Peptid & Experimentelles
Oxymetholon (Anadrol)
Anabol-androgenes Steroid zum Einnehmen, 17α-alkyliert; in den USA für Blutarmut zugelassen gewesen · Anadrol, Anadrol-50, Oxymetholone
Oxymetholon ist ein anabol-androgenes Steroid zum Einnehmen, in den USA seit 1972 als Anadrol-50 gegen Blutarmut zugelassen. Es baut in randomisierten Studien fettfreie Masse auf, bei Kranken wie bei älteren Männern. Dieselben Studien zeigen, was es kostet: Leberwerte, die bei rund einem Drittel der Behandelten stark steigen, ein deutlich fallendes HDL-Cholesterin und, aus Fallsammlungen, Lebertumoren.
Kurz gesagt
Oxymetholon wirkt, und das ist am Menschen randomisiert gezeigt: mehr fettfreie Masse bei HIV-bedingtem Gewichtsverlust, bei Dialysepatienten und bei älteren Männern, dazu mehr Hämoglobin bei Blutarmut. Zugelassen war es genau dafür, für Anämien durch mangelnde Blutbildung. Die Kehrseite steht in denselben Studien: In der größten stiegen die Leberwerte bei 27 bis 35 Prozent der Behandelten auf mehr als das Fünffache, unter Placebo bei niemandem; bei älteren Männern fiel das HDL-Cholesterin um rund 20 mg/dl. In Fallsammlungen zu Lebertumoren unter Androgenen taucht Oxymetholon am häufigsten auf. Für Gesunde, die Muskeln aufbauen wollen, gibt es keine einzige Studie – nur die Rechnung aus den Patientendaten.
Was Oxymetholon ist und wie es wirkt
Oxymetholon ist ein künstlicher Abkömmling des Testosterons, chemisch ein 17α-alkyliertes Steroid. Diese Veränderung schützt den Wirkstoff vor dem schnellen Abbau in der Leber und macht ihn als Tablette wirksam. In den USA wurde er 1972 als Anadrol-50 zugelassen, für Blutarmut durch mangelnde Bildung roter Blutkörperchen, etwa bei aplastischer Anämie oder Myelofibrose. Laut FDA-Datenbank wird das Präparat dort inzwischen nicht mehr vertrieben.
Wie bei allen Steroiden dieser Gruppe wirkt Oxymetholon am Androgenrezeptor: Es fördert den Eiweißaufbau und regt laut US-Fachinformation bei Knochenmarkversagen die Bildung von Erythropoetin an, dem Hormon für die Blutbildung. Die Fachinformation hält ausdrücklich fest, dass sich aufbauende und vermännlichende Wirkung nie vollständig trennen ließen. Der hohe Hormonspiegel drosselt zudem die Hypophyse und damit die eigene Testosteronproduktion. Einen Überblick über die ganze Stoffgruppe gibt der Beitrag Anabole Steroide.
Was gut belegt ist
Belegt ist die aufbauende Wirkung am Menschen in mehreren kleinen randomisierten Studien: mehr Gewicht und Körperzellmasse bei HIV-bedingtem Gewichtsverlust, mehr fettfreie Masse und Kraft bei älteren Männern, mehr Hämoglobin bei Dialysepatienten zusätzlich zu Erythropoetin. Ebenso gut belegt ist die Leberbelastung: Sie wurde in denselben Studien gegen Placebo gemessen und steht als Warnhinweis in der Fachinformation, zusammen mit dem Abfall des HDL-Cholesterins. Beide Seiten stammen aus denselben Daten.
Was die Studien zeigen
Hengge 2003: HIV-bedingter Gewichtsverlust
In einer doppelblinden Phase-3-Studie mit 89 HIV-positiven Männern und Frauen nahmen die Teilnehmenden unter Oxymetholon in 16 Wochen 3,0 bzw. 3,5 kg zu, unter Placebo 1,0 kg. Die Körperzellmasse stieg, Appetit und Wohlbefinden besserten sich. Wichtigste Nebenwirkung war die Leber: Bei 35 bzw. 27 Prozent stieg die ALT auf mehr als das Fünffache des Ausgangswerts, unter Placebo bei niemandem.
Schroeder 2003: ältere Männer
31 Männer zwischen 65 und 80 Jahren erhielten 12 Wochen lang Oxymetholon in einer von zwei Dosisstufen oder Placebo. Die fettfreie Masse stieg um 3,3 bzw. 4,2 kg, unter Placebo um 0,0 kg; das Bauchfett sank, die Maximalkraft beim Brustdrücken stieg um 8 bzw. 14 Prozent. Zugleich fiel das HDL-Cholesterin um 19 bzw. 23 mg/dl, und in der höheren Dosisgruppe stieg die ALT deutlich.
Aramwit 2010: Blutarmut bei Dialyse
Bei 24 Patienten an der Bauchfelldialyse, die alle Erythropoetin bekamen, lagen nach 6 Monaten doppelblinder Behandlung Hämoglobin und Hämatokrit unter Oxymetholon bei 12,9 g/dl und 38,1 Prozent, unter Placebo bei 11,0 g/dl und 32,8 Prozent. Das Gewicht stieg, als Hauptnebenwirkung stiegen die Leberenzyme.
