Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

Methandrostenolon (Dianabol)

Orales anabol-androgenes Steroid (17α-alkyliert), früher als Arzneimittel vermarktet, in Deutschland verschreibungspflichtig · Metandienon, Methandienon, Dianabol, D-Bol, Methandrostenolone

Methandrostenolon, in der Fachliteratur meist Metandienon und in der Szene Dianabol genannt, ist eines der ältesten oralen anabol-androgenen Steroide. Früher als Arzneimittel vermarktet, ist es seit Jahrzehnten ein Klassiker im Kraftsport. Die Humandaten dazu sind schmal und alt, und sie sind weniger eindeutig, als der Ruf vermuten lässt.

Kurz gesagt

In zwei kleinen, doppelblinden Studien aus den Jahren 1976 und 1981 nahmen trainierende Männer unter Methandienon mehr Gewicht zu als unter Placebo, im Mittel 3,3 und 2,3 kg. In der ersten Studie stieg die Kraft aber nicht stärker als unter Placebo; in der zweiten schon, nur passte die Zusammensetzung des Zuwachses nicht zu normalem Muskelgewebe. Bei Osteoporose ließ sich über 24 Monate kein sicherer Knochengewinn zeigen. Klar dokumentiert ist dagegen die Leber: Gallenstauung mit Gelbsucht ist mehrfach beschrieben, bis zum tödlichen Leberversagen. Dazu kommen ein Abfall des eigenen Testosterons und Todesfälle unter Mischkonsum. Die Wirkung auf das Gewicht ist belegt, die auf Kraft und Muskelqualität nicht sicher.

Was Methandrostenolon ist

Methandrostenolon ist ein Abkömmling des Testosterons, der als Tablette wirkt. Unter dem Namen Dianabol wurde es als Arzneimittel vermarktet und in den 1970er und frühen 1980er Jahren in kontrollierten Studien geprüft, an trainierenden Männern und bei Osteoporose. Schon die Autoren der ersten Trainingsstudie beschrieben es 1976 als ein von Sportlern genutztes „anaboles Steroid“.

In Deutschland ist Metandienon verschreibungspflichtig; ein zugelassenes Präparat ist nicht im Handel. Damit fehlt, anders als bei Nandrolon oder Testosteron, eine aktuelle Fachinformation mit systematisch erfassten Nebenwirkungen.

Wie es wirkt

Methandrostenolon wirkt über den Androgenrezeptor. Es ist 17α-alkyliert, also am Kohlenstoffatom 17 so verändert, dass es geschluckt wirkt; diese Gruppe von Steroiden ist am engsten mit Leberschäden verbunden.

Die Studie von 1981 versuchte zu klären, was unter Methandienon eigentlich zunimmt. Gemessen wurden Kalium und Stickstoff im ganzen Körper. Beide stiegen stark, aber im Verhältnis zum Gewichtszuwachs zu stark für normales Muskel- oder anderes fettfreies Gewebe. Die Autoren schlossen, dass die Substanz zwar aufbauend wirkt, der Zuwachs aber kein normaler Muskel ist. Die Studie von 1976 zeigte zudem, dass das Testosteron im Blut sinkt und das Cortisol steigt.

Was gut belegt ist

Belegt ist, dass Methandienon in kontrollierten Studien das Körpergewicht gegenüber Placebo steigerte, bei trainierenden Männern um 3,3 und 2,3 kg in 6 Wochen, in der ersten Studie ausschließlich im fettfreien Anteil, und dass die Muskeln dabei an Umfang zunahmen. Belegt ist auch die Wirkung auf die Hormonachse: Das eigene Testosteron sinkt. Und belegt ist die Leberseite: Gallenstauung mit Gelbsucht ist für Methandrostenolon wiederholt beschrieben, bis zum Leberversagen.

Was die Studien zeigen

Hervey 1976: 11 trainierende Männer

Doppelblind im Crossover erhielten 11 Männer während eines Krafttrainings je 6 Wochen Methandienon und Placebo. Unter dem Wirkstoff nahmen sie im Mittel 3,3 kg zu, ausschließlich im fettfreien Anteil, und die Muskeln wurden größer. Kraft und Leistung stiegen in beiden Phasen, aber nicht signifikant unterschiedlich. Das Testosteron im Blut sank, das Cortisol stieg. Die Autoren ließen offen, ob der Zuwachs echter Aufbau oder mehr Flüssigkeit in den Zellen war.

