Biohacking Kompakt

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YK-11

Steroid-Derivat, Teilagonist am Androgen-Rezeptor (als SARM vermarktet), nicht zugelassen · YK11, YK 11

YK-11 wird als SARM und „Myostatin-Hemmer“ verkauft, ist chemisch aber ein Steroid, das den Androgen-Rezeptor nur teilweise aktiviert. Der Myostatin-Bezug stammt aus Zellkulturen der Maus. Am Menschen gibt es keine einzige Studie zu Wirkung oder Sicherheit; belegt sind Leberschäden in Fallberichten nach Mischkonsum und auffällige Befunde im Gehirn von Ratten.

Was YK-11 ist

YK-11 ist ein synthetisches Steroid mit einem 19-Norpregnan-Grundgerüst. In der Forschung wurde es als Teilagonist am Androgen-Rezeptor beschrieben, Dopinganalytiker nennen es ausdrücklich einen steroidalen SARM. Zugelassen ist es nirgends, eine registrierte klinische Studie gibt es nicht. Dopinglabore identifizierten es in einem beschlagnahmten Schwarzmarktprodukt.

Bewertet wird der Wissensstand. Er ist für YK-11 sehr dünn: Zellversuche, Tierversuche, Dopinganalytik und Fallberichte. Verwandte Stoffe mit etwas mehr Daten sind Ostarin und RAD140.

Wie es wirkt

In Muskelvorläuferzellen der Maus (C2C12) förderte YK-11 die Ausreifung zu Muskelzellen; wichtige Steuerfaktoren der Muskelbildung stiegen stärker als unter DHT. Anders als DHT löste YK-11 dabei die Bildung von Follistatin aus, und ein Antikörper gegen Follistatin hob den Effekt auf (Kanno 2013). Follistatin bindet Myostatin, die körpereigene Bremse des Muskelwachstums; daraus leitet sich die Vermarktung als Myostatin-Hemmer ab. Mehr zu diesem Signalweg steht im Eintrag Follistatin / Myostatin-Hemmer.

In Knochenzellen der Maus förderte YK-11 Wachstum und Mineralisierung, ein Androgen-Rezeptor-Blocker schwächte das ab (Yatsu 2018). Im Körper wird YK-11 stark umgebaut: In einer Ausscheidungsstudie fand sich im Urin kein unverändertes YK-11, sondern 14 Abbauprodukte (Piper 2018). Ob irgendeiner der Zelleffekte im menschlichen Muskel eintritt, ist nicht untersucht.

Was gut belegt ist

  • Dass es keine Humanstudie gibt. Bei ClinicalTrials.gov ist keine Studie zu YK-11 registriert; Daten zu Wirkung oder Sicherheit am Menschen existieren nicht.
  • Der Zellmechanismus. In Mauszellen aktiviert YK-11 den Androgen-Rezeptor teilweise und steigert Follistatin; der Muskeleffekt in der Zellkultur hängt nachweislich daran (Kanno 2013).
  • Die Nachweisbarkeit im Sport. Gebundene Abbauprodukte sind im Urin länger als 48 Stunden nachweisbar und wurden in die Routineanalytik auf anabole Wirkstoffe aufgenommen (Piper 2018).
  • Die Rechtslage. YK-11 steht namentlich in der Anlage des deutschen Anti-Doping-Gesetzes.

Was die Studien zeigen

Kanno 2013: Muskelzellen der Maus

Kanno 2013 (Biol Pharm Bull) behandelte C2C12-Muskelvorläuferzellen mit YK-11 oder DHT. Unter YK-11 stiegen MyoD, Myf5 und Myogenin stärker, und nur YK-11 löste die Bildung von Follistatin aus. Ein Antikörper gegen Follistatin machte die Muskelzell-Ausreifung rückgängig. Das ist die Grundlage der Myostatin-Erzählung, gemessen in einer Zelllinie der Maus.

Yatsu 2018: Knochenzellen der Maus

In MC3T3-E1-Knochenzellen beschleunigten YK-11 und DHT Wachstum und Mineralisierung, Marker wie Osteoprotegerin und Osteocalcin stiegen. Ein Androgen-Rezeptor-Blocker schwächte die Effekte ab.

Dahleh 2023 und 2024: Hippocampus der Ratte

Männliche Wistar-Ratten erhielten über 5 Wochen YK-11, teils kombiniert mit Schwimmtraining. YK-11 verstärkte oxidativen Stress und störte die Mitochondrienfunktion im Hippocampus; Training verhinderte nur einen Teil davon (Dahleh 2023). In der Folgearbeit stiegen die Entzündungsbotenstoffe IL-1β und IL-6, IL-10 sank, Signalwege für Zelltod wurden aktiviert, und die Festigung eines Angstgedächtnisses war beeinträchtigt (Dahleh 2024). Das sind Tierdaten; sie zeigen ein mögliches Risiko, keinen Befund am Menschen.

Lee 2023 und Meldedaten: Leber

Ein 23-jähriger US-Soldat entwickelte nach LGD-4033, RAD140 und YK-11 einen cholestatischen Leberschaden mit Gelbsucht und Juckreiz, wurde stationär behandelt und war bis zur Erholung nicht einsatzfähig (Lee 2023). Welche der drei Substanzen verantwortlich war, lässt sich nicht trennen. In der US-Meldedatenbank für Nahrungsergänzungsmittel fand eine Auswertung zu YK-11 einen 23-jährigen Mann mit Leberversagen, eingestuft als lebensbedrohlich (Leciejewska 2024); ob es derselbe Fall ist, ist offen. Für die gesamte SARM-Klasse zählte eine systematische Übersicht 15 Fallberichte über Leberschäden bei gesunden Anwendern (Vignali 2023).