Pengthina 2022: aplastische Anämie
In einer rückblickenden Auswertung mit 74 abgeglichenen Patienten sprachen nach einem Jahr 54,1 Prozent der nicht schweren, aber nur 13,5 Prozent der schweren Fälle an. Für schwere aplastische Anämie gelten heute andere Behandlungen als erste Wahl; Oxymetholon bleibt dort, wo diese nicht möglich sind.
Velazquez 2004: Lebertumoren
Eine Sammlung aller bis dahin veröffentlichten Fälle fand 133 Lebertumoren unter Androgenen, bei Fanconi-Anämie und bei anderen Erkrankungen. Oxymetholon war der häufigste Wirkstoff, Leberzellkrebs trat vor allem unter Oxymetholon und Methyltestosteron auf. Wie hoch das Risiko ist, lässt sich daraus nicht berechnen, weil die Zahl aller Behandelten unbekannt ist.
Wo die Daten aufhören
- Gesunde Anwender. Es gibt keine kontrollierte Studie an gesunden jungen Menschen, die mit Oxymetholon Muskeln aufbauen wollen. Alle Wirkungs- und Schadensdaten stammen von Kranken oder Älteren.
- Dauer. Die randomisierten Studien liefen 12 Wochen bis 6 Monate. Wie sich Leber, Blutfette und Herz über Jahre entwickeln, ist nur aus Fallberichten und Fallsammlungen bekannt.
- Höhe des Tumorrisikos. Dass Lebertumoren vorkommen, ist belegt; wie häufig, lässt sich mangels Bezugsgröße nicht sagen (Velazquez 2004).
- Kraft und Funktion. Mehr fettfreie Masse heißt nicht automatisch mehr Alltagsfunktion. Nur die Studie an älteren Männern hat Kraft gemessen, über 12 Wochen.
Status, Zulassung und Recht
In Deutschland ist Oxymetholon verschreibungspflichtig (Arzneimittelverschreibungsverordnung, Anlage 1). Ein in Deutschland zugelassenes Fertigarzneimittel fand sich bei der Recherche nicht. In den USA war es seit 1972 als Anadrol-50 zugelassen und galt dort als Betäubungsmittel der Klasse III; laut FDA-Datenbank wird es inzwischen nicht mehr vertrieben.
Oxymetholon steht in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes. Herstellung, Handel und Abgabe zu Dopingzwecken sind verboten, ebenso Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge zum Doping im Sport; der Strafrahmen reicht bis zu drei Jahren, in schweren Fällen bis zu zehn. Im Sport steht es auf der Verbotsliste der WADA unter S1.1 und ist jederzeit verboten.
Sicherheit
Leber: Oxymetholon ist 17α-alkyliert, und genau diese Gruppe belastet die Leber am stärksten. In der größten randomisierten Studie stiegen die Leberwerte bei rund einem Drittel auf mehr als das Fünffache. Die Fachinformation nennt Gallenstauung mit Gelbsucht, selten Leberversagen, dazu Peliosis hepatis, also mit Blut gefüllte Hohlräume, und Lebertumoren, die lange stumm bleiben und erst durch eine Blutung in den Bauchraum auffallen können. Sie empfiehlt regelmäßige Leberwerte.
Blutfette und Herz: Das HDL-Cholesterin fällt, das LDL kann steigen; die Fachinformation nennt diese Veränderungen „sehr ausgeprägt“ und bedeutsam für Arteriosklerose und koronare Herzkrankheit. Bei vorbestehender Herz-, Nieren- oder Lebererkrankung drohen Wassereinlagerungen bis zur Herzschwäche. Gerinnungshemmer wie Warfarin wirken stärker, mit Blutungsgefahr.
Hormonachse: Beim Mann wird die Hodenfunktion unterdrückt, die Hoden schrumpfen, die Spermienzahl fällt, Erektionsstörungen und Brustwachstum sind beschrieben. Bei Frauen kommt es zu Stimmvertiefung, Haarwuchs, Akne, Zyklusstörungen und Vergrößerung der Klitoris; manche dieser Veränderungen bleiben laut Fachinformation auch nach sofortigem Absetzen.
Psyche: Die Fachinformation nennt Erregung, Schlaflosigkeit und veränderte Libido. Zu Abhängigkeit, Stimmung und Sterblichkeit bei nichtmedizinischer Anwendung von Steroiden insgesamt siehe Anabole Steroide. Vor jedem Schritt gehört hier ein ärztliches Gespräch, mit Leberwerten und Blutfetten als festem Teil.
