Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

Oxandrolon (Anavar)

Orales anabol-androgenes Steroid (17α-alkyliert); in den USA 1964 zugelassen, Zulassung 2023 von der FDA widerrufen · Anavar, Oxandrin, Oxandrolone, Var

Oxandrolon, in der Szene als Anavar bekannt, ist ein orales anabol-androgenes Steroid. Anders als Trenbolon ist es am Menschen gut untersucht: In randomisierten Studien steigerte es bei Schwerbrandverletzten, bei HIV-bedingtem Gewichtsverlust und bei älteren Männern Gewicht und fettfreie Masse. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat die Zulassung 2023 trotzdem widerrufen.

Kurz gesagt

Oxandrolon wirkt aufbauend, das zeigen randomisierte Studien. Bei Brandverletzten waren in einer Metaanalyse aus 14 Studien weniger Operationen nötig und die Klinikaufenthalte kürzer, bei gesunden älteren Männern kamen in 12 Wochen 3,0 kg fettfreie Masse dazu. Aber die Sterblichkeit der Brandverletzten sank nicht, bei beatmeten Patienten dauerte die Beatmung sogar länger, und bei den älteren Männern war der Zuwachs drei Monate nach dem Absetzen wieder verschwunden. Auf der anderen Seite stehen Leberschäden bis zu Tumoren, sinkendes HDL, steigendes LDL und die gedrosselte Hormonachse. Ein Beratergremium der FDA sah schon 1984 keinen Wirksamkeitsnachweis; 2023 hat die FDA die Zulassung widerrufen. Der Ruf als „mildes“ Steroid findet in diesen Daten keine Stütze.

Was Oxandrolon ist

Oxandrolon ist ein synthetisches Steroid, das als Tablette wirkt. In den USA wurde es 1964 als Oxandrin zugelassen: als Zusatztherapie zur Gewichtszunahme nach Gewichtsverlust durch große Operationen, chronische Infektionen oder schwere Verletzungen, gegen den Eiweißabbau unter langer Kortisontherapie und gegen Knochenschmerzen bei Osteoporose. Zum 28. Juni 2023 hat die FDA die Zulassung aller Oxandrolon-Tabletten widerrufen. In Deutschland ist kein Präparat zugelassen.

Damit steht Oxandrolon zwischen Nandrolon und Trenbolon: Es gibt echte klinische Studien und fast sechs Jahrzehnte ärztliche Anwendung, aber keine Zulassung mehr, und die Behörde, die es zugelassen hatte, hält die möglichen Probleme für schwer genug, um es vom Markt zu nehmen.

Wie es wirkt

Oxandrolon bindet am Androgenrezeptor und steigert den Eiweißaufbau in Muskel und Gewebe. Damit es als Tablette wirkt, ist es am Kohlenstoffatom 17 chemisch verändert, es ist 17α-alkyliert. Genau diese Gruppe von Steroiden ist am engsten mit Gallenstauung, Peliosis hepatis und Lebertumoren verbunden.

Wie andere Androgene drosselt Oxandrolon die Hormonachse. In einer randomisierten Studie mit HIV-Patienten sanken LH, FSH, das Transportprotein SHBG sowie das Gesamt- und das freie Testosteron.

Was gut belegt ist

  • Aufbau bei Brandverletzten. Eine Metaanalyse aus 14 randomisierten Studien mit 2.822 Patienten zeigt weniger Operationen, kürzere Klinikaufenthalte im Verhältnis zur verbrannten Fläche und mehr fettfreie Masse.
  • Masse und Kraft bei älteren Männern. Bei 32 gesunden Männern zwischen 60 und 87 Jahren stieg die fettfreie Masse in 12 Wochen um 3,0 kg, die Kraft je nach Übung um 5 bis 9 Prozent, stärker als unter Placebo.
  • Endgröße beim Turner-Syndrom. Bei Mädchen unter Wachstumshormon 4,6 cm mehr Endgröße als unter Placebo, in einer doppelblinden Studie.
  • Auch die Risikoseite ist gemessen. Leberwert-Anstiege, sinkendes HDL, steigendes LDL und die Unterdrückung der Hormonachse stammen aus kontrollierten Studien, nicht aus Vermutungen.

Was die Studien zeigen

Lou 2025: Metaanalyse bei Brandverletzten

Ausgewertet wurden 14 randomisierte Studien aus den Jahren 2005 bis 2025 mit 2.822 Patienten. Mit Oxandrolon waren weniger Operationen nötig (standardisierte Mittelwertdifferenz −1,25), und der Klinikaufenthalt war im Verhältnis zur verbrannten Körperoberfläche kürzer; fettfreie Masse und Gewicht nahmen stärker zu. Kein Unterschied zeigte sich bei der Sterblichkeit (relatives Risiko 1,04) und bei Infektionen. Bei Erwachsenen stiegen die Leberwerte häufiger, bei 19 gegenüber 5 Prozent. Die Studien unterscheiden sich stark voneinander, die Autoren mahnen zu vorsichtiger Deutung.

