Biohacking Kompakt

Supplement

Maca

Adaptogen · Lepidium meyenii, Lepidium peruvianum, Peruanischer Ginseng, Maca-Wurzel, gelatinisierte Maca

Maca ist eine Knolle aus den peruanischen Anden, die dort seit langem als Lebensmittel gegessen wird und als Mittel für Libido und Energie gilt. Mehrere kleine Studien bestätigen einen Effekt auf das sexuelle Verlangen und das Wohlbefinden. Bemerkenswert ist, was dabei nicht passiert: Die Hormonwerte bleiben unverändert.

Kurz gesagt

Maca steigerte in einer doppelblinden Studie über 12 Wochen das sexuelle Verlangen gesunder Männer, ohne Testosteron oder Östradiol zu verändern. Bei leichter Erektionsstörung, bei sexuellen Nebenwirkungen von Antidepressiva und bei psychischen Beschwerden in den Wechseljahren gibt es weitere positive, aber kleine Studien. Verwendet wurden meist 1,5 bis 3,5 g Maca-Pulver pro Tag. Der Haken: Die Studien sind klein, die Evidenz gilt in systematischen Übersichten als begrenzt, für Spermienqualität und Sportleistung ist sie uneinheitlich. Das BfR konnte 2007 keine unbedenkliche Verzehrsmenge ableiten, weil systematische Sicherheitsdaten fehlen.

Was es ist

Maca, botanisch Lepidium meyenii, gehört zu den Kreuzblütlern, der Familie des Senfs. Die Pflanze wächst in den Anden in Höhen bis 4.450 m. Genutzt wird die verdickte Knolle, das sogenannte Hypokotyl. In Peru wird sie traditionell erhitzt gegessen, getrocknet zu Mehl verarbeitet oder zu Brei und Getränken gekocht.

Getrocknete Maca besteht laut BfR zu etwa 59 Prozent aus Kohlenhydraten, zu etwa 10 Prozent aus Protein und zu 8,5 Prozent aus Ballaststoffen. Es gibt Farbvarianten von gelb über rot und violett bis schwarz, eine Übersicht von 2024 beschreibt bis zu 17 davon. Farbe, Anbauort und Verarbeitung verändern das Inhaltsstoffprofil. Im Handel ist Maca meist als Pulver, als gelatinisiertes Pulver, bei dem die Stärke durch Erhitzen aufgeschlossen ist, oder als Extrakt.

Wie es wirken soll

Maca enthält eine Reihe von Stoffen, die es in dieser Kombination sonst kaum gibt. Dazu gehören Glucosinolate mit 0,5 bis 2 Prozent in der getrockneten Knolle, außerdem Macamide, Macaene, Alkaloide und Sterole. Die Macamide ähneln chemisch dem körpereigenen Botenstoff Anandamid. In Labor- und Tierversuchen hemmen sie das Enzym FAAH, das Anandamid abbaut. Das ist ein plausibler Weg zu Stimmung und Antrieb, am Menschen aber nicht gemessen.

Klar ist dagegen, wie Maca nicht wirkt. In der Studie von Gonzales und Kollegen blieben LH, FSH, Prolaktin, Testosteron und Östradiol über 12 Wochen unverändert, und das gesteigerte Verlangen ließ sich auch nicht durch bessere Stimmung erklären. Bei Frauen nach der Menopause fanden zwei Crossover-Studien ebenfalls keine Hormonveränderungen, und im Labortest zeigte Maca keine nennenswerte östrogene oder androgene Aktivität. Maca ist also kein pflanzliches Hormon und kein Testosteron-Booster.

Rote, schwarze, gelbe Maca

In der Szene gilt schwarze Maca als Männer-, rote als Frauen-Maca. Ganz aus der Luft gegriffen ist das nicht. In einer Studie mit 175 Teilnehmenden verbesserten Extrakte aus roter und schwarzer Maca Stimmung und Energie, rote etwas stärker. Schwarze Maca enthielt mehr Macamide, rote mehr GABA. Belastbare Vergleichsstudien zu den Farben fehlen jedoch, und die meisten älteren Studien nennen die Farbe gar nicht.

