Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

Petrelintid (Petrelintide)

Langwirksames Amylin-Analogon, Prüfpräparat · Petrelintide, ZP8396, RO7895515

Petrelintid ist ein Nachbau des körpereigenen Sättigungshormons Amylin, entwickelt von Zealand Pharma und inzwischen gemeinsam mit Roche. Es wird einmal pro Woche gespritzt und setzt an einem anderen Signal an als Semaglutid oder Tirzepatid. In der veröffentlichten Phase-2-Studie mit 493 Teilnehmern sank das Gewicht nach 28 Wochen um 7,9 bis 9,8 Prozent, bei Magen-Darm-Beschwerden nahe Placebo-Niveau. Seit September 2026 läuft das Phase-3-Programm; zugelassen ist Petrelintid noch nirgends.

Was Petrelintid ist

Amylin ist ein Hormon, das die Bauchspeicheldrüse nach dem Essen zusammen mit Insulin ausschüttet. Es meldet dem Gehirn Sättigung, bremst die Magenentleerung und dämpft Glucagon. Petrelintid ist eine chemisch stabilisierte, langwirksame Variante des menschlichen Amylins, die sich bei nahezu neutralem pH formulieren lässt und damit auch mit anderen Peptiden kombinierbar ist.

Damit gehört Petrelintid zur neuen Welle der Amylin-Wirkstoffe, neben Cagrilintid, Eloralintid und dem kombinierten GLP-1-Amylin-Agonisten Amycretin. Der Reiz dieser Klasse: ein zweiter, von GLP-1 unabhängiger Weg zur Sättigung, möglicherweise mit weniger Übelkeit.

Wie es wirkt

Petrelintid aktiviert die Amylin-Rezeptoren. In zwei Phase-1-Studien wurde es langsam aufgenommen, hatte eine Halbwertszeit von etwa 10 Tagen und verhielt sich im Gleichgewicht dosisproportional. Das erlaubt die Gabe einmal pro Woche.

Am Menschen ist die Wirkkette über Gewicht und Verträglichkeit gemessen. Wie sich der Gewichtsverlust auf Fett und Muskelmasse verteilt, steht in den veröffentlichten Zusammenfassungen nicht. Entwickelt wird Petrelintid sowohl allein als auch als möglicher Kombinationspartner für andere Abnehm-Peptide.

Was gut belegt ist

  • Deutliche Gewichtsabnahme gegenüber Placebo. In ZUPREME 1 verloren 485 behandelte Erwachsene ohne Diabetes nach 28 Wochen 7,9 bis 9,8 Prozent ihres Gewichts, unter Placebo 1,7 Prozent. Alle Dosisgruppen lagen 6,2 bis 8,1 Prozentpunkte unter Placebo, der primäre Endpunkt wurde erreicht.
  • Die Kurve war nach 28 Wochen nicht flach. Bis Woche 42 sank das Gewicht weiter, auf bis zu 10,7 Prozent.
  • Wenig Erbrechen und Durchfall. Erbrechen trat unter Petrelintid bei 3 Prozent auf, unter Placebo bei 6 Prozent; Durchfall bei 7 gegenüber 7 Prozent, Verstopfung bei 7 gegenüber 4 Prozent. Für die Wirkstoffklasse der Abnehmspritzen ist das ein auffallend ruhiges Profil.
  • Ein eigenes Sättigungssignal. Petrelintid wirkt nicht über GLP-1. Das macht es als Alternative für Menschen interessant, die GLP-1-Agonisten schlecht vertragen, und als Kombinationspartner.

Was die Studien zeigen

ZUPREME 1: die Phase-2-Studie

Garvey 2026 (Lancet Diabetes Endocrinol) randomisierte an 32 Zentren in Polen, Rumänien und den USA 493 Erwachsene mit einem BMI von mindestens 30, oder mindestens 27 mit Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörung, im Verhältnis 5 zu 1 auf Petrelintid oder Placebo, über 42 Wochen einschließlich Aufdosierung. Nach 28 Wochen lag die mittlere Gewichtsveränderung bei minus 7,9 Prozent in den beiden niedrigeren Dosisgruppen und bei minus 9,3 bis 9,8 Prozent in den höheren, gegenüber minus 1,7 Prozent unter Placebo. Die Studienteilnehmer wogen im Mittel 107 kg.

