Peptid & Experimentelles
Pemvidutid (Pemvidutide)
Dualer GLP-1- und Glucagon-Rezeptoragonist, Prüfpräparat · Pemvidutide, ALT-801
Pemvidutid ist ein Wochenpeptid von Altimmune, das neben dem GLP-1-Rezeptor auch den Glucagon-Rezeptor aktiviert und damit direkt in der Leber ansetzt. Seine Stärke liegt beim Leberfett: Nach 24 Wochen sank es um bis zu 76 Prozent, und in der Phase-2b-Studie IMPACT bildete sich die Fettleberentzündung MASH bei über der Hälfte der Behandelten zurück. Die Fibrose besserte sich in dieser Zeit nicht signifikant. Seit Juli 2026 läuft Phase 3 bei MASH; zugelassen ist Pemvidutid nirgends.
Was Pemvidutid ist
Pemvidutid gehört zu den dualen GLP-1- und Glucagon-Agonisten, wie Survodutid und das in China zugelassene Mazdutid. GLP-1 dämpft den Appetit, Glucagon wirkt vor allem auf die Leber. Pemvidutid wird einmal pro Woche gespritzt.
Altimmune entwickelt den Wirkstoff vorrangig gegen die metabolische Fettleberentzündung MASH, also eine Fettleber mit Entzündung und beginnender Vernarbung. Daneben laufen Studien zu Adipositas, zur Alkoholkonsumstörung und zur alkoholbedingten Lebererkrankung.
Wie es wirkt
Über den GLP-1-Rezeptor senkt Pemvidutid den Appetit und damit das Gewicht. Über den Glucagon-Rezeptor regt es in der Leber die Fettverbrennung an und hemmt die Neubildung von Fett. Die Idee: eine stärkere Wirkung auf das Leberfett, als sie die Gewichtsabnahme allein erklären würde.
Am Menschen ist das über Leberfett im MRT, Leberwerte und Entzündungsmarker gemessen. Nach 12 Wochen sank das Leberfett um bis zu 68,5 Prozent, das Gewicht dabei um höchstens 4,3 Prozent. Welcher Anteil auf die direkte Leberwirkung entfällt, ist nicht abschließend getrennt.
Was gut belegt ist
- Leberfett sinkt stark und schnell. Nach 12 Wochen ging das Leberfett um 46,6 bis 68,5 Prozent zurück, unter Placebo um 4,4 Prozent. Bei der mittleren Dosis erreichten 94,4 Prozent eine Abnahme um mindestens 30 Prozent, bei 55,6 Prozent normalisierte sich das Leberfett.
- Der Effekt wächst mit der Zeit. Nach 24 Wochen lag die Abnahme bei 56,3 bis 76,4 Prozent gegenüber 14,0 Prozent unter Placebo, das Gewicht sank um 6,2 Prozent.
- MASH bildet sich zurück. In der Phase-2b-Studie IMPACT mit Gewebeproben verschwand die Entzündung ohne Verschlechterung der Fibrose bei 58 und 52 Prozent der Behandelten, unter Placebo bei 20 Prozent. Das ist einer der beiden primären Endpunkte.
- Gut verträglich ohne Aufdosierung. In IMPACT wurde Pemvidutid ohne schrittweise Steigerung gegeben. Wegen Nebenwirkungen brachen 0 und 1 Prozent ab, unter Placebo 2 Prozent.
Was die Studien zeigen
Harrison 2025: Leberfett nach 12 Wochen
Die randomisierte, placebokontrollierte Studie (J Hepatol) schloss 94 Menschen mit einem BMI von mindestens 28 und mindestens 10 Prozent Leberfett ein, 29 Prozent mit Typ-2-Diabetes. Alle drei Dosisgruppen senkten das Leberfett signifikant: um 46,6, 68,5 und 57,1 Prozent gegenüber 4,4 Prozent unter Placebo. Die stärksten Effekte auf Gewicht (minus 4,3 Prozent), den Leberwert ALT und den MRT-Marker cT1 zeigten sich bei der mittleren Dosis. Schwere unerwünschte Ereignisse traten nicht auf.
Browne 2025: die Verlängerung auf 24 Wochen
64 Teilnehmer setzten die Behandlung in ihrer Dosisgruppe weitere 12 Wochen fort (JHEP Rep). Das Leberfett sank nun um 56,3 bis 76,4 Prozent gegenüber 14,0 Prozent unter Placebo; bei der mittleren Dosis erreichten 84,6 Prozent eine Halbierung und 53,8 Prozent normale Werte.
