Peptid & Experimentelles
Stanozolol (Winstrol)
Anabol-androgenes Steroid, 17α-alkyliert, zum Einnehmen und als Spritze; in den USA früher zugelassen · Winstrol, Winstrol Depot, Winny
Stanozolol, bekannt als Winstrol, ist ein 17α-alkyliertes anabol-androgenes Steroid, in den USA 1962 zugelassen und dort heute nicht mehr vertrieben. Am Menschen untersucht ist es vor allem bei erblichem Angioödem, Osteoporose und Venenleiden – nicht im Kraftsport, wo es am bekanntesten ist. Am genauesten vermessen ist eine Nebenwirkung: Es senkt das HDL-Cholesterin deutlich stärker als Testosteron.
Kurz gesagt
Stanozolol hat eine echte medizinische Geschichte: Beim erblichen Angioödem wurden Patienten über 20 bis 40 Jahre damit behandelt, bei Osteoporose stieg das Gesamtkörperkalzium in einer doppelblinden Studie über 29 Monate um 4,4 Prozent. Für den Zweck, für den es heute meist genommen wird, den Muskelaufbau bei Gesunden, gibt es keine kontrollierte Studie. Gut gemessen ist dagegen der Preis: In einer Crossover-Studie an Gewichthebern fiel das HDL-Cholesterin unter Stanozolol um 33 Prozent, unter hochdosiertem Testosteron um 9 Prozent; das LDL stieg um 29 Prozent. Dazu kommen Leberschäden bis zur schweren Gallenstauung und eine nach zwei Wochen um die Hälfte gedrosselte eigene Testosteronproduktion.
Was Stanozolol ist und wie es wirkt
Stanozolol ist ein künstlicher Abkömmling des Testosterons mit einer 17α-Alkylierung. Sie schützt den Wirkstoff vor dem schnellen Abbau in der Leber und macht ihn als Tablette wirksam; es gibt ihn auch als Spritze. In den USA wurde er 1962 als Winstrol zugelassen. Laut FDA-Datenbank wird das Präparat dort heute nicht mehr vertrieben.
Am Androgenrezeptor wirkt Stanozolol wie andere Steroide: Es fördert Eiweißaufbau, wirkt vermännlichend und drosselt über die Hypophyse die eigene Testosteronproduktion. Eine Eigenheit betrifft die Leber: Stanozolol steigert die hepatische Lipase stark, in einer Studie um 123 Prozent, und senkt damit das schützende HDL-Cholesterin. Medizinisch genutzt wurden außerdem die Anhebung von Komplementfaktoren beim erblichen Angioödem und die Wirkung auf den Knochen. Den Überblick über die Stoffgruppe gibt der Beitrag Anabole Steroide.
Was gut belegt ist
Belegt ist der medizinische Einsatz in engen Anwendungsgebieten: die Anfallskontrolle beim erblichen Angioödem über Jahrzehnte und ein Zuwachs an Gesamtkörperkalzium bei Osteoporose in einer doppelblinden Studie. Noch besser belegt ist die Wirkung auf die Blutfette: Ein starker Abfall des HDL-Cholesterins ist in einer Crossover-Studie gegen Testosteron, in einer randomisierten Studie gegen Placebo und in der Langzeitbeobachtung gemessen. Ebenso gemessen sind die Drosselung der eigenen Testosteronproduktion und steigende Leberwerte.
Was die Studien zeigen
Thompson 1989: Stanozolol gegen Testosteron
11 Gewichtheber nahmen in einer Crossover-Studie je sechs Wochen Stanozolol zum Einnehmen und Testosteron als Spritze. Unter Stanozolol fiel das HDL-Cholesterin um 33 Prozent, die schützende Untergruppe HDL2 um 71 Prozent, das Apolipoprotein A-I um 40 Prozent; das LDL stieg um 29 Prozent. Unter Testosteron fiel das HDL nur um 9 Prozent, das LDL sank um 16 Prozent. Die Gewichtszunahme war gleich. Die Autoren schließen, dass die ungünstige Wirkung der 17α-alkylierten Steroide zum Einnehmen sich von der des Testosterons unterscheidet.
Carson 2015: randomisierte Studie bei Venenleiden
44 ältere Patienten mit Hautverhärtung und Geschwüren an den Beinen erhielten bis zu 6 Monate Stanozolol oder Placebo, jeweils mit Kompression. Bei 91 Prozent unter Stanozolol fiel das HDL deutlich; die Leberwerte stiegen vorübergehend. Alle blieben beschwerdefrei, die Werte kehrten innerhalb von zwei Monaten nach dem Absetzen zum Ausgangswert zurück.
