Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

Fluoxymesteron (Halotestin)

Anabol-androgenes Steroid zum Einnehmen, 17α-alkyliert und fluoriert; in den USA früher zugelassen · Halotestin, Ora-Testryl, Android-F, Fluoxymesterone, 9α-Fluor-11β-hydroxy-17α-methyltestosteron

Fluoxymesteron ist ein Androgen in Tablettenform, das in den USA 1956 als Halotestin zugelassen wurde – für Männer mit Testosteronmangel oder verzögerter Pubertät und für Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs. Aus der Krebsmedizin stammen randomisierte Studien mit mehreren hundert Patientinnen, aus der Kinderheilkunde Langzeitdaten zum Wachstum. Zu Muskelaufbau oder Kraft bei Gesunden gibt es keine einzige Studie.

Kurz gesagt

Fluoxymesteron war über Jahrzehnte ein zugelassenes Arzneimittel, und das macht es unter den Tabletten-Steroiden vergleichsweise gut untersucht. In einer randomisierten Studie mit 238 Frauen mit metastasiertem Brustkrebs sprachen zusätzlich zu Tamoxifen 53 statt 42 Prozent an, einen Überlebensvorteil gab es nicht; nach einer Brustkrebs-Operation brachte es in einer Studie mit 541 Frauen keinen Vorteil. Bei Jungen mit verzögertem Wachstum beschleunigte es das Längenwachstum, ohne die Endgröße zu schmälern. Zu Muskeln, Kraft oder Leistung bei Gesunden fehlen Daten. Die Fachinformation warnt deutlich vor Leberschäden bis zu Tumoren; in den USA ist kein Präparat mehr im Handel, in Deutschland ist der Wirkstoff verschreibungspflichtig und steht in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes.

Was Fluoxymesteron ist und wie es wirkt

Fluoxymesteron ist ein abgewandeltes Testosteron. Eine Methylgruppe an Position 17α schützt es vor dem schnellen Abbau in der Leber und macht es als Tablette wirksam, dazu kommen ein Fluoratom an Position 9 und eine Hydroxygruppe an Position 11. In den USA kam es 1956 als Halotestin von Upjohn auf den Markt, später folgten weitere Präparate wie Ora-Testryl und Android-F. Laut FDA-Datenbank wird heute keines davon mehr vertrieben.

Wie alle anabol-androgenen Steroide bindet Fluoxymesteron am Androgenrezeptor. Die Fachinformation nennt Eiweißaufbau, Einlagerung von Stickstoff, Natrium und Phosphor, die typischen vermännlichenden Wirkungen und eine Anregung der Blutbildung. Über die Rückkopplung zur Hypophyse sinkt die Ausschüttung von LH und damit die eigene Testosteronproduktion, in hoher Dosis auch die Spermienbildung. Die Halbwertszeit nach Einnahme liegt bei etwa 9,2 Stunden. Einen Überblick über die ganze Stoffgruppe findest du unter Anabole Steroide (Anabolika, AAS).

Was gut belegt ist

Gut belegt ist die Rolle als Arzneimittel. Fluoxymesteron war in den USA für drei Anwendungen zugelassen: als Ersatz bei fehlendem oder zu niedrigem Testosteron, bei gesicherter verzögerter Pubertät von Jungen und zur Linderung bei wiederkehrendem, androgenempfindlichem Brustkrebs bei Frauen. In der Krebsmedizin wurde es in randomisierten Studien gegen und zusammen mit Tamoxifen geprüft; die Kombination zeigte eine biologische Wirkung, aber keinen Überlebensvorteil. In der Kinderheilkunde liegen Langzeitdaten zum Wachstum vor. Ebenfalls gut dokumentiert ist das Warnprofil der Fachinformation, vor allem für die Leber.

Was die Studien zeigen

Metastasierter Brustkrebs: zusätzlich zu Tamoxifen

Ingle 1988 teilte 238 Frauen nach den Wechseljahren mit metastasiertem Brustkrebs zufällig auf Tamoxifen allein oder Tamoxifen plus Fluoxymesteron auf. Unter der Kombination sprachen 53 Prozent an, unter Tamoxifen allein 42 Prozent. Die Zeit bis zum Fortschreiten lag im Median bei 350 gegenüber 199 Tagen, der Unterschied war statistisch aber nicht gesichert. Dauer des Ansprechens und Überleben unterschieden sich nicht, androgene Nebenwirkungen waren unter der Kombination häufiger. Von den Frauen, die nach Versagen von Tamoxifen Fluoxymesteron allein erhielten, sprachen 21 von 52 an. Die Autoren sahen eine echte biologische Wirkung, aber keinen ausreichenden Grund für den Routineeinsatz.

