tagen Spermienzahl, Beweglichkeit und Testosteron gegenüber dem Ausgangswert deutlich an. Die Verträglichkeit war in allen Studien gut, Leber- und Nierenwerte blieben unverändert.
Was die Studien zeigen
Testosteron-Studie 2016: 90 Tage, placebokontrolliert
Pandit und Kollegen randomisierten 96 gesunde Männer zwischen 45 und 55 Jahren auf 250 mg Shilajit zweimal täglich oder Placebo. Ausgewertet wurden die 75, die die 90 Tage abschlossen. Das Gesamttestosteron stieg um 20,45 % gegenüber Tag 0 und lag an Tag 90 signifikant über Placebo, in der Placebogruppe fiel es leicht. LH blieb stabil, FSH und DHEAS stiegen. Die Studie wurde vom Hersteller des Extrakts finanziert.
Kraft-Studie 2019: 63 Männer, 8 Wochen
Keller und Kollegen gaben je 21 freizeitaktiven Männern 250 mg, 500 mg oder Placebo. Nach 8 Wochen folgten 100 maximale Beinstreckungen. In der stärkeren Hälfte der Teilnehmer lag der Kraftverlust unter 500 mg bei 8,9 %, unter Placebo bei 16,0 %, und ein Marker für Kollagenabbau war niedriger. Die niedrigere Dosis wirkte nicht. Auch diese Studie finanzierte der Hersteller.
Fruchtbarkeits-Studie 2010: ohne Placebogruppe
Biswas und Kollegen gaben 35 Männern mit Oligospermie 90 Tage lang zweimal täglich 100 mg aufbereitetes Shilajit, 28 beendeten die Studie. Gegenüber dem Ausgangswert stieg die Gesamtspermienzahl um 61,4 %, das Testosteron um 23,5 %. Ohne Vergleichsgruppe lässt sich der Anteil der Substanz nicht von anderen Einflüssen trennen.
Haut-Studie 2019: 14 Wochen bei Frauen
Das und Kollegen gaben gesunden Frauen mittleren Alters 14 Wochen lang zweimal täglich 125 mg oder 250 mg Shilajit oder Placebo. Unter der höheren Dosis verbesserte sich die Durchblutung der Haut gegenüber Ausgangswert und Placebo, in Hautproben waren Gene für Gefäßneubildung und Bindegewebe aktiver. Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. Die Studie zeigt, dass Shilajit am Menschen messbare Gewebeeffekte hat, sagt aber noch nichts über spürbare Hautveränderungen.
Wo die Daten aufhören
Die Datenbasis ist schmal. Die beiden randomisierten Studien zu Testosteron und Kraft hat jeweils der Hersteller des geprüften Extrakts finanziert, eine unabhängige Wiederholung ließ sich nicht finden. Die Testosteronstudie wertete nur die Männer aus, die bis zum Ende dabei waren, 75 von 96. Ob sich Libido, Energie oder Leistung spürbar verändern, wurde dort nicht als Ergebnis gemessen. Der Krafteffekt zeigte sich nur bei 500 mg und nur in der stärkeren Hälfte der Teilnehmer. Die ebenfalls kursierende Zahl von 23,5 % mehr Testosteron stammt aus der Fruchtbarkeitsstudie ohne Placebogruppe, nicht aus der kontrollierten Studie.
Dazu kommt die Produktfrage. Die Studien nutzten standardisierte Extrakte, der Handel bietet sehr unterschiedliche Harze und Pulver an. Eine weitere randomisierte Studie zu Shilajit und Krafttraining ist 2026 erschienen, bisher aber nur als Vorabveröffentlichung ohne Begutachtung. Für die beworbene Wirkung auf Mitochondrien und Coenzym Q10 gibt es am Menschen keine belastbaren Zahlen.
Status, Zulassung und Recht
Shilajit ist in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Eine von Deutschland bearbeitete EU-Konsultation kam 2020 zu dem Ergebnis, dass Mumijo als oder in Nahrungsergänzungsmitteln kein neuartiges Lebensmittel ist, weil es in Tschechien schon vor dem 15. Mai 1997 so verwendet wurde. In allen anderen Lebensmitteln gilt es als neuartig und bräuchte eine eigene Zulassung. Für Wettkampfsportler gilt der allgemeine NADA-Hinweis auf Verunreinigungen bei Nahrungsergänzungsmitteln.
Sicherheit
In den kontrollierten Studien war Shilajit über 8 bis 14 Wochen und in der Testosteronstudie über 90 Tage gut verträglich, Leber- und Nierenwerte blieben in der Fruchtbarkeitsstudie unverändert. Langzeitdaten gibt es nicht. Das wichtigste Risiko ist die Reinheit: Eine Laboranalyse von 2025 fand Thallium in Rohshilajit und in Präparaten, bis 0,5 µg pro Gramm in Präparaten und höchstens 0,095 µg pro Tablette, teils mehr als im Rohstoff. Die Autoren nennen zum Vergleich eine durchschnittliche Aufnahme über Lebensmittel von unter 2 µg pro Tag, andere Schwermetalle wurden in der Literatur ebenfalls beschrieben. Zu Schwangerschaft, Stillzeit, Kindern und Wechselwirkungen gibt es keine Daten. Weil Shilajit in Studien Hormonwerte verändert hat, gehört die Einnahme bei hormonabhängigen Erkrankungen ärztlich besprochen.
