Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

Thymulin

Thymushormon, Nonapeptid aus 9 Aminosäuren, nur mit gebundenem Zink aktiv · Zink-Thymulin, FTS-Zn, Facteur thymique sérique (FTS), Serum-Thymusfaktor, Nonathymulin (synthetische Form)

Thymulin ist kein erfundenes Szene-Peptid, sondern ein echtes Hormon des Thymus: neun Aminosäuren, aktiv nur mit gebundenem Zink, im Blut ab der Pubertät deutlich weniger. Als Wirkstoff wurde es in den 1980er-Jahren in kleinen Studien geprüft, mit einem Signal bei Rheuma und ohne Wirkung bei Multipler Sklerose. Zur heute beworbenen Immunverjüngung gibt es keine Humandaten, zum Haarwuchs keine Studie.

Was Thymulin ist

Thymulin wird von den Epithelzellen des Thymus gebildet, des Organs hinter dem Brustbein, in dem T-Zellen heranreifen. Beschrieben wurde es zunächst als Serum-Thymusfaktor, französisch „Facteur thymique sérique“, kurz FTS. 1982 zeigte die Gruppe um Dardenne und Bach, dass das Peptid nur mit einem gebundenen Zinkion aktiv ist, und schlug für diese aktive Form den Namen Thymulin vor. Die synthetische Form hieß in klinischen Studien Nonathymulin.

Thymulin ist nicht dasselbe wie Thymalin, ein Thymusextrakt aus der russischen Bioregulator-Forschung, und auch nicht dasselbe wie Thymosin Alpha-1, ein anderes Thymuspeptid mit Zulassungen außerhalb Deutschlands.

Bewertet wird der Wissensstand. Als körpereigenes Hormon ist Thymulin gut beschrieben, als Wirkstoff kaum untersucht: Die wenigen Studien am Menschen stammen aus den 1980er-Jahren.

Wie es wirkt

Thymulin fördert Reifung und Funktion von T-Zellen. Weil es Zink braucht, spiegelt seine Aktivität im Blut auch den Zinkstatus: Bei Menschen mit leichtem Zinkmangel war die Thymulin-Aktivität erniedrigt und stieg nach Zinkgabe wieder an; im Versuch mit gezielt erzeugtem Zinkmangel verschoben sich zugleich T-Zell-Untergruppen und die IL-2-Aktivität und normalisierten sich mit Zink (Prasad 1988).

Mit dem Alter sinkt der Spiegel. Bei 93 Gesunden von der Geburt bis 80 Jahre stieg Thymulin bis ins Alter von 5 bis 10 Jahren, fiel ab der Pubertät, erreichte um 36 Jahre seinen Tiefstwert und blieb dann bis 80 stabil (Consolini 2000). Auf diesem Verlauf baut die Idee auf, Thymulin gegen die Immunalterung zu ersetzen.

2026 kam ein neuer Mechanismus hinzu: Bei alten Mäusen und Menschen fanden sich mehr entzündungsaktive Fresszellen. Thymulin dämpfte deren Entzündungsbotenstoffe über eine Hemmung von NF-κB und verbesserte bei alten Mäusen die Tumorkontrolle und das Ansprechen auf eine Immuntherapie (Kanemaru 2026). Behandelt wurden Mäuse.

Was gut belegt ist

  • Die Zinkabhängigkeit. Ohne Zink ist das Peptid inaktiv, Zink im Verhältnis eins zu eins stellt die Aktivität her (Dardenne 1982). Beim Menschen senkt leichter Zinkmangel die Thymulin-Aktivität, Zink hebt sie wieder (Prasad 1988). In einer randomisierten Studie mit 27 Menschen mit Morbus Crohn hob nur die höhere von zwei Zinkdosen Zink und Thymulin im Blut an, die Lymphozyten-Untergruppen blieben unverändert (Brignola 1993).
  • Der Altersverlauf. An 93 Gesunden gemessen: Höchstwerte im Grundschulalter, Abfall ab der Pubertät, Tiefstwert um 36 Jahre, danach stabil bis 80 (Consolini 2000).
  • Ein Signal bei rheumatoider Arthritis. Zwei randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien fanden unter der wirksamsten Dosisstufe eine globale Besserung bei 56 Prozent gegenüber 17 Prozent unter Placebo, p kleiner 0,02, gestützt von vier objektiven Messgrößen und bei geringen Nebenwirkungen (Amor 1987).

