Biohacking Kompakt

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Methyltrienolon (Metribolon, R1881)

Anabol-androgenes Steroid zum Einnehmen, 17α-methyliertes Trenbolon; nie als Arzneimittel zugelassen, heute Forschungswerkzeug · Metribolon, Metribolone, Methyltrienolone, R1881, R 1881, NSC-92858, 17α-Methyltrenbolon, 17β-Hydroxy-17α-methylestra-4,9,11-trien-3-on

Methyltrienolon, im Labor als R1881 und im Anti-Doping-Recht als Metribolon bekannt, ist Trenbolon mit einer zusätzlichen Methylgruppe – und eines der stärksten Androgene, die je hergestellt wurden. In den 1960er Jahren wurde es kurz am Menschen erprobt, auch gegen fortgeschrittenen Brustkrebs, kam aber nie auf den Markt. Seine eigentliche Karriere machte es in der Forschung: als Werkzeug, um Androgenrezeptoren zu messen.

Kurz gesagt

Was Methyltrienolon auszeichnet, ist seine Bindungsstärke: Am Androgenrezeptor haftet es fester als das körpereigene DHT, und anders als dieses wird es im Blut nicht von Transportproteinen abgefangen. Deshalb wurde es in den 1970er Jahren zum Standard-Ligand der Hormonforschung. Am Menschen gibt es nur kleine Arbeiten aus den 1960er Jahren, zum Eiweißaufbau und zur Brustkrebstherapie; ihre Ergebnisse sind nur in den Originalen nachzulesen. Nach einer Übersicht scheiterte die Entwicklung daran, dass der Stoff schon in sehr niedriger Dosis stark lebertoxisch ist. Eine kontrollierte Studie zu Muskeln oder Kraft gibt es nicht. In Deutschland steht der Stoff in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes, im Sport ist er jederzeit verboten.

Was Methyltrienolon ist und wie es wirkt

Methyltrienolon trägt den chemischen Namen 17β-Hydroxy-17α-methylestra-4,9,11-trien-3-on. Es entspricht Trenbolon mit einer Methylgruppe in 17α-Position, die es als Tablette wirksam macht, die Leber aber stärker belastet. Eine Übersicht beschreibt es als 17α-methyliertes Trenbolon, das in der Forschung als Ligand und Fotoaffinitätsmarker des Androgenrezeptors breit verwendet wurde (Tauchen 2021).

Seine Bedeutung für die Forschung erklärt sich aus zwei Eigenschaften. Erstens bindet es am Androgenrezeptor fester als das körpereigene Androstanolon, das DHT, gemessen an Prostatagewebe der Ratte. Zweitens wird es anders als die körpereigenen Androgene im Blut nicht von Transportproteinen gebunden. Damit ließen sich Androgenrezeptoren auch in menschlichen Tumoren messen, ohne dass Reste von Blut das Ergebnis verfälschten (Bonne und Raynaud 1975). An menschlichem Prostatagewebe zeigte sich, dass es zusätzlich an eine Bindungsstelle mit Eigenschaften des Progesteronrezeptors andockt (Menon 1978). Im Zellversuch bindet es außerdem so fest wie Aldosteron an den Mineralokortikoidrezeptor, aktiviert ihn aber nicht, sondern blockiert ihn (Takeda 2007). Einen Überblick über die Stoffgruppe findest du unter Anabole Steroide (Anabolika, AAS).

Was gut belegt ist

Gut belegt ist die Pharmakologie im Labor: Methyltrienolon ist ein sehr starker, im Blut frei verfügbarer Ligand des Androgenrezeptors, und seine Bindung an menschliche Gewebe ist seit den 1970er Jahren genau beschrieben. Ebenfalls dokumentiert ist, dass der Stoff in den 1960er Jahren am Menschen erprobt und dann nicht weiterentwickelt wurde. Zur Wirkung im menschlichen Körper gibt es keine kontrollierten Daten.

