Peptid & Experimentelles
Trestolon (MENT)
Synthetisches Androgen (Nandrolon-Abkömmling), als Verhütungsmittel für Männer und als Hormonersatz klinisch erprobt, nie zugelassen · MENT, 7α-Methyl-19-nortestosteron, 7alpha-Methyl-19-nortestosteron, Trestolone, Trestolonacetat, MENT-Acetat
Trestolon, in der Forschung MENT genannt, ist ein synthetisches Androgen und ein enger Verwandter des Nandrolons. Der Population Council entwickelte es als Implantat für die Verhütung beim Mann und als Hormonersatz, der die Prostata schont. Die Studien dazu sind klein, aber kontrolliert – zugelassen wurde es nie.
Kurz gesagt
In Studien mit insgesamt rund 140 Männern drosselte MENT zuverlässig die Hormonachse und damit die Spermienbildung: In der höchsten Implantatgruppe wurden 8 von 12 Männern spermienfrei. Bei Männern mit Hormonmangel hielt es Libido, Erektionen und Stimmung ähnlich aufrecht wie Testosteron, und es schonte die Prostata. Dagegen stehen ein Abfall der Knochendichte, ein Anstieg des Hämatokrits, ein Abfall des HDL-Cholesterins und Studien, die höchstens 12 Monate dauerten; die Ergebnisse der letzten registrierten Studie sind nicht veröffentlicht. Zur Muskelwirkung, um die es außerhalb der Forschung geht, gibt es keine einzige Humanstudie. Im Sport ist Trestolon jederzeit verboten.
Was es ist und wie es wirkt
Trestolon ist 7α-Methyl-19-nortestosteron, also Nandrolon mit einer zusätzlichen Methylgruppe; zu Nandrolon gibt es einen eigenen Eintrag: Nandrolon-Decanoat. In den Studien wurde es meist als Acetat in Implantaten unter der Haut des Oberarms gegeben, die den Wirkstoff gleichmäßig freisetzen. Den Überblick über die Stoffgruppe findest du unter Anabole Steroide (Anabolika, AAS).
Es bindet am Androgenrezeptor und wirkt stärker als Testosteron. Anders als Testosteron wird es nicht durch die 5α-Reduktase umgebaut und regt die Prostata deshalb weniger an; zu Östrogen umgewandelt werden kann es dagegen (Anderson 2003). Über die Rückkopplung drosselt es LH und FSH und damit die eigene Testosteron- und Spermienbildung. Bei 24 gesunden Männern sanken in der höchsten Dosisgruppe Testosteron um 74 %, LH um 70 % und FSH um 57 % (Suvisaari 1997). Genau diese Drosselung ist der Ansatz für die Verhütung.
Was gut belegt ist
Für ein Mittel ohne Zulassung ist die Datenlage ungewöhnlich sauber. Mehrere kontrollierte Studien zeigen am Menschen, dass MENT die Hormonachse dosisabhängig drosselt und die Spermienbildung unterdrückt, teils bis auf null. Ebenso belegt ist, dass es bei Männern mit Hormonmangel Sexualfunktion und Stimmung ähnlich wie Testosteron erhält und dabei die Prostata schont. Das alles betrifft Verhütung und Hormonersatz – nicht den Muskelaufbau.
Was die Studien zeigen
Implantate zur Verhütung bei 35 Männern
Gesunde Männer in drei Zentren erhielten per Zufall ein, zwei oder vier MENT-Implantate, je nach Zentrum für 6 bis 12 Monate. In der Gruppe mit einem Implantat sank bei keinem die Spermienzahl unter 3 Millionen pro ml, in der Gruppe mit zwei Implantaten bei 4 von 11, davon 2 spermienfrei; in der Gruppe mit vier Implantaten wurden 8 von 12 spermienfrei, 2 sprachen nicht an. Rote Blutkörperchen, Hämatokrit und Hämoglobin stiegen, SHBG fiel; die Veränderungen bildeten sich zurück (von Eckardstein 2003).
MENT gegen Testosteron, jeweils mit Gestagen
29 gesunde Männer erhielten per Zufall zwei Etonogestrel-Implantate zusammen mit MENT oder mit Testosteron. Nach 12 Wochen lag die Spermienzahl bei 8 von 10 Männern der MENT-Gruppe unter 1 Million pro ml, ähnlich wie unter Testosteron. Danach ließ die Freisetzung aus den MENT-Implantaten nach, die Unterdrückung hielt nicht, und 6 Männer bemerkten Libidoverlust. In beiden Gruppen stieg das Hämoglobin und fiel das HDL-Cholesterin; unter MENT sank das PSA (Walton 2007).
