Peptid & Experimentelles
PTD-DBM
Synthetisches Peptid, das die Bindung von CXXC5 an Dishevelled stört und so den Wnt/β-Catenin-Signalweg aktiviert; präklinische Forschungssubstanz · Protein Transduction Domain – Dishevelled Binding Motif, CXXC5-Dishevelled-Kompetitorpeptid
PTD-DBM ist ein Laborpeptid, das eine körpereigene Bremse des Haarwachstums-Signalwegs Wnt löst. Bei Mäusen wuchsen Haare damit schneller nach, und in Hautwunden bildeten sich neue Haarfollikel. Der Ansatz ist sauber hergeleitet und hat einen Bezug zur menschlichen Kopfhaut. Am Menschen ist PTD-DBM selbst nicht untersucht.
Was PTD-DBM ist
Der Name beschreibt den Bau. PTD steht für Protein Transduction Domain, eine Transportsequenz, die das Peptid in Zellen bringt. DBM steht für Dishevelled Binding Motif, den Abschnitt des Eiweißes CXXC5, mit dem es an das Signalprotein Dishevelled andockt.
Entwickelt wurde PTD-DBM in der Arbeitsgruppe um Choi an der Yonsei-Universität in Seoul, zuerst für die Wundheilung (2015), dann für das Haarwachstum (2017). Alle Arbeiten zu dem Peptid stammen aus dieser Gruppe.
Bewertet wird der Wissensstand. Er reicht bei PTD-DBM bis zur Maus.
Wie es wirkt
Der Wnt/β-Catenin-Signalweg steuert Wachstum und Neubildung von Haarfollikeln. Das Eiweiß CXXC5 wirkt darin als Bremse: Es bindet an Dishevelled und dämpft so das Signal. PTD-DBM konkurriert mit CXXC5 um diese Bindung, die Bremse fällt weg, β-Catenin steigt. Zusammen mit Valproinsäure, einem Arzneistoff, der denselben Weg an anderer Stelle aktiviert, war der Effekt im Tier stärker.
Den Bezug zum Menschen liefert die Ursprungsarbeit: In kahlen Kopfhautbereichen fand sich mehr CXXC5 in verkleinerten Haarfollikeln und den Haaraufrichtemuskeln, und in menschlichen Haarpapillenzellen hemmte CXXC5 im Labor Wachstumsmarker (Lee 2017). 2023 beschrieb dieselbe Gruppe CXXC5 bei Mäusen als Glied der Kette, über die das Androgen DHT und das Gewebshormon Prostaglandin D2 Haarausfall auslösen (Ryu 2023).
Was gut belegt ist
- Ein benannter Angriffspunkt mit menschlichem Bezug. CXXC5 ist in verkleinerten Follikeln kahler Kopfhaut vermehrt und bremst menschliche Haarpapillenzellen im Labor (Lee 2017). Das ist mehr als eine reine Behauptung über einen Wirkweg.
- Wiederholte Mausbefunde. Bei Mäusen ohne CXXC5 wuchs das Fell schneller nach, PTD-DBM ließ Haare schneller nachwachsen und in Wunden neue Follikel entstehen (Lee 2017), und es hob den durch Prostaglandin D2 ausgelösten Haarausfall auf (Ryu 2023).
- Einordnung durch eine Übersicht. Eine Übersicht von 2026 zu kurzen Peptiden gegen Haarausfall führt PTD-DBM als Wirkstoff mit Tierdaten an C3H-Mäusen, ohne Humandaten (Fan 2026).
Was die Studien zeigen
Lee 2015: Wundheilung
In der Ursprungsarbeit (J Exp Med) war CXXC5 in frischen menschlichen Hautwunden vermindert, Mäuse ohne CXXC5 heilten schneller. PTD-DBM aktivierte im Labor β-Catenin und die Kollagenbildung, zusammen mit Valproinsäure beschleunigte es die Wundheilung bei Mäusen.
Lee 2017: Haarwachstum
Die Arbeit in J Invest Dermatol verband CXXC5 mit dem Haar: mehr CXXC5 in kahler menschlicher Kopfhaut, gehemmte menschliche Haarpapillenzellen im Labor, schnelleres Haarwachstum bei Mäusen ohne CXXC5. PTD-DBM aktivierte den Wnt-Weg und beschleunigte bei Mäusen das Nachwachsen der Haare und die Neubildung von Follikeln in Wunden. Ein Kommentar in derselben Zeitschrift ordnete CXXC5 als neuen Regler des Wnt-Wegs ein (Kim und Garza 2017).
Ryu 2023: DHT und Prostaglandin D2
Prostaglandin D2 löst Haarausfall aus. Bei Mäusen hoben das Ausschalten von CXXC5 oder PTD-DBM diesen Haarausfall auf, auch die Neubildung von Follikeln in Wunden kam zurück (Cells). Den durch DHT ausgelösten Haarausfall milderte im Tier eine gleichzeitige Hemmung von GSK-3β und CXXC5.
Fan 2026: die Einordnung
Die Übersicht in Biomedicines stellt PTD-DBM neben andere Haar-Peptide. In der Kombination mit Valproinsäure wirkte es bei Mäusen stärker als Minoxidil im selben Versuch. Die Übersicht hält zugleich fest, dass Minoxidil, Finasterid und Dutasterid zugelassen sind, PTD-DBM nicht.
Wo die Daten aufhören
- Am Menschen nichts. Es gibt keine Studie zur Wirkung auf der Kopfhaut, keine zur Verträglichkeit und keine dazu, ob das Peptid durch die Haut in den Follikel gelangt. Im Studienregister ClinicalTrials.gov ist keine Prüfung eingetragen.
