Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

DHB (1-Testosteron, Dihydroboldenon)

Anabol-androgenes Steroid, Abkömmling des Dihydrotestosterons mit Doppelbindung im A-Ring; nie als Arzneimittel zugelassen, früher als „Prohormon“ verkauft · 1-Testosteron, 1-Testo, Dihydroboldenon, Dihydroboldenone, 1-Dihydrotestosteron, 17β-Hydroxy-5α-androst-1-en-3-on, Dihydroboldenon-Cypionat

DHB steht für Dihydroboldenon, chemisch 1-Testosteron: ein Androgen, das nie als Arzneimittel zugelassen war. In den 2000er Jahren wurde es als „Prohormon“ verkauft, eine Übersicht führt es heute als Designer-Steroid zum Spritzen (Tauchen 2021). Im Tierversuch ist es so stark wie Testosteron. Am Menschen gibt es keine Studie mit DHB selbst, wohl aber eine kleine randomisierte Studie mit einer Vorstufe, die zeigt, was diese Stoffgruppe leisten kann – und was sie kostet.

Kurz gesagt

1-Testosteron bindet hoch selektiv am Androgenrezeptor und wirkte bei Ratten so stark aufbauend wie Testosteronpropionat, ließ aber zusätzlich das Lebergewicht steigen. Am Menschen gibt es nur einen indirekten Beleg: Eine Vorstufe, die im Körper unter anderem zu 1-Testosteron wird, steigerte bei 17 trainierten Männern in 4 Wochen die fettfreie Masse um 6,3 Prozent und die Kniebeuge-Maximalkraft um 14,3 Prozent, deutlich mehr als Placebo. In derselben Studie fiel das HDL-Cholesterin um fast 40 Prozent, und Leber- und Nierenwerte verschlechterten sich. Zu DHB selbst gibt es weder Wirkungs- noch Sicherheitsdaten. In Deutschland steht 1-Testosteron namentlich in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes, im Sport ist es jederzeit verboten.

Was DHB ist und wie es wirkt

DHB ist 17β-Hydroxy-5α-androst-1-en-3-on. Chemisch ist es Dihydrotestosteron mit einer zusätzlichen Doppelbindung zwischen Kohlenstoff 1 und 2 – daher 1-Testosteron. Man kann es ebenso als Boldenon lesen, dem eine seiner zwei Doppelbindungen fehlt, daher Dihydroboldenon. Gemeint ist in beiden Fällen derselbe Stoff. Als Arzneimittel wurde er nie vermarktet (Tauchen 2021).

Friedel und Kollegen haben 1-Testosteron 2006 genauer untersucht. Es bindet hoch selektiv an den Androgenrezeptor und aktiviert ihn stark, auch ohne vorher im Körper umgewandelt zu werden. Bei Ratten regte es in gleicher molarer Dosis Prostata, Samenblasen und den Musculus levator ani, einen Muskel, der als Maß für die aufbauende Wirkung dient, so stark an wie Testosteronpropionat. Anders als Testosteronpropionat ließ es zusätzlich das Lebergewicht steigen. Die Autoren schließen, dass 1-Testosteron ein typisches Anabolikum ist und mit den typischen Nebenwirkungen dieser Gruppe zu rechnen ist (Friedel 2006).

Neben DHB selbst wurden Vorstufen verkauft, etwa 3β-Hydroxy-5α-androst-1-en-17-on, oft „1-Andro“ genannt. Nach Einnahme durch einen Freiwilligen fanden sich im Urin unter anderem 1-Testosteron und 1-Androstendion (Parr 2011). Einen Überblick über die ganze Stoffgruppe findest du unter Anabole Steroide (Anabolika, AAS).

Was gut belegt ist

Belegt ist die starke Androgenwirkung im Zell- und Tierversuch (Friedel 2006). Belegt ist außerdem, dass eine Vorstufe, die im Körper zu 1-Testosteron wird, beim Menschen in kurzer Zeit Muskelmasse und Kraft steigert – kontrolliert, randomisiert, aber an nur 17 Männern über 4 Wochen (Granados 2014). Dieselbe Studie belegt deutliche Nebenwirkungen auf Blutfette, Leber und Nieren.

Was die Studien zeigen

Tierversuch: so stark wie Testosteron

Friedel 2006 verglich 1-Testosteron bei Ratten mit Testosteronpropionat in gleicher molarer Dosis. Beide Stoffe ließen Prostata, Samenblasen und den Musculus levator ani gleich stark wachsen. Nur unter 1-Testosteron stieg das Lebergewicht signifikant. Im Zellversuch zeigte es eine hoch selektive Bindung an den Androgenrezeptor.

Randomisierte Studie mit einer Vorstufe

Granados 2014 teilte 17 krafttrainierte Männer um 23 Jahre zufällig auf das Prohormon 3β-Hydroxy-5α-androst-1-en-17-on oder Zucker auf; beide Gruppen trainierten 4 Wochen nach demselben Plan. Unter dem Prohormon stieg die fettfreie Masse um 6,3 Prozent, die Fettmasse sank um 24,6 Prozent, die Maximalkraft in der Kniebeuge stieg um 14,3 Prozent. Unter Placebo waren es +0,5, −9,5 und +5,7 Prozent. Gleichzeitig fiel unter dem Prohormon das HDL-Cholesterin um 38,7 Prozent, das LDL stieg um 32,8 Prozent, das Kreatinin um 19,6 Prozent und der Leberwert AST um 113,8 Prozent; die geschätzte Filterleistung der Niere sank um 18 Prozent. In der Placebogruppe veränderte sich keiner dieser Werte. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass der Schaden den möglichen Nutzen überwiegt.

