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Metenolon (Primobolan)

Anabol-androgenes Steroid (Acetat zum Einnehmen, Enantat als Spritze); in Japan zugelassen · Primobolan, Primobolan Depot, Methenolon, Metenolonacetat, Metenolonenantat, Primo

Metenolon, bekannt als Primobolan, ist ein anabol-androgenes Steroid, das in Japan bis heute als Tablette gegen Osteoporose, schwere Auszehrung und Blutarmut zugelassen ist. Im Kraftsport gilt es als mild und gut verträglich. Am Menschen ist es dafür kaum untersucht: Es gibt keine aussagekräftige kontrollierte Studie, nur kleine, alte Fallserien und die Angaben der Fachinformation.

Kurz gesagt

Metenolon ist ein Arzneimittel mit langer Geschichte und dünner Studienlage. In Japan ist es als Primobolan-Tablette zugelassen, bei Osteoporose, bei schwerer Auszehrung durch Nierenerkrankung, Krebs, Verletzungen oder Verbrennungen und bei Knochenmarkschwäche durch aplastische Anämie. Kontrollierte Studien, die das belegen, fanden sich bei der Recherche nicht; die Daten stammen aus kleinen Serien ohne Vergleichsgruppe. Dokumentiert sind dagegen die Risiken: Leberschäden mit Gelbsucht, Blutfettstörungen – bei 12 von 28 behandelten Frauen, eine davon mit Herzinfarkt – und bei Frauen eine Stimmveränderung, die fortgeschritten kaum rückgängig zu machen ist. Der Ruf als mildes Steroid ist eine Erfahrungsaussage, keine Studienaussage.

Was Metenolon ist und wie es wirkt

Metenolon ist ein künstlicher Abkömmling des Dihydrotestosterons. Es gibt zwei Formen: Metenolonacetat als Tablette und Metenolonenantat als Depotspritze, beide unter dem Namen Primobolan. Anders als Oxymetholon oder Stanozolol ist Metenolon nicht 17α-alkyliert, sondern an Position 1 methyliert. In Japan ist Primobolan bis heute als Tablette zugelassen; die Fachinformation wurde zuletzt 2020 überarbeitet.

Laut japanischer Fachinformation fördert Metenolon den Eiweißaufbau, hemmt den Eiweißabbau und steigert die Einlagerung von Kalzium und Phosphor; in kleinen Untersuchungen stiegen Hämoglobin und rote Blutkörperchen. Wie alle Steroide wirkt es zugleich vermännlichend und drosselt bei längerer Gabe die Hodenfunktion. Zum Vergleich mit einem besser untersuchten Steroid lohnt der Beitrag Nandrolon, den Überblick gibt Anabole Steroide.

Was gut belegt ist

Gut belegt ist hier wenig, und das ist der Befund. Gesichert ist der Zulassungsstatus in Japan mit den dort genannten Anwendungsgebieten und Nebenwirkungen. Am Menschen dokumentiert sind Leberfunktionsstörungen und Gelbsucht, Blutfettstörungen in einer kleinen Serie, Vermännlichung bei Frauen mit möglicherweise bleibender Stimmveränderung und die Drosselung der Hodenfunktion. Für die Wirkung selbst gibt es nur kleine Serien ohne Vergleichsgruppe.

Was die Studien zeigen

Japanische Fachinformation: Anwendungsgebiete und Wirkweise

Die Fachinformation zu Primobolan-Tabletten (Stand 2020) nennt Osteoporose, schwere Auszehrung bei chronischer Nierenerkrankung, Krebs, Verletzungen und Verbrennungen sowie Knochenmarkschwäche bei aplastischer Anämie. Als Belege für die Wirkweise führt sie kleine Untersuchungen an Gesunden und Patienten mit Osteoporose, Hormonmangel oder Muskelerkrankungen an, in denen Stickstoff, Kalzium und Phosphor eingelagert wurden und Hämoglobin sowie rote Blutkörperchen stiegen. Häufigkeiten der Nebenwirkungen gibt sie nicht an.

