Peptid & Experimentelles
Anabole Steroide (Anabolika, AAS)
Warnung: Anabol-androgene Steroide, Doping- und Gesundheitsrisiko · Anabol-androgene Steroide, AAS, Anabolika, Steroide, Roids, Testosteronderivate, Trenbolon, Stanozolol, Metandienon, Oxandrolon, Oxymetholon
Anabol-androgene Steroide, kurz Anabolika, sind Testosteron und seine künstlichen Abkömmlinge. Sie bauen Muskeln so zuverlässig auf wie kaum ein anderer Stoff. Genau deshalb ist ihr Preis inzwischen gut vermessen: Herz, Hormonachse und Lebenserwartung.
Kurz gesagt
Anabolika wirken, das ist seit Jahrzehnten belegt: Mehr Muskelmasse und mehr Kraft, mit Training noch deutlich mehr. Außerhalb einer ärztlichen Therapie sind sie aber mit klar erhöhten Risiken verbunden. In einer großen dänischen Kohorte war das Sterberisiko der Anwender 2,81-fach so hoch wie bei Gleichaltrigen, das Risiko für Herzmuskelerkrankungen 8,90-fach. Die eigene Testosteronproduktion wird während der Anwendung abgeschaltet und erholt sich bei einem Teil der Männer auch Jahre später nicht vollständig. In Deutschland sind Handel und Weitergabe zu Dopingzwecken strafbar, ebenso Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge, und im Sport sind Anabolika jederzeit verboten.
Was es ist
Anabol-androgene Steroide, in der Fachliteratur AAS, sind Testosteron und davon abgeleitete Moleküle. Anabol heißt aufbauend, gemeint ist die Wirkung auf Muskeln und Knochen. Androgen heißt vermännlichend, gemeint sind Bartwuchs, tiefe Stimme und Libido. Beide Wirkungen lassen sich chemisch nie ganz trennen. Zu der Gruppe gehören injizierbare Ester wie Testosteron-Enantat oder Nandrolon und Tabletten mit chemisch veränderter Struktur.
Es gibt eine legitime Medizin dahinter. Testosteron ist das Standardmittel bei echtem, ärztlich nachgewiesenem Testosteronmangel, dazu gibt es einen eigenen Eintrag Testosteron und TRT. Nandrolon ist in einigen EU-Ländern bei Osteoporose nach den Wechseljahren und bei Blutarmut durch Nierenversagen zugelassen, auch dazu gibt es einen eigenen Eintrag. Dieser Sammeleintrag behandelt die Anwendung ohne ärztliche Indikation, also im Kraftsport, Bodybuilding und zur Optik.
Wie es wirkt
AAS binden an den Androgenrezeptor in Muskelzellen und vielen anderen Geweben. Das steigert die Eiweißbildung im Muskel, die Bildung roter Blutkörperchen und verändert den Fettstoffwechsel. Gleichzeitig registriert das Gehirn den hohen Hormonspiegel und drosselt die Signale an die Hoden. Die eigene Testosteronproduktion und die Spermienbildung fahren herunter. Das ist keine Nebenwirkung, die nur manche trifft, sondern die direkte Folge des Wirkprinzips.
Warum Menschen es nehmen
Weil es funktioniert. Eine Meta-Analyse aus 187 Studien schätzt, dass weltweit 3,3 Prozent der Menschen irgendwann im Leben AAS genommen haben, bei Männern 6,4 Prozent, bei Frauen 1,6 Prozent. Die meisten Anwender sind keine Leistungssportler, sondern Freizeitsportler im Fitnessstudio. Viele beginnen erst nach dem 20. Lebensjahr. Für die USA rechnen Forscher mit 2,9 bis 4,0 Millionen Menschen, die AAS angewendet haben, und mit etwa 1 Million, die dabei eine Abhängigkeit entwickelt haben.
