Biohacking Kompakt

Supplement

Cordyceps

Pilz · Cordyceps militaris / sinensis

Cordyceps ist der Name für eine Gruppe von Schlauchpilzen, die in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahrhunderten als Stärkungsmittel gelten. Heute wird vor allem mit Ausdauer geworben. Dafür gibt es tatsächlich Humanstudien, klein, aber mit einem erkennbaren Muster.

Kurz gesagt

Cordyceps kann nach der aktuellen Studienlage die Ausdauer-Kennwerte leicht verbessern: Eine Meta-Analyse von 2025 fand bei Sportlern signifikante Effekte auf Ausdauer, ventilatorische Schwelle und maximale Sauerstoffaufnahme. Die Effekte sind klein, beruhen je Messgröße auf nur 2 bis 3 Studien, und bei gut trainierten Radfahrern zeigte sich nichts. Zwei randomisierte Studien mit je 79 Gesunden berichten höhere Aktivität natürlicher Killerzellen, ob das vor Infekten schützt, ist offen. Der größte Haken ist die Ware selbst: Unter dem Namen Cordyceps werden sehr unterschiedliche Pilze und Präparate verkauft.

Was es ist

Der klassische Chinesische Raupenpilz, Cordyceps sinensis (heute Ophiocordyceps sinensis), wächst als Parasit auf Schmetterlingsraupen. Der wilde Pilz ist selten und gilt als gefährdet, das Kilogramm kann laut Verbraucherzentrale bis zu 80.000 Euro kosten. Fast alle Präparate und die meisten Studien arbeiten deshalb mit gezüchteten Formen.

Das sind aber verschiedene Dinge. Viele ältere Studien nutzten ein standardisiertes Präparat namens Cs-4. Cordyceps militaris ist eine eigene Art, die kommerziell gezüchtet wird. Hinzu kommen Myzelien verwandter Pilze wie Paecilomyces hepiali. Pilzforscher beschreiben die Einteilung als lange verworren; teils wurde Material verwendet, das sich nicht mehr eindeutig zuordnen lässt. Wenn du Studien liest, lohnt sich deshalb immer der Blick darauf, welcher Pilz genau getestet wurde.

Wie es wirken soll

Cordyceps enthält Polysaccharide, Nukleoside wie Cordycepin und Adenosin sowie Sterole. Beworben werden eine höhere ATP-Produktion in den Zellen und eine bessere Sauerstoffverwertung. Die ATP-Aussage stützt sich auf Messungen in der Leber von Mäusen, nicht auf Daten am Menschen.

Am Menschen gemessen sind dagegen Leistungswerte aus dem Belastungstest, etwa die ventilatorische Schwelle, ab der die Atmung überproportional ansteigt, und die maximale Sauerstoffaufnahme. Dazu kommen Immunmarker im Blut. Wie der Pilz diese Werte beeinflusst, ist nicht geklärt; die Wirkkette ist am Menschen nicht untersucht.

Bekannt wurde Cordyceps im Westen 1993, als die Läuferinnen des chinesischen Trainers Ma Junren binnen weniger Wochen 4 Weltrekorde aufstellten und 3 WM-Titel gewannen. Ma führte das auf Elixiere aus Schildkrötenblut und Raupenpilz zurück. Das ist ein Bericht, kein Beleg: 2016 wurde ein Brief von Wang Junxia und 9 weiteren Athletinnen bekannt, in dem sie erzwungenes Doping schildern.

Was gut belegt ist

Am besten untersucht ist die Ausdauer. Ein systematisches Review von 2025 wertete 14 randomisierte Studien mit 528 Sportlern zu verschiedenen Speisepilzen aus. Für Cordyceps sinensis gab es 4 Studien mit 2 bis 12 Wochen Laufzeit, und die gepoolten Daten zeigten Verbesserungen bei Ausdauer (P = 0,05), ventilatorischer Schwelle (P = 0,03) und maximaler Sauerstoffaufnahme (P = 0,04), jeweils mit geringer Streuung zwischen den Studien. Einzelstudien passen dazu: Amateur-Marathonläufer liefen nach 12 Wochen eine schnellere 5-km-Zeit, trainierte Langstreckenläufer hielten in einem Crossover-Versuch länger bis zur Erschöpfung durch.

Bei gesunden 50- bis 75-Jährigen stiegen in einer doppelblinden Studie über 12 Wochen die metabolische Schwelle um 10,5 Prozent und die ventilatorische Schwelle um 8,5 Prozent. Auch für das Immunsystem gibt es Humandaten: In zwei placebokontrollierten Studien mit je 79 gesunden Erwachsenen stieg die Aktivität natürlicher Killerzellen stärker als unter Placebo, in einer davon um 38,8 Prozent. Bei chronischer Nierenerkrankung fand ein Cochrane-Review über 22 Studien mit 1.746 Teilnehmern als Zusatz zur Standardtherapie bessere Kreatininwerte.