Lockner 1979: therapierefraktäre Blutarmut

In einer Serie von 19 aufeinanderfolgenden Patienten mit Blutarmut, die auf andere Behandlungen nicht ansprach, kam es bei 3 von 6 mit Panzytopenie, 2 von 4 mit Bizytopenie, 1 von 5 mit refraktärer Anämie und 1 von 4 mit Myelofibrose zu einer Remission. Eine Lebensverlängerung bei den Ansprechenden war nicht erkennbar. Eine Vergleichsgruppe gab es nicht.

Garbrecht 1981: Blutfette bei Brustkrebs

Bei 28 Frauen nach den Wechseljahren mit metastasiertem Brustkrebs, die zusätzlich Metenolon als Spritze erhielten, entwickelten 12 eine Hyperlipoproteinämie, 10 vom Typ IIa und 2 vom Typ IIb. Eine dieser Patientinnen erlitt während der Behandlung einen Herzinfarkt. Ein Zusammenhang mit der Dosis fand sich nicht; nach dem Absetzen bildeten sich die Fettstörungen in allen Fällen zurück.

Velazquez 2004: Lebertumoren unter Androgenen

Die Fallsammlung zu 133 Lebertumoren unter Androgenen nennt vor allem Oxymetholon, Methyltestosteron und Danazol; Tumoren traten aber auch bei Patienten auf, die nur Spritzen erhielten. Die Autoren folgern, dass alle mit Anabolika Behandelten ein Lebertumorrisiko tragen, dessen Höhe sich nicht berechnen lässt. Auch die japanische Fachinformation erwähnt Lebertumoren nach langer, hochdosierter Gabe bei aplastischer Anämie.

Wo die Daten aufhören

  • Wirkung am Menschen. Eine aussagekräftige randomisierte Studie zu Metenolon fand sich bei der Recherche nicht, weder bei Kranken noch bei Gesunden.
  • Der Ruf als mildes Steroid. Dass Metenolon verträglicher sei als andere Steroide, ist nicht in vergleichenden Studien am Menschen geprüft. Die Fachinformation nennt dieselben Gruppen von Nebenwirkungen wie bei anderen Anabolika, ohne Häufigkeiten.
  • Herz und Gefäße. Zu Herz und Gefäßen gibt es nur die kleine Serie mit 28 Frauen. Langzeitdaten fehlen.
  • Spritze und Tablette. Die japanische Zulassung betrifft die Tablette. Zur Depotspritze gibt es kaum aktuelle Daten.

Status, Zulassung und Recht

In Deutschland ist Metenolon mit seinen Estern verschreibungspflichtig (Arzneimittelverschreibungsverordnung, Anlage 1). Ein in Deutschland zugelassenes Fertigarzneimittel fand sich bei der Recherche nicht. In Japan ist es als Primobolan-Tablette zugelassen und verschreibungspflichtig.

Metenolon steht in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes. Herstellung, Handel und Abgabe zu Dopingzwecken sind verboten, ebenso Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge zum Doping im Sport; der Strafrahmen reicht bis zu drei Jahren, in schweren Fällen bis zu zehn. Im Sport steht es auf der Verbotsliste der WADA unter S1.1 und ist jederzeit verboten.

Sicherheit

Leber: Obwohl Metenolon nicht 17α-alkyliert ist, nennt die japanische Fachinformation Leberfunktionsstörungen mit deutlich erhöhten Werten und Gelbsucht als schwere Nebenwirkung und fordert bei längerer Gabe regelmäßige Leberwerte. Nach langer, hochdosierter Gabe von Anabolika sind Lebertumoren beschrieben.

Blutfette und Herz: In einer Serie mit 28 Frauen entwickelten 12 eine Fettstoffwechselstörung, eine erlitt einen Herzinfarkt. Bei Herz- und Nierenerkrankungen kann es zu Wassereinlagerungen kommen. Gerinnungshemmer wie Warfarin wirken stärker.

