Peptid & Experimentelles
Methasteron (Superdrol)
Designer-Steroid, 17α-methyliertes Anabolikum; nicht als Arzneimittel zugelassen, als „Nahrungsergänzung“ verkauft · Methasterone, Methyldrostanolon, 17α-Methyldrostanolon, Superdrol, 2α,17α-Dimethyl-Dihydrotestosteron
Methasteron, verkauft als „Superdrol“, ist ein Anabolikum, das 1956 erstmals beschrieben, aber nicht als Arzneimittel zugelassen wurde. Mitte der 2000er Jahre tauchte es in Nahrungsergänzungsmitteln auf, teils beworben als Produkt ohne hormonelle Wirkung. Eine Studie zur Wirkung am Menschen gibt es nicht – dokumentiert sind vor allem Leberschäden.
Kurz gesagt
Was trägt: Dass Methasteron ein starkes Androgen ist, zeigen Tierversuche seit 1959. Am Menschen gibt es dazu keine einzige Studie. Belegt ist dagegen die Schadensseite, und zwar ungewöhnlich deutlich für einen Stoff ohne klinische Forschung: Fallberichte beschreiben schwere Gallenstauung mit Gelbsucht, teils mit Nierenversagen, bei zuvor gesunden Menschen. In New York machten verunreinigte Vitaminpräparate mit Methasteron 2012 und 2013 etwa 16 Menschen krank. Die FDA verschickte 2006 einen Warnbrief, die USA stuften den Stoff 2012 als kontrolliertes Anabolikum ein. In Deutschland steht er im Anti-Doping-Gesetz, im Sport ist er jederzeit verboten.
Was Methasteron ist
Methasteron ist ein anabol-androgenes Steroid, chemisch Drostanolon mit einer zusätzlichen Methylgruppe in 17α-Position; daher auch der Name Methyldrostanolon. Beschrieben wurde es 1956, seine aufbauende Wirkung bei Ratten 1959. Als Arzneimittel ist es nicht zugelassen.
Bekannt wurde es Mitte der 2000er Jahre als Superdrol, verkauft als Nahrungsergänzung. Bis März 2010 zählte die US-Drogenbehörde DEA 62 Nahrungsergänzungsmittel, die Methasteron enthalten sollten. Fachleute rechnen es zu den Designer-Steroiden: leicht veränderte Anabolika, die als Supplement verkauft werden, um Gesetze zu umgehen, und zu denen es mangels klinischer Studien kaum pharmakologische Daten gibt. Den Überblick über die ganze Stoffgruppe gibt die Seite Anabole Steroide.
Wie es wirkt
Methasteron bindet am Androgenrezeptor. In Tierversuchen wirkte es stark aufbauend bei vergleichsweise schwacher vermännlichender Wirkung; eine im Auftrag der DEA durchgeführte Untersuchung an kastrierten Ratten bestätigte beide Effekte. Wie bei allen zugeführten Androgenen ist eine Abschaltung der eigenen Hormonachse zu erwarten.
Die 17α-Methylgruppe bremst den Abbau in der Leber. Steroide mit einer solchen Gruppe sind die, für die eine typische akute Gallenstauung und Lebertumoren unter Anabolika vor allem beschrieben sind. Am Menschen ist keine Wirkung von Methasteron gemessen.
Was gut belegt ist
- Androgenwirkung im Tierversuch. Aufbauende und vermännlichende Effekte sind bei Ratten seit 1959 beschrieben und später bestätigt.
- Leberschäden am Menschen. Mehrere Fallberichte, darunter eine Serie von fünf Fällen, beschreiben schwere Gallenstauung mit Gelbsucht nach Methasteron.
- Unerkannt in Supplements. Methasteron wurde auch ohne Deklaration in Vitamin- und Mineralstoffpräparaten gefunden, mit Gesundheitsschäden bei den Käufern.
Was die Studien zeigen
Shah 2008: fünf Fälle schwerer Leberschädigung
Fünf zuvor gesunde Menschen hatten Methasteron eingenommen. Etwa zwei Wochen nach dem Absetzen bekamen sie eine Gelbsucht, zwei Wochen später kamen sie in eine Spezialklinik, und dort stieg das Bilirubin noch zwei bis drei Wochen weiter. Rund zwölf Wochen nach der Vorstellung hatten sich alle erholt, ohne bleibende Leberfunktionsstörung. Die Autoren betonen, dass sich der Leberschaden nach der ersten Vorstellung noch verschlimmern kann, vor allem innerhalb von zwei Wochen.
