Biohacking Kompakt

Supplement

5-HTP

Aminosäure · 5-Hydroxytryptophan

5-HTP ist die direkte Vorstufe von Serotonin und wird aus den Samen der afrikanischen Pflanze Griffonia simplicifolia gewonnen. Dass es im Körper tatsächlich zu Serotonin wird, ist am Menschen gemessen. Ob daraus spürbar bessere Stimmung oder besserer Schlaf folgt, ist deutlich weniger klar.

Kurz gesagt

5-HTP ist ein Zwischenprodukt der körpereigenen Serotoninsynthese. Als Präparat hebt es den Serotoninspiegel im Blut messbar an, das zeigen mehrere randomisierte Studien. Für Stimmung, Schlaf und Appetit gibt es positive Signale, aber fast nur aus kleinen oder alten Studien; das größte moderne Placebo-Experiment mit 166 Menschen fand trotz steigender Serotoninwerte keinen klinischen Unterschied. Der wichtigste Haken ist die Kombination mit Antidepressiva und anderen serotonergen Mitteln. In Deutschland ist 5-HTP kein zugelassenes Arzneimittel, deshalb nennt diese Seite keine Dosierung.

Was es ist

5-Hydroxytryptophan entsteht im Körper aus der Aminosäure Tryptophan. Der erste Schritt, die Umwandlung von Tryptophan zu 5-HTP, ist der langsamste der ganzen Serotoninsynthese. Wer 5-HTP direkt zuführt, überspringt genau diesen Engpass. Daraus bildet der Körper Serotonin und in einem weiteren Schritt Melatonin.

Kommerziell wird 5-HTP fast immer aus Griffonia-Samen extrahiert, weil die chemische Synthese in großem Maßstab nicht wirtschaftlich ist. In Nahrungsergänzungsmitteln dürfen in der EU nur die Samen und Extrakte mit höchstens 30 Prozent 5-HTP stecken. Als Arzneimittel unter dem Namen Oxitriptan war 5-HTP in Deutschland einmal im Handel, das Präparat Levothym wurde aber 1992 vom Markt genommen.

Wie es wirken soll

Die Idee ist einfach: mehr Ausgangsstoff, mehr Serotonin, bessere Stimmung, besserer Schlaf, weniger Appetit. Die ersten beiden Glieder dieser Kette sind am Menschen gezeigt. In einer PET-Studie mit 8 gesunden Probanden und 6 Patienten mit Depression passierte markiertes 5-HTP die Blut-Hirn-Schranke, bei den depressiven Patienten allerdings in geringerem Umfang. Und in randomisierten Studien steigen unter 5-HTP sowohl 5-HTP als auch Serotonin im Blut deutlich an.

Das Enzym, das 5-HTP zu Serotonin umbaut, arbeitet mit Vitamin B6 als Cofaktor und kommt nicht nur im Gehirn vor, sondern zum Beispiel auch in der Bauchspeicheldrüse. Ein Teil des 5-HTP wird deshalb schon im übrigen Körper zu Serotonin. In der Forschung wurde diese periphere Umwandlung mit dem Arzneistoff Carbidopa gebremst, nicht mit Nährstoffen.

Das dritte Glied, die Annahme, dass ein Serotoninmangel Depressionen verursacht, ist inzwischen umstritten. Ein Umbrella-Review über 17 Übersichtsarbeiten fand keine konsistenten Belege für diesen Zusammenhang. Das heißt nicht, dass 5-HTP nicht wirken kann. Es heißt, dass der Mechanismus allein keine Wirkung garantiert.

Was gut belegt ist

Belegt ist die Biochemie: 5-HTP wird im Menschen zu Serotonin, messbar im Blut, und es erreicht das Gehirn. Für die Stimmung gibt es eine lange Reihe positiver Studien, die meisten davon klein und älteren Datums. Eine Meta-Analyse von 2020 kam über 7 Studien auf einen großen Effekt auf Depressionsfragebögen (Hedges g 1,11), der Cochrane-Review von 2002 auf ein Peto Odds Ratio von 4,10 zugunsten von 5-HTP und Tryptophan. Bei Angststörungen zeigte eine doppelblinde Studie mit 45 Patienten eine mäßige Besserung gegenüber Placebo.

Auch für Schlaf und Appetit gibt es Hinweise. In einer randomisierten Studie aus Singapur mit 30 älteren Erwachsenen verbesserte sich über 12 Wochen der subjektive Schlafscore, allerdings nur bei denen, die vorher schlecht schliefen. Bei Kindern mit nächtlichem Aufschrecken (Pavor nocturnus) berichtete eine offene Studie, dass nach einem Monat 29 von 31 behandelten Kindern ansprachen. In einer kleinen doppelblinden Studie mit 20 Menschen mit Adipositas nahmen die Teilnehmer unter 5-HTP ab und berichteten über frühes Sättigungsgefühl. Eine doppelblinde Studie mit 50 Patienten mit Fibromyalgie beschrieb 1990 Verbesserungen aller erhobenen Beschwerden bei nur milden Nebenwirkungen; die Autoren selbst forderten weitere kontrollierte Studien.