Häufigstes unerwünschtes Ereignis war Übelkeit, bei 20 Prozent gegenüber 6 Prozent unter Placebo, vorwiegend leicht und während der Aufdosierung. Todesfälle traten nicht auf. Finanziert wurde die Studie von Zealand Pharma.

Die Phase-1-Studien

Brændholt Olsen 2026 (Diabetes Obes Metab) beschreibt eine Studie mit Einzelgaben und eine mit Mehrfachgaben über bis zu 16 Wochen, beide randomisiert und placebokontrolliert. Schwere unerwünschte Ereignisse gab es nicht, ein Teilnehmer brach wegen Magen-Darm-Beschwerden ab. Übelkeit trat im zweiten Teil bei 16,7 bis 33,3 Prozent unter Petrelintid und bei 16,7 Prozent unter Placebo auf. Nach 16 Wochen lag die Gewichtsabnahme bei bis zu 8,6 Prozent.

Was in Phase 3 geprüft wird

Roche hat im September 2026 drei Phase-3-Studien gestartet: bei Übergewicht und Adipositas mit 3.900 geplanten Teilnehmern, bei Typ-2-Diabetes mit 600 und bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung mit 2.500. Primärer Endpunkt ist jeweils die Gewichtsveränderung nach 64 Wochen; den Abschluss der Hauptauswertungen plant das Register für Oktober bis Dezember 2028, für die Herz-Kreislauf-Studie für 2030.

Wo die Daten aufhören

  • Langzeitwirkung. Die längste veröffentlichte Behandlung dauerte 42 Wochen. Ob das Gewicht über Jahre gehalten wird und was nach dem Absetzen passiert, ist offen.
  • Vergleich mit GLP-1-Wirkstoffen. Mit knapp 10 Prozent nach 28 Wochen liegt Petrelintid unter den Werten großer GLP-1- und Kombinationsstudien. Diese Studien liefen aber länger und mit anderen Teilnehmern; ein direkter Vergleich existiert nicht.
  • Typ-2-Diabetes. Die Phase-2-Studie ZUPREME 2 mit 221 Teilnehmern ist abgeschlossen, ihre Ergebnisse sind nicht in einer Fachzeitschrift erschienen.
  • Körperzusammensetzung und Endpunkte. Daten zum Anteil von Fett und Muskelmasse am Gewichtsverlust sowie zu Herz-Kreislauf-Ereignissen liegen nicht vor.
  • Ware vom Graumarkt. Die Studienergebnisse gelten für das Prüfpräparat. Was im Netz unter diesem Namen angeboten wird, ist nicht dasselbe geprüfte Produkt.

Status, Zulassung und Recht

Petrelintid ist ein Prüfpräparat und weltweit nicht zugelassen. In Deutschland ist es kein verkehrsfähiges Arzneimittel und außerhalb klinischer Studien nicht erhältlich. Nach dem Zeitplan der Phase-3-Studien ist eine Zulassung frühestens gegen Ende des Jahrzehnts denkbar.

Im Sport fällt Petrelintid als nirgends zugelassene Substanz unter die Klasse S0 der WADA-Verbotsliste 2026 und ist jederzeit verboten. Dosierungen nennen wir bei nicht zugelassenen Wirkstoffen nicht.

Sicherheit

Die Verträglichkeit ist die Stärke von Petrelintid in den bisherigen Daten. In ZUPREME 1 war Übelkeit das häufigste Ereignis, bei 20 gegenüber 6 Prozent, meist leicht und in der Aufdosierung; Erbrechen und Durchfall lagen auf Placebo-Niveau. In den Phase-1-Studien gab es keine schweren unerwünschten Ereignisse.