Was die Studien zeigen

Meta-Analyse Shu 2025

14 randomisierte Studien mit 528 Sportlern zu Pilzpräparaten, davon 8 mit 288 Sportlern in der rechnerischen Zusammenfassung, verteilt auf mehrere Pilzarten. Für Cordyceps sinensis wurden je Messgröße 2 bis 3 Studien gepoolt. Ergebnis: signifikante, kleine Verbesserungen von Ausdauer, Schwelle und maximaler Sauerstoffaufnahme. Nebenwirkungen erwähnten nur 3 der Studien, und das nicht systematisch.

Parcell 2004, trainierte Radfahrer

22 ausdauertrainierte Radfahrer nahmen 5 Wochen Cs-4 oder Placebo. Maximale Sauerstoffaufnahme, Schwelle und Zeitfahren blieben unverändert; das Zeitfahren dauerte 61,4 Minuten unter Placebo und 62,1 Minuten unter Cordyceps. Bei gut Trainierten ist der Spielraum offenbar gering.

Chen 2010, gesunde Ältere

20 Menschen zwischen 50 und 75 Jahren, 12 Wochen, doppelblind. Metabolische Schwelle plus 10,5 Prozent, ventilatorische Schwelle plus 8,5 Prozent, die maximale Sauerstoffaufnahme änderte sich nicht. Die Autoren nennen es selbst eine Pilotstudie.

Hirsch 2017, Pilzmischung

28 junge Erwachsene erhielten eine Pilzmischung mit Cordyceps militaris oder Placebo. Nach einer Woche kein signifikanter Unterschied; bei den 10 Teilnehmern, die 3 Wochen weitermachten, stieg die maximale Sauerstoffaufnahme um 4,8 ml/kg/min gegenüber 0,9 unter Placebo. Weil es eine Mischung war, lässt sich der Effekt nicht allein Cordyceps zuschreiben.

Kang 2015 und Jung 2019, Immunmarker

Zwei placebokontrollierte Studien mit je 79 gesunden Erwachsenen, 4 beziehungsweise 8 Wochen. Getestet wurden Cordyceps militaris und ein Myzelextrakt aus Paecilomyces hepiali. In beiden stieg die Aktivität natürlicher Killerzellen stärker als unter Placebo, in der zweiten um 38,8 Prozent. Infekthäufigkeit wurde nicht erfasst, relevante Nebenwirkungen traten nicht auf.

Wo die Daten aufhören

Die Studien sind klein und kurz, und die Präparate unterscheiden sich stark. Ein narratives Review von 2026 fand für Cordyceps militaris 5 Studien mit 321 Teilnehmern und nannte die Ergebnisse uneinheitlich, bei kleinen Stichproben, meist fehlender Registrierung und nicht standardisierten Präparaten. Bei gut trainierten Radfahrern blieb der Effekt aus. Die Immunstudien messen Blutwerte, nicht, ob jemand seltener krank wird. Die Nierenstudien sind überwiegend methodisch schwach, betreffen Kranke unter Standardtherapie und sagen nichts über Gesunde.

Für eine höhere ATP-Produktion am Menschen, für Libido und Potenz sowie für Anti-Aging haben wir keine Humanstudien gefunden. Die gemeinsame Expertenkommission von BVL und BfArM schrieb 2015, solche Versprechen entbehrten einer wissenschaftlichen Grundlage. Ob gezüchteter Cordyceps militaris so wirkt wie Cordyceps sinensis, ist nicht untersucht; vergleichende Humanstudien fehlen.

Status, Zulassung und Recht

Eine gemeinsame Expertenkommission von BVL und BfArM kam 2015 zu dem Schluss, dass Produkte aus Cordyceps sinensis, Coriolus versicolor und Ganoderma lucidum nicht als Lebensmittel, sondern als Arzneimittel anzusehen sind, deren Wirksamkeit und Unbedenklichkeit in einer Zulassung belegt werden müssten. Als Arzneimittel zugelassen sind sie in Deutschland nicht. Nach Angaben der Verbraucherzentrale werden die Fruchtkörper in der EU seit mehr als 20 Jahren als Nahrungsergänzung verwendet. Weil es kein zugelassener Wirkstoff ist, nennt diese Seite keine Dosierung. Eine Dopingrelevanz des Pilzes ist in den geprüften Quellen nicht vermerkt; Sportler sollten dennoch auf geprüfte Produkte achten.

