Frage & Einordnung
Haarausfall – was hilft nachweislich?
Kurz gesagt
Das hängt von der Ursache ab. Beim häufigen erblich bedingten Haarausfall sind Minoxidil zum Auftragen und bei Männern Finasterid die am besten belegten Mittel; sie bremsen den Verlust und lassen in Studien wieder Haare wachsen. Rotlicht-Kappen und PRP-Injektionen zeigen in Studien einen Nutzen, allerdings mit schwächerer Datenlage. Verstärkter Ausfall einige Monate nach Fieber, Geburt, starkem Gewichtsverlust oder großem Stress gibt sich meist von selbst wieder. Haarvitamine helfen nur bei einem echten Mangel, und zu viel Selen kann Haarausfall sogar auslösen.
Was zuerst zählt
Ruhe bewahren und zählen
50 bis 100 ausgefallene Haare am Tag sind normal. Wer deutlich mehr in der Bürste oder im Abfluss findet, sollte beobachten, ob sich die Haare gleichmäßig lichten, an bestimmten Stellen zurückgehen oder ob kreisrunde kahle Stellen entstehen. Das Muster ist der wichtigste Hinweis auf die Ursache.
An die letzten Monate denken
Verstärkter Haarausfall beginnt oft einige Monate nach einem belastenden Ereignis, etwa nach hohem Fieber, einer Operation, einer Geburt, einem starken Gewichtsverlust, dem Absetzen der Pille oder einer Phase großen Stresses. Nach einer Geburt zeigt er sich meist nach rund zwei Monaten und erreicht nach etwa vier Monaten seinen Höhepunkt. Innerhalb von sechs bis neun Monaten wird das Haar in der Regel wieder so voll wie vorher.
Früh handeln, wenn es erblich ist
Beim erblich bedingten Haarausfall werden die Haarwurzeln mit der Zeit kleiner, und der Prozess hört nicht von allein auf: In den großen Finasterid-Studien verloren die Männer unter Placebo stetig weiter Haare. Wer den Verlust bremsen möchte, muss deshalb nicht jahrelang abwarten.
Keine Megadosen an Haarvitaminen
Viele Haar-Präparate enthalten hohe Mengen Biotin oder Selen. Biotin kann nach Angaben der US-Arzneimittelbehörde Labortests stark verfälschen, darunter den Herzinfarkt-Marker Troponin. Und Selen in zu hoher Menge verursacht selbst Haarausfall; die europäische Lebensmittelbehörde hat ihre Obergrenze genau aus diesem Grund abgeleitet.
Wann du das ärztlich abklären lassen solltest
Lass Haarausfall hautärztlich abklären, wenn er plötzlich und stark einsetzt, wenn kreisrunde kahle Stellen entstehen, wenn die Kopfhaut juckt, schuppt, schmerzt oder vernarbt aussieht oder wenn er nach sechs bis neun Monaten nicht nachlässt. Kommen Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtsveränderungen, Zyklusstörungen oder vermehrte Körperbehaarung hinzu, sollten auch Schilddrüse, Eisenstatus und Hormone angeschaut werden. Nimmst du neue Medikamente, sprich die Ärztin oder den Arzt darauf an. Wenn du Biotin einnimmst, erwähne das vor jeder Blutuntersuchung, weil es Laborwerte verfälschen kann.
Was wirklich wirkt
Für den erblich bedingten Haarausfall gibt es zwei gut untersuchte Wirkstoffe. Minoxidil wird auf die Kopfhaut aufgetragen; eine Meta-Analyse fand es bei Männern und Frauen wirksamer als Placebo. In der Cochrane-Übersicht zum weiblichen Haarausfall über 47 Studien berichteten unter Minoxidil fast doppelt so viele Frauen von einem deutlichen Nachwachsen wie unter Placebo, und auf einem Quadratzentimeter zählten die Forschenden im Mittel gut 13 Haare mehr.
Finasterid ist eine verschreibungspflichtige Tablette für Männer. In den Zulassungsstudien mit 1.553 Männern zählte man nach einem Jahr 107 Haare mehr als unter Placebo, nach zwei Jahren 138, während unter Placebo der Verlust weiterging. Über fünf Jahre sank das Risiko für weiteren sichtbaren Haarverlust um 93 Prozent. Sexuelle Nebenwirkungen traten in den Studien bei 1,9 bis 6,7 Prozent auf, unter Placebo bei 0,9 bis 3,9 Prozent. Seit September 2025 weist ein Rote-Hand-Brief auf Suizidgedanken hin: Bei gedrückter Stimmung soll die Einnahme beendet und ärztlicher Rat eingeholt werden.
Was ergänzen kann
Rotlicht über Kappen oder Kämme ist die dritte Option mit brauchbaren Daten. Eine Übersicht über 15 Meta-Analysen fand für die Haardichte bei erblichem Haarausfall eine moderate Ergebnissicherheit, eine der besten Bewertungen für Rotlicht überhaupt. Die bisher größte verblindete Studie zu einer LED-Kappe verfehlte jedoch ihr Hauptziel, und die Geräte unterscheiden sich stark.
PRP, also aufbereitetes Eigenblut, wird in die Kopfhaut gespritzt. Eine Meta-Analyse über 43 randomisierte Studien mit 1.877 Teilnehmenden zeigte bessere Haardichte und weniger Haarverlust, die Autoren nennen die Evidenz moderat. Bei Nahrungsergänzungen gilt: Sie helfen, wenn ein Mangel vorliegt, und sonst kaum.