Was gut belegt ist
Die Muskelwirkung ist so sauber belegt wie bei wenigen Stoffen in diesem Bereich. In einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine bekamen 43 gesunde Männer 10 Wochen lang supraphysiologisches Testosteron oder Placebo, jeweils mit oder ohne Krafttraining. Schon ohne Training wuchsen Muskelquerschnitt und Kraft. Mit Training nahm die fettfreie Masse um 6,1 kg zu, das Bankdrücken um 22 kg, die Kniebeuge um 38 kg. In der prospektiven HAARLEM-Studie aus den Niederlanden gaben 100 Prozent der 100 Männer während der Anwendung mehr Kraft an. Gut belegt ist inzwischen aber auch die andere Seite. In der dänischen Registerkohorte mit 1189 Anwendern und 59450 Kontrollen, im Mittel 27,4 Jahre alt und 11,2 Jahre lang beobachtet, starben 33 Anwender, bei den Kontrollen waren es 578. Das ergibt ein 2,81-fach erhöhtes Sterberisiko. 17 Todesfälle waren unnatürlich, vor allem Unfälle, 16 natürlich, meist durch Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In derselben Kohorte war das Risiko für eine Kardiomyopathie 8,90-fach erhöht, für Herzinsuffizienz 3,63-fach, für einen Herzinfarkt 3,00-fach, für Thrombosen 2,42-fach und für Rhythmusstörungen 2,26-fach.
Was die Studien zeigen
Dänemark: Sterblichkeit und Herz
Männer, die zwischen 2006 und 2018 bei Dopingkontrollen in dänischen Fitnessstudios positiv getestet wurden, verglichen mit je 50 gleichaltrigen Männern aus der Bevölkerung über die nationalen Register. Nach im Mittel 11,2 Jahren lag die Sterblichkeit 2,81-fach höher, unnatürliche Todesfälle 3,64-fach, natürliche 2,24-fach. Eine Folgearbeit fand ein 8,90-faches Risiko für Herzmuskelerkrankungen. Die Studie ist beobachtend, Lebensstil und andere Substanzen sind nicht vollständig erfasst.
Das Herz langjähriger Anwender
140 erfahrene Kraftsportler zwischen 34 und 54 Jahren, 86 davon mit mindestens 2 Jahren Anwendung, 54 ohne. Die Auswurfleistung der linken Herzkammer lag bei Anwendern bei 52 gegenüber 63 Prozent, die Koronararterien trugen mehr Plaque, und die Plaquemenge stieg mit der Gesamtdauer der Anwendung. Eine dänische PET-Studie mit 90 Männern fand gestörte Durchblutung der kleinsten Herzgefäße auch bei früheren Anwendern, im Mittel 1,5 Jahre nach dem Aufhören.
Die Hormonachse nach dem Aufhören
37 aktuelle und 33 frühere Anwender sowie 30 Kontrollen. Im Mittel 2,5 Jahre nach dem Aufhören lagen 27,2 Prozent der früheren Anwender unter dem unteren Referenzwert von 12,1 nmol/l Testosteron, bei den Kontrollen niemand. 24,2 Prozent hatten depressive Symptome, 27,3 Prozent Erektionsstörungen, 40,1 Prozent weniger Libido. Eine Meta-Analyse aus 32 Studien zeigt, dass sich die steuernden Hormone LH und FSH bei den meisten innerhalb eines Jahres erholen, Hodenvolumen und Spermienbeweglichkeit aber leiden.
Wo die Daten aufhören
Die Wirkung ist gut untersucht, die Langzeitfolgen der Szene-Anwendung dagegen nur in Beobachtungsstudien. Randomisierte Studien mit den Mengen und Kombinationen, die tatsächlich verwendet werden, wären ethisch nicht vertretbar, das schreibt auch die Endocrine Society. Die dänischen Zahlen betreffen Männer, die bei Kontrollen aufgefallen sind, und Frauen fehlen in fast allen Studien. Beim Krebsrisiko fand die dänische Kohorte nach 11 Jahren keinen Anstieg, das Inzidenzverhältnis lag bei 1,05, doch es gab nur 13 Fälle bei jungen Männern. Das ist keine Entwarnung für die Jahrzehnte danach. Auch beim Diabetes zeigte sich kein erhöhtes Risiko. In der HAARLEM-Studie hatten sich die meisten beobachteten Effekte nach 1 Jahr zurückgebildet, doch es ging um eine einzige Anwendungsphase. Wie viele Männer dauerhaft einen Hormonmangel behalten, ist nicht sauber bestimmt, es gibt dafür noch nicht einmal eine einheitliche Definition.