Chesnut 1983: Osteoporose
In einer doppelblinden Studie mit 46 Frauen nach den Wechseljahren stieg das Gesamtkörperkalzium unter Stanozolol über 29 Monate um 4,4 Prozent, unter Placebo blieb es gleich. Am Unterarm fand sich kein Unterschied. In der Stanozolol-Gruppe gab es keinen neuen Wirbelbruch, unter Placebo drei. 76 Prozent der Behandelten hatten erhöhte Leberwerte oder andere Nebenwirkungen, die aber nie zum Abbruch führten.
Sloane 2007: erbliches Angioödem über Jahrzehnte
21 Patienten, die seit 20 bis 40 Jahren Stanozolol nahmen, wurden untersucht. Bei 10 traten behandlungsbedingte Beschwerden auf: Haarwuchs, Gewichtszunahme, Zyklusstörungen oder Blutungen nach den Wechseljahren, Akne und Stimmungsschwankungen; eine Dosisreduktion reichte jeweils. Dauerhaft auffällige Leberwerte fanden sich nicht, bei 5 Patienten war das HDL erniedrigt.
Small 1984: Hormonachse bei Gesunden
Bei 9 gesunden Männern sank das Testosteron nach 14 Tagen Stanozolol um 55 Prozent, auch LH und SHBG fielen. Alle Veränderungen bildeten sich nach dem Absetzen zurück.
Wo die Daten aufhören
- Muskelaufbau bei Gesunden. Für den Zweck, für den Stanozolol im Kraftsport genommen wird, gibt es keine kontrollierte Studie. Der Ruf, es baue „trockene“ Muskeln ohne Wassereinlagerung auf, ist am Menschen nicht untersucht.
- Herz über Jahre. Der HDL-Abfall ist gut gemessen; ob und wie stark er bei längerer Anwendung zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führt, ist für Stanozolol allein nicht untersucht.
- Spritze gegen Tablette. Die Studien prüften überwiegend die Tablette. Der Fallbericht schwerer Gallenstauung betraf die Spritze; vergleichende Daten fehlen.
- Frauen. Daten zu Frauen stammen aus Osteoporose- und Angioödem-Studien mit kleinen Mengen, nicht aus der Nutzung im Sport.
Status, Zulassung und Recht
In Deutschland ist Stanozolol verschreibungspflichtig (Arzneimittelverschreibungsverordnung, Anlage 1). Ein in Deutschland zugelassenes Fertigarzneimittel fand sich bei der Recherche nicht. In den USA war es seit 1962 als Winstrol zugelassen; laut FDA-Datenbank wird es dort nicht mehr vertrieben.
Stanozolol steht in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes. Herstellung, Handel und Abgabe zu Dopingzwecken sind verboten, ebenso Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge zum Doping im Sport; der Strafrahmen reicht bis zu drei Jahren, in schweren Fällen bis zu zehn. Im Sport steht es auf der Verbotsliste der WADA unter S1.1 und ist jederzeit verboten.
Sicherheit
Blutfette und Herz: Der Abfall des HDL-Cholesterins ist die am besten gemessene Nebenwirkung, um ein Drittel bei Kraftsportlern, bei 91 Prozent der Behandelten in einer Placebo-Studie. Zugleich steigt das LDL. Nach dem Absetzen kehrten die Werte in den Studien zurück; was eine längere Belastung für die Gefäße bedeutet, ist für Stanozolol allein nicht untersucht.
Leber: Als 17α-alkyliertes Steroid belastet Stanozolol die Leber. In Studien stiegen die Leberwerte bei einem Teil der Behandelten vorübergehend. Ein Fallbericht beschreibt bei einem 19-Jährigen nach zwei Monaten Eigengebrauch eine schwere Gallenstauung mit einem Bilirubin bis 56,6 mg/dl; die Werte normalisierten sich erst fünf Monate nach dem Absetzen.
Hormonachse: Schon nach zwei Wochen war die eigene Testosteronproduktion gesunder Männer um mehr als die Hälfte gedrosselt. Bei Frauen sind Haarwuchs, Akne und Zyklusstörungen beschrieben.
Psyche: In der Langzeitbeobachtung beim Angioödem traten Stimmungsschwankungen auf. Zu Abhängigkeit, Stimmung und Sterblichkeit bei nichtmedizinischer Anwendung von Steroiden insgesamt siehe Anabole Steroide. Wer Stanozolol in Betracht zieht, sollte Leberwerte und Blutfette ärztlich kontrollieren lassen – das sind die Werte, die sich in den Studien am schnellsten verändert haben.