Was die Datenbank dazu sagt
Sortiert nach Datenlage. Der BK-Score bewertet den Wissensstand, nicht die Substanz.
- Finasterid Evidenz 9/10 · Gut belegt, stark überhöht beworbenDas am besten untersuchte Mittel bei erblich bedingtem Haarausfall des Mannes: In den Zulassungsstudien wuchsen nach einem Jahr 107 Haare mehr als unter Placebo. Seit 2025 gibt es einen Rote-Hand-Brief zu Suizidgedanken, verschreibungspflichtig und ärztlich zu begleiten.
- Eisen Evidenz 9/10 · Gut belegt, stark überhöht beworbenEin Eisenmangel ist häufig, besonders bei menstruierenden Frauen, und gehört bei diffusem Haarausfall zu den Dingen, die man prüfen lassen kann. Die Einnahme ist bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll.
- Selen Evidenz 9/10 · Gut belegt, stark überhöht beworbenSelen ist für normale Haare nötig, aber zu viel davon löst Haarausfall aus. Die europäische Obergrenze leitet sich genau aus diesem Effekt ab, deshalb lohnt der Blick auf die Gesamtmenge aus Präparaten und Paranüssen.
- Rotlicht / Photobiomodulation (PBM) Evidenz 5/10 · Dünne HumanevidenzFür die Haardichte bei erblich bedingtem Haarausfall ist Rotlicht das am besten abgesicherte Einsatzgebiet der Photobiomodulation, mit moderater Ergebnissicherheit. Eine große verblindete Studie mit einer LED-Kappe verfehlte allerdings ihr Hauptziel.
- PRP (Eigenbluttherapie) Evidenz 5/10 · Untersucht – Nutzen nicht gezeigtEigenblut-Injektionen verbesserten in einer Meta-Analyse über 43 randomisierte Studien Haardichte und Haarverlust, nicht aber die Haardicke. Die Autoren stufen die Evidenz als moderat ein.
- Kollagen-Peptide Evidenz 5/10 · Dünne HumanevidenzWird oft für Haut, Haare und Nägel beworben. Die vorhandenen Studien sind klein, meist herstellerfinanziert und betreffen vor allem die Haut, nicht den Haarausfall.
- Spermidin Evidenz 5/10 · Dünne HumanevidenzFür das Haar gibt es bisher nur einen Hinweis aus einer herstellerfinanzierten Studie mit einem Kombinationspräparat. Für eine Empfehlung reicht das nicht.
Häufige Fragen
Wie viele Haare am Tag zu verlieren ist normal?
Zwischen 50 und 100 Haare am Tag gelten als normal. Auffällig wird es, wenn über Wochen deutlich mehr ausfallen oder sich sichtbare Lücken bilden.
Wächst das Haar nach Stress oder einer Geburt wieder nach?
In den meisten Fällen ja. Der verstärkte Ausfall beginnt meist einige Monate nach dem auslösenden Ereignis und bessert sich innerhalb von sechs bis neun Monaten. Hält die Belastung an, kann es länger dauern.
Helfen Biotin und Haarvitamine?
Bei einem echten Mangel können Nährstoffe helfen, ohne Mangel ist ein Nutzen nicht belegt. Hoch dosiertes Biotin kann Labortests verfälschen, auch wichtige Herzwerte. Zu viel Selen kann Haarausfall sogar auslösen.
Ist Minoxidil auch für Frauen geeignet?
Ja, Minoxidil zum Auftragen ist das am besten untersuchte Mittel beim weiblichen Haarausfall. In der Cochrane-Übersicht berichteten fast doppelt so viele Frauen von einem deutlichen Nachwachsen wie unter Placebo. Lass dich vor dem Start ärztlich oder in der Apotheke beraten, besonders in Schwangerschaft und Stillzeit.
Wie gefährlich ist Finasterid?
Sexuelle Nebenwirkungen traten in Studien bei einem kleinen Teil der Männer auf, etwas häufiger als unter Placebo, und gingen meist nach dem Absetzen zurück. Seit 2025 gibt es einen behördlichen Warnhinweis zu Suizidgedanken, deren Häufigkeit nicht bekannt ist. Bei gedrückter Stimmung sollte man die Tabletten absetzen und ärztlichen Rat einholen.
Wann sollte ich zum Hautarzt gehen?
Bei plötzlichem starkem Ausfall, kreisrunden kahlen Stellen, entzündeter oder vernarbter Kopfhaut oder wenn der Ausfall nach einigen Monaten nicht nachlässt. Auch wenn andere Beschwerden wie Müdigkeit oder Zyklusstörungen dazukommen, lohnt sich eine Abklärung. Früh begonnen wirken die Behandlungen am besten.
Quellen
- Kaufman et al., J Am Acad Dermatol 1998
- Kaufman et al., Eur J Dermatol 2008
- Adil und Godwin, J Am Acad Dermatol 2017
- van Zuuren et al., Cochrane Database Syst Rev 2016
- BfArM, Rote-Hand-Brief Finasterid und Dutasterid 2025
- Son et al., Syst Rev 2025 (Photobiomodulation)
- American Academy of Dermatology: Hair shedding
- FDA: Biotin Interference with Troponin Lab Tests
Reine Information, keine medizinische Beratung, keine Diagnose und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-26.