Hormonersatz: Sexualfunktion und Stimmung
20 Männer mit Hormonmangel in Edinburgh und Hongkong erhielten im Crossover je 6 Wochen MENT-Implantate und Testosteronenantat. Beide steigerten sexuelles Interesse, Aktivität und spontane Erektionen; Unterschiede zwischen den Behandlungen waren gering, toxische Effekte traten nicht auf (Anderson 1999).
Schonung der Prostata, Verlust an Knochen
16 Männer mit Hormonmangel erhielten über 24 Wochen ein oder zwei Implantate. Hämoglobin und Hämatokrit blieben stabil, das PSA sank in beiden Gruppen, das Prostatavolumen teilweise; mit zwei Implantaten blieben Sexualverhalten und Erektionen erhalten, mit einem nahmen sie ab. Die Knochendichte der Lendenwirbelsäule nahm in beiden Gruppen ab – nach Einschätzung der Autoren ein Hinweis, dass ein Hormonersatz genug östrogene Wirkung braucht (Anderson 2003).
Blutdruckstudie ohne veröffentlichte Ergebnisse
Der Population Council prüfte ab 2008 in einer randomisierten, doppelblinden Phase-1-Studie mit 68 Männern die Wirkung eines MENT-Gels auf den Blutdruck. Die Studie wurde im März 2014 abgeschlossen; im Register sind keine Ergebnisse hinterlegt (NCT00812630).
Wo die Daten aufhören
Alle Studien sind klein, mit 16 bis 35 Teilnehmern je Studie, und dauerten höchstens 12 Monate. Die Ergebnisse der jüngsten registrierten Studie sind im Register nicht hinterlegt, danach ist auf ClinicalTrials.gov keine weitere Studie eingetragen.
Am Menschen gar nicht untersucht ist, wofür Trestolon außerhalb der Forschung verwendet wird: Muskelaufbau und Leistung. Die oft zitierte zehnfach stärkere aufbauende Wirkung als Testosteron stammt aus Untersuchungen der 1960er Jahre im Rahmen der Krebsforschung (Piper 2026). Ebenso fehlen Daten zu Herz und Gefäßen und zu längerer Anwendung. Was im Internet gehandelt wird, ist nicht das Studienpräparat.
Status, Zulassung und Recht
Trestolon ist in keinem Land als Arzneimittel zugelassen; die Entwicklung als Verhütungsimplantat kam über kleine klinische Studien nicht hinaus. In Deutschland ist kein Präparat gelistet (Gelbe Liste, Stand 10/2026), und ein nicht zugelassenes Fertigarzneimittel darf nicht in Verkehr gebracht werden (§ 21 Arzneimittelgesetz). Trestolon steht auf der WADA-Verbotsliste 2026 unter S1.1 und ist jederzeit verboten; damit sind Herstellung, Handel, Abgabe und Verschreibung zu Dopingzwecken nach § 2 Abs. 1 Anti-Doping-Gesetz verboten. In der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes, die Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge regelt, ist es nicht namentlich genannt; die Anlage führt allgemein „andere mit anabol-androgenen Steroiden verwandte Stoffe“ auf.
Sicherheit
In den Studien stiegen rote Blutkörperchen, Hämatokrit und Hämoglobin, SHBG und HDL-Cholesterin fielen, die Blutfette veränderten sich vorübergehend und die Leberwerte geringfügig (von Eckardstein 2003, Walton 2007). Die Knochendichte der Lendenwirbelsäule nahm über 24 Wochen ab (Anderson 2003). Sobald der Spiegel zu niedrig war, nahmen Libido und Erektionen ab. Die eigene Testosteron- und Spermienbildung wird gedrosselt; in den Verhütungsstudien war das gewollt. Für die Stoffgruppe insgesamt sind Herzschäden und eine sich nicht immer erholende Hormonachse belegt, siehe Anabole Steroide (Anabolika, AAS). Vor jedem Schritt gehört hier ein ärztliches Gespräch – nicht der Formalität wegen, sondern wegen Folgen, die bleiben können.