Was die Studien zeigen

Cochrane-Review 2002

Die Autoren sichteten 108 Studien zu 5-HTP und Tryptophan bei Depression. Nur 2 mit zusammen 64 Patienten erfüllten die Qualitätskriterien. Das Ergebnis fiel zugunsten der Wirkstoffe aus (Peto Odds Ratio 4,10; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,28 bis 13,15). Die Autoren halten die Evidenz aber für zu schwach, um daraus eine Empfehlung abzuleiten.

Meta-Analyse Javelle 2020

Ausgewertet wurden 13 Untersuchungen, 7 davon in der Meta-Analyse. Die Remissionsrate lag gepoolt bei 0,65, der Effekt auf Depressionsfragebögen bei Hedges g 1,11. Die Heterogenität war hoch (I² 76 Prozent), und nur wenige Studien hatten eine Placebogruppe. Die Autoren fordern deshalb placebokontrollierte Studien mit klar definierten Diagnosen.

Truyens 2022, 166 Patienten

Multizentrische, placebokontrollierte Crossover-Studie an 13 belgischen Kliniken mit Menschen, deren chronisch-entzündliche Darmerkrankung ruhte, die aber unter Müdigkeit litten. Je 8 Wochen 5-HTP und Placebo. Serum-5-HTP und Serotonin stiegen deutlich. Den primären Endpunkt, eine um mindestens 20 Prozent geringere Müdigkeit, erreichten 35,6 Prozent unter 5-HTP und 37,6 Prozent unter Placebo. Auch Stimmung, Angst und Stress unterschieden sich nicht.

Singapur-Studie 2024 und 2025

Dieselben 30 älteren Erwachsenen (66 ± 3 Jahre), 12 Wochen, einfach verblindet, Kontrollgruppe ohne Placebo. Schlechte Schläfer verbesserten ihren Schlafscore, der kognitive Test MoCA stieg im 5-HTP-Arm von 26,6 auf 27,6 Punkte, der Depressionsscore fiel von 1,2 auf 0,7. Die Autoren selbst mahnen wegen der kleinen Zahl zur Vorsicht.

Wo die Daten aufhören

Die positiven Depressionsdaten stammen überwiegend aus kleinen, alten Studien ohne Placebogruppe. Placebokontrolliert und methodisch sauber bleiben nach Cochrane 2 Studien mit 64 Patienten. Die neueren positiven Studien sind klein, einfach verblindet und ohne Placebo. Die beiden größeren modernen Placebo-Studien waren negativ: bei Müdigkeit trotz Darmerkrankung (166 Teilnehmer) und bei Ablenkbarkeit mit ADHS-Merkmalen (112 Teilnehmer, akute Gabe). Dass 5-HTP den Serotoninspiegel hebt, ist also gesichert, dass sich das in besseres Befinden übersetzt, nicht.

Für Schlaf gibt es bei Erwachsenen genau eine kleine randomisierte Studie. Zur Frage, ob man 5-HTP nach einigen Monaten pausieren sollte, gibt es keine Studien, ebenso wenig Langzeitdaten zu Wirkung und Sicherheit. Die EU hat beantragte gesundheitsbezogene Angaben zu Stimmung und Gewichtsreduktion wegen mangelnder Beweise zurückgewiesen. Überprüfbar belegte Erfahrungsberichte von Anwendern haben wir nicht gefunden; diese Seite stützt sich deshalb auf Studien und dokumentierte Fallberichte.

Status, Zulassung und Recht

In Deutschland gibt es kein zugelassenes Arzneimittel mit 5-HTP; Levothym wurde 1992 vom Markt genommen. Nahrungsergänzungsmittel dürfen Griffonia-Samen und Extrakte mit bis zu 30 Prozent 5-HTP enthalten. Höher konzentrierte Extrakte gelten als nicht zugelassene neuartige Lebensmittel; allein im ersten Halbjahr 2024 gab es dazu 4 EU-Warnmeldungen. Beantragte Health Claims zu Stimmung und Gewicht wurden zurückgewiesen. Weil 5-HTP kein zugelassener Wirkstoff ist, nennt diese Seite keine Dosierung und gibt keine Kaufempfehlung. Eine Dopingrelevanz ist in den geprüften Quellen nicht vermerkt.

