Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

Pyrilutamid (KX-826)

Androgenrezeptor-Antagonist zur Anwendung auf der Haut, nicht zugelassen · Pyrilutamide, KX-826

Pyrilutamid, Entwicklungsname KX-826, ist eine Tinktur gegen erblich bedingten Haarausfall vom chinesischen Hersteller Kintor. Sie blockiert den Androgenrezeptor direkt an der Kopfhaut, statt wie Finasterid den Hormonspiegel zu senken. Nach einem Fehlschlag 2023 meldete eine zweite große Phase-3-Studie 2026 einen klaren Vorsprung vor Placebo. Bekannt sind die Zahlen bisher nur aus Börsenmitteilungen.

Was Pyrilutamid ist

Pyrilutamid ist ein synthetischer Androgenrezeptor-Antagonist, den die Kintor Pharmaceutical aus Suzhou als Lösung zum Auftragen auf die Kopfhaut entwickelt. Geprüft wird es gegen erblich bedingten Haarausfall bei Männern und Frauen sowie gegen Akne. Zugelassen ist es nirgends; Kintor will 2026 in China den Zulassungsantrag stellen.

Der Reiz liegt im Wirkort. Finasterid und Dutasterid senken DHT im ganzen Körper, mit den bekannten sexuellen Nebenwirkungen. Pyrilutamid soll dasselbe Signal nur an der Haarwurzel abfangen. Bewertet wird hier der Wissensstand: Es gibt große verblindete Studien, aber deren Ergebnisse kennt die Öffentlichkeit nur aus Mitteilungen des Herstellers.

Wie es wirkt

Dihydrotestosteron (DHT) verkleinert bei erblich bedingtem Haarausfall über den Androgenrezeptor die Haarfollikel. Pyrilutamid besetzt diesen Rezeptor in der Haut und verdrängt dort Testosteron und DHT, ohne deren Bildung zu verändern. Im Wirkprinzip ist es damit verwandt mit RU58841 und Clascoteron, die am selben Rezeptor ansetzen.

Nach Angaben des Herstellers bleibt die Wirkung auf die Haut beschränkt, weil wenig Wirkstoff durch die Haut dringt und das, was in den Körper gelangt, rasch zu wenig wirksamen Abbauprodukten umgebaut wird. Eine begutachtete Veröffentlichung dazu gibt es nicht.

Was gut belegt ist

  • Es gibt große verblindete Studien mit Placebo. Kintor hat Pyrilutamid in doppelblinden, placebokontrollierten Studien in China und den USA mit zusammen über 1.600 Männern geprüft. Die Studien sind bei ClinicalTrials.gov registriert, mit der Haarzahl im Zielareal nach 24 Wochen als Hauptziel.
  • In der jüngsten Phase-3-Studie liegt Pyrilutamid klar vor Placebo. Bei 666 Männern wuchsen unter der 1-prozentigen Tinktur nach 24 Wochen 15,33 Haare pro Quadratzentimeter mehr als zu Beginn, unter Placebo 4,68. Der Abstand von 10,65 Haaren pro Quadratzentimeter war statistisch hoch signifikant (p kleiner 0,0001), die 0,5-prozentige Tinktur lag mit 9,78 knapp darunter.
  • Ein Jahr Anwendung ohne sexuelle Nebenwirkungen. In einer offenen Studie über 52 Wochen traten laut Hersteller wenige Nebenwirkungen auf, arzneimittelbedingte sexuelle Funktionsstörungen gar keine; 46 Prozent der Teilnehmer hatten mindestens 10 Haare pro Quadratzentimeter mehr.

Was die Studien zeigen

Phase 2 in China (2020 bis 2021)

120 Männer erhielten verblindet eine von drei Pyrilutamid-Varianten oder Placebo, 24 Wochen lang. Kintor meldete im September 2021, das Hauptziel, die Veränderung der Haarzahl im Zielareal gegenüber Placebo, sei statistisch signifikant erreicht worden, nannte aber keine Zahlen. Die 0,5-prozentige Tinktur wurde für die weiteren Studien ausgewählt.