Was die Studien zeigen

Die frühen klinischen Arbeiten

1965 erschien in Frankreich eine Arbeit mit dem Titel „Eiweißaufbau beim Menschen durch ein neues Steroid: Methyltrienolon“ (Trémolières 1965). 1966 folgte eine Arbeit zur Lebertoxizität des neuen Anabolikums (Krüskemper und Noell 1966), 1970 eine Untersuchung zu Wirkung und Toxizität bei fortgeschrittenem Brustkrebs (Halden 1970). Zu keiner dieser Arbeiten liegt eine Kurzfassung vor; Patientenzahlen und Ergebnisse lassen sich deshalb hier nicht wiedergeben.

Warum es nie auf den Markt kam

Eine Übersicht zur medizinischen Verwendung von Testosteron und verwandten Steroiden fasst zusammen: Methyltrienolon wurde als Mittel gegen fortgeschrittenen Brustkrebs bei Frauen erwogen, aber nie für die Medizin vermarktet, weil es schon in sehr niedriger Dosis stark lebertoxisch ist (Tauchen 2021).

Rezeptorstudien an menschlichem Gewebe

Menon 1978 untersuchte mit Methyltrienolon Gewebe von 30 vergrößerten Prostatae und weitere männliche Gewebe. In 29 von 30 Proben fand sich eine Bindung mit hoher Affinität. Im Zellkern verhielt sie sich wie ein Androgenrezeptor, im Zellplasma der Prostata dagegen eher wie ein Progesteronrezeptor. Für die Forschung war das wichtig, weil Messungen mit Methyltrienolon je nach Gewebe unterschiedlich gedeutet werden müssen.

Ein Fallbericht aus der Gegenwart

Fisler 2018 beschreibt einen 56-jährigen Mann, der im Internet gekaufte Steroide spritzte. Laut Etikett enthielten sie Testosteronpropionat, Testosteronacetat, Drostanolonpropionat und Methyltrienolon. Er entwickelte eine schwere Gelbsucht und einen Nierenschaden, bei dem Gallenfarbstoffe die Nierenkanälchen verstopften; 4 Wochen Dialyse waren nötig, danach erholten sich Leber und Niere. Den Inhalt der Ampullen ließen die Ärzte nicht analysieren, welchen Anteil Methyltrienolon hatte, bleibt offen.

Wo die Daten aufhören

Es gibt keine kontrollierte Studie zu Methyltrienolon am Menschen, weder zur Wirkung noch zur Sicherheit. Die frühen Arbeiten sind klein, alt und nur im Original zugänglich. Wie stark der Stoff beim Menschen Muskeln aufbaut, wie schnell er abgebaut wird und in welcher Menge er die Leber schädigt, ist nicht beziffert.

Auch der Fallbericht hilft nur begrenzt: Der Mann nahm mehrere Steroide, und ob das Etikett stimmte, wurde nicht geprüft. Die Laborforschung mit Methyltrienolon ist umfangreich, sagt aber über die Wirkung einer Einnahme wenig aus.

Status, Zulassung und Recht

Methyltrienolon ist weder in Deutschland noch in der EU oder den USA als Arzneimittel zugelassen und wurde nie für die Medizin vermarktet (Tauchen 2021). In der Forschung wird es seit den 1970er Jahren als Ligand für Androgenrezeptoren verwendet.

In Deutschland steht es als Metribolon, Synonym Methyltrienolon, namentlich in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes: Herstellen, Handeltreiben und Inverkehrbringen zum Doping sind verboten, ebenso Erwerb, Besitz und Verbringen in nicht geringer Menge zum Doping im Sport (§ 2, strafbar nach § 4). Auf der WADA-Verbotsliste 2026 steht es unter S1.1 als Metribolon und ist jederzeit verboten.

Sicherheit

Das zentrale Risiko ist die Leber. Schon 1966 befasste sich eine Arbeit mit der Lebertoxizität des Stoffs (Krüskemper und Noell 1966), und eine aktuelle Übersicht nennt ihn schon in sehr niedriger Dosis stark lebertoxisch (Tauchen 2021). Für die Gruppe der 17α-methylierten Steroide sind Gallenstauung, Peliosis hepatis und Lebertumoren beschrieben, siehe Methasteron (Superdrol) und Oxymetholon (Anadrol).