Status, Zulassung und Recht
Außerhalb der Medizin gibt es keinen legalen Weg. Einzelne Wirkstoffe wie Testosteron sind verschreibungspflichtige Arzneimittel für klar definierte Indikationen. Das Anti-Doping-Gesetz verbietet in § 2 Herstellung, Handel, Abgabe und Verschreibung zu Dopingzwecken sowie Erwerb, Besitz und Einfuhr in nicht geringer Menge zum Doping im Sport; die Grenzen legt die Dopingmittel-Mengen-Verordnung von 2023 je Stoff fest. Verstöße nach § 4 werden mit bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bestraft, in schweren Fällen, etwa bei Abgabe an Personen unter 18 Jahren oder bandenmäßigem Handel, mit 1 bis 10 Jahren. Selbstdoping nach § 3 ist für Spitzensportler im Testpool und für Sportler mit erheblichen Einnahmen strafbar. Der Zoll kontrolliert die Einfuhr. Die Welt-Anti-Doping-Agentur führt AAS in der Liste für 2026 unter S1.1, verboten in und außerhalb von Wettkämpfen.
Sicherheit
Die Risiken betreffen mehrere Organsysteme gleichzeitig. Herz: Kardiomyopathie, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Thrombosen und Rhythmusstörungen sind in der dänischen Kohorte deutlich häufiger. Hormone: Die eigene Produktion wird abgeschaltet, nach dem Aufhören folgen oft Monate mit Libidoverlust und gedrückter Stimmung, bei manchen bleibt der Mangel. In HAARLEM hatte jeder Teilnehmer mindestens eine negative Wirkung, am häufigsten Wassereinlagerungen mit 56 Prozent und Unruhe mit 36 Prozent, danach Libidoverlust bei 58 Prozent, Akne bei 28 Prozent und Brustdrüsenwachstum bei 19 Prozent; 4 von 100 hatten ein schweres Ereignis bis hin zu Herzinsuffizienz und Suizidgedanken. Leber: beschrieben sind eine besondere Form der Gallenstauung, blutgefüllte Hohlräume im Lebergewebe und gut- wie bösartige Lebertumoren, teils mit bleibenden Folgen. Frauen riskieren eine teils bleibende Vermännlichung. Ein Zusatzrisiko ist der Schwarzmarkt: In einer Meta-Analyse aus 19 Studien mit 5413 Proben waren 36 Prozent gefälscht und weitere 37 Prozent mangelhaft. Eine sichere Menge außerhalb ärztlicher Therapie gibt es nicht.
BK-Score Belegt, mit Einschränkungen
| Human-Evidenz | 7 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 9 | |
| Sicherheits-Datenlage | 6 | |
| Hype-Abstand | 4 | |
| Anwendungserfahrung | 6 |
Evidenz 7, weil die Muskelwirkung randomisiert belegt ist (Bhasin et al. 1996, 43 Männer, 10 Wochen, +6,1 kg fettfreie Masse mit Training) und einzelne Wirkstoffe für medizinische Indikationen zugelassen sind, es für die Anwendung ohne Indikation aber nur kleine und kurze kontrollierte Studien gibt. Mechanismus 9, weil Androgenrezeptor, Eiweißaufbau und die Abschaltung der Hormonachse am Menschen genau vermessen sind. Sicherheit 6, weil große Registerkohorten mit langer Nachbeobachtung vorliegen (Windfeld-Mathiasen et al. 2024 und 2025: 1189 Anwender gegen 59450 Kontrollen, 11,2 Jahre, Sterblichkeit HR 2,81, Kardiomyopathie aHR 8,90), dazu prospektive Daten über 1 Jahr (HAARLEM, 100 Männer) und Querschnittsstudien zu Herz und Hormonachse, aber keine randomisierten Langzeitdaten und kaum Daten zu Frauen. Hype 4, weil die Muskelwirkung real ist, die Risiken in der Szene aber systematisch unterschätzt werden – die Endocrine Society spricht ausdrücklich von einer verbreiteten Fehleinschätzung, die Anwendung sei sicher oder beherrschbar (Pope et al. 2014). Anwendung 6, weil Testosteron seit Jahrzehnten ärztlich reguliert eingesetzt wird, die nichtmedizinische Anwendung aber bei geschätzt 3,3 % der Weltbevölkerung ohne Aufsicht stattfindet. Richtung gemischt: Die Muskelwirkung ist unbestritten, doch die Daten zeigen bei der Anwendung ohne ärztliche Indikation ein klar erhöhtes Sterbe- und Herzrisiko und bleibende Hormonschäden bei einem Teil der Anwender (27,2 % unter dem Referenzwert Jahre nach dem Aufhören, Rasmussen et al. 2016).