Phase 2 in den USA (2022 bis 2023)

123 Männer mit mittlerem Haarausfall wurden auf drei Pyrilutamid-Gruppen und Placebo verteilt. In der stärksten Gruppe stieg die Haarzahl nach 24 Wochen um etwa 10 Haare pro Quadratzentimeter gegenüber Studienbeginn (p gleich 0,0088). Gegenüber Placebo meldete Kintor eine Verbesserung und eine Dosis-Wirkungs-Beziehung, ohne den Abstand zu beziffern. Die Nebenwirkungen waren meist leichte Reizungen der Kopfhaut, ähnlich häufig wie unter Placebo.

Phase 3 in China: der Fehlschlag von 2023

740 Männer trugen 24 Wochen lang die 0,5-prozentige Tinktur oder Placebo auf. Im November 2023 meldete Kintor: Die Haarzahl stieg unter Pyrilutamid gegenüber Studienbeginn deutlich, gegenüber Placebo gab es zu allen Messzeitpunkten nur einen Trend, keinen statistisch signifikanten Unterschied. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.

Die Zulassungsstudie mit 1-prozentiger Tinktur (2024 bis 2026)

Kintor startete eine neue Studie mit höherer Konzentration in zwei Stufen. In der Phase-3-Stufe an 26 Zentren mit 666 Männern lag die Haarzahl nach 24 Wochen unter 1 Prozent um 15,33, unter 0,5 Prozent um 14,46 und unter Placebo um 4,68 Haare pro Quadratzentimeter über dem Ausgangswert. Beide Konzentrationen waren Placebo statistisch hoch signifikant überlegen. Arzneimittelbedingte schwere Nebenwirkungen traten laut Hersteller nicht auf, die Nebenwirkungsraten unterschieden sich nicht bedeutsam von Placebo.

Langzeitstudie über ein Jahr

In einer offenen Studie ohne Kontrollgruppe an 16 Zentren in China wendeten Patienten die 0,5-prozentige Tinktur 52 Wochen lang an. Hauptziel war die Verträglichkeit. Kintor meldete eine niedrige Rate an Nebenwirkungen, keine Todesfälle und keine arzneimittelbedingten sexuellen Funktionsstörungen. Bei 46 Prozent stieg die Haarzahl um mindestens 10, bei 20 Prozent um mindestens 20 Haare pro Quadratzentimeter.

Wo die Daten aufhören

  • Keine Veröffentlichung. Alle Ergebnisse stammen aus Börsenmitteilungen von Kintor. Keine Studie ist in einer begutachteten Fachzeitschrift erschienen, im Studienregister sind keine Ergebnisse hinterlegt, und es fehlen Streuungen, Abbrecherzahlen und Nebenwirkungshäufigkeiten.
  • Widersprüchliche Phase-3-Ergebnisse. Die 0,5-prozentige Tinktur verfehlte 2023 bei 740 Männern den Abstand zu Placebo und erreichte ihn 2026 bei 666 Männern deutlich. Warum, lässt sich ohne die vollständigen Daten nicht beurteilen.
  • Größe des Effekts. Rund 10 Haare pro Quadratzentimeter mehr als unter Placebo ist ein messbarer, aber mäßiger Effekt. Einen direkten Vergleich mit Finasterid oder Minoxidil gibt es nicht.
  • Frauen und Langzeit. Für Frauen liegt nur eine Phase-2-Studie in China vor, für Männer Verträglichkeitsdaten über höchstens ein Jahr.

Status, Zulassung und Recht

Pyrilutamid ist nirgends als Arzneimittel zugelassen. Kintor hat nach eigenen Angaben die Phase-3-Studien in China abgeschlossen, will 2026 den Zulassungsantrag bei der chinesischen Arzneimittelbehörde stellen und rechnet mit einer Zulassung 2027. Geplant ist außerdem eine Studie zur Kombination mit Minoxidil. In der EU läuft kein bekanntes Zulassungsverfahren.

Parallel verkauft Kintor Kosmetik der Marke KOSHINÉ mit KX-826 als Hauptwirkstoff, darunter ein Serum gegen Haarausfall, vor allem über Online-Handel in China. Im Sport fällt Pyrilutamid als nicht zugelassener Wirkstoff nach dem Wortlaut der WADA-Verbotsliste unter S0 und ist damit jederzeit verboten.

Sicherheit

Laut Hersteller war Pyrilutamid in allen Studien gut verträglich: meist leichte Reizungen der Kopfhaut, ähnlich häufig wie unter Placebo, keine arzneimittelbedingten schweren Nebenwirkungen und in der einjährigen Studie keine arzneimittelbedingten sexuellen Funktionsstörungen.

