Biohacking Kompakt

Behandlung & Verfahren

PRP (Eigenbluttherapie)

Biohacking

PRP, plättchenreiches Plasma, ist Eigenblut in konzentrierter Form: Blut wird abgenommen, zentrifugiert und das Konzentrat der Blutplättchen zurückgespritzt, ins Knie, an die Sehne oder in die Kopfhaut. Die Idee dahinter ist biologisch echt, das Verfahren gut verträglich. Wie gut es wirkt, hängt stark davon ab, wo man es einsetzt, und am Knie ist die Antwort ernüchternd.

Kurz gesagt

PRP nutzt Wachstumsfaktoren aus den eigenen Blutplättchen, die Reparaturzellen an eine Verletzung rufen. Am Haar zeigt eine Meta-Analyse von 43 randomisierten Studien mit 1.877 Teilnehmern mehr Haardichte und weniger Haarausfall bei mäßiger Evidenz. Beim Tennisellenbogen ist PRP langfristig besser als Kortison, aber in 6 randomisierten Studien nicht besser als Kochsalzlösung. Bei Kniearthrose fand die größte verblindete Studie mit 288 Teilnehmern nach 12 Monaten weder beim Schmerz noch beim Knorpel einen Unterschied zu Kochsalzlösung. Das Verfahren ist gut verträglich, das eigentliche Risiko liegt in mangelnder Hygiene bei der Herstellung.

Was PRP ist

Für PRP wird dir Blut abgenommen und in einer Zentrifuge aufgetrennt. Das Plasma mit den angereicherten Blutplättchen wird abgetrennt und vom Arzt an die gewünschte Stelle gespritzt, etwa ins Kniegelenk, an eine gereizte Sehne oder in die Kopfhaut. In Deutschland ist das Verfahren auch unter dem Namen Eigenbluttherapie bekannt. Es gibt viele Varianten, mit mehr oder weniger weißen Blutkörperchen, aktiviert oder nicht aktiviert, und die Herstellung ist nirgends einheitlich.

Eingesetzt wird PRP in Orthopädie und Sportmedizin bei Arthrose und Sehnenbeschwerden, in der Dermatologie bei Haarausfall und in der Ästhetik, dort bekannt als Vampir-Lifting. Weil das Material aus dem eigenen Körper stammt, empfinden viele Patienten es als natürlich und sanft.

Wie es wirken soll

Blutplättchen sind nicht nur für die Gerinnung da. Sie tragen Wachstumsfaktoren, die nach einer Verletzung Reparaturzellen anlocken und die Heilung anstoßen. Wer diesen Ruf verstärkt und direkt an die Problemstelle setzt, so die Idee, sollte mehr Reparatur auslösen. Bei jeder Schnittwunde lässt sich dieser Mechanismus beobachten, er ist echt.

Ein Mechanismus ist aber noch kein Ergebnis. Ob konzentrierte Wachstumsfaktoren in einem abgenutzten Knie oder an einer chronisch gereizten Sehne tatsächlich mehr bewirken als der natürliche Verlauf, muss man gegen eine Scheinbehandlung prüfen. Eine Spritze ins Gelenk gehört zu den wirksamsten Scheinbehandlungen, die die Medizin kennt, weil schon der Eingriff selbst und die Erwartung Beschwerden lindern.

Was Patienten berichten

Aus orthopädischen Praxen und von Patienten kommen viele Berichte deutlicher Besserung, sie sind der Grund, warum PRP so verbreitet ist. Diese Besserung ist echt. Die Frage ist nur, ob sie vom Eigenblut kommt: In der großen verblindeten Kniestudie ging es der Gruppe mit Kochsalzlösung praktisch genauso gut. Erfahrungsberichte zeigen, dass Menschen sich nach der Behandlung besser fühlen, nicht, warum.

Wer PRP angeboten bekommt, kann das Angebot mit zwei Fragen einordnen. Erstens: Wurde für genau dieses Gelenk oder genau diese Beschwerde gegen Kochsalzlösung geprüft, und mit welchem Ergebnis? Dass im eigenen Blut Wachstumsfaktoren stecken, beantwortet diese Frage nicht. Zweitens: Wer bereitet das Blut auf, und unter welchen hygienischen Bedingungen? Bei Haarausfall fällt die erste Antwort deutlich freundlicher aus als am Knie.