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Anabole Steroide (Anabolika, AAS)
Wirken Anabolika wirklich?
Ja. In einer randomisierten Studie nahmen Männer mit Testosteron und Krafttraining in 10 Wochen 6,1 kg fettfreie Masse zu, deutlich mehr als mit Training allein. Die Wirkung ist seit Jahrzehnten unbestritten, die Diskussion dreht sich um den gesundheitlichen Preis.
Wie gefährlich sind Anabolika für das Herz?
In einer dänischen Kohorte mit 1189 Anwendern war das Risiko für Herzmuskelerkrankungen 8,90-fach, für Herzinfarkt 3,00-fach erhöht. Langjährige Anwender hatten eine schwächere Pumpfunktion und mehr Plaque in den Herzkranzgefäßen. Gestörte kleine Herzgefäße fanden sich auch nach dem Aufhören.
Erholt sich die Testosteronproduktion nach dem Absetzen?
Bei den meisten Männern erholen sich die steuernden Hormone innerhalb eines Jahres. Bei einem Teil bleibt das Testosteron aber niedrig: In einer Studie lagen 27,2 Prozent der früheren Anwender Jahre später unter dem Referenzwert. Wer betroffen ist, lässt das in einer endokrinologischen oder andrologischen Sprechstunde abklären.
Ist der Besitz von Anabolika in Deutschland strafbar?
Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge zum Doping im Sport sind nach dem Anti-Doping-Gesetz verboten, Handel und Weitergabe zu Dopingzwecken grundsätzlich. Die Grenzmengen stehen je Stoff in der Dopingmittel-Mengen-Verordnung. Für Spitzensportler ist zusätzlich schon das Selbstdoping strafbar.
Sind Anabolika im Sport verboten?
Ja, jederzeit, im Wettkampf und außerhalb. Die Welt-Anti-Doping-Agentur führt sie in der Liste für 2026 unter S1.1. Wer im organisierten Sport startet, findet bei der NADA die Verbotsliste und die Medikamentendatenbank NADAmed.
Wo bekomme ich Hilfe bei Beschwerden oder beim Aufhören?
Erste Anlaufstelle ist die hausärztliche Praxis, spezialisiert sind Endokrinologie, Andrologie und Kardiologie; Ärztinnen und Ärzte unterliegen der Schweigepflicht. Bei akuten Beschwerden wie Brustschmerz oder Atemnot gilt der Notruf 112. Die Giftinformationszentren der Länder, etwa 089 19240 in München oder 030 19240 in Berlin, beraten bei Vergiftungsverdacht, und die NADA informiert zu Doping-Fragen.
Quellen
- Bhasin et al., N Engl J Med 1996 – supraphysiologisches Testosteron, Muskelmasse und Kraft
- Windfeld-Mathiasen et al., JAMA 2024 – Sterblichkeit von AAS-Anwendern
- Windfeld-Mathiasen et al., Circulation 2025 – Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei AAS-Anwendern
- Baggish et al., Circulation 2017 – Herzfunktion und Koronarplaque
- Rasmussen et al., PLoS One 2016 – Testosteronmangel Jahre nach dem Aufhören
- Smit et al., Scand J Med Sci Sports 2021 – HAARLEM-Studie, 100 Männer, 1 Jahr
- Sagoe et al., Ann Epidemiol 2014 – weltweite Verbreitung, Meta-Analyse
- Magnolini et al., BMC Public Health 2022 – gefälschte Anabolika auf dem Schwarzmarkt
- Pope et al., Endocr Rev 2014 – Endocrine Society, gesundheitliche Folgen von Dopingmitteln
- Anti-Doping-Gesetz, § 2 bis § 4 und Anlage
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-27.