Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

Finasterid

5-alpha-Reduktase-Hemmer (Typ II), verschreibungspflichtig · Propecia, Proscar

Der Effekt von Finasterid am Haar ist gezählt, nicht behauptet: In zwei verblindeten Studien mit 1.553 Männern lag die Haarzahl nach einem Jahr um 107 über Placebo, nach zwei Jahren um 138. Daneben steht seit dem Rote-Hand-Brief vom 15. September 2025 eine Nebenwirkung, deren Häufigkeit ausdrücklich unbekannt ist: Suizidgedanken. Beide Sätze stimmen, und beide gehören zur selben Tablette.

Was Finasterid ist

Finasterid ist ein verschreibungspflichtiger Hemmer der 5-alpha-Reduktase Typ II. In Deutschland ist es in zwei Stärken zugelassen: 1 mg bei erblich bedingtem Haarausfall (androgenetische Alopezie), 5 mg bei gutartiger Prostatavergrößerung. Für frühen erblich bedingten Haarausfall gibt es zudem ein Spray zur Anwendung auf der Kopfhaut.

Bewertet wird der Wissensstand. Finasterid ist seit Jahrzehnten in Gebrauch, der Effekt am Haar ist in verblindeten Studien ausgezählt, die Nebenwirkungen sind aus Zulassungsstudien und langer Anwendung gut dokumentiert. 2025 hat ein europäisches Prüfverfahren die Produktinformation erweitert.

Wie es wirkt

Finasterid hemmt die 5-alpha-Reduktase Typ II und senkt damit die Umwandlung von Testosteron zu Dihydrotestosteron (DHT), im Blut wie in der Kopfhaut. DHT ist das Hormon, das bei erblich bedingtem Haarausfall die Haarfollikel schrumpfen lässt.

Die Wirkkette ist am Menschen gut beschrieben. Sie erklärt auch, warum der Effekt vor allem im Bremsen liegt: In der Placebogruppe ging der Haarverlust weiter, unter Finasterid wurde er gebremst, und es wuchsen zusätzlich Haare nach.

Was gut belegt ist

  • Die Haare sind gezählt. Auf einer kreisrunden Fläche von 5,1 Quadratzentimetern am kahlen Wirbel, Ausgangswert 876 Haare, lag die Haarzahl unter Finasterid nach einem Jahr um 107 und nach zwei Jahren um 138 über Placebo, jeweils p<0,001.
  • Das Design ist verblindet und groß. Zwei einjährige Studien mit zusammen 1.553 Männern zwischen 18 und 41 Jahren verglichen 1 mg Finasterid täglich mit Placebo, 1.215 Männer setzten die Behandlung in einer verblindeten Verlängerung ein zweites Jahr fort.
  • Alle Messwege zeigen in dieselbe Richtung. Haarzählung, Selbsteinschätzung der Teilnehmer, Einschätzung der Prüfärzte und die Begutachtung von Fotos durch ein Expertengremium zeigten nach einem und nach zwei Jahren eine Verbesserung gegenüber Placebo, p<0,001 bei allen Vergleichen.
  • Lange Anwendung, dokumentierte Nebenwirkungen. Finasterid wird oral einmal täglich eingenommen und seit Jahrzehnten angewendet. Die Nebenwirkungen sind aus Zulassungsstudien und jahrzehntelanger Anwendung gut dokumentiert.

Was die Studien zeigen

Kaufman 1998: zwei verblindete Studien

Kaufman 1998 (J Am Acad Dermatol) fasst zwei einjährige, placebokontrollierte Studien mit 1.553 Männern zwischen 18 und 41 Jahren zusammen, 1.215 davon blieben in der verblindeten Verlängerung. Gezählt wurde auf 5,1 Quadratzentimetern am Wirbel bei einem Ausgangswert von 876 Haaren. Unter Finasterid lag die Haarzahl nach einem Jahr um 107, nach zwei Jahren um 138 über Placebo, p<0,001. Die Autoren beschrieben die Nebenwirkungen in diesen Studien als gering.

Was die 107 Haare bedeuten

Gemessen am Ausgangswert von 876 Haaren entspricht der Abstand nach einem Jahr rund zwölf Prozent. Dieser Wert wurde aus den Studienzahlen berechnet und ist im Abstract nicht angegeben. Der Abstand entsteht auch dadurch, dass die Placebogruppe weiter Haare verlor.

Das europäische Prüfverfahren 2025

Der Sicherheitsausschuss der Europäischen Arzneimittel-Agentur prüfte 2025 Studien, Fallberichte und die europäische Nebenwirkungsdatenbank EudraVigilance. Dort fanden sich 325 relevante Fälle von Suizidgedanken, 313 davon zu Finasterid und 13 zu Dutasterid, ein Fall betraf beide. Die meisten Fälle betrafen Patienten, die wegen Haarausfall behandelt wurden. Suizidgedanken wurden als Nebenwirkung der Tabletten mit 1 und 5 mg bestätigt, die Häufigkeit gilt als nicht abschätzbar. Der Nutzen überwiegt nach dieser Bewertung weiterhin die Risiken, für alle zugelassenen Anwendungen.

Wo die Daten aufhören

  • Wie häufig Suizidgedanken sind. Die Häufigkeit ist ausdrücklich unbekannt, sie lässt sich aus den verfügbaren Daten nicht abschätzen. Fallmeldungen zeigen, dass es die Nebenwirkung gibt, nicht, wie oft sie auftritt.
  • Das „Post-Finasterid-Syndrom“. Als Krankheitsbild ist es nicht etabliert. Die größte Auswertung dazu lief an Männern über fünfzig mit der höheren Dosis und ist nicht auf junge Anwender übertragbar.
  • Wer untersucht wurde. Die Zulassungsstudien schlossen Männer zwischen 18 und 41 Jahren ein und zählten die Haare am Wirbel. Für andere Gruppen und Kopfregionen sagen diese Studien nichts Direktes aus.
  • Das Spray. Für das Finasterid-Spray auf der Kopfhaut fand das Prüfverfahren keine Belege für einen Zusammenhang mit Suizidgedanken, seine Produktinformation wurde nicht geändert. Das ist ein fehlender Beleg, kein Nachweis der Unbedenklichkeit.