Grunfeld 2006: HIV-bedingter Gewichtsverlust

262 Männer mit HIV und deutlichem Gewichtsverlust erhielten 12 Wochen doppelblind Placebo oder Oxandrolon in drei Dosisstufen. Gewicht und Körperzellmasse stiegen in allen Gruppen, auch unter Placebo. Stärker als unter Placebo nahm das Gewicht nur in einer der drei Dosisgruppen zu, die Körperzellmasse in zwei. Gleichzeitig sanken LH, FSH, SHBG und das Testosteron, die Leberwerte und das LDL stiegen, das HDL fiel.

Schroeder 2004: ältere Männer

32 gesunde Männer zwischen 60 und 87 Jahren erhielten 12 Wochen Oxandrolon oder Placebo. Die fettfreie Masse stieg um 3,0 kg, die Oberschenkelmuskulatur nahm zu, die Kraft stieg je nach Übung um 5 bis 9 Prozent, das Körperfett sank um 1,9 kg; gleichzeitig stieg das Körperwasser um 2,9 kg. Zwölf Wochen nach dem Absetzen lagen fettfreie Masse und Kraft nicht mehr über dem Ausgangswert, die Fettabnahme hielt weitgehend an.

Bulger 2004: beatmete Patienten

41 beatmete chirurgische und Unfallpatienten erhielten doppelblind Oxandrolon oder Placebo. Entgegen der Erwartung blieben die Patienten mit Oxandrolon länger an der Beatmung, im Mittel 21,7 gegenüber 16,4 Tage, und länger auf der Intensivstation. Die Autoren vermuten, dass Oxandrolon in der Lunge die Bildung von Bindegewebe fördert.

Gault 2011: Turner-Syndrom

106 Mädchen mit Turner-Syndrom unter Wachstumshormon wurden randomisiert, 82 erreichten die Endgröße. Oxandrolon erhöhte sie um 4,6 cm gegenüber Placebo. Das ist eine Behandlung von Kindern unter ärztlicher Kontrolle und sagt nichts über Erwachsene im Training.

Wo die Daten aufhören

  • Keine Studie an jungen, gesunden Trainierenden. Alle Daten stammen von Kranken, Verletzten, Kindern oder Älteren. Für den Zweck, für den Oxandrolon heute meist gehandelt wird, gibt es keine kontrollierte Studie.
  • Masse ist nicht gleich Nutzen. Bei Brandverletzten sank die Sterblichkeit nicht, bei beatmeten Patienten verlängerte sich die Beatmung. Ein FDA-Gremium fand 1984 keinen Wirksamkeitsnachweis.
  • Der Zuwachs hält nicht. Bei älteren Männern waren Masse und Kraft drei Monate nach dem Absetzen wieder auf dem Ausgangswert.
  • Psyche und Herz nicht eigens untersucht. Kontrollierte Langzeitdaten zu psychischen Folgen oder Herzereignissen unter Oxandrolon gibt es nicht. Die Registerdaten zu Steroiden insgesamt zeigen deutlich erhöhte Herzrisiken, siehe Anabole Steroide.
  • Herkunft der Ware. Ein zugelassenes Präparat gibt es weder in Deutschland noch seit 2023 in den USA. Was gehandelt wird, stammt vom Graumarkt und ist nicht das, was in den Studien geprüft wurde.

Status, Zulassung und Recht

Oxandrolon war in den USA von 1964 bis 2023 als Arzneimittel zugelassen. Ein Beratergremium der FDA kam schon 1984 einstimmig zu dem Schluss, dass es keinen Wirksamkeitsnachweis gebe. Zum 28. Juni 2023 hat die FDA die Zulassung aller Oxandrolon-Tabletten widerrufen; die Hersteller hatten zuvor selbst um den Widerruf gebeten, nachdem die Behörde die möglichen Probleme als schwer genug eingestuft hatte, um das Mittel vom Markt zu nehmen.

In Deutschland ist kein Oxandrolon-Präparat zugelassen; Fertigarzneimittel dürfen hier nur mit Zulassung in Verkehr gebracht werden (§ 21 Arzneimittelgesetz). Oxandrolon steht namentlich in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes: Erwerb, Besitz und Verbringen in nicht geringer Menge zum Doping im Sport sind verboten, Handel und Abgabe zu Dopingzwecken ebenso. Im Sport steht es auf der WADA-Verbotsliste unter S1.1 und ist jederzeit verboten.

Sicherheit

Leber: Die FDA nennt aus der Fachinformation Peliosis hepatis, also mit Blut gefüllte Hohlräume in der Leber, teils mit Leberversagen und Blutungen in den Bauchraum, außerdem Leberzelltumoren, teils tödlich, und eine cholestatische Hepatitis. In der Metaanalyse bei Brandverletzten stiegen die Leberwerte bei Erwachsenen bei 19 Prozent, unter Placebo bei 5 Prozent. Blutfette: In der HIV-Studie fiel das HDL und stieg das LDL signifikant; laut FDA sind das Veränderungen, die mit einem erhöhten Arterioskleroserisiko verbunden sind. Hormonell: LH, FSH, SHBG und Testosteron werden unterdrückt. Weitere Warnhinweise: erhöhtes Kalzium bei Brustkrebs sowie Prostatavergrößerung und Prostatakrebs bei Älteren. Psyche: Für Oxandrolon nicht eigens untersucht.