Was gut belegt ist

Am besten untersucht ist das sexuelle Verlangen. In der doppelblinden Studie von Gonzales und Kollegen erhielten gesunde Männer von 21 bis 56 Jahren 1,5 g oder 3,0 g gelatinisierte Maca pro Tag oder Placebo. Ab Woche 8 berichteten die Maca-Gruppen mehr Lust, unabhängig von Hormonen und Stimmung. Bei 50 Männern mit leichter Erektionsstörung verbesserte ein Maca-Extrakt den IIEF-5-Wert um 1,6 Punkte gegenüber 0,5 Punkten unter Placebo. Eine Studie mit 80 Männern mit Symptomen eines Altershypogonadismus bei normalem Testosteron fand bessere Werte bei Beschwerden, Erektion und Prostatasymptomen. Auch bei Frauen gibt es Signale. Bei sexueller Dysfunktion durch Antidepressiva erreichten unter 3,0 g Maca mehr Frauen eine Remission als unter Placebo, vor allem nach der Menopause. In den Wechseljahren senkte Maca in zwei kleinen Crossover-Studien Angst- und Depressionswerte, eine systematische Übersicht fand in allen 4 Studien zu Wechseljahresbeschwerden günstige Effekte. Die größte Studie mit 175 Teilnehmenden zeigte über 12 Wochen bessere Stimmung, mehr Energie und höhere Lebensqualität.

Was die Studien zeigen

Libido ohne Hormonwirkung

Gonzales und Kollegen verglichen über 12 Wochen 1,5 g und 3,0 g Maca pro Tag mit Placebo bei gesunden Männern. Das sexuelle Verlangen stieg ab Woche 8 und blieb bis Woche 12 höher, statistisch unabhängig von Depressions- und Angstwerten. In der Hormonauswertung derselben Studie änderten sich LH, FSH, Prolaktin, 17-Hydroxyprogesteron, Testosteron und Östradiol weder gegenüber Placebo noch über die Zeit.

Sexuelle Nebenwirkungen von Antidepressiva

Dording und Kollegen gaben 45 Frauen, deren Depression unter SSRI oder SNRI abgeklungen war, die aber sexuelle Nebenwirkungen hatten, 12 Wochen lang 3,0 g Maca oder Placebo. Nach dem MGH-SFQ erreichten 30,0 Prozent unter Maca und 20,0 Prozent unter Placebo eine Remission. Der Vorteil zeigte sich vor allem bei Frauen nach der Menopause. Maca wurde gut vertragen.

Stimmung und Energie in Tief- und Hochland

Gonzales-Arimborgo und Kollegen untersuchten 175 Erwachsene in Peru, die 12 Wochen lang 3 g Extrakt aus roter oder schwarzer Maca oder Placebo erhielten. Stimmung, Energie und Gesundheitszustand verbesserten sich gegenüber Placebo, bei Menschen im Hochland sank zudem der Wert für chronische Höhenkrankheit. Beide Extrakte wurden gut angenommen, schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.

Wo die Daten aufhören

Alle genannten Studien sind klein, und fast alle Endpunkte sind Fragebögen. Systematische Übersichten von 2010 und 2011 kommen zum selben Schluss: Anzahl, Größe und Qualität der Studien reichen nicht für feste Aussagen. Eine Meta-Analyse von 2026 über 14 Studien zu pflanzlichen Mitteln bei Erektionsstörung sah Safran und Ginseng vorn und stufte die Evidenz für Maca als unzureichend ein. Ein großer Teil der Forschung stammt zudem aus einer Arbeitsgruppe in Peru. Bei der Spermienqualität sind die Ergebnisse uneinheitlich. In einer Studie mit 69 Männern stieg nur die Spermienkonzentration, in einer mit 50 Männern gab es keinen signifikanten Unterschied, und eine Meta-Analyse von 5 Studien fand keinen gesicherten Effekt auf die Konzentration. Testosteron stieg in keiner Humanstudie. Für die sportliche Leistung gibt es beim Menschen kaum Daten: In einer Pilotstudie mit 8 Radfahrern war Maca beim 40-km-Zeitfahren nicht besser als Placebo, und eine Meta-Analyse von 2024 stützt sich überwiegend auf Tierversuche. Schließlich ist Maca nicht gleich Maca. Farbe, Herkunft und Verarbeitung verändern die Inhaltsstoffe, und ein Ergebnis mit einem bestimmten Extrakt gilt nicht automatisch für jedes Pulver.

Status, Zulassung und Recht

Die Maca-Knolle ist laut EU-Katalog für neuartige Lebensmittel kein Novel Food, weil sie vor 1997 in nennenswertem Umfang verzehrt wurde. Sie darf deshalb als Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden. Zugelassene Gesundheitsangaben gibt es nicht: Die eingereichten Anträge zu sexuellem Verlangen, Fruchtbarkeit, Knochen und Energie stehen bei der EFSA auf der Liste der zurückgestellten Pflanzen-Claims. Eine amtliche Höchstmenge existiert nicht. Das BfR konnte 2007 keine unbedenkliche Verzehrsmenge ableiten. Die Tagesmengen der damals erfassten Produkte lagen zwischen 400 und 5.000 mg, meist bei 600 bis 2.400 mg.