Sicherheit

In den Studien wurden keine schweren Nebenwirkungen beobachtet, in der Immunstudie mit 79 Männern auch keine signifikanten. Das ist aber weniger beruhigend, als es klingt: In der Sport-Meta-Analyse berichteten nur 3 Studien überhaupt über Nebenwirkungen, Langzeitdaten fehlen. Das größere Risiko liegt in der Qualität. Laut BVL und BfArM ist die Identität des als Raupenpilz verkauften Materials grundsätzlich anzuzweifeln, und in Cordyceps sinensis wurden Arsenverbindungen nachgewiesen. Weil Cordyceps in Studien Immunmarker anhebt, solltest du bei Autoimmunerkrankungen oder unter Immunsuppressiva vorher ärztlich klären, ob das sinnvoll ist; Wechselwirkungsstudien dazu gibt es nicht. Für Schwangere und Stillende liegen keine Daten vor. Eine Obergrenze von EFSA, BfR oder NIH haben wir nicht gefunden.

BK-Score Dünne Humanevidenz

Human-Evidenz5
Mechanismus4
Sicherheits-Datenlage4
Hype-Abstand3
Anwendungserfahrung7

Die Ausdauerdaten sind klein, aber konsistent genug für ein vorsichtiges Plus: Ein systematisches Review (Shu et al., Front Nutr 2025) wertete 14 RCTs mit 528 Sportlern zu Speisepilzen aus; für Cordyceps sinensis (4 RCTs, 2 bis 12 Wochen) zeigten gepoolte Daten aus je 2 bis 3 Studien Verbesserungen von Ausdauer (P = 0,05), ventilatorischer Schwelle (P = 0,03) und VO2peak (P = 0,04). Die oft zitierten 8 Studien mit 288 Sportlern betreffen alle Pilzarten zusammen. Bei 22 trainierten Radfahrern (5 Wochen) kein Effekt (Parcell 2004), bei 20 gesunden Älteren metabolische Schwelle +10,5 Prozent ohne Änderung der VO2max (Chen 2010). Für das Immunsystem gibt es Humandaten auf Surrogatebene: zwei RCTs mit je 79 Gesunden mit höherer NK-Zell-Aktivität (Kang 2015; Jung 2019). Bei chronischer Nierenerkrankung findet Cochrane über 22 Studien mit 1.746 Teilnehmern bessere Kreatininwerte, bei hohem oder unklarem Verzerrungsrisiko in allen Studien. Für ATP am Menschen, Libido und Anti-Aging gibt es keine Humandaten. Die Präparate sind taxonomisch uneinheitlich, Nebenwirkungen wurden nur in 3 Sportstudien überhaupt berichtet.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Cordyceps

Steigert Cordyceps die Ausdauer?

Wahrscheinlich ein wenig. Eine Meta-Analyse von 2025 fand bei Sportlern kleine, signifikante Verbesserungen von Ausdauer und Sauerstoffaufnahme, allerdings aus jeweils nur 2 bis 3 Studien. Bei gut trainierten Radfahrern zeigte eine Studie keinen Effekt.

Was ist der Unterschied zwischen Cordyceps sinensis und militaris?

Es sind zwei verschiedene Pilzarten. Der wilde Raupenpilz sinensis ist selten und teuer, militaris wird kommerziell gezüchtet. Ob beide gleich wirken, ist am Menschen nicht verglichen worden.

Stärkt Cordyceps das Immunsystem?

Zwei randomisierte Studien mit je 79 Gesunden zeigen eine höhere Aktivität natürlicher Killerzellen. Ob man dadurch seltener krank wird, wurde nicht untersucht.

Hilft Cordyceps bei Libido oder Potenz?

Dafür gibt es keine Humanstudien. Die Expertenkommission von BVL und BfArM bewertete solche Werbeaussagen 2015 als ohne wissenschaftliche Grundlage.

Wann merkt man eine Wirkung?

Die Studien liefen meist 2 bis 12 Wochen, in einer Studie zeigte sich nach einer Woche noch nichts, nach 3 Wochen schon. Eine einzelne Studie fand nach einmaliger Einnahme eine schnellere Reaktionszeit nach Belastung, aber keine höhere Leistung.

Ist Cordyceps Doping?

Der Pilz steht in den geprüften Quellen nicht als Dopingmittel verzeichnet. Die legendären Rekorde von 1993, die ihn berühmt machten, stehen im Verdacht, auf echtes Doping zurückzugehen. Leistungssportler sollten wegen möglicher Verunreinigungen nur geprüfte Produkte verwenden.

Passt dazu

Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-26.