- Eine Arbeitsgruppe. Alle Daten zu PTD-DBM stammen aus der Gruppe in Seoul. Eine unabhängige Wiederholung fehlt.
- Vom Mausfell zur Glatze. Gemessen wurde das Nachwachsen von Mausfell. Ob das auf den erblich bedingten Haarausfall des Menschen übertragbar ist, ist ungeprüft.
- Die stärksten Effekte mit Valproinsäure. Die deutlichsten Befunde stammen aus der Kombination mit Valproinsäure, einem verschreibungspflichtigen Arzneistoff. Was PTD-DBM allein beim Menschen bewirken würde, sagen diese Versuche nicht.
Status, Zulassung und Recht
PTD-DBM ist nirgends als Arzneimittel zugelassen, weder in Deutschland noch in der EU oder den USA, und im Studienregister ClinicalTrials.gov ist keine Prüfung eingetragen. Angeboten wird es als Forschungspeptid über den Graumarkt. Dosierangaben machen wir bei nicht zugelassenen Wirkstoffen nicht.
Für erblich bedingten Haarausfall gibt es zugelassene Wirkstoffe mit großen Studien am Menschen, etwa Finasterid.
Sicherheit
Sicherheitsdaten am Menschen gibt es nicht. Offen ist vor allem, was eine anhaltende Aktivierung des Wnt/β-Catenin-Wegs in der Haut bewirkt. Dieselbe Arbeitsgruppe schreibt 2025, dass Wirkstoffe an diesem Weg wegen seiner bedenklichen Rolle bei Krebs nur zurückhaltend entwickelt werden, und fand ihn in Proben des Plattenepithelkarzinoms der Haut aktiviert (Lee 2025). Ob PTD-DBM dieses Risiko berührt, ist nicht untersucht.
Bei Ware aus Peptidshops ist zudem nicht gesichert, dass Reinheit und Gehalt stimmen.
BK-Score Nicht am Menschen untersucht
| Human-Evidenz | 0 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 4 | |
| Sicherheits-Datenlage | 1 | |
| Hype-Abstand | 1 | |
| Anwendungserfahrung | 1 |
Es wurden keine Humanstudien gefunden, auch keine registrierte klinische Prüfung. Der Ansatz ist sauber hergeleitet: CXXC5 bremst den Wnt/β-Catenin-Weg, ist in verkleinerten Follikeln kahler menschlicher Kopfhaut vermehrt, und PTD-DBM ließ bei Mäusen Haare schneller nachwachsen und in Wunden neue Follikel entstehen (Lee 2017; Ryu 2023). Alle Daten stammen aus einer Arbeitsgruppe der Yonsei-Universität und aus Mäusen; eine Übersicht von 2026 führt PTD-DBM ausschließlich mit Tierdaten. Sicherheit am Menschen nicht untersucht, offen ist vor allem die Rolle des Wnt-Wegs bei Hautkrebs. Vermarktet wird ein Laborbefund als Haarwuchsmittel.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu PTD-DBM
Was ist PTD-DBM?
Ein künstliches Peptid aus einer Transportsequenz und dem Dishevelled-bindenden Abschnitt des Eiweißes CXXC5. Es löst eine Bremse des Wnt-Signalwegs und stammt aus einer Arbeitsgruppe der Yonsei-Universität in Seoul.
Lässt PTD-DBM beim Menschen Haare wachsen?
Das ist nicht untersucht. Bei Mäusen wuchsen Haare schneller nach und in Wunden bildeten sich neue Follikel. Eine Studie am Menschen gibt es nicht.
Wie soll PTD-DBM wirken?
CXXC5 bremst den Wnt/β-Catenin-Weg, der das Haarwachstum steuert, und ist in verkleinerten Follikeln kahler Kopfhaut vermehrt. PTD-DBM verdrängt CXXC5 von seinem Bindungspartner Dishevelled, sodass das Wachstumssignal stärker wird.
Ist PTD-DBM sicher?
Das weiß niemand, weil es keine Sicherheitsdaten am Menschen gibt. Offen ist vor allem, was eine dauerhafte Aktivierung des Wnt-Signalwegs in der Haut bewirkt, der auch bei Hautkrebs eine Rolle spielt.
Ist PTD-DBM besser als Minoxidil oder Finasterid?
Das lässt sich nicht sagen. In einem Mausversuch wirkte PTD-DBM zusammen mit Valproinsäure stärker als Minoxidil, am Menschen wurde nie verglichen. Minoxidil und Finasterid sind dagegen am Menschen geprüft und zugelassen.
Ist PTD-DBM in Deutschland zugelassen?
Nein. Es ist nirgends als Arzneimittel zugelassen, und im Studienregister ClinicalTrials.gov ist keine Prüfung eingetragen.
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Quellen
- Lee SH et al., J Invest Dermatol 2017 – CXXC5 und Haarwachstum, PTD-DBM im Mausmodell
- Kim D, Garza LA, J Invest Dermatol 2017 – Kommentar zur CXXC5-Arbeit
- Lee SH et al., J Exp Med 2015 – CXXC5 bremst die Wundheilung, PTD-DBM im Mausmodell
- Ryu YC et al., Cells 2023 – CXXC5 vermittelt DHT- und Prostaglandin-D2-bedingten Haarausfall (Maus)
- Fan C et al., Biomedicines 2026 – Übersicht kurzer Peptide gegen Haarausfall, PTD-DBM nur mit Tierdaten
- Lee SH et al., Exp Mol Med 2025 – Wnt/β-Catenin im Plattenepithelkarzinom der Haut
- ClinicalTrials.gov – Suche nach PTD-DBM, keine registrierte Studie
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.