Hervey 1981: 7 Gewichtheber

Die Wiederholung mit 7 Gewichthebern im Training folgte derselben Anordnung, je 6 Wochen mit 6 Wochen Pause dazwischen. Gewicht (+2,3 kg), Körperkalium, Körperstickstoff, Muskelumfang, Beinleistung und Kraft stiegen nur in der Wirkstoffphase signifikant. Der Anstieg von Kalium und Stickstoff war für die Gewichtszunahme zu groß, um normalem Muskelgewebe zu entsprechen.

Aloia 1981: Osteoporose über 24 Monate

In einer randomisierten, doppelblinden Studie gegen Placebo stieg unter Methandrostenolon das Körperkalium, vor allem in den ersten 6 Monaten. Die Knochenmasse änderte sich nicht signifikant; nur das Gesamtkörperkalzium lag nach 6 Monaten knapp höher. Einen klaren Knochengewinn fanden die Autoren nicht.

Fallberichte: Leber, Niere, Herz

Ein 50-Jähriger entwickelte nach achtwöchigem Gebrauch eine schwere Gallenstauung mit einem Bilirubin von 922 µmol/l, dazu ein akutes Nierenversagen und eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Rosenfeld 2011). Die Leberdatenbank LiverTox der amerikanischen Gesundheitsbehörde NIH führt Methandrostenolon mehrfach als Ursache einer Gallenstauung, in einem Fall bei einer 71-jährigen Frau bis zum Leberversagen mit Tod. Ein 34-Jähriger starb Stunden nach dem Training; der Herzmuskel war verdickt, nachgewiesen wurden unter anderem Methandienon, Stanozolol und Clenbuterol (Lehmann 2019).

Wo die Daten aufhören

  • Klein und alt. Die Trainingsstudien umfassen zusammen 18 Männer und sind über 40 Jahre alt. Moderne Messmethoden, größere Gruppen und längere Beobachtung fehlen.
  • Kraft unsicher. In der größeren der beiden Studien stieg die Kraft nicht stärker als unter Placebo, in der kleineren schon.
  • Keine systematischen Sicherheitsdaten. Kontrollierte Langzeitdaten zu Herz, Blutfetten und Psyche speziell für Methandrostenolon haben wir nicht gefunden. Für Steroide sind HDL-Senkungen um etwa 25 Prozent belegt; die Registerdaten zu Steroiden insgesamt finden sich unter Anabole Steroide.
  • Mischkonsum. In Fallberichten werden meist mehrere Substanzen gefunden; was auf Methandrostenolon allein zurückgeht, lässt sich kaum trennen.
  • Herkunft der Ware. Ein zugelassenes Präparat ist in Deutschland nicht im Handel. Was gehandelt wird, stammt vom Graumarkt und ist nicht das Arzneimittel aus den Studien.

Status, Zulassung und Recht

Metandienon und seine Ester stehen in Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung und sind damit verschreibungspflichtig. Ein zugelassenes Präparat ist in Deutschland nicht im Handel; Fertigarzneimittel dürfen nur mit Zulassung in Verkehr gebracht werden (§ 21 Arzneimittelgesetz). Früher wurde es als Dianabol vermarktet.

Metandienon steht namentlich in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes: Erwerb, Besitz und Verbringen in nicht geringer Menge zum Doping im Sport sind verboten, Handel und Abgabe zu Dopingzwecken ebenso. Im Sport steht es auf der WADA-Verbotsliste unter S1.1 und ist jederzeit verboten.