Unabhängig prüfen lässt sich das nicht, weil keine Häufigkeiten veröffentlicht sind. Ob Pyrilutamid im Körper hormonell wirkt, etwa auf Libido oder Brustgewebe, wurde nur über die Nebenwirkungsmeldungen der Studien erfasst. Daten zur Anwendung über mehr als ein Jahr, in der Schwangerschaft oder bei Kinderwunsch fehlen.

BK-Score Dünne Humanevidenz

Human-Evidenz5
Mechanismus5
Sicherheits-Datenlage4
Hype-Abstand5
Anwendungserfahrung4

Evidenz 5, weil mehrere doppelblinde, placebokontrollierte Studien mit zusammen über 1.600 Männern vorliegen und die jüngste Phase-3-Stufe mit 666 Männern einen Abstand von 10,65 Haaren pro Quadratzentimeter zu Placebo meldet (Kintor 2026), die erste Phase-3-Studie mit 740 Männern 2023 aber keinen signifikanten Unterschied zu Placebo zeigte und alle Ergebnisse nur aus Börsenmitteilungen stammen, ohne begutachtete Veröffentlichung. Mechanismus 5, weil die Blockade des Androgenrezeptors als Wirkprinzip etabliert ist, die Angaben zu geringer Aufnahme durch die Haut und raschem Abbau aber nur vom Hersteller stammen. Sicherheit 4, weil die Verträglichkeit in kontrollierten Studien über 24 Wochen und in einer offenen Studie über 52 Wochen erfasst, aber nur zusammenfassend ohne Häufigkeiten mitgeteilt wurde; die Achse bewertet die Datenlage, nicht die Gefahr. Hype 5, weil Pyrilutamid in Haarausfall-Foren als Finasterid ohne Nebenwirkungen gehandelt wird; der gemessene Effekt ist real, aber mäßig, und die Verträglichkeit ist nicht unabhängig geprüft. Anwendung 4, weil die Erfahrung am Menschen aus Studien und aus Kosmetikprodukten des Herstellers stammt, ohne ärztliche Anwendung und ohne Meldesystem. Richtung gemischt: eine verfehlte und eine erreichte Phase-3-Studie, beide bisher unveröffentlicht.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Pyrilutamid (KX-826)

Was ist Pyrilutamid (KX-826)?

Ein Androgenrezeptor-Antagonist des chinesischen Herstellers Kintor, der als Tinktur auf die Kopfhaut aufgetragen wird. Er blockiert dort das Hormonsignal, das bei erblich bedingtem Haarausfall die Haarfollikel verkleinert. Zugelassen ist er nirgends.

Wie gut wirkt Pyrilutamid gegen Haarausfall?

In der jüngsten Phase-3-Studie mit 666 Männern wuchsen nach 24 Wochen unter der 1-prozentigen Tinktur 10,65 Haare pro Quadratzentimeter mehr als unter Placebo. Eine frühere Phase-3-Studie mit 740 Männern fand keinen signifikanten Unterschied zu Placebo. Beide Ergebnisse sind nur aus Mitteilungen des Herstellers bekannt.

Warum scheiterte eine Phase-3-Studie und eine andere war erfolgreich?

Das lässt sich von außen nicht beurteilen. 2023 verfehlte die 0,5-prozentige Tinktur bei 740 Männern den Abstand zu Placebo, 2026 erreichte sie ihn bei 666 Männern zusammen mit der 1-prozentigen Tinktur. Ohne veröffentlichte Daten zu Placebo-Effekt, Streuung und Studienablauf bleibt der Widerspruch offen.

Hat Pyrilutamid weniger Nebenwirkungen als Finasterid?

Direkt verglichen wurde das nie. Der Hersteller meldet in einer einjährigen Studie keine arzneimittelbedingten sexuellen Funktionsstörungen und in allen Studien gute Verträglichkeit. Häufigkeiten einzelner Nebenwirkungen sind nicht veröffentlicht.

Ist Pyrilutamid in Deutschland zugelassen?

Nein. Pyrilutamid ist weltweit nicht als Arzneimittel zugelassen; Kintor will 2026 in China den Zulassungsantrag stellen. Im Sport ist es als nicht zugelassene Substanz nach S0 der WADA-Liste verboten.

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Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-07.