Hinzu kommt die Wirkung am Mineralokortikoidrezeptor, die im Zellversuch gezeigt ist (Takeda 2007); was sie für Salz- und Wasserhaushalt beim Menschen bedeutet, ist nicht untersucht. Die allgemeinen Anabolika-Risiken für Hormonachse, Herz und Psyche gelten auch hier, siehe Anabole Steroide (Anabolika, AAS). Substanzeigene Daten dazu gibt es nicht.

BK-Score Hype weit vor Evidenz

Human-Evidenz2
Mechanismus7
Sicherheits-Datenlage2
Hype-Abstand2
Anwendungserfahrung2

Evidenz 2, weil es nur kleine klinische Arbeiten aus den 1960er Jahren gibt – zum Eiweißaufbau beim Menschen (Trémolières 1965) und zu Wirkung und Toxizität bei fortgeschrittenem Brustkrebs (Halden 1970) –, deren Ergebnisse nicht als Kurzfassung vorliegen; eine kontrollierte Studie zu Muskelmasse, Kraft oder Leistung gibt es nicht, Richtung deshalb offen. Mechanismus 7, weil die Bindung an Androgenrezeptoren seit den 1970er Jahren auch an menschlichem Gewebe genau vermessen ist (Bonne und Raynaud 1975, Menon 1978) und Wirkungen an anderen Rezeptoren wie dem Mineralokortikoidrezeptor bekannt sind (Takeda 2007), die Wirkung im menschlichen Körper aber nie quantifiziert wurde. Sicherheit 2, weil zur Sicherheit nur eine frühe Arbeit zur Lebertoxizität (Krüskemper und Noell 1966), die Einschätzung einer Übersicht, der Stoff sei schon in sehr niedriger Dosis stark lebertoxisch (Tauchen 2021), und ein Fallbericht mit mehreren Steroiden vorliegen (Fisler 2018); eine niedrige Zahl heißt hier kaum untersucht, nicht harmlos. Hype 2, weil ein Stoff, dessen Entwicklung als Arzneimittel an der Lebertoxizität scheiterte, heute auf Etiketten von Schwarzmarkt-Steroiden steht, ohne dass es Humandaten zur Wirkung gibt. Anwendung 2, weil Methyltrienolon nie medizinisch eingesetzt und nur in den 1960er Jahren kurz am Menschen erprobt wurde. Zum Vergleich: Trenbolon (2/5/3/2/4) als Grundsubstanz, Methasteron (1/5/3/1/3), Oral-Turinabol (3/6/4/3/6).

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Methyltrienolon

Was ist Methyltrienolon?

Ein sehr starkes Androgen, chemisch Trenbolon mit einer zusätzlichen Methylgruppe. Es wird auch Metribolon oder R1881 genannt und dient seit den 1970er Jahren in der Forschung als Ligand für Androgenrezeptoren.

Wurde Methyltrienolon je als Medikament eingesetzt?

Nein. Es wurde in den 1960er Jahren am Menschen erprobt, auch bei fortgeschrittenem Brustkrebs, kam aber nie auf den Markt. Nach einer Übersicht lag das an seiner starken Lebertoxizität schon in sehr niedriger Dosis.

Ist die Wirkung auf Muskeln belegt?

Nein. Es gibt keine kontrollierte Studie zu Muskelmasse, Kraft oder Leistung. Eine Arbeit von 1965 beschreibt Eiweißaufbau beim Menschen, die Ergebnisse liegen aber nur im französischen Original vor.

Was ist der Unterschied zu Trenbolon?

Methyltrienolon trägt eine zusätzliche Methylgruppe in 17α-Position. Sie macht es als Tablette wirksam, belastet aber die Leber stärker.

Ist Methyltrienolon in Deutschland erlaubt?

Nein. Es ist kein zugelassenes Arzneimittel, steht als Metribolon namentlich in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes und ist im Sport jederzeit verboten.

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-07.