Nach Brustkrebs-Operation

In einer Folgestudie mit 541 Frauen nach operiertem, hormonempfindlichem Brustkrebs brachte Fluoxymesteron zusätzlich zu Tamoxifen über 11,4 Jahre Nachbeobachtung keinen gesicherten Vorteil bei Rückfallfreiheit oder Überleben; die Hazard Ratio für Rückfall oder Tod lag bei 0,84 mit einem Vertrauensbereich von 0,64 bis 1,10. Wie erwartet trat bei den Frauen mit Fluoxymesteron mehr Vermännlichung auf (Ingle 2006).

Krebsbedingte Auszehrung

Bei Patienten mit Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust durch Krebs verglich eine randomisierte Studie Fluoxymesteron mit Megestrolacetat und Dexamethason. Fluoxymesteron steigerte den Appetit deutlich schwächer und hatte kein günstiges Nebenwirkungsprofil; die Autoren nennen es klar die schlechtere Wahl (Loprinzi 1999).

Wachstum und Pubertät bei Jungen

Eine prospektive Studie begleitete 82 kleine Jungen mit verzögertem Wachstum und verzögerter Pubertät oder familiär kleinem Wuchs, die über 6 bis 60 Monate niedrig dosiertes Fluoxymesteron erhielten, und verglich die Vorhersagen mit 34 unbehandelten Jungen. Während der Behandlung wuchsen die Jungen 1,7- bis 2,5-mal so schnell wie vorher, unerwünschte androgene Wirkungen oder eine zu schnelle Pubertät wurden nicht beobachtet. Die Endgröße lag im Mittel 5 bis 6 cm über der Vorhersage vor Behandlungsbeginn (Strickland 1993). Eine Zufallszuteilung gab es nicht.

Wo die Daten aufhören

Alle kontrollierten Studien betreffen Kranke: Frauen mit Brustkrebs, Krebspatienten mit Auszehrung, Kinder mit verzögertem Wachstum. Es gibt keine Studie, die Fluoxymesteron bei gesunden Männern auf Muskelmasse, Kraft oder Leistung prüft, und keine, die es mit Testosteron oder einem anderen Steroid für diesen Zweck vergleicht.

Auch die Sicherheitsdaten haben Lücken. Die Warnungen der Fachinformation zur Leber gelten für die 17α-alkylierten Androgene als Gruppe; wie häufig Gallenstauung oder Tumoren gerade unter Fluoxymesteron auftreten, ist nicht beziffert. Systematische Messungen von Blutfetten, Herz und Gefäßen fehlen. Die Studien sind zudem alt, und das Präparat ist seit Jahren nicht mehr im Handel, neue Daten aus der Medizin kommen also nicht hinzu.

Status, Zulassung und Recht

In Deutschland ist Fluoxymesteron verschreibungspflichtig (Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung); ein hier zugelassenes Fertigarzneimittel fand sich bei der Recherche nicht. In den USA wurde es 1956 als Halotestin zugelassen (NDA 010611); laut FDA-Datenbank werden Halotestin und alle anderen dort zugelassenen Fluoxymesteron-Präparate nicht mehr vertrieben (Stand 10/2026). Dort ist es ein Betäubungsmittel der Klasse III.

Fluoxymesteron steht namentlich in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes. Herstellung, Handel, Abgabe und Verschreibung zu Dopingzwecken sind verboten, ebenso Erwerb, Besitz und Verbringen in nicht geringer Menge zum Doping im Sport. Auf der WADA-Verbotsliste 2026 steht es unter S1.1 und ist jederzeit verboten.

Sicherheit

Die Fachinformation warnt vor allem vor der Leber: Unter 17α-alkylierten Androgenen kann es zu einer Gallenstauung mit Gelbsucht kommen, die sich nach dem Absetzen zurückbildet; nach langer, hochdosierter Gabe sind Leberadenome, Leberzellkrebs und Peliosis hepatis beschrieben, eine Erkrankung mit blutgefüllten Hohlräumen in der Leber. Alle drei können lebensbedrohlich sein, deshalb sieht die Fachinformation regelmäßige Leberwerte vor. Eine Übersicht zu Leberschäden durch anabol-androgene Steroide bestätigt dieses Bild für die ganze Gruppe und betont, dass sich die Leber meist erholt, manche Folgen aber bleiben (Petrovic 2022).