Vor jedem Schritt gehört hier ein ärztliches Gespräch, nicht der Formalität wegen, sondern wegen Folgen an Leber und Gefäßen, die man selbst nicht bemerkt.

BK-Score Belegt, mit Einschränkungen

Human-Evidenz7
Mechanismus8
Sicherheits-Datenlage7
Hype-Abstand4
Anwendungserfahrung7

Evidenz 7, weil mehrere randomisierte Studien vorliegen: bei Brandverletzten eine Metaanalyse aus 14 Studien mit 2.822 Patienten mit weniger Operationen und kürzeren Klinikaufenthalten, aber ohne Effekt auf die Sterblichkeit (Lou 2025), bei HIV-bedingtem Gewichtsverlust 262 Männer (Grunfeld 2006) und bei 32 gesunden älteren Männern +3,0 kg fettfreie Masse in 12 Wochen, nach dem Absetzen wieder verloren (Schroeder 2004); nicht höher, weil ein FDA-Gremium schon 1984 keinen Wirksamkeitsnachweis sah, bei beatmeten Patienten die Beatmung sogar länger dauerte (Bulger 2004) und es für gesunde junge Trainierende keine Studie gibt. Mechanismus 8, weil Rezeptorwirkung, Unterdrückung von LH, FSH und Testosteron und die Leberbelastung der 17α-alkylierten Steroide am Menschen gemessen sind. Sicherheit 7, weil aus kontrollierten Studien Leberwert-Anstiege (19 gegenüber 5 Prozent bei Erwachsenen), HDL-Senkung und LDL-Anstieg dokumentiert sind und die FDA-Fachinformation Peliosis hepatis, Lebertumoren und Gallenstauung nennt; Langzeitdaten fehlen – eine hohe Zahl heißt gut untersucht, nicht harmlos. Hype 4, weil Oxandrolon in der Szene als „mildes" Einsteiger-Steroid gilt, während die FDA die Zulassung 2023 widerrufen hat, weil die möglichen Probleme schwer genug seien, das Mittel vom Markt zu nehmen. Anwendung 7, weil es von 1964 bis 2023 in den USA ärztlich eingesetzt wurde, in Deutschland aber kein Präparat zugelassen ist. Richtung gemischt: belegter Masseaufbau bei Kranken und Älteren gegen fehlenden Nutzen bei harten Endpunkten und dokumentierte Leber- und Lipidrisiken.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Oxandrolon (Anavar)

Ist Anavar ein mildes Steroid?

Die Daten stützen das nicht. In kontrollierten Studien stiegen die Leberwerte, das HDL sank, das LDL stieg, und LH, FSH und Testosteron fielen ab. Die FDA nennt Peliosis hepatis und Lebertumoren als Warnhinweise und hat die Zulassung 2023 widerrufen.

Warum hat die FDA die Zulassung widerrufen?

Ein Beratergremium der FDA fand schon 1984 keinen Wirksamkeitsnachweis. Dem standen die Warnhinweise der Fachinformation gegenüber: Peliosis hepatis, Leberzelltumoren, Gallenstauung und Blutfettveränderungen, die mit Arteriosklerose verbunden sind. 2023 kam die FDA zu dem Schluss, dass diese Probleme schwer genug sind, um das Mittel vom Markt zu nehmen.

Baut Oxandrolon Muskeln auf?

Es steigert die fettfreie Masse, das ist randomisiert belegt, bei gesunden älteren Männern um 3,0 kg in 12 Wochen. Drei Monate nach dem Absetzen waren Masse und Kraft wieder auf dem Ausgangswert. Studien an jungen, gesunden Trainierenden gibt es nicht.

Wie belastet Oxandrolon die Leber?

Oxandrolon gehört zu den 17α-alkylierten Steroiden, die am engsten mit Gallenstauung, Peliosis hepatis und Lebertumoren verbunden sind. In der Metaanalyse bei Brandverletzten stiegen die Leberwerte bei Erwachsenen unter Oxandrolon bei 19 Prozent, unter Placebo bei 5 Prozent.

Ist Oxandrolon in Deutschland erlaubt?

In Deutschland ist kein Präparat zugelassen. Oxandrolon steht in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes; Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge zum Doping im Sport sind verboten, Handel und Abgabe zu Dopingzwecken ebenso. Im Sport steht es auf der WADA-Verbotsliste.

Ähnliche Themen

Quellen

Diese Studien mit Studientyp und Jahr in der Studien-Datenbank ansehen

In der Datenbank öffnen – mit Suche, Filtern und Vergleich

Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.