Sicherheit

Leber: Gallenstauung mit Gelbsucht ist für Methandrostenolon wiederholt beschrieben, bis zum Leberversagen mit Tod; als 17α-alkyliertes Steroid gehört es zu der Gruppe, die am engsten mit Peliosis hepatis und Lebertumoren verbunden ist. Niere und Bauchspeicheldrüse: in einem Fallbericht akutes Nierenversagen und Pankreatitis zusammen mit der Gallenstauung. Hormonell: Das Testosteron im Blut sinkt, das Cortisol steigt. Herz: plötzlicher Tod eines 34-Jährigen mit verdicktem Herzmuskel unter Mischkonsum. Blutfette: Für Steroide sind deutliche HDL-Senkungen belegt; Messungen speziell zu Methandrostenolon haben wir nicht gefunden. Psyche: nicht eigens untersucht.

Vor jedem Schritt gehört hier ein ärztliches Gespräch, nicht der Formalität wegen, sondern weil Leberschäden lange still verlaufen können und dann schwer werden.

BK-Score Dünne Humanevidenz

Human-Evidenz4
Mechanismus6
Sicherheits-Datenlage4
Hype-Abstand3
Anwendungserfahrung6

Evidenz 4, weil es nur kleine, alte kontrollierte Studien gibt: 11 trainierende Männer im Crossover mit 3,3 kg mehr Gewicht, aber ohne signifikant stärkeren Kraftzuwachs (Hervey 1976), 7 Gewichtheber mit Kraftzuwachs nur unter dem Wirkstoff (Hervey 1981) und eine Osteoporose-Studie über 24 Monate ohne sicheren Knochengewinn (Aloia 1981). Mechanismus 6, weil Rezeptorwirkung, Abfall des Testosterons und Anstieg des Cortisols am Menschen gemessen sind, die Autoren aber selbst offenlassen, ob der Zuwachs normales Muskelgewebe ist. Sicherheit 4, weil es keine systematischen Sicherheitsdaten gibt; bekannt sind wiederholte Fälle von Gallenstauung bis zum tödlichen Leberversagen (LiverTox), ein Fall mit zusätzlichem Nieren- und Pankreasversagen (Rosenfeld 2011) und Todesfälle unter Mischkonsum (Lehmann 2019). Hype 3, weil Dianabol als Klassiker für schnellen Masseaufbau gilt, die kontrollierten Daten aber nur eine Gewichtszunahme unklarer Zusammensetzung zeigen. Anwendung 6, weil es früher als Arzneimittel eingesetzt wurde und seit Jahrzehnten breit im Kraftsport ohne Aufsicht genutzt wird. Richtung gemischt: mehr Gewicht ja, Nutzen für Kraft und Knochen unsicher, Leberrisiko klar dokumentiert.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Methandrostenolon (Dianabol)

Sind Dianabol, Metandienon und Methandrostenolon dasselbe?

Ja. Methandrostenolon und Metandienon sind zwei Namen für denselben Wirkstoff, Dianabol war der Handelsname. In deutschen Gesetzestexten heißt er Metandienon.

Baut Dianabol Muskeln auf?

Es steigert das Gewicht, das zeigen zwei kleine kontrollierte Studien mit 3,3 und 2,3 kg mehr in 6 Wochen. Ob das normales Muskelgewebe ist, haben schon die Studienautoren bezweifelt, und in der größeren Studie stieg die Kraft nicht stärker als unter Placebo.

Wie gefährlich ist Dianabol für die Leber?

Gallenstauung mit Gelbsucht ist mehrfach beschrieben, in einem Fall bis zum tödlichen Leberversagen. Als 17α-alkyliertes Steroid gehört es zu der Gruppe, die am engsten mit Leberschäden bis hin zu Tumoren verbunden ist.

Senkt Dianabol das eigene Testosteron?

Ja. In der kontrollierten Studie von 1976 sank das Testosteron im Blut unter Methandienon, während das Cortisol stieg.

Ist Dianabol in Deutschland legal?

Metandienon ist verschreibungspflichtig, ein zugelassenes Präparat ist nicht im Handel. Es steht in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes; Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge zum Doping im Sport sind verboten, Handel und Abgabe zu Dopingzwecken ebenso. Im Sport steht es auf der WADA-Verbotsliste.

Ähnliche Themen

Quellen

Diese Studien mit Studientyp und Jahr in der Studien-Datenbank ansehen

In der Datenbank öffnen – mit Suche, Filtern und Vergleich

Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.