Supplement
Reishi
Pilz · Ganoderma lucidum
Reishi, in China Lingzhi genannt, ist ein großer, rotbrauner, fächerförmiger Pilz, der in Asien seit über 2000 Jahren als Heil- und Stärkungsmittel gilt. Es gibt eine ganze Reihe von Humanstudien, und sie zeigen ein recht klares Muster: Hinweise bei Erschöpfung und Lebensqualität, dagegen kein Effekt auf Blutzucker, Blutfette und Entzündungswerte.
Kurz gesagt
Reishi hat in einer doppelblinden Studie mit 132 Patienten Erschöpfungszustände deutlich stärker gebessert als Placebo, und bei Krebspatienten fand ein Cochrane-Review leicht erhöhte Immunzellwerte und eine bessere Lebensqualität. Für Blutzucker, Blutfette und Blutdruck zeigen zwei Cochrane-Auswertungen und eine neuere Meta-Analyse dagegen keinen Effekt, die Evidenzqualität ist durchweg niedrig. Für den oft beworbenen besseren Schlaf haben wir keine einzige Humanstudie gefunden. Reishi ist meist gut verträglich, selten sind aber Leberschäden beschrieben, und in Deutschland gilt er nach Einschätzung der Behörden als Arzneimittel ohne Zulassung, weshalb diese Seite keine Dosierung nennt.
Was es ist
Unter Reishi wird meist Ganoderma lucidum verkauft; der chinesische Lingzhi wird botanisch teils als eigene Art, Ganoderma lingzhi, geführt. Verwendet werden der getrocknete Fruchtkörper, daraus gewonnene Extrakte und die Sporen. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind Polysaccharide, darunter Beta-Glucane aus der Zellwand, und Triterpenoide, dazu Nukleoside.
In der traditionellen chinesischen Medizin wird Reishi eingesetzt, um die Gesundheit zu fördern, Vitalität zurückzugeben und Krankheiten vorzubeugen; im Marketing heißt er gern Pilz der Unsterblichkeit. Heute wird er vor allem mit Immunsystem, Stress, Schlaf und Leberschutz beworben.
Wie es wirken soll
Die Polysaccharide sollen Immunzellen anregen, die Triterpenoide Entzündungen dämpfen und die Leber schützen. Diese Mechanismen stammen überwiegend aus Laborforschung und Tierversuchen. Am Menschen gemessen sind vor allem Immunzellzahlen im Blut, Fragebögen zu Müdigkeit und Lebensqualität sowie Stoffwechselwerte.
Ein Beispiel dafür, wie weit Labor und Mensch auseinanderliegen können: Reagenzglasversuche legten nahe, dass Reishi die Blutplättchen hemmt. In einer doppelblinden Studie mit 40 gesunden Freiwilligen änderte sich über 4 Wochen aber keiner der gemessenen Gerinnungswerte.
Was gut belegt ist
Am überzeugendsten sind die Daten zu Erschöpfung. In einer multizentrischen, doppelblinden Studie mit 132 Patienten mit Neurasthenie, einem Erschöpfungssyndrom nach ICD-10, besserten sich unter einem Reishi-Polysaccharid-Extrakt über 8 Wochen 51,6 Prozent der Patienten mehr als nur minimal, unter Placebo 24,6 Prozent. Eine kleinere randomisierte Pilotstudie mit 48 Brustkrebspatientinnen fand nach 4 Wochen weniger krebsbedingte Müdigkeit, weniger Angst und eine bessere Lebensqualität.
Bei Krebspatienten wertete ein Cochrane-Review 5 randomisierte Studien aus: Unter Reishi stiegen die Anteile verschiedener Abwehrzellen im Blut leicht an, etwa CD3 um 3,91 Prozent, und in 4 Studien war die Lebensqualität besser. Bei Sportlern fand eine Meta-Analyse über 6 Studien zu Ganoderma niedrigere Laktat- und Harnstoffwerte und einen höheren Hämatokrit, also Hinweise auf bessere Erholung. Eine kleine Studie mit 78 Studentinnen berichtete nach 30 Tagen bessere Werte bei Ausdauer, Angst und Wohlbefinden.
Als Bericht, nicht als Wirkungsbeleg, lohnt ein Blick auf eine Befragung von 1.374 Krebspatienten in China, die Reishi nahmen. Etwa die Hälfte gab an, Übelkeit (55 Prozent), Müdigkeit (52 Prozent) und gedrückte Stimmung (50 Prozent) hätten sich deutlich gebessert. Eine Kontrollgruppe gab es nicht.
Was die Studien zeigen
Tang 2005, Neurasthenie
Multizentrische, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 132 Patienten, 8 Wochen, 123 davon auswertbar. Schweregrad und Müdigkeit sanken unter Reishi stärker als unter Placebo, die Müdigkeit um 28,3 gegenüber 20,1 Prozent. Mehr als minimal gebessert waren 51,6 gegenüber 24,6 Prozent. Der Extrakt wurde gut vertragen.