Jasiurkowski 2006 und Nasr und Ahmad 2009: Leber und Niere
Ein Fallbericht beschreibt Gelbsucht und eine IgA-Nephropathie, eine Entzündung der Nierenkörperchen, nach Superdrol; das frei verkäufliche Produkt war als harmlos und ohne hormonelle Wirkung beworben. Ein weiterer Bericht beschreibt schwere Gallenstauung zusammen mit Nierenversagen.
Tran 2023: Methasteron im Vitaminpräparat
In New York klagten 2012 und 2013 etwa 16 Menschen über unklare Beschwerden wie Müdigkeit, Haarausfall und Muskelschmerzen. Gemeinsam war ihnen ein Vitamin-B- und Mineralstoffpräparat desselben Anbieters. Die chemische Analyse fand Methasteron, ein Doppelmolekül daraus (Dimethazin) und das verwandte Methylstenbolon. Ein Patient kam mit Leberschaden ins Krankenhaus, bei einem Kind traten deutliche Vermännlichungszeichen auf.
DEA 2011 und 2012: Einstufung in den USA
Die US-Drogenbehörde stützte ihre Einstufung auf Struktur, Tierdaten und die Fallberichte zu Leberschäden mit Nierenversagen. Sie verweist auch auf einen Warnbrief der FDA vom März 2006 wegen Gesundheitsschäden im Zusammenhang mit Superdrol. Seit 2012 ist Methasteron in den USA ein kontrolliertes Anabolikum der Schedule III.
Wo die Daten aufhören
- Keine Wirkungsstudie. Zu Muskelmasse, Kraft oder Leistung gibt es keine Humanstudie und keinen Eintrag in ClinicalTrials.gov.
- Keine Häufigkeiten. Fallberichte zeigen, was passieren kann, nicht wie oft es passiert.
- Kaum Pharmakologie am Menschen. Wirkstärke und Wechselwirkungen sind am Menschen nicht untersucht.
- Unklare Inhalte. Als Supplement verkaufte Produkte enthielten teils andere oder nicht deklarierte Steroide; was in einer Kapsel steckt, ist ohne Analyse nicht bekannt.
Status, Zulassung und Recht
Methasteron ist nicht als Arzneimittel zugelassen, weder in Deutschland noch in der EU oder den USA. In den USA erging 2006 ein Warnbrief der FDA wegen Gesundheitsschäden im Zusammenhang mit Superdrol; 2012 stufte die DEA Methasteron als Anabolikum in Schedule III ein.
Methasteron steht namentlich in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes. Herstellen, Handeltreiben und Inverkehrbringen zum Zweck des Dopings im Sport sind verboten, ebenso Erwerb, Besitz und das Verbringen nach Deutschland in nicht geringer Menge zu diesem Zweck; Verstöße sind nach § 4 strafbar, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Im Sport ist es nach der WADA-Verbotsliste 2026 unter S1.1, anabol-androgene Steroide, innerhalb und außerhalb des Wettkampfs verboten.
Sicherheit
Die Leber steht im Vordergrund. Die Fallberichte beschreiben eine Gallenstauung mit Gelbsucht, die erst nach dem Absetzen einsetzen und sich danach noch wochenlang verschlimmern kann, teils zusammen mit Nierenversagen oder einer Nierenentzündung. In der Fallserie erholten sich alle fünf Betroffenen nach etwa zwölf Wochen. Für 17α-alkylierte Steroide als Gruppe sind außerdem Peliosis hepatis, also mit Blut gefüllte Hohlräume in der Leber, und Lebertumoren beschrieben; meist normalisiert sich die Leber nach dem Absetzen, manche Folgen bleiben.
Dazu kommen die Risiken der Anabolika als Klasse für Hormonachse, Herz und Psyche, für die es zu Methasteron selbst keine Daten gibt. Typische Zeichen einer Gallenstauung sind Gelbfärbung von Haut und Augen, Juckreiz, dunkler Urin, Übelkeit und Müdigkeit; wer so etwas bemerkt, gehört zeitnah in ärztliche Behandlung und sollte die Einnahme offenlegen.