Sicherheit

In den kontrollierten Studien über 12 bis 16 Wochen wurde Maca gut vertragen, schwere Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. Das BfR bemängelt jedoch, dass keine systematischen Sicherheitsstudien vorliegen. In Tierversuchen gab es Effekte an Geschlechtsorganen und Hinweise auf Wechselwirkungen mit Hormonwirkungen, beim Menschen wurden solche Wirkungen bisher nicht belegt. In einer 90-Tage-Studie bei Menschen mit metabolischem Syndrom stiegen in der Maca-Gruppe der Leberwert AST und der diastolische Blutdruck leicht an, in einer anderen Studie sank der diastolische Blutdruck. Maca enthält Alkaloide, deren Gehalt je nach Produkt stark schwankt, in Fertigprodukten von 56 bis 598 ppm. In Zellversuchen zeigte sich eine schwache östrogenartige Wirkung. Wer schwanger ist, stillt oder eine hormonabhängige Erkrankung hat, verzichtet deshalb besser darauf. Wer Blutdruck- oder Lebererkrankungen hat, bespricht die Einnahme ärztlich.

BK-Score Dünne Humanevidenz

Human-Evidenz5
Mechanismus3
Sicherheits-Datenlage5
Hype-Abstand4
Anwendungserfahrung7

Mehrere kleine doppelblinde RCTs zeigen positive Effekte auf subjektive Endpunkte: mehr sexuelles Verlangen bei gesunden Männern ab Woche 8 (Gonzales 2002, 1,5 oder 3,0 g, 12 Wochen), IIEF-5 +1,6 vs. +0,5 bei leichter Erektionsstörung (Zenico 2009, n = 50) und bessere Stimmung und Energie (Gonzales-Arimborgo 2016, n = 175). Systematische Übersichten werten das als begrenzte Evidenz (Shin 2010: 4 RCTs; Lee 2011: 4 RCTs zu Wechseljahren), eine Meta-Analyse 2026 zu Erektionsstörung als unzureichend. Bei der Spermienqualität zeigt die Meta-Analyse von 5 RCTs keinen gesicherten Effekt (Lee 2022). Der Mechanismus ist am Menschen offen: Reproduktionshormone blieben in allen Humanstudien unverändert, die FAAH-Hemmung durch Macamide stammt aus Labor und Tier. Die Sicherheitsdaten reichen nur über 12 bis 16 Wochen; das BfR konnte 2007 keine unbedenkliche Verzehrsmenge ableiten. Die verbreitete Vorstellung von Maca als Testosteron-Booster deckt sich nicht mit den Humandaten.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Maca

Erhöht Maca den Testosteronspiegel?

Nein. In einer doppelblinden Studie über 12 Wochen blieben Testosteron, Östradiol und weitere Reproduktionshormone bei gesunden Männern unverändert, obwohl das sexuelle Verlangen stieg. Auch bei Frauen nach der Menopause fanden Studien keine Hormonveränderungen.

Wie schnell wirkt Maca?

In der Studie von Gonzales und Kollegen zeigte sich der Effekt auf das sexuelle Verlangen ab Woche 8. Die meisten Studien liefen über 12 Wochen. Eine Wirkung nach wenigen Tagen ist nicht belegt.

Welche Menge wurde in Studien verwendet?

Meist 1,5 bis 3,5 g Maca-Pulver oder Extrakt pro Tag über 6 bis 12 Wochen. In einer Studie wirkten 3,0 g, 1,5 g dagegen nicht. Eine amtlich festgelegte unbedenkliche Menge gibt es laut BfR nicht.

Was ist der Unterschied zwischen roter, schwarzer und gelber Maca?

Die Farbvarianten unterscheiden sich im Gehalt an Inhaltsstoffen wie Macamiden und GABA. In einer Studie mit 175 Teilnehmenden wirkte rote Maca etwas stärker auf Stimmung und Energie. Gute Vergleichsstudien fehlen aber.

Hilft Maca bei Kinderwunsch?

Die Daten sind uneinheitlich. Eine Studie fand eine höhere Spermienkonzentration, eine andere keinen signifikanten Unterschied, und eine Meta-Analyse von 5 Studien sah keinen gesicherten Effekt. Bei Kinderwunsch gehört die Abklärung in ärztliche Hände.

Ist Maca in der Schwangerschaft erlaubt?

Dazu gibt es keine Sicherheitsdaten. Das BfR verweist auf Tierversuche mit Effekten an Geschlechtsorganen und Hormonwirkungen. In Schwangerschaft und Stillzeit verzichtest du deshalb besser darauf.

Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-27.