Was die Studien zeigen

Bordigoni 1982: drei Kinder mit Immundefekt

Drei Kinder mit IgA- und IgE-Mangel und T-Zell-Defekt, zwei davon mit Ataxia teleangiectatica, erhielten synthetischen Serum-Thymusfaktor in die Vene (Lancet). Infekte wurden seltener und milder, die Tests der zellulären Abwehr besser, IgA tauchte bei zwei Kindern erstmals auf, Impfantikörper stiegen. Bei zwei Kindern bildete sich die Besserung nach einer Unterbrechung zurück und kehrte mit der erneuten Gabe wieder. Eine Fallserie ohne Kontrollgruppe.

Amor 1987: rheumatoide Arthritis

Zwei randomisierte, doppelblinde Studien (Ann Rheum Dis) verglichen drei Dosisstufen Nonathymulin mit Placebo. Die mittlere Stufe schnitt am besten ab: In der Gesamtbeurteilung aller Teilnehmenden besserten sich 56 Prozent gegenüber 17 Prozent unter Placebo, p kleiner 0,02. Nebenwirkungen waren gering, klare Veränderungen der Immunwerte zeigten sich nicht. Die Zahl der Teilnehmenden nennt der Abstract nicht, größere Folgestudien wurden nicht gefunden.

Roullet 1989: Multiple Sklerose

40 Personen mit fortschreitender Multipler Sklerose und mäßiger Behinderung erhielten sechs Monate lang Nonathymulin unter die Haut oder Placebo und wurden weitere sechs Monate beobachtet (Acta Neurol Scand). Bei Behinderungsgrad, Gehfähigkeit und Funktionsskala gab es keinen Unterschied, nennenswerte Nebenwirkungen traten nicht auf. Die Autoren schlossen, dass Nonathymulin bei dieser Erkrankung nicht wirkt.

Kanemaru 2026: Entzündung im Alter, an Mäusen

Die Arbeit in Nature Communications verbindet das sinkende Thymulin mit der altersbedingten Entzündung: Thymulin hemmte in Fresszellen den Entzündungsschalter NF-κB, stärkte bei alten Mäusen die T-Zell-Abwehr gegen Tumoren, verlängerte das Überleben und machte Tumoren empfindlicher für eine Anti-PD-L1-Immuntherapie, und zwar abhängig vom Alter der Tiere. Ein Hinweis auf einen Wirkweg, keine Anwendung am Menschen.

Wo die Daten aufhören

  • Immunverjüngung beim Menschen. Niemand hat gesunde Ältere mit Thymulin behandelt und gemessen, ob ihre Abwehr jünger wird. Die Studien am Menschen betrafen Rheuma, Multiple Sklerose und angeborene Immundefekte.
  • Haarwuchs. Für Haarwuchs oder Haarausfall fand sich keine Studie mit Thymulin.
  • Vom Spiegel zum Ersatz. Dass der Thymulin-Spiegel ab der Pubertät sinkt, heißt nicht, dass Zufuhr von außen etwas bewirkt. Die Mausdaten von 2026 sind ein Wirkweg, kein Nachweis am Menschen.
  • Wiederholung und Zulassung. Das Signal bei rheumatoider Arthritis wurde nicht in größeren Studien bestätigt, eine Zulassung folgte nicht. Im Studienregister ClinicalTrials.gov ist keine Studie mit Thymulin als Wirkstoff eingetragen.

Status, Zulassung und Recht

Thymulin ist weder in Deutschland noch in der EU oder den USA als Arzneimittel zugelassen. Die synthetische Form Nonathymulin wurde in den 1980er-Jahren klinisch geprüft, eine Zulassung folgte nicht. Angeboten wird Thymulin heute als Forschungspeptid über den Graumarkt.