Weitere Punkte aus der Fachinformation: Wassereinlagerung bis zur Herzschwäche bei vorbestehender Herz-, Nieren- oder Lebererkrankung, zu viele rote Blutkörperchen, ein möglicher Cholesterinanstieg und eine verstärkte Wirkung von Gerinnungshemmern. Bei Männern können Brustwachstum, zu häufige oder zu lange Erektionen und bei hoher Dosis eine verminderte Spermienzahl auftreten. Bei Frauen sind Stimmvertiefung und Vergrößerung der Klitoris meist nicht umkehrbar. Dazu nennt sie Kopfschmerz, Angst und Depression. Für die Stoffgruppe insgesamt sind Herzschäden und die Abschaltung der eigenen Hormonproduktion in großen Kohorten belegt, siehe Anabole Steroide (Anabolika, AAS).

BK-Score Belegt, mit Einschränkungen

Human-Evidenz6
Mechanismus7
Sicherheits-Datenlage5
Hype-Abstand4
Anwendungserfahrung6

Evidenz 6, weil Fluoxymesteron in randomisierten Studien am Menschen geprüft ist – bei metastasiertem Brustkrebs mit 238 Frauen (Ansprechen 53 gegenüber 42 Prozent zusätzlich zu Tamoxifen, Ingle 1988), nach Brustkrebs-Operation mit 541 Frauen (kein Vorteil, Ingle 2006) und bei krebsbedingter Auszehrung (unterlegen, Loprinzi 1999) –, für Muskelmasse, Kraft oder Leistung bei Gesunden aber keine Studie existiert. Mechanismus 7, weil Androgenrezeptor, Drosselung der Hormonachse und die Leberbelastung durch die 17α-Alkylierung bekannt sind und die Fachinformation Wirkweise und Halbwertszeit beschreibt, die Bedeutung der Fluorierung am Menschen aber nicht eigens vermessen ist. Sicherheit 5, weil die US-Fachinformation ein ausführliches Warnprofil enthält – Gallenstauung, Lebertumoren, Peliosis hepatis, Polyzythämie, Vermännlichung – und die Krebsstudien Nebenwirkungen erfasst haben, systematische Leber- und Blutfettmessungen zu diesem Wirkstoff aber fehlen; die Zahl heißt mittelmäßig untersucht, nicht harmlos. Hype 4, weil die Wirkung in der Medizin real ist, für die Nutzung außerhalb der Medizin aber weder Wirkungs- noch Sicherheitsdaten vorliegen. Anwendung 6, weil Fluoxymesteron ab 1956 über Jahrzehnte ärztlich eingesetzt wurde, heute aber in den USA nicht mehr vertrieben wird und in Deutschland kein Fertigarzneimittel gelistet ist. Richtung gemischt: belegte, aber begrenzte Wirkung in der Krebsmedizin, kein Beleg für Gesunde, dazu ein klar beschriebenes Leberrisiko. Zum Vergleich: Oxymetholon (7/8/7/4/7), Stanozolol (6/7/7/3/6), Mesterolon (5/7/6/4/8).

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Fluoxymesteron

Was ist Fluoxymesteron?

Ein Androgen in Tablettenform, ein abgewandeltes Testosteron mit Methyl- und Fluorgruppe. In den USA war es ab 1956 als Halotestin zugelassen, unter anderem bei Testosteronmangel, verzögerter Pubertät und fortgeschrittenem Brustkrebs.

Ist die Wirkung auf Muskeln und Kraft belegt?

Nein. Die kontrollierten Studien stammen aus der Krebsmedizin und der Kinderheilkunde. Eine Studie zu Muskelmasse, Kraft oder Leistung bei Gesunden gibt es nicht.

Was zeigen die Brustkrebs-Studien?

Bei metastasiertem Brustkrebs sprachen zusätzlich zu Tamoxifen 53 statt 42 Prozent der Frauen an, einen Überlebensvorteil gab es nicht. Nach einer Brustkrebs-Operation brachte die Kombination in einer Studie mit 541 Frauen keinen gesicherten Vorteil.

Wie belastend ist Fluoxymesteron für die Leber?

Die Fachinformation warnt vor Gallenstauung mit Gelbsucht und nach langer, hochdosierter Gabe vor Lebertumoren und Peliosis hepatis. Wie häufig das gerade unter Fluoxymesteron vorkommt, ist nicht beziffert.

Ist Fluoxymesteron in Deutschland erlaubt?

Es ist verschreibungspflichtig, ein zugelassenes Fertigarzneimittel fand sich nicht. Der Wirkstoff steht in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes, im Sport ist er jederzeit verboten.

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Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-07.