Wichtig für die Einordnung: Untersucht wurde nicht DHB, sondern eine Vorstufe, die im Körper unter anderem zu 1-Testosteron wird (Parr 2011). Wie viel davon tatsächlich als 1-Testosteron wirkte, wurde nicht gemessen.

Wo die Daten aufhören

Für DHB selbst gibt es keine einzige Studie am Menschen: keine zur Wirkung, keine zur Sicherheit, keine zu Abbau und Wirkdauer. Fachleute für Designer-Steroide nennen genau das als Grundproblem dieser Stoffe – über Wirkung und Stoffwechsel nicht zugelassener Steroide ist wenig bekannt, weil klinische Studien fehlen (Joseph und Parr 2015).

Die Vorstufen-Studie ist klein, kurz und an jungen Männern gemacht. Ob sich die Ergebnisse auf gespritztes DHB übertragen lassen, ist offen. Zu Herz, Hormonachse, Psyche und Langzeitfolgen fehlen substanzeigene Daten ganz.

Status, Zulassung und Recht

1-Testosteron ist weder in Deutschland noch in der EU oder den USA als Arzneimittel zugelassen und wurde nie für die Medizin vermarktet (Tauchen 2021). In den USA steht es ausdrücklich in der gesetzlichen Liste der Anabolika, als „1-dihydrotestosterone, a.k.a. 1-testosterone“ (21 U.S.C. § 802(41)).

In Deutschland steht 1-Testosteron namentlich in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes: Herstellen, Handeltreiben und Inverkehrbringen zum Doping sind verboten, ebenso Erwerb, Besitz und Verbringen in nicht geringer Menge zum Doping im Sport (§ 2, strafbar nach § 4). Auf der WADA-Verbotsliste 2026 steht es unter S1.1 und ist jederzeit verboten.

Sicherheit

Die einzigen kontrollierten Sicherheitsdaten stammen aus der Vorstufen-Studie: In 4 Wochen fiel das HDL-Cholesterin um 38,7 Prozent, das LDL stieg um 32,8 Prozent, das Verhältnis von LDL zu HDL um 120 Prozent. Das Kreatinin stieg um 19,6 Prozent, die geschätzte Filterleistung der Niere sank um 18 Prozent, der Leberwert AST mehr als verdoppelte sich (Granados 2014). Im Tierversuch stieg unter 1-Testosteron das Lebergewicht (Friedel 2006).

Für die Stoffgruppe insgesamt beschreibt die Endocrine Society die Abschaltung der eigenen Hormonachse mit verminderter Fruchtbarkeit, Belastungen von Herz und Gefäßen und psychische Effekte (Pope 2014); mehr dazu unter Anabole Steroide (Anabolika, AAS). Weil es kein zugelassenes Präparat gibt, sind Gehalt und Reinheit jeder Ware, die als DHB gehandelt wird, nicht kontrolliert.

BK-Score Hype weit vor Evidenz

Human-Evidenz2
Mechanismus5
Sicherheits-Datenlage3
Hype-Abstand2
Anwendungserfahrung2

Evidenz 2, weil es keine Studie mit DHB selbst am Menschen gibt; der einzige kontrollierte Humanbeleg stammt von einer Vorstufe, die im Körper unter anderem zu 1-Testosteron wird – 17 Männer, 4 Wochen, fettfreie Masse +6,3 gegenüber +0,5 Prozent (Granados 2014, Parr 2011) –, Richtung deshalb offen. Mechanismus 5, weil die hoch selektive Bindung am Androgenrezeptor und die starke aufbauende Wirkung im Tierversuch gemessen sind (Friedel 2006), Wirkstärke, Abbau und Wirkdauer am Menschen aber nicht. Sicherheit 3, weil nur die kleine Vorstufen-Studie Sicherheitswerte liefert – HDL −38,7 Prozent, Kreatinin +19,6 Prozent, AST mehr als verdoppelt (Granados 2014) – und es für DHB selbst keine Daten gibt; eine niedrige Zahl heißt hier kaum untersucht, nicht harmlos. Hype 2, weil ein nie zugelassenes Steroid ohne eigene Humanstudie erst als „Prohormon“ und später als Spritzenpräparat gehandelt wird. Anwendung 2, weil 1-Testosteron nie ärztlich eingesetzt wurde. Zum Vergleich: Boldenon (1/6/2/2/4), Trenbolon (2/5/3/2/4), Anabole Steroide (7/9/6/4/6) für die Klasse.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu DHB (1-Testosteron)

Was ist DHB?

DHB steht für Dihydroboldenon, chemisch 1-Testosteron. Es ist ein Androgen, das nie als Arzneimittel zugelassen war und früher als „Prohormon“ verkauft wurde.

Sind 1-Testosteron und Dihydroboldenon dasselbe?

Ja. Es ist Dihydrotestosteron mit einer zusätzlichen Doppelbindung oder Boldenon mit einer Doppelbindung weniger – beide Namen beschreiben denselben Stoff.

Ist die Wirkung am Menschen belegt?

Für DHB selbst nicht. Eine kleine randomisierte Studie mit einer Vorstufe, die im Körper unter anderem zu 1-Testosteron wird, zeigte in 4 Wochen deutlich mehr fettfreie Masse und Kraft als Placebo.

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

In der Vorstufen-Studie fiel das HDL-Cholesterin um fast 40 Prozent, LDL, Kreatinin und der Leberwert AST stiegen, die Nierenfunktion sank. Zu DHB selbst gibt es keine Sicherheitsdaten.

Ist DHB in Deutschland erlaubt?

Nein. Es ist kein zugelassenes Arzneimittel, 1-Testosteron steht namentlich in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes, und im Sport ist es jederzeit verboten.

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-07.