Kontrollierte Daten liegen bisher an rund 400 Behandelten über bis zu 42 Wochen vor. Seltene Nebenwirkungen und Langzeitrisiken lassen sich daraus nicht ableiten; dafür sind die laufenden Phase-3-Studien angelegt.

BK-Score Belegt, mit Einschränkungen

Human-Evidenz7
Mechanismus8
Sicherheits-Datenlage5
Hype-Abstand6
Anwendungserfahrung2

Evidenz 7, weil eine veröffentlichte, placebokontrollierte Phase-2-Studie mit 493 Teilnehmern über 42 Wochen vorliegt, die ihren primären Endpunkt erreichte: 7,9 bis 9,8 Prozent Gewichtsabnahme nach 28 Wochen gegenüber 1,7 Prozent unter Placebo, bis Woche 42 bis zu 10,7 Prozent (Garvey 2026), dazu zwei randomisierte Phase-1-Studien (Brændholt Olsen 2026); keine 8, weil Phase 3 erst im September 2026 begonnen hat und die Diabetes-Studie ZUPREME 2 nicht veröffentlicht ist. Mechanismus 8, weil Amylin als Sättigungssignal am Menschen gut beschrieben ist und Halbwertszeit, Dosisproportionalität und Gewichtswirkung für Petrelintid gemessen sind; nicht 9, weil Daten zur Zusammensetzung des Gewichtsverlusts fehlen. Sicherheit 5, weil kontrollierte Daten über 42 Wochen an rund 400 Behandelten vorliegen, ohne Todesfälle und mit Erbrechen und Durchfall auf Placebo-Niveau, Übelkeit aber bei 20 gegenüber 6 Prozent, und weil Langzeit- und Endpunktdaten fehlen. Hype 6, weil die Studie die beworbene bessere Magen-Darm-Verträglichkeit weitgehend stützt; Abzug, weil die Gewichtsabnahme unter der von GLP-1-Kombinationen liegt und ein direkter Vergleich fehlt. Anwendung 2, weil der Wirkstoff nur in klinischen Studien vorkommt. Richtung positiv: Alle Dosisgruppen senkten das Gewicht deutlich stärker als Placebo.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Petrelintid (Petrelintide)

Was ist Petrelintid?

Petrelintid ist ein langwirksames Analogon des Sättigungshormons Amylin, entwickelt von Zealand Pharma gemeinsam mit Roche. Es wird einmal pro Woche unter die Haut gespritzt und befindet sich seit September 2026 in Phase 3. Zugelassen ist es noch nirgends.

Wie viel Gewicht verliert man mit Petrelintid?

In der Phase-2-Studie ZUPREME 1 mit 493 Teilnehmern sank das Gewicht nach 28 Wochen um 7,9 bis 9,8 Prozent, unter Placebo um 1,7 Prozent. Bis Woche 42 nahm es weiter ab, auf bis zu 10,7 Prozent.

Ist Petrelintid besser verträglich als Semaglutid?

Ein direkter Vergleich fehlt. In ZUPREME 1 lagen Erbrechen und Durchfall auf Placebo-Niveau, Übelkeit trat bei 20 gegenüber 6 Prozent auf, meist leicht und während der Aufdosierung. Das spricht für ein mildes Profil, ersetzt aber keine Vergleichsstudie.

Was ist der Unterschied zu Cagrilintid?

Beide sind langwirksame Amylin-Analoga. Cagrilintid wird vor allem in Kombination mit Semaglutid als CagriSema entwickelt und hat Phase-3-Daten. Petrelintid wurde bei nahezu neutralem pH formulierbar gemacht und steht mit Phase-2-Daten am Anfang von Phase 3.

Ist Petrelintid in Deutschland erhältlich?

Nein. Es ist ein Prüfpräparat ohne Zulassung und nur in klinischen Studien verfügbar. Im Sport ist es als nirgends zugelassene Substanz nach WADA-Liste 2026 (S0) jederzeit verboten.

Ähnliche Themen

Quellen

Diese Studien mit Studientyp und Jahr in der Studien-Datenbank ansehen

In der Datenbank öffnen – mit Suche, Filtern und Vergleich

Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-07.