Was gut belegt ist

Am besten sieht die Lage bei Haarausfall aus. Eine Meta-Analyse von 2025 mit 43 randomisierten Studien und 1.877 Teilnehmern fand mit PRP mehr Haardichte und weniger Haarverlust, nicht aber dickere Haare, und stuft die Evidenz als mäßig ein. Beim Tennisellenbogen zeigt eine Meta-Analyse von 26 randomisierten Studien, dass Kortison in den ersten Wochen besser lindert, PRP nach mehr als 6 Monaten aber bei Schmerz und Funktion vorn liegt. Gut belegt ist auch die Verträglichkeit: In 32 randomisierten Studien mit 1.268 behandelten Knien traten bei 18,7 Prozent Nebenwirkungen auf, fast immer leichte Schmerzen und Schwellung, schwere Ereignisse wurden nicht berichtet.

Was die Studien zeigen

RESTORE, JAMA 2021

Bennell und Kollegen randomisierten in Australien 288 Menschen ab 50 Jahren mit leichter bis mittelschwerer Arthrose an der Innenseite des Knies, im Röntgenbild Grad 2 oder 3. Sie erhielten 3 Spritzen im Wochenabstand, entweder leukozytenarmes PRP aus einem Handelsprodukt oder Kochsalzlösung, verblindet für Teilnehmer, Spritzenden und Auswerter. Nach 12 Monaten sank der Schmerz auf einer Skala von 0 bis 10 um 2,1 gegenüber 1,8 Punkten, der Unterschied von 0,4 Punkten war nicht signifikant und lag weit unter der vorab festgelegten spürbaren Schwelle von 1,8 Punkten. Das Knorpelvolumen nahm in beiden Gruppen gleich ab, um 1,4 und 1,2 Prozent. Von 31 vorab festgelegten Nebenfragen zeigten 29 keinen Unterschied. 269 Teilnehmer beendeten die Studie, 97 Prozent erhielten alle 3 Spritzen.

Tennisellenbogen gegen Placebo und gegen Kortison

Eine Meta-Analyse von 2026 fasste 6 randomisierte Studien mit 355 Patienten zusammen, die PRP mit einer Scheinbehandlung verglichen. Zu keinem Zeitpunkt zwischen 4 und 26 Wochen gab es einen Unterschied bei Schmerz oder Funktion. Eine andere Meta-Analyse von 26 randomisierten Studien verglich PRP mit Kortison: Kortison half in den ersten 2 Monaten besser, nach mehr als 6 Monaten lag PRP vorn. Beides zusammen heißt: besser als Kortison, das einer Sehne auf Dauer nicht guttut, aber nicht nachweislich besser als Kochsalzlösung.

Wo die Daten aufhören

Am Knie ist die Frage gut untersucht und fällt negativ aus, sobald sauber verblindet wird. RESTORE ist die größte Studie dieser Art, sie hatte kaum Ausfälle und zwei klar definierte Hauptfragen, die beide ohne Unterschied blieben. Kleine Studien fanden zuvor oft Vorteile, die große nicht. Ein Einwand bleibt berechtigt: Geprüft wurden ein Produkt, ein Protokoll und eine Indikation. Wer meint, eine andere Zubereitung wirke besser, müsste das in einer ebenso sauberen Studie zeigen.

Für Sehne und Kopfhaut ist die Frage offen, nicht erledigt. Beim Tennisellenbogen fehlt der Vorteil gegenüber Kochsalzlösung, und ein Cochrane-Review von 2014 zu Weichteilverletzungen fand über 19 kleine Studien keine klinisch relevanten Vorteile bei sehr niedriger Evidenzqualität. Beim Haar sind die Studien sehr unterschiedlich gebaut und die Herstellung variiert stark, die Autoren fordern standardisierte Studien. Für das Vampir-Lifting der Haut gibt es keine vergleichbar belastbaren Daten.

Status, Zulassung und Recht

PRP ist in Deutschland eine ärztliche Leistung, die gesetzlichen Kassen zahlen sie bei Arthrose nicht, sie läuft als individuelle Gesundheitsleistung. Deutsche Praxen nennen sehr unterschiedliche Preise, öffentlich findet man gut 100 bis über 600 Euro pro Sitzung, üblich sind 3 Sitzungen. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie empfiehlt PRP-Spritzen bei Kniearthrose derzeit nicht, die internationale Arthrose-Fachgesellschaft OARSI und die amerikanischen Rheumatologen raten in ihren Leitlinien sogar davon ab. Das Gesundheitsportal des IQWiG hält fest, dass bislang nicht nachgewiesen ist, dass eine Eigenbluttherapie Beschwerden einer Kniearthrose lindern kann.