Wo die Daten aufhören

  • Muskelaufbau am Menschen. Nicht untersucht. Der Follistatin-Effekt ist nur in Zellkultur gemessen.
  • Wirkung auf Hormonachse, Blutfette und Herz. Für YK-11 gibt es dazu keine Messdaten am Menschen.
  • Sicherheit bei Einzelgebrauch. Die Leberfälle betreffen Mischkonsum oder Meldungen ohne Prüfung des Zusammenhangs; eine Häufigkeit lässt sich daraus nicht ableiten.
  • Was im Produkt steckt. Die Qualität gehandelter SARM-Produkte ist ungeprüft, was die Zuordnung von Schäden zusätzlich erschwert (Leciejewska 2024). Mehr dazu im Glossar unter Graumarkt.

Status, Zulassung und Recht

YK-11 ist in Deutschland, der EU und den USA kein zugelassenes Arzneimittel; eine registrierte klinische Studie gibt es nicht.

Im Anti-Doping-Gesetz steht YK-11 namentlich in der Anlage unter I.2, Selektive Androgen-Rezeptor-Modulatoren. Damit sind Erwerb, Besitz und Verbringen in nicht geringer Menge zum Doping im Sport verboten (§ 2 Abs. 3), ebenso Herstellung, Handel und Abgabe zu Dopingzwecken (§ 2 Abs. 1).

Im Sport ist YK-11 als anaboler Wirkstoff jederzeit verboten (WADA, S1.2); Dopinglabore haben eigene Nachweisverfahren entwickelt (Thevis 2017; Piper 2018).

Sicherheit

Kontrollierte Sicherheitsdaten gibt es nicht. Was vorliegt, sind Leberschäden in Fallberichten und Meldedaten, meist nach Mischkonsum mit anderen SARMs, sowie Tierbefunde im Gehirn. In den Fallberichten standen Gelbsucht und Juckreiz im Vordergrund; wer so etwas bemerkt, sollte das ärztlich abklären lassen und die Einnahme offenlegen.

Für die SARM-Klasse beschreibt eine systematische Übersicht außerdem einen Achillessehnenriss und einen Muskelzerfall in Fallberichten sowie erhöhte Leberwerte bei im Mittel 7,1 Prozent der Teilnehmenden in klinischen Studien anderer SARMs (Vignali 2023). Ob das auf YK-11 übertragbar ist, ist offen.

BK-Score Nicht am Menschen untersucht

Human-Evidenz1
Mechanismus5
Sicherheits-Datenlage1
Hype-Abstand1
Anwendungserfahrung3

Evidenz 1, weil es zu YK-11 keine Wirksamkeitsstudie am Menschen und keinen Registereintrag gibt; die Daten zum Menschen beschränken sich auf Dopinganalytik und Fallberichte. Mechanismus 5, weil die Teilaktivierung des Androgen-Rezeptors und die Follistatin-Bildung nur in Zellkulturen der Maus gezeigt sind (Kanno 2013; Yatsu 2018) und unklar ist, ob das im menschlichen Muskel geschieht. Sicherheit 1, weil es keine kontrollierten Sicherheitsdaten gibt; belegt sind ein Leberschaden nach Mischkonsum mit zwei weiteren SARMs (Lee 2023), eine Meldung über Leberversagen in der US-Datenbank (Leciejewska 2024) und Schäden im Hippocampus von Ratten (Dahleh 2023). Hype 1, weil YK-11 als Myostatin-Hemmer verkauft wird, obwohl dieser Effekt nie außerhalb der Zellkultur gemessen wurde. Anwendung 3, weil YK-11 seit einigen Jahren im Kraftsport kursiert, aber nie ärztlich angewendet wurde. Richtung offen: Für die beworbene Wirkung fehlen Humandaten.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu YK-11

Ist YK-11 ein Myostatin-Hemmer?

Nur in der Zellkultur. In Muskelvorläuferzellen der Maus steigerte YK-11 die Bildung von Follistatin, das Myostatin bindet. Ob das im menschlichen Muskel passiert, ist nicht untersucht.

Ist YK-11 ein SARM oder ein Steroid?

Chemisch ein Steroid mit 19-Norpregnan-Grundgerüst, das den Androgen-Rezeptor nur teilweise aktiviert. Dopinganalytiker bezeichnen es als steroidalen SARM.

Gibt es Studien am Menschen?

Nein. Bei ClinicalTrials.gov ist keine Studie registriert. Es gibt Zellversuche, Tierversuche, Analysen für Dopingkontrollen und Fallberichte.

Schadet YK-11 der Leber?

Fallberichte deuten darauf hin: Ein 23-jähriger Soldat entwickelte nach YK-11 zusammen mit zwei anderen SARMs einen cholestatischen Leberschaden, in der US-Meldedatenbank ist ein Fall von Leberversagen nach YK-11 verzeichnet. Eine Häufigkeit lässt sich daraus nicht ableiten.

Ist YK-11 in Deutschland erlaubt?

Es ist kein zugelassenes Arzneimittel. YK-11 steht namentlich im Anti-Doping-Gesetz: Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge zum Doping im Sport sind verboten, ebenso Handel und Abgabe zu Dopingzwecken. Im Sport ist es nach der WADA-Liste jederzeit verboten.

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.