Hormonachse: Beim Mann hemmt längere Gabe die Hodenfunktion, Spermien und Samenflüssigkeit nehmen ab; Impotenz und Dauererektion sind beschrieben. Bei Frauen nennt die Fachinformation Heiserkeit und Stimmveränderung, die fortgeschritten schwer rückgängig zu machen ist und der oft Zyklusstörungen vorausgehen, dazu Haarwuchs, Akne und Vergrößerung der Klitoris. Die Zuckertoleranz kann sich verschlechtern.

Psyche: Die Fachinformation nennt eine gesteigerte Libido. Für Steroide insgesamt beschreibt die Endocrine Society Abhängigkeit, ein Entzugssyndrom und psychische Störungen; mehr dazu unter Anabole Steroide. Dass zu Metenolon kaum Daten vorliegen, heißt nicht, dass es sicher ist, sondern dass es niemand systematisch geprüft hat. Vor jedem Schritt gehört hier ein ärztliches Gespräch.

BK-Score Lange angewendet, kaum untersucht

Human-Evidenz3
Mechanismus6
Sicherheits-Datenlage4
Hype-Abstand3
Anwendungserfahrung6

Evidenz 3, weil es keine aussagekräftige kontrollierte Studie am Menschen gibt: Die Daten stammen aus kleinen, unkontrollierten Serien, etwa 19 Patienten mit therapierefraktärer Blutarmut, von denen ein Teil ansprach, ohne erkennbare Lebensverlängerung (Lockner 1979), und aus den Angaben der japanischen Fachinformation; zu Muskelmasse oder Kraft bei Gesunden gibt es nichts. Mechanismus 6, weil die Wirkung über den Androgenrezeptor und die Einlagerung von Stickstoff, Kalzium und Phosphor am Menschen beschrieben sind, aber nur in kleinen, alten Untersuchungen. Sicherheit 4, weil Leberschäden, Vermännlichung und Blutfettstörungen dokumentiert sind (12 von 28 Frauen mit Hyperlipoproteinämie, Garbrecht 1981), die Fachinformation aber keine Häufigkeiten nennt und systematische Sicherheitsstudien fehlen. Hype 3, weil der Ruf als besonders mildes, verträgliches Steroid sich nicht auf vergleichende Humanstudien stützt. Anwendung 6, weil Metenolon seit Jahrzehnten ärztlich eingesetzt wird und in Japan bis heute zugelassen ist. Richtung offen: lange Anwendung, aber zu wenig kontrollierte Daten für eine Aussage über Nutzen und Risiko.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Metenolon

Ist Metenolon ein mildes Steroid?

Das ist sein Ruf, aber kein Studienergebnis. Vergleichende Studien am Menschen gibt es nicht. Die japanische Fachinformation nennt Leberschäden, Vermännlichung und Hemmung der Hodenfunktion wie bei anderen Anabolika.

Wofür ist Metenolon zugelassen?

In Japan als Primobolan-Tablette bei Osteoporose, schwerer Auszehrung durch Nierenerkrankung, Krebs, Verletzungen oder Verbrennungen und bei Knochenmarkschwäche durch aplastische Anämie. Ein in Deutschland zugelassenes Präparat fand sich bei der Recherche nicht.

Ist Metenolon schlecht für die Leber?

Es ist nicht 17α-alkyliert, trotzdem nennt die Fachinformation Leberfunktionsstörungen und Gelbsucht als schwere Nebenwirkung. Lebertumoren sind nach langer, hochdosierter Gabe von Anabolika beschrieben.

Kann Metenolon die Stimme von Frauen verändern?

Ja. Die Fachinformation nennt Heiserkeit und Stimmveränderung, die fortgeschritten schwer rückgängig zu machen ist; oft gehen Zyklusstörungen voraus.

Ist Metenolon in Deutschland erlaubt?

Es ist verschreibungspflichtig. Es steht in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes; Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge zum Doping sind verboten. Im Sport ist es jederzeit verboten.

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Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.