Cochrane 2016, Krebsbegleitung
5 randomisierte Studien, methodisch nach Urteil der Autoren unbefriedigend. Das Tumoransprechen in Kombination mit Chemo- oder Strahlentherapie war mit einem Risikoverhältnis von 1,50 günstiger, das Konfidenzintervall von 0,90 bis 2,51 schließt aber auch keinen Effekt ein. Keine Studie erfasste das Langzeitüberleben. Fazit: keine Erstlinientherapie, als Ergänzung allenfalls erwägbar.
Cochrane 2015 und RCT 2016, Herz-Kreislauf
5 Studien mit 398 Teilnehmern zu Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten, dazu eine eigene doppelblinde Studie mit 84 Menschen mit Typ-2-Diabetes über 16 Wochen. Kein Effekt auf HbA1c, Nüchternglukose, Cholesterin, Blutdruck oder Triglyzeride. Die Autoren sehen keine Grundlage, Reishi zur Behandlung dieser Risikofaktoren einzusetzen.
Kwok 2005, Gerinnung
Doppelblinde Studie mit 40 gesunden Freiwilligen, je 20 mit Reishi oder Placebo über 4 Wochen. Gemessen wurden unter anderem Gerinnungsscreening, Fibrinogen, von-Willebrand-Faktor, Plättchenfunktion und Thrombelastographie, vor der Einnahme sowie nach 4 und 8 Wochen. Es gab keinen Unterschied zwischen den Gruppen, alle Werte blieben im Normbereich. Menschen unter Gerinnungshemmern waren nicht beteiligt.
Li 2007, rheumatoide Arthritis
65 Patienten mit aktiver rheumatoider Arthritis erhielten zusätzlich zu ihrer Therapie 24 Wochen lang Reishi mit einer traditionellen Kräutermischung oder Placebo. Den primären Endpunkt, eine Besserung um 20 Prozent nach den Kriterien des American College of Rheumatology, erreichten 15 gegenüber 9,1 Prozent, der Unterschied war nicht signifikant. Schmerz und Patientenurteil besserten sich nur in der Reishi-Gruppe, Entzündungs- und Immunwerte blieben unverändert.
Meta-Analyse Jafari 2025
17 randomisierte Studien mit 971 Teilnehmern über 1 bis 24 Wochen. Kleine Effekte auf Body-Mass-Index, Kreatinin und Herzfrequenz, keine auf Entzündungsmarker, Leberenzyme, Blutfette oder Blutzucker. Die Qualität der Evidenz bewerten die Autoren für alle Endpunkte als sehr niedrig.
Wo die Daten aufhören
Für den Schlaf, einen der meistbeworbenen Effekte, haben wir keine Humanstudie gefunden, nur Versuche an Mäusen. In der Patientenbefragung tauchte Schlaflosigkeit sogar als Nebenwirkung auf. Auch eine entzündungshemmende Wirkung ist am Menschen nicht belegt: Die Meta-Analyse fand keinen Effekt auf Entzündungsmarker, und in einer Studie mit 65 Rheumapatienten über 24 Wochen besserten sich zwar Schmerz und Patientenurteil, messbare antientzündliche Effekte blieben aber aus. Für Leberschutz fehlen Humanstudien, die Meta-Analyse sah keinen Effekt auf Leberenzyme.
Für Krebs sieht der Cochrane-Review keine ausreichenden Belege, eine Wirkung auf das Überleben ist nicht untersucht. Die gemeinsame Expertenkommission von BVL und BfArM hielt 2015 fest, dass Werbeaussagen zu Krebs, Alterung, Rheuma oder Depression für Vitalpilze wie Reishi einer wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Die meisten Studien sind klein, kurz und verwenden unterschiedliche Präparate, von Fruchtkörperpulver bis zu Sporen und Extrakten.
Status, Zulassung und Recht
Nach Einschätzung einer gemeinsamen Expertenkommission von BVL und BfArM aus dem Jahr 2015 sind Produkte aus Ganoderma lucidum, ebenso wie aus Cordyceps sinensis und Coriolus versicolor, nicht als Lebensmittel, sondern als Arzneimittel anzusehen. Zugelassen ist Reishi in Deutschland als Arzneimittel nicht. Nach Angaben der Verbraucherzentrale werden die Fruchtkörper in der EU seit mehr als 20 Jahren als Nahrungsergänzung verwendet. Weil es kein zugelassener Wirkstoff ist, nennt diese Seite keine Dosierung. Eine Dopingrelevanz ist in den geprüften Quellen nicht vermerkt.