Sicherheit

Das Präparat selbst ist gut verträglich. In der Auswertung von 32 randomisierten Studien waren leichte, vorübergehende Knieschmerzen und Schwellungen die häufigste Nebenwirkung, vor allem bei leukozytenreichem PRP, leukozytenarmes PRP verhielt sich wie Hyaluronsäure. Schwere Nebenwirkungen wurden in keiner Gruppe berichtet. Das eigentliche Risiko liegt in der Verarbeitung: Die US-Gesundheitsbehörde CDC dokumentierte 2024 insgesamt 5 HIV-Infektionen, die mit PRP-Microneedling-Behandlungen in einem nicht lizenzierten Kosmetikstudio in New Mexico zusammenhingen, mit unbeschrifteten Blutröhrchen auf der Küchentheke, offen herumliegenden Spritzen und ohne Sterilisator. 198 frühere Kundinnen und Partner wurden nachuntersucht. Eine Spritze ins Gelenk ist ein Eingriff, sie gehört in eine ärztliche Praxis mit sauberer Hygiene.

BK-Score Untersucht – Nutzen nicht gezeigt

Human-Evidenz5
Mechanismus4
Sicherheits-Datenlage6
Hype-Abstand3
Anwendungserfahrung7

Gut untersucht und überwiegend negativ, sobald sauber verblindet wird: Die RESTORE-Studie (JAMA 2021, n=288, zwölf Monate) fand weder beim Schmerz noch beim Knorpelvolumen einen Unterschied zu Kochsalz, und 29 von 31 sekundären Endpunkten blieben ohne Unterschied. Beim Tennisellenbogen war PRP in 6 randomisierten Studien nicht besser als Placebo, langfristig aber besser als Kortison; ein Cochrane-Review zu Weichteilverletzungen fand keine klinisch relevanten Vorteile. Bei der Haardichte gibt es positive Studien mit mäßiger Evidenz. Zusatzrisiko liegt in der Verarbeitung, nicht im Produkt: Die US-Gesundheitsbehörde dokumentierte 2024 HIV-Übertragungen nach unsteriler kosmetischer Anwendung. Die deutsche Orthopädie-Fachgesellschaft empfiehlt PRP bei Kniearthrose derzeit nicht.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu PRP (Eigenbluttherapie)

Hilft PRP bei Kniearthrose?

Die größte verblindete Studie mit 288 Teilnehmern fand nach 12 Monaten keinen Unterschied zu Kochsalzlösung, weder beim Schmerz noch beim Knorpel. Viele Patienten fühlen sich nach der Spritze besser, doch der Gruppe mit Kochsalzlösung ging es genauso. Die deutsche Fachgesellschaft empfiehlt PRP bei Kniearthrose derzeit nicht.

Hilft PRP gegen Haarausfall?

Die Datenlage ist hier am günstigsten. Eine Meta-Analyse von 43 randomisierten Studien fand mehr Haardichte und weniger Haarverlust, aber keine dickeren Haare, und nennt die Evidenz mäßig. Die Studien sind sehr unterschiedlich aufgebaut.

Hilft PRP beim Tennisellenbogen?

Gegen Kortison schneidet PRP langfristig besser ab, nach mehr als 6 Monaten. Gegen eine Scheinbehandlung mit Kochsalzlösung zeigte sich in 6 randomisierten Studien kein Vorteil. Die Frage ist damit offen.

Was kostet eine PRP-Behandlung?

Deutsche Praxen nennen sehr unterschiedliche Preise, öffentlich findet man gut 100 bis über 600 Euro pro Sitzung. Üblich sind 3 Sitzungen. Die gesetzlichen Kassen zahlen PRP bei Arthrose nicht.

Ist PRP gefährlich?

Das Präparat ist gut verträglich, meist treten nur leichte, vorübergehende Schmerzen und Schwellungen auf. Das Risiko liegt in der Hygiene: In einem nicht lizenzierten US-Kosmetikstudio kam es zu HIV-Übertragungen. Die Behandlung gehört in eine ärztliche Praxis.

Wie läuft eine PRP-Behandlung ab?

Zuerst wird Blut abgenommen und in einer Zentrifuge aufgetrennt. Das Plasma mit den angereicherten Blutplättchen wird dann an die gewünschte Stelle gespritzt, etwa ins Knie, an eine Sehne oder in die Kopfhaut. In der großen Kniestudie gab es 3 Spritzen im Wochenabstand.

Passt dazu

Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-26.