IMPACT: Gewebeproben nach 24 Wochen
Noureddin 2025 (Lancet) randomisierte an 83 Zentren in den USA und Australien 212 Patienten mit bioptisch gesicherter MASH und mittlerer bis fortgeschrittener Fibrose (F2 oder F3). Die Rückbildung der MASH ohne Fibrose-Verschlechterung gelang bei 24 von 41 (58 Prozent) und 45 von 85 (52 Prozent) Behandelten gegenüber 18 von 86 (20 Prozent) unter Placebo, beide p kleiner 0,0001.
Der zweite primäre Endpunkt, eine Besserung der Fibrose um mindestens eine Stufe, wurde verfehlt: 33 und 36 Prozent gegenüber 28 Prozent, nicht signifikant. IMPACT läuft insgesamt 48 Wochen; längere Studien sind laut den Autoren geplant.
Die Meta-Analyse
Rajab 2026 fasste die randomisierten Studien zusammen: Nach 12 Wochen sanken Leberfett, Körpergewicht und Blutdruck, nach 24 Wochen besserten sich Leberwerte und der Fibrosemarker ELF. Die Sicherheit war bis auf häufigere, leichte bis mittelschwere Übelkeit mit Placebo vergleichbar. Die Autoren fordern größere und längere Studien zur Fibrose.
Wo die Daten aufhören
- Fibrose. Entscheidend für den Verlauf einer Fettleber ist die Vernarbung. Hier zeigte Pemvidutid nach 24 Wochen keinen signifikanten Vorteil.
- Harte Endpunkte. Ob Zirrhose, Leberversagen oder Transplantationen seltener werden, ist offen. Die Phase-3-Studie erhebt das über etwa 60 Monate.
- Abnehmen. Die Adipositas-Studie MOMENTUM mit 391 Teilnehmern über 48 Wochen ist abgeschlossen, ihre Ergebnisse sind weder in einer Fachzeitschrift erschienen noch im Register eingetragen. Aussagen zu Gewicht und Muskelerhalt stützen sich deshalb nicht auf begutachtete Daten.
- Vergleich mit Survodutid und anderen. Direkte Vergleiche mit Survodutid, Mazdutid oder dem Schilddrüsenhormon-Rezeptor-Agonisten Resmetirom gibt es nicht.
- Ware vom Graumarkt. Die Studiendaten gelten für das Prüfpräparat, nicht für Ware unklarer Herkunft.
Status, Zulassung und Recht
Pemvidutid ist ein Prüfpräparat und weltweit nicht zugelassen. In Deutschland ist es kein verkehrsfähiges Arzneimittel. Die Phase-3-Studie bei nicht-zirrhotischer MASH rekrutiert seit 30.07.2026 mit 1.800 geplanten Teilnehmern; sie bewertet Gewebebefunde nach 52 Wochen und klinische Ereignisse über etwa 60 Monate.
Im Sport fällt Pemvidutid als nirgends zugelassene Substanz unter die Klasse S0 der WADA-Verbotsliste 2026 und ist jederzeit verboten. Dosierungen nennen wir bei nicht zugelassenen Wirkstoffen nicht.
Sicherheit
In IMPACT berichteten 78 und 81 Prozent der Behandelten unerwünschte Ereignisse, unter Placebo 67 Prozent, meist leicht oder mittelschwer. Abbrüche wegen Nebenwirkungen blieben mit 0 und 1 Prozent selten, obwohl ohne Aufdosierung gestartet wurde. Übelkeit war der häufigste Unterschied zu Placebo.
Kontrollierte Daten liegen bisher über höchstens 24 Wochen veröffentlicht vor, an zusammen rund 270 Behandelten. Für Langzeitrisiken und seltene Ereignisse reicht das nicht.