Sicherheit

Häufigste Beschwerden sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Herzrasen; in der ADHS-Studie hatten 19,6 Prozent der 5-HTP-Gruppe Müdigkeit, Übelkeit oder Erbrechen. Nicht kombinieren mit Antidepressiva oder anderen Mitteln, die auf Serotonin wirken, wegen des Risikos eines Serotonin-Syndroms. Seit dem Ausbruch des Eosinophilie-Myalgie-Syndroms 1989 durch verunreinigtes L-Tryptophan steht auch 5-HTP unter Beobachtung. Ein Fallbericht von 1994 beschreibt eine Familie, deren 5-HTP eine Verunreinigung enthielt; ein Review von 2004 fand in untersuchten Präparaten keine vergleichbaren Giftstoffe, der Cochrane-Review hält den Zusammenhang für ungeklärt. Ein weiterer Fallbericht schildert einen 44-jährigen Mann, der nach der zehnfachen Dosis eine reversible Durchblutungsstörung im Gedächtniszentrum erlitt. Für Schwangere, Stillende und Kinder gibt es keine Sicherheitsdaten. Eine Obergrenze von EFSA, BfR oder NIH haben wir nicht gefunden. Präparate gehören außer Reichweite von Haustieren, für Hunde sind Vergiftungen dokumentiert.

BK-Score Dünne Humanevidenz

Human-Evidenz5
Mechanismus6
Sicherheits-Datenlage4
Hype-Abstand3
Anwendungserfahrung6

Die Biochemie ist am Menschen gezeigt: 5-HTP passiert die Blut-Hirn-Schranke (PET, 8 Gesunde, 6 Patienten, Acta Psychiatr Scand 1991) und hebt Serum-5-HTP und Serum-Serotonin in randomisierten Studien deutlich an (Gastroenterology 2022; Clin Nutr 2024). Klinisch ist das Bild gemischt. Für Depression findet der Cochrane-Review unter 108 Studien nur 2 mit 64 Patienten von ausreichender Qualität (Peto OR 4,10; 95 % KI 1,28–13,15), eine Meta-Analyse (Nutr Rev 2020) kommt über 7 Studien auf Hedges g 1,11 bei I² 76 % und wenigen Placebogruppen. Neuere Studien sind klein: 30 ältere Erwachsene, 12 Wochen, einfach verblindet, besserer Schlafscore nur bei schlechten Schläfern. Das größte moderne Placebo-RCT (166 Patienten, 2 × 8 Wochen) verfehlte seinen primären Endpunkt Müdigkeit (35,6 vs. 37,6 Prozent) trotz steigender Serotoninwerte, ein akutes RCT mit 112 Teilnehmern fand keinen Effekt auf Ablenkbarkeit. Die Serotoninmangel-Theorie der Depression stützt ein Umbrella-Review über 17 Arbeiten nicht (Mol Psychiatry 2023). Sicherheitsseitig nur Kurzzeitdaten; die EMS-Frage nach dem L-Tryptophan-Ausbruch 1989 ist laut Cochrane ungeklärt, dokumentiert sind ein Familienfall mit verunreinigtem Präparat und das Risiko serotonerger Kombinationen.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu 5-HTP

Kann man 5-HTP zusammen mit Antidepressiva nehmen?

Nein, davon raten Verbraucherschützer ausdrücklich ab. SSRI und andere Antidepressiva erhöhen ebenfalls die Serotoninwirkung, zusammen droht ein Serotonin-Syndrom, das von Unruhe und Zittern bis zu schweren Komplikationen wie Krampfanfällen reichen kann. Wer Medikamente nimmt, klärt jede Kombination vorher ärztlich.

Hilft 5-HTP beim Einschlafen?

Es gibt einen Hinweis aus einer kleinen Studie mit 30 älteren Erwachsenen, in der schlechte Schläfer ihren subjektiven Schlafscore verbesserten. Placebokontrollierte Schlafstudien bei Erwachsenen fehlen. Der Mechanismus über Serotonin und Melatonin ist plausibel, die klinische Datenlage dünn.

Wirkt 5-HTP gegen Depressionen?

Ältere kleine Studien zeigen positive Effekte, methodisch sauber placebokontrolliert sind aber nur 2 Studien mit 64 Patienten. Eine Depression gehört in ärztliche Behandlung, für sie gibt es gut geprüfte Therapien. 5-HTP ist dafür kein belegter Ersatz.

Ist 5-HTP dasselbe wie Tryptophan?

Nein. Tryptophan ist die Aminosäure aus der Nahrung, 5-HTP ist der nächste Schritt auf dem Weg zu Serotonin. 5-HTP überspringt den langsamsten Syntheseschritt und wirkt deshalb direkter auf den Serotoninspiegel.

Macht 5-HTP schlank?

Eine kleine doppelblinde Studie mit 20 Menschen mit Adipositas fand Gewichtsabnahme und frühere Sättigung. Größere Studien fehlen, und die EU hat Gesundheitsaussagen zur Gewichtsreduktion wegen mangelnder Beweise abgelehnt.

Ist 5-HTP in Deutschland erlaubt?

Als Nahrungsergänzungsmittel ja, solange der Griffonia-Extrakt höchstens 30 Prozent 5-HTP enthält. Stärker konzentrierte Extrakte sind in der EU nicht zugelassen. Ein Arzneimittel mit 5-HTP gibt es in Deutschland seit 1992 nicht mehr.

Passt dazu

Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-26.