Sicherheit
In den Studien wurde Reishi meist gut vertragen; in der Befragung der 1.374 Krebspatienten berichteten 9,1 Prozent Nebenwirkungen, am häufigsten Mundtrockenheit, Verstopfung, Schlaflosigkeit, Juckreiz und Schwindel. Die US-Datenbank LiverTox stuft Reishi als mögliche seltene Ursache von Leberschäden ein; beschrieben sind Einzelfälle, darunter ein tödlicher, meist nach 1 bis 6 Monaten Einnahme. Ein Fallbericht schildert eine akute Leberentzündung nach Reishi-Pulver zusammen mit Alkohol. Laut Verbraucherzentrale kann Reishi zu gefährlicher Unterzuckerung führen, auch bei Menschen ohne Diabetes; mit Diabetes-Medikamenten ist deshalb Vorsicht geboten. Beta-Glucan-Extrakte aus Pilzen sollten nicht zusammen mit Kortison oder entzündungshemmenden Schmerzmitteln eingenommen werden. Eine Studie an Gesunden fand keine Wirkung auf die Gerinnung, unter Gerinnungshemmern ist Reishi aber nicht untersucht, das gehört vorab ärztlich geklärt. Für Schwangere und Stillende gibt es keine Daten.
BK-Score Dünne Humanevidenz
| Human-Evidenz | 5 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 4 | |
| Sicherheits-Datenlage | 5 | |
| Hype-Abstand | 2 | |
| Anwendungserfahrung | 7 |
Es gibt mehrere kleine RCTs mit gemischtem Ergebnis. Positiv: Bei Neurasthenie besserten sich unter einem Reishi-Extrakt 51,6 gegenüber 24,6 Prozent der Patienten mehr als minimal (132 Patienten, 8 Wochen, J Med Food 2005). Der Cochrane-Review zur Krebsbegleitung (Jin et al., CD007731, 5 RCTs) findet leicht erhöhte CD3-, CD4- und CD8-Anteile und in 4 Studien bessere Lebensqualität; das Tumoransprechen mit Chemo- oder Strahlentherapie (RR 1,50; 95 % KI 0,90–2,51) ist nicht eindeutig, Überlebensdaten fehlen, die Studienqualität ist unbefriedigend. Negativ: Für kardiovaskuläre Risikofaktoren (Cochrane CD007259, 5 Studien, 398 Teilnehmer; RCT mit 84 Teilnehmern, 16 Wochen) kein Effekt auf HbA1c, Blutfette oder Blutdruck; eine Meta-Analyse über 17 RCTs mit 971 Teilnehmern (Food Sci Nutr 2025) findet keinen Effekt auf Entzündungsmarker, Leberenzyme und Glukose, GRADE sehr niedrig. Für Schlaf gibt es nur Tierdaten. Sicherheitsseitig kontrollierte Daten bis 24 Wochen, ein RCT an 40 Gesunden ohne Gerinnungsveränderung und die LiverTox-Einstufung als mögliche seltene Ursache von Leberschäden; Blutungs-Fallberichte unter Gerinnungshemmern ließen sich nicht finden.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Reishi
Hilft Reishi beim Schlafen?
Dafür gibt es keine Humanstudie, nur Versuche an Mäusen. In einer großen Patientenbefragung wurde Schlaflosigkeit sogar als Nebenwirkung genannt. Belegt sind eher Hinweise gegen Erschöpfung.
Stärkt Reishi das Immunsystem?
Bei Krebspatienten stiegen einige Abwehrzellwerte im Blut leicht an. Ob das vor Infekten schützt oder den Krankheitsverlauf beeinflusst, ist nicht untersucht.
Kann Reishi gegen Krebs helfen?
Der Cochrane-Review findet keine ausreichenden Belege für eine Wirkung auf Tumoren und keine Daten zum Überleben. Als Ergänzung verbesserte Reishi in einigen kleinen Studien die Lebensqualität. Eine Krebsbehandlung ersetzt er nicht, jede Einnahme sollte mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden.
Senkt Reishi Blutzucker oder Cholesterin?
In kontrollierten Studien nicht. Zwei Cochrane-Auswertungen und eine Meta-Analyse fanden keinen Effekt auf HbA1c, Nüchternzucker oder Blutfette. Einzelne Berichte über Unterzuckerung gibt es trotzdem.
Ist Reishi schädlich für die Leber?
In Studien fielen keine Leberwerte auf, und die Meta-Analyse fand keinen Einfluss auf Leberenzyme. LiverTox beschreibt aber seltene Einzelfälle von Leberschäden. Bei Müdigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen oder Gelbfärbung der Haut während der Einnahme absetzen und ärztlich abklären.
Darf man Reishi mit Blutverdünnern nehmen?
Bei Gesunden veränderte Reishi die Gerinnung in einer Studie nicht. Zusammen mit Gerinnungshemmern wurde es aber nie untersucht, deshalb vorher ärztlich klären.
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Quellen
- Jin et al., Cochrane Database Syst Rev 2016 (CD007731)
- Klupp et al., Cochrane Database Syst Rev 2015 (CD007259)
- Klupp et al., Sci Rep 2016
- Tang et al., J Med Food 2005
- Jafari et al., Food Sci Nutr 2025
- Kwok et al., Anesth Analg 2005
- Li et al., Integr Med Res 2024
- LiverTox, Lingzhi (Reishi), NIDDK
- BVL, Vitalpilze – Lebensmittel oder Arznei?, 2015
- Verbraucherzentrale, Vitalpilze für die Krebstherapie?, 2025
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-26.