BK-Score Nicht am Menschen untersucht
| Human-Evidenz | 1 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 5 | |
| Sicherheits-Datenlage | 3 | |
| Hype-Abstand | 1 | |
| Anwendungserfahrung | 3 |
Evidenz 1, weil es keine einzige Studie zur Wirkung am Menschen und keinen Registereintrag gibt; die aufbauende Wirkung ist nur im Tierversuch beschrieben (Synthese 1956, Rattenversuche ab 1959, DEA 2011), Richtung deshalb offen. Mechanismus 5, weil Struktur und Androgenwirkung bekannt sind und der Stoff zu den 17α-alkylierten Steroiden gehört, für die die typische Gallenstauung beschrieben ist (Petrovic 2022), Wirkstärke und Pharmakologie am Menschen aber nicht untersucht sind. Sicherheit 3, weil es zwar gut beschriebene Fallberichte gibt – fünf Fälle schwerer Gallenstauung, die sich nach etwa zwölf Wochen zurückbildeten (Shah 2008), Gallenstauung mit Nierenversagen (Nasr und Ahmad 2009), eine Häufung von Beschwerden durch verunreinigte Vitaminpräparate (Tran 2023) –, aber keine systematischen Daten zu Häufigkeit oder Langzeitfolgen. Hype 1, weil der Stoff als frei verkäufliches Produkt ohne hormonelle Wirkung beworben wurde (Jasiurkowski 2006), obwohl er ein Anabolikum ohne jede Humanstudie ist. Anwendung 3, weil Methasteron nie medizinisch eingesetzt und nur einige Jahre in größerem Umfang als Supplement verkauft wurde, bevor die USA es 2012 als Anabolikum einstuften. Zum Vergleich: YK-11 (1/5/1/1/3) als Designer-Steroid ohne Humanstudie, Ligandrol (4/6/3/2/4) mit dünner Humanevidenz, Anabole Steroide (7/9/6/4/6) für die Klasse.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Methasteron (Superdrol)
Was ist Methasteron?
Methasteron, verkauft als Superdrol, ist ein anabol-androgenes Steroid, chemisch ein in 17α-Position methyliertes Drostanolon. Es wurde 1956 beschrieben, nicht als Arzneimittel zugelassen und Mitte der 2000er Jahre als Nahrungsergänzung verkauft.
Ist Superdrol ein Nahrungsergänzungsmittel?
Nein. Es wurde so verkauft, ist aber ein anabol-androgenes Steroid. In den USA ist es seit 2012 als Anabolikum kontrolliert, in Deutschland steht es in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes.
Ist die Wirkung am Menschen belegt?
Nein. Es gibt keine Studie zur Wirkung am Menschen und keinen Registereintrag. Die aufbauende Wirkung ist nur aus Tierversuchen bekannt.
Wie gefährlich ist Methasteron für die Leber?
Mehrere Fallberichte beschreiben schwere Gallenstauung mit Gelbsucht, teils mit Nierenversagen, bei zuvor gesunden Menschen. In einer Fallserie erholten sich alle fünf Betroffenen nach etwa zwölf Wochen. Wie häufig solche Schäden sind, ist nicht bekannt.
Kann Methasteron unbemerkt in Supplements stecken?
Ja, das ist dokumentiert. In New York enthielten Vitamin-B- und Mineralstoffpräparate Methasteron und verwandte Steroide; etwa 16 Menschen bekamen Beschwerden, ein Patient einen Leberschaden.
Ähnliche Themen
- Verwandtes ThemaDrostanolon (Masteron)
- Verwandtes ThemaBoldenon (Equipoise)
- Verwandtes ThemaTrenbolon
- Verwandtes ThemaMethandrostenolon (Dianabol)
- Verwandtes ThemaOxymetholon (Anadrol)
- Verwandtes ThemaOxandrolon (Anavar)
Quellen
- Shah NL et al., Clin Gastroenterol Hepatol 2008 – Leberschäden mit Gallenstauung unter Methasteron, 5 Fälle
- Nasr J, Ahmad J, Dig Dis Sci 2009 – schwere Gallenstauung und Nierenversagen unter Superdrol, Fallbericht und Literaturübersicht
- Jasiurkowski B et al., Am J Gastroenterol 2006 – Gelbsucht und IgA-Nephropathie nach Superdrol, Fallbericht
- Tran BN et al., Steroids 2023 – Methasteron in Vitamin-B- und Mineralstoffpräparaten, Gesundheitsschäden in New York
- Petrovic A et al., World J Gastroenterol 2022 – Leberschäden durch anabol-androgene Steroide (Übersicht)
- Joseph JF, Parr MK, Curr Neuropharmacol 2015 – synthetische Androgene als Designer-Nahrungsergänzung
- DEA, Federal Register 2011 – Begründung der Einstufung von Prostanozol und Methasteron als Anabolika (Synthese, Tierdaten, FDA-Warnbrief 2006)
- DEA, Federal Register 2012 – endgültige Einstufung von Prostanozol und Methasteron in Schedule III
- Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG), § 2, § 4 und Anlage
- NADA – Verbotsliste 2026, informatorische Übersetzung (S1.1 Anabol-androgene Steroide)
Diese Studien mit Studientyp und Jahr in der Studien-Datenbank ansehen
In der Datenbank öffnen – mit Suche, Filtern und Vergleich
Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.