BK-Score Belegt, mit Einschränkungen
| Human-Evidenz | 6 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 8 | |
| Sicherheits-Datenlage | 5 | |
| Hype-Abstand | 4 | |
| Anwendungserfahrung | 2 |
Evidenz 6, weil mehrere veröffentlichte randomisierte Studien vorliegen: Leberfett minus 46,6 bis 68,5 Prozent nach 12 Wochen bei 94 Teilnehmern (Harrison 2025), minus 56,3 bis 76,4 Prozent nach 24 Wochen (Browne 2025) und die Phase-2b-Studie IMPACT mit 212 Patienten, in der sich die MASH bei 58 und 52 gegenüber 20 Prozent zurückbildete (Noureddin 2025); keine 7, weil der zweite primäre Endpunkt, die Fibrosebesserung, nach 24 Wochen verfehlt wurde und die Adipositas-Studie MOMENTUM mit 391 Teilnehmern unveröffentlicht ist. Mechanismus 8, weil der duale GLP-1- und Glucagon-Agonismus am Menschen über Leberfett, Leberwerte und Gewicht gemessen ist; offen bleibt, welchen Anteil die direkte Leberwirkung gegenüber der Gewichtsabnahme hat. Sicherheit 5, weil kontrollierte Daten über bis zu 24 Wochen an rund 270 Behandelten vorliegen, mit wenigen Abbrüchen (0 und 1 gegenüber 2 Prozent), aber mehr unerwünschten Ereignissen als unter Placebo (78 bis 81 gegenüber 67 Prozent) und ohne Langzeit- oder Endpunktdaten. Hype 4, weil der Wirkstoff auch als Abnehmmittel entwickelt wird, die Gewichts- und Körperzusammensetzungsdaten der Adipositas-Studie aber nicht begutachtet veröffentlicht sind, und weil der Fibrose-Endpunkt verfehlt wurde. Anwendung 2, weil der Wirkstoff nur in Studien eingesetzt wird. Richtung gemischt: deutliche Wirkung auf Leberfett und Entzündung, Fibrose nach 24 Wochen nicht signifikant gebessert.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Pemvidutid (Pemvidutide)
Was ist Pemvidutid?
Pemvidutid ist ein dualer GLP-1- und Glucagon-Rezeptoragonist von Altimmune, der einmal pro Woche gespritzt wird. Er wird vor allem gegen die Fettleberentzündung MASH entwickelt und ist noch nirgends zugelassen.
Wirkt Pemvidutid gegen Fettleber?
Auf das Leberfett deutlich: Nach 24 Wochen sank es um bis zu 76,4 Prozent. In der Phase-2b-Studie IMPACT bildete sich die MASH bei 52 bis 58 Prozent der Behandelten zurück, unter Placebo bei 20 Prozent. Die Fibrose besserte sich nach 24 Wochen nicht signifikant.
Kann man mit Pemvidutid abnehmen?
In den Leberstudien sank das Gewicht um bis zu 6,2 Prozent nach 24 Wochen. Die eigentliche Adipositas-Studie MOMENTUM ist abgeschlossen, ihre Ergebnisse sind aber nicht begutachtet veröffentlicht.
Was ist der Unterschied zu Survodutid?
Beide aktivieren GLP-1- und Glucagon-Rezeptoren. Survodutid hat veröffentlichte Phase-3-Daten zu Gewicht und Fettleber. Pemvidutid hat Phase-2-Daten mit Gewebeproben und befindet sich seit Juli 2026 in Phase 3 bei MASH. Ein direkter Vergleich fehlt.
Ist Pemvidutid in Deutschland erhältlich?
Nein. Es ist ein Prüfpräparat ohne Zulassung und nur in klinischen Studien verfügbar. Im Sport ist es nach WADA-Liste 2026 (S0) jederzeit verboten.
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Quellen
- Noureddin M et al., Lancet 2025 – IMPACT, Phase 2b bei MASH, 24 Wochen
- Harrison SA et al., J Hepatol 2025 – Leberfett bei MASLD, 12 Wochen
- Browne SK et al., JHEP Rep 2025 – Verlängerung auf 24 Wochen
- Rajab I et al., Naunyn Schmiedebergs Arch Pharmacol 2026 – Meta-Analyse der RCTs
- ClinicalTrials.gov NCT05295875 – MOMENTUM, Phase 2 bei Adipositas, 48 Wochen
- ClinicalTrials.gov NCT07795164 – Phase 3 bei MASH mit klinischen Endpunkten
- ClinicalTrials.gov NCT06987513 – RECLAIM, Phase 2 bei Alkoholkonsumstörung
- WADA – Prohibited List 2026, S0 Non-approved substances
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-07.