BK-Score Dünne Humanevidenz
| Human-Evidenz | 4 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 7 | |
| Sicherheits-Datenlage | 3 | |
| Hype-Abstand | 3 | |
| Anwendungserfahrung | 3 |
Evidenz 4, weil kleine kontrollierte Studien mit insgesamt rund 140 Männern zeigen, dass MENT die Spermienbildung unterdrückt – in der höchsten Implantatgruppe 8 von 12 Männern spermienfrei (von Eckardstein 2003) – und bei Hormonmangel Libido und Erektionen ähnlich wie Testosteron erhält (Anderson 1999, 20 Männer), während es zur Muskelwirkung, um die es außerhalb der Forschung geht, keine einzige Humanstudie gibt. Mechanismus 7, weil die Hormonsenkung am Menschen gemessen ist (Testosteron −74 %, LH −70 %, FSH −57 %, Suvisaari 1997) und die Schonung der Prostata durch fehlenden Umbau über die 5α-Reduktase erstmals am Menschen gezeigt wurde (Anderson 2003). Sicherheit 3, weil die Daten aus Studien von höchstens 12 Monaten mit je 16 bis 35 Teilnehmern stammen – mit Anstieg des Hämatokrits, Abfall von HDL und Knochendichte – und die Ergebnisse der Blutdruckstudie mit 68 Männern nicht veröffentlicht sind (NCT00812630). Hype 3, weil eine zehnfach stärkere aufbauende Wirkung als Testosteron aus Untersuchungen der 1960er Jahre weitergereicht wird, die am Menschen nie geprüft wurde. Anwendung 3, weil das Mittel nie zugelassen wurde und außerhalb der Studien nur ohne ärztliche Aufsicht verwendet wird. Richtung offen: Für die beworbene Wirkung fehlen Humandaten.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Trestolon
Was ist MENT?
MENT ist die Forschungsbezeichnung für Trestolon, 7α-Methyl-19-nortestosteron. Der Population Council entwickelte es als Implantat für die Verhütung beim Mann und als Hormonersatz.
Funktioniert Trestolon als Verhütungsmittel für Männer?
In kleinen Studien unterdrückte es die Spermienbildung, in der höchsten Implantatgruppe wurden 8 von 12 Männern spermienfrei. In einer anderen Studie hielt die Wirkung nicht, weil die Implantate mit der Zeit weniger Wirkstoff abgaben. Ein zugelassenes Präparat gibt es nicht.
Baut Trestolon Muskeln auf?
Dazu gibt es keine einzige Studie am Menschen. Die oft genannte zehnfach stärkere aufbauende Wirkung als Testosteron stammt aus Untersuchungen der 1960er Jahre und wurde am Menschen nie geprüft.
Was macht Trestolon mit Knochen und Blutwerten?
In den Studien stiegen Hämatokrit und Hämoglobin, das HDL-Cholesterin fiel, und bei Männern mit Hormonmangel nahm die Knochendichte der Lendenwirbelsäule über 24 Wochen ab.
Ist Trestolon in Deutschland legal?
Es gibt kein zugelassenes Arzneimittel, ein Inverkehrbringen ist deshalb nicht erlaubt. Zu Dopingzwecken sind Herstellung, Handel und Abgabe nach dem Anti-Doping-Gesetz verboten, und im Sport steht es jederzeit auf der Verbotsliste.
Ähnliche Themen
- Verwandtes ThemaOxymetholon (Anadrol)
- Verwandtes ThemaS-23
- Verwandtes ThemaMesterolon (Proviron)
- Verwandtes ThemaDrostanolon (Masteron)
- Verwandtes ThemaStanozolol (Winstrol)
- Verwandtes ThemaAnabole Steroide (Anabolika, AAS)
Quellen
- von Eckardstein S et al., J Clin Endocrinol Metab 2003 – MENT-Implantate als Langzeitverhütung für Männer, 35 Teilnehmer
- Walton MJ et al., J Androl 2007 – MENT gegen Testosteron, jeweils mit Etonogestrel-Implantat, 29 gesunde Männer
- Anderson RA et al., J Clin Endocrinol Metab 2003 – Gewebeselektivität von MENT bei 16 Männern mit Hormonmangel
- Anderson RA et al., J Clin Endocrinol Metab 1999 – MENT erhält Sexualverhalten und Stimmung bei Männern mit Hormonmangel
- Suvisaari J et al., Hum Reprod 1997 – Pharmakokinetik und Hormonsenkung nach Injektion bei gesunden Männern
- ClinicalTrials.gov NCT00812630 – Population Council, MENT und Blutdruck, 68 Männer, abgeschlossen 2014, ohne veröffentlichte Ergebnisse
- Piper T et al., Drug Test Anal 2026 – Stoffwechsel von Trestolon am Menschen, Nachweis in der Dopingkontrolle
- Arzneimittelgesetz (AMG), § 21 Zulassungspflicht
- Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG), § 2 und Anlage
- Verbotsliste im Sport 2026: S1.1, Trestolon (WADA Prohibited List)
Diese Studien mit Studientyp und Jahr in der Studien-Datenbank ansehen
In der Datenbank öffnen – mit Suche, Filtern und Vergleich
Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.