Status, Zulassung und Recht

Finasterid ist in Deutschland zugelassen: 1 mg bei androgenetischer Alopezie, 5 mg bei gutartiger Prostatavergrößerung. Es ist verschreibungspflichtig und gehört in ärztliche Hand, auch wegen der psychischen Nebenwirkungen.

Am 15.09.2025 erschien ein Rote-Hand-Brief des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur. Seitdem stehen Suizidgedanken als Nebenwirkung von oral angewendetem Finasterid in der Produktinformation. Packungen mit 1 mg erhalten eine Patientenkarte, die an diese Risiken erinnert und sagt, was zu tun ist.

Sicherheit

Suizidgedanken sind seit 2025 als Nebenwirkung der Tabletten bestätigt, die Häufigkeit ist unbekannt. Gemeldet wurden sie überwiegend von Männern, die Finasterid wegen Haarausfall nehmen. Nach dem Rote-Hand-Brief sollen Patienten, die es wegen Haarausfall einnehmen, bei depressiver Stimmung, Depressionen oder Suizidgedanken die Behandlung abbrechen und ärztlichen Rat einholen.

Sexuelle Funktionsstörungen wie verminderte Lust oder Erektionsstörungen sind die bekannteste Nebenwirkung und der häufigste Abbruchgrund. Sie können zu Stimmungsveränderungen beitragen. Auch hier sieht die Produktinformation für 1 mg nun ausdrücklich ärztlichen Rat vor.

Der Sicherheitswert 8 im BK-Score bewertet die Datenlage, nicht die Gefahr. Wer selbst Suizidgedanken hat, erreicht die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111.

BK-Score Gut belegt, stark überhöht beworben

Human-Evidenz9
Mechanismus9
Sicherheits-Datenlage8
Hype-Abstand4
Anwendungserfahrung9

Der Effekt am Haar gehört zu den am saubersten vermessenen in diesem Feld: zwei verblindete Studien mit 1.553 Männern zwischen 18 und 41, ausgezählt auf 5,1 Quadratzentimetern am Wirbel (Ausgangswert 876 Haare). Nach einem Jahr 107 Haare mehr als unter Placebo, nach zwei Jahren 138, jeweils p < 0,001, mit verblindeter Verlängerung an 1.215 Männern. Sicherheits-Datenlage 8, weil die Nebenwirkungen aus Zulassungsstudien und jahrzehntelanger Anwendung gut dokumentiert sind; die Achse bewertet die Datenlage, nicht die Gefahr. Die Nebenwirkungen sind der Grund für die gemischte Richtung: Seit dem Rote-Hand-Brief vom 15. September 2025 stehen Suizidgedanken als Nebenwirkung in der Produktinformation, Häufigkeit ausdrücklich unbekannt. Sexuelle Funktionsstörungen sind der häufigste Abbruchgrund.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Finasterid

Wie gut wirkt Finasterid gegen Haarausfall?

In zwei verblindeten Studien mit 1.553 Männern zwischen 18 und 41 Jahren lag die Haarzahl nach einem Jahr um 107 über Placebo, nach zwei Jahren um 138, gezählt auf 5,1 Quadratzentimetern am Wirbel bei einem Ausgangswert von 876 Haaren. Ein Teil des Abstands entsteht, weil die Placebogruppe weiter Haare verlor.

Kann Finasterid Suizidgedanken auslösen?

Ja, das ist seit 2025 als Nebenwirkung der Tabletten bestätigt. Die Häufigkeit ist unbekannt. Die europäische Prüfung fand 313 Fallmeldungen zu Finasterid, überwiegend von Männern mit Haarausfall. Wer Finasterid wegen Haarausfall nimmt und eine depressive Stimmung oder Suizidgedanken bemerkt, soll die Behandlung abbrechen und ärztlichen Rat einholen.

Was ist das Post-Finasterid-Syndrom?

So werden anhaltende Beschwerden nach dem Absetzen bezeichnet. Als Krankheitsbild ist es nicht etabliert. Die größte Auswertung dazu lief an Männern über fünfzig mit der höheren Dosis und ist nicht auf junge Anwender übertragbar.

Ist Finasterid in Deutschland zugelassen?

Ja. Finasterid ist mit 1 mg bei erblich bedingtem Haarausfall und mit 5 mg bei gutartiger Prostatavergrößerung zugelassen und verschreibungspflichtig. Seit dem Rote-Hand-Brief vom 15.09.2025 stehen Suizidgedanken in der Produktinformation, Packungen mit 1 mg enthalten eine Patientenkarte.

Welche Nebenwirkungen hat Finasterid?

Die bekannteste Nebenwirkung sind sexuelle Funktionsstörungen wie verminderte Lust oder Erektionsstörungen, sie sind der häufigste Abbruchgrund. Seit 2025 stehen außerdem Suizidgedanken in der Produktinformation, mit unbekannter Häufigkeit.

Gilt die Warnung auch für das Finasterid-Spray?

Das europäische Prüfverfahren fand für das Spray auf der Kopfhaut keine Belege für einen Zusammenhang mit Suizidgedanken. Seine Produktinformation wurde deshalb nicht geändert.

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.