BK-Score Belegt, mit Einschränkungen
| Human-Evidenz | 7 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 8 | |
| Sicherheits-Datenlage | 7 | |
| Hype-Abstand | 4 | |
| Anwendungserfahrung | 7 |
Evidenz 7, weil mehrere randomisierte, placebokontrollierte Studien die aufbauende Wirkung am Menschen zeigen – bei HIV-bedingtem Gewichtsverlust (89 Patienten, Hengge 2003), bei älteren Männern (31 Männer, +3,3 bis +4,2 kg fettfreie Masse in 12 Wochen, Schroeder 2003) und bei Dialysepatienten (Aramwit 2010) – und die Zulassung bei Blutarmut auf klinischen Daten beruht; die Studien sind aber klein und kurz, und für Gesunde, die Muskeln aufbauen wollen, gibt es keine. Mechanismus 8, weil Androgenrezeptor, Anregung der Blutbildung und die Leberbelastung durch die 17α-Alkylierung bekannt sind, der genaue Anteil der einzelnen Wege an der Wirkung aber nicht vermessen ist. Sicherheit 7, weil die Leberwerte in randomisierten Studien gemessen wurden (Werte über fünffach erhöht bei 27 bis 35 Prozent gegenüber 0 Prozent unter Placebo), der HDL-Abfall quantifiziert ist und Lebertumoren in Fallsammlungen erfasst sind; Langzeitdaten mit Kontrollgruppe fehlen – die Zahl heißt gut untersucht, nicht harmlos. Hype 4, weil die Wirkung real ist, die Leber- und Blutfettdaten bei der Nutzung außerhalb der Medizin aber meist fehlen. Anwendung 7, weil Oxymetholon seit Jahrzehnten ärztlich bei Blutarmut eingesetzt wurde, wenn auch in einer kleinen Patientengruppe. Richtung gemischt: belegte Wirkung bei Kranken, dazu ein gut dokumentiertes Leber- und Blutfettrisiko.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Oxymetholon
Wirkt Oxymetholon?
Ja. In randomisierten Studien bauten Kranke und ältere Männer damit fettfreie Masse auf, bei älteren Männern 3,3 bis 4,2 kg in 12 Wochen. An gesunden jungen Menschen ist es nicht untersucht.
Wofür war Oxymetholon zugelassen?
In den USA seit 1972 für Blutarmut durch mangelnde Bildung roter Blutkörperchen, etwa bei aplastischer Anämie und Myelofibrose. Laut FDA-Datenbank wird das Präparat Anadrol-50 inzwischen nicht mehr vertrieben.
Wie stark belastet Oxymetholon die Leber?
Deutlich. In einer Studie mit 89 Patienten stiegen die Leberwerte bei 27 bis 35 Prozent auf mehr als das Fünffache, unter Placebo bei niemandem. In Fallsammlungen zu Lebertumoren unter Androgenen ist Oxymetholon der häufigste Wirkstoff.
Was macht Oxymetholon mit den Blutfetten?
Das HDL-Cholesterin fällt. Bei älteren Männern sank es in 12 Wochen um 19 bis 23 mg/dl. Die Fachinformation wertet solche Veränderungen als Risiko für Arteriosklerose.
Ist Oxymetholon in Deutschland erlaubt?
Es ist verschreibungspflichtig, ein zugelassenes Präparat fand sich bei der Recherche nicht. Es steht in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes; Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge zum Doping sind verboten. Im Sport ist es jederzeit verboten.
Ähnliche Themen
- Verwandtes ThemaMetenolon (Primobolan)
- Verwandtes ThemaOxandrolon (Anavar)
- Verwandtes ThemaStanozolol (Winstrol)
- Verwandtes ThemaNandrolon-Decanoat
- Verwandtes ThemaMethandrostenolon (Dianabol)
- Verwandtes ThemaTrestolon (MENT)
Quellen
- Fachinformation Anadrol-50 (Oxymetholon), US-Zulassungstext Stand 08/2004 – Anwendungsgebiete, Warnhinweise zu Leber, Blutfetten und Vermännlichung
- FDA, Drugs@FDA – Anadrol-50, NDA 016848: Zulassung 1972, Status nicht mehr vertrieben
- Hengge UR et al., AIDS 2003 – RCT bei HIV-bedingtem Gewichtsverlust, 89 Patienten, 16 Wochen
- Schroeder ET et al., Am J Physiol Endocrinol Metab 2003 – RCT bei 31 älteren Männern: fettfreie Masse, Kraft, HDL und Leberwerte
- Aramwit P et al., Int J Clin Pharmacol Ther 2010 – Oxymetholon plus Erythropoetin bei Peritonealdialyse, doppelblind, 24 Patienten
- Pengthina W, Saelue P, J Blood Med 2022 – Oxymetholon bei erworbener aplastischer Anämie, 74 Patienten
- Velazquez I, Alter BP, Am J Hematol 2004 – Androgene und Lebertumoren, Fallsammlung
- Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1 – Verschreibungspflicht
- Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG), § 2 bis § 4 und Anlage
- Verbotsliste im Sport 2026: S1.1 anabol-androgene Steroide, jederzeit verboten (WADA Prohibited List)
Diese Studien mit Studientyp und Jahr in der Studien-Datenbank ansehen
In der Datenbank öffnen – mit Suche, Filtern und Vergleich
Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.