BK-Score Dünne Humanevidenz
| Human-Evidenz | 4 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 3 | |
| Sicherheits-Datenlage | 3 | |
| Hype-Abstand | 3 | |
| Anwendungserfahrung | 6 |
Es gibt wenige kontrollierte Humanstudien, alle klein: Pandit et al. (Andrologia 2016) randomisierten 96 Männer zwischen 45 und 55 Jahren und werteten 75 aus; das Gesamttestosteron stieg nach 90 Tagen um 20,45 Prozent und lag signifikant über Placebo. Keller et al. (2019) fanden bei 63 Männern unter 500 mg täglich weniger Kraftverlust nach Ermüdung, aber nur in der stärkeren Hälfte der Teilnehmer. Beide Studien finanzierte der Hersteller des Extrakts. Die 23,5 Prozent mehr Testosteron stammen dagegen aus einer Studie ohne Placebogruppe an 28 Männern mit Oligospermie (Biswas 2010). Symptome wie Libido oder Energie wurden nicht als Endpunkt gemessen. Der eigentliche Risikopunkt liegt im Produkt: Eine Untersuchung von 2025 fand Thallium in Rohshilajit und in Präparaten, teils mehr als im Rohstoff, und eine EU-Bewertung hält fest, dass Mumijo in Herkunft und Zusammensetzung nicht eindeutig definiert ist.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Shilajit
Wie viel Shilajit wurde in den Studien genommen?
Die Testosteronstudie verwendete zweimal täglich 250 mg eines gereinigten Extrakts über 90 Tage, die Kraftstudie 250 oder 500 mg täglich über 8 Wochen. Die Fruchtbarkeitsstudie nutzte zweimal täglich 100 mg. Das ist eine Beschreibung der Studien, keine persönliche Empfehlung.
Erhöht Shilajit wirklich das Testosteron?
In einer kontrollierten Studie mit Männern zwischen 45 und 55 Jahren stieg das Gesamttestosteron nach 90 Tagen um 20,45 % und lag signifikant über Placebo. Die Studie wurde vom Hersteller finanziert, eine unabhängige Wiederholung ließ sich nicht finden. Ob sich das im Alltag spürbar auswirkt, wurde nicht gemessen.
Ist Shilajit-Harz besser als Kapseln?
Dazu gibt es keinen Vergleich. Die Studien nutzten standardisierte Extrakte mit festgelegtem Anteil an Fulvinsäuren. Für jede Form zählt vor allem, ob der Anbieter Reinheit und Gehalt durch unabhängige Laboranalysen belegt.
Kann Shilajit mit Schwermetallen belastet sein?
Ja. Eine Analyse von 2025 fand Thallium in Rohshilajit und in Präparaten, in manchen Präparaten sogar mehr als im Rohstoff. Die höchste gemessene Menge lag bei 0,095 µg pro Tablette, die Folgen einer langen Einnahme sind nicht untersucht.
Hilft Shilajit beim Muskelaufbau?
Einen Muskelaufbau hat keine begutachtete Studie gezeigt. In einer Studie mit 63 Männern verloren die stärkeren Teilnehmer unter 500 mg täglich nach Ermüdung weniger Kraft. Eine größere Trainingsstudie von 2026 ist bisher nicht begutachtet.
Ist Shilajit in Deutschland legal?
Ja, als Nahrungsergänzungsmittel ist es ohne Novel-Food-Zulassung verkehrsfähig. In anderen Lebensmitteln wie Getränken oder Riegeln gilt es als neuartig und bräuchte eine eigene Zulassung.
Passt dazu
- Wirkt zusammen mitTongkat Ali
- Wirkt zusammen mitVitamin D3
- Gleiche KategorieZink
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- Auch bei anti-aging und energieCistanche
Quellen
- Pandit et al., Andrologia 2016 – Shilajit und Testosteron, randomisierte Studie
- Keller et al., J Int Soc Sports Nutr 2019 – Kraft nach Ermüdung
- Biswas et al., Andrologia 2010 – Spermienwerte bei Oligospermie
- Das et al., J Med Food 2016 – Genexpression im Muskel
- Das et al., J Am Coll Nutr 2019 – Haut und Mikrodurchblutung
- Kamgar et al., BMC Chem 2025 – Thallium in Shilajit und Präparaten
- EU-Konsultation zum Novel-Food-Status von Mumijo, 2020
- NADA 2014 – Hinweise zum Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-26.