Im Sport fällt es als nicht zugelassene Substanz unter die Klasse S0 der WADA-Verbotsliste und ist jederzeit verboten. Dosierangaben machen wir bei nicht zugelassenen Wirkstoffen nicht. Was über Zink selbst bekannt ist, steht auf der Seite zu Zink.

Sicherheit

Sicherheitsdaten am Menschen gibt es nur aus den kurzen Studien der 1980er-Jahre. In den Rheumastudien waren die Nebenwirkungen gering, in der MS-Studie traten über sechs Monate keine nennenswerten auf. Langzeitdaten fehlen ebenso wie Daten zu älteren Menschen, zu Autoimmunerkrankungen, zur Zeit nach einer Transplantation oder zu laufenden Immuntherapien.

Thymulin greift in die T-Zell-Reifung ein, und wie sich das bei einer überaktiven Abwehr auswirkt, ist nicht untersucht. Bei Graumarktware ist zudem weder gesichert, dass Reinheit und Gehalt stimmen, noch dass das Peptid mit Zink beladen ist und damit überhaupt in der aktiven Form vorliegt.

BK-Score Hype weit vor Evidenz

Human-Evidenz3
Mechanismus5
Sicherheits-Datenlage3
Hype-Abstand2
Anwendungserfahrung2

Thymulin ist als körpereigenes Hormon gut beschrieben: neun Aminosäuren, nur mit gebundenem Zink aktiv (Dardenne 1982), im Blut ab der Pubertät absinkend (Consolini 2000, 93 Gesunde), bei leichtem Zinkmangel erniedrigt und mit Zink wieder ansteigend (Prasad 1988). Als Wirkstoff am Menschen geprüft wurde es nur in den 1980er-Jahren: eine Fallserie mit drei immundefizienten Kindern (Lancet 1982), zwei kleine placebokontrollierte Studien bei rheumatoider Arthritis mit 56 gegenüber 17 Prozent globaler Besserung (Amor 1987) und eine doppelblinde Pilotstudie bei Multipler Sklerose mit 40 Personen ohne Wirkung (Roullet 1989). Zur heute beworbenen Immunverjüngung gibt es keine Humandaten, zum Haarwuchs keine Studie; die neuen Befunde zu Entzündung im Alter und Krebsimmuntherapie stammen aus Mäusen (Kanemaru 2026). Sicherheitsdaten nur aus diesen kurzen Studien, nie zugelassen, keine registrierte klinische Studie.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Thymulin

Was ist Thymulin?

Ein Hormon des Thymus aus neun Aminosäuren, das die Reifung von T-Zellen fördert. Aktiv ist es nur mit gebundenem Zink, deshalb heißt es auch Zink-Thymulin oder FTS-Zn.

Sinkt Thymulin mit dem Alter?

Ja. In einer Messreihe an 93 Gesunden stieg der Spiegel bis ins Alter von 5 bis 10 Jahren, fiel ab der Pubertät und erreichte um 36 Jahre seinen Tiefstwert, auf dem er bis 80 blieb.

Wirkt Thymulin gegen die Immunalterung?

Das ist am Menschen nicht untersucht. Die Studien am Menschen stammen aus den 1980er-Jahren und betrafen Rheuma, Multiple Sklerose und angeborene Immundefekte. Die neueren Befunde zu Entzündung im Alter stammen aus Mäusen.

Hilft Thymulin gegen Haarausfall?

Dafür fand sich keine Studie. Für erblich bedingten Haarausfall gibt es zugelassene, am Menschen geprüfte Wirkstoffe.

Was hat Zink mit Thymulin zu tun?

Ohne Zink ist Thymulin inaktiv. Bei Menschen mit leichtem Zinkmangel war die Thymulin-Aktivität im Blut erniedrigt und stieg nach Zinkgabe wieder an. Ob das für Menschen ohne Zinkmangel etwas bedeutet, ist nicht untersucht.

Ist Thymulin in Deutschland zugelassen?

Nein. Es ist weder in Deutschland noch in der EU oder den USA als Arzneimittel zugelassen und wird als Forschungspeptid angeboten. Im Sport ist es als nicht zugelassene Substanz jederzeit verboten.

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Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.