BK-Score Belegt, mit Einschränkungen
| Human-Evidenz | 6 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 7 | |
| Sicherheits-Datenlage | 7 | |
| Hype-Abstand | 3 | |
| Anwendungserfahrung | 6 |
Evidenz 6, weil Stanozolol in kontrollierten Studien für medizinische Zwecke untersucht ist – doppelblind bei Osteoporose (46 Frauen, 29 Monate, Gesamtkörperkalzium +4,4 Prozent, Chesnut 1983) und über Jahrzehnte beim erblichen Angioödem (Sloane 2007) –, für die Nutzung im Kraftsport aber keine kontrollierte Studie zu Muskelmasse oder Kraft vorliegt. Mechanismus 7, weil Androgenrezeptor, Drosselung der Hormonachse (Testosteron −55 Prozent in 14 Tagen, Small 1984) und der Weg über die hepatische Lipase zum HDL-Abfall am Menschen gemessen sind. Sicherheit 7, weil die Blutfette in einer Crossover-Studie gegen Testosteron (HDL −33 gegenüber −9 Prozent, Thompson 1989) und in einer randomisierten Studie (HDL-Abfall bei 91 Prozent, Carson 2015) vermessen sind und Leberschäden in Studien und Fallberichten dokumentiert sind; Langzeitdaten zu Herz und Gefäßen fehlen – gut untersucht heißt hier nicht harmlos. Hype 3, weil der Ruf als Mittel für einen trockenen, harten Muskelaufbau keine Grundlage in Humanstudien hat, während der ausgeprägte HDL-Abfall gut belegt ist. Anwendung 6, weil Stanozolol seit 1962 ärztlich eingesetzt wurde, das US-Präparat aber nicht mehr vertrieben wird. Richtung gemischt: belegter medizinischer Nutzen in engen Anwendungen, keine Daten für den Kraftsport, dazu ein klar gemessenes Blutfett- und Leberrisiko.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Stanozolol
Wofür wurde Stanozolol medizinisch eingesetzt?
Vor allem beim erblichen Angioödem, wo Patienten es über Jahrzehnte nahmen, und in Studien bei Osteoporose und Venenleiden. In den USA war es seit 1962 als Winstrol zugelassen; das Präparat wird dort nicht mehr vertrieben.
Baut Stanozolol Muskeln auf?
Dafür gibt es keine kontrollierte Studie an Gesunden. In einer Crossover-Studie nahmen Gewichtheber unter Stanozolol ähnlich viel Gewicht zu wie unter hochdosiertem Testosteron; Muskelmasse und Kraft berichtet die Studie nicht.
Was macht Stanozolol mit dem Cholesterin?
Es senkt das schützende HDL-Cholesterin stark, in einer Studie um 33 Prozent, und hebt das LDL um 29 Prozent. Unter Testosteron fiel das HDL in derselben Studie nur um 9 Prozent.
Ist Stanozolol schlecht für die Leber?
Es ist 17α-alkyliert und belastet die Leber. In Studien stiegen die Leberwerte bei einem Teil der Behandelten vorübergehend; beschrieben sind auch schwere Gallenstauungen.
Ist Stanozolol in Deutschland erlaubt?
Es ist verschreibungspflichtig, ein zugelassenes Präparat fand sich bei der Recherche nicht. Es steht in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes; Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge zum Doping sind verboten. Im Sport ist es jederzeit verboten.
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Quellen
- FDA, Drugs@FDA – Winstrol, NDA 012885: Zulassung 1962, Status nicht mehr vertrieben
- Thompson PD et al., JAMA 1989 – Testosteron gegen Stanozolol: Blutfette bei 11 Gewichthebern, Crossover
- Carson P et al., Int J Low Extrem Wounds 2015 – RCT: Leberwerte und Blutfette unter Stanozolol, 44 Patienten
- Chesnut CH et al., Metabolism 1983 – Stanozolol bei Osteoporose nach den Wechseljahren, doppelblind, 46 Frauen, 29 Monate
- Sloane DE et al., J Allergy Clin Immunol 2007 – erbliches Angioödem: Sicherheit nach 20 bis 40 Jahren Stanozolol
- Small M et al., Clin Endocrinol 1984 – Hormonveränderungen bei 9 gesunden Männern unter Stanozolol
- Stępień PM et al., Clin Exp Hepatol 2015 – schwere Gallenstauung und Leberversagen nach Stanozolol, Fallbericht
- Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1 – Verschreibungspflicht
- Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG), § 2 bis § 4 und Anlage
- Verbotsliste im Sport 2026: S1.1 anabol-androgene Steroide, jederzeit verboten (WADA Prohibited List)
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.