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RAD-150 (TLB-150)

Benzoesäureester des SARM RAD140, Forschungschemikalie, nicht zugelassen · TLB-150, TLB 150 Benzoate, RAD150, RAD140-Benzoat

RAD-150, im Handel auch TLB-150, wird als Weiterentwicklung von RAD140 angeboten, dem bekanntesten SARM. Chemisch ist das nachvollziehbar: Es ist RAD140 mit einer angehängten Benzoesäure, beschrieben im Patent des Originalentwicklers. Belegt ist damit die Identität, und dass die Verbindung im Labortest an den Androgenrezeptor bindet. Untersucht ist sie darüber hinaus nirgends.

Kurz gesagt

RAD-150 ist der Benzoesäureester von RAD140, Summenformel C27H20ClN5O3, eingetragen in PubChem und beschrieben als Beispiel 87 eines Patents von Radius Health. Dort steht auch die einzige Messung zur Substanz: Sie bindet den Androgenrezeptor der Ratte im zellfreien Test mit einer IC50 von 130 nM, RAD140 im selben Test mit 2 nM. Tierversuche, Pharmakokinetik und Studien am Menschen gibt es nicht, auch keine Fallberichte. Was über Wirkung und Nebenwirkungen bekannt ist, gilt für den Mutterstoff RAD140 und lässt sich nur als Übertragung lesen. Im Sport ist RAD-150 als SARM jederzeit verboten.

Was RAD-150 ist

RAD-150 ist ein kleines synthetisches Molekül aus der Familie der SARMs, der selektiven Androgenrezeptor-Modulatoren. Es baut direkt auf RAD140 auf, das die Biotech-Firma Radius Health 2011 als potenten, oral bioverfügbaren, nichtsteroidalen SARM beschrieben hat. RAD140 trägt an seiner Seitenkette eine Hydroxygruppe. Bei RAD-150 ist genau diese Gruppe mit Benzoesäure verestert.

Die Identität lässt sich sauber nachprüfen. Die Chemiedatenbank PubChem führt die Verbindung unter der Nummer 68547459, mit den Synonymen RAD150 und TLB 150 Benzoate und der CAS-Nummer 1208070-53-4. Die Summenformel ist C27H20ClN5O3 bei einer Molmasse von 497,9 g/mol; RAD140 kommt auf C20H16ClN5O2 und 393,8 g/mol. Der Unterschied entspricht genau einer Benzoylgruppe.

Die Herkunft steht im US-Patent 8,629,167 von Radius Health, Erfinder Chris P. Miller, Priorität 2008, erteilt 2014. Dort ist die Verbindung als Beispiel 87 aufgeführt: hergestellt, indem RAD140, im Patent Beispiel 22, mit Benzoylchlorid umgesetzt wurde. Im selben Patent stehen weitere Ester von RAD140, darunter Acetat, Propionat und Butyrat. Der Name RAD-150 kommt dort nicht vor. Er stammt aus dem Handel und knüpft an RAD140 an, ohne dass Radius eine Substanz dieses Namens entwickelt hätte.

Wie es wirken soll

Der Gedanke hinter RAD-150 ist der von RAD140: den Androgenrezeptor im Muskel und Knochen voll ansprechen, in Prostata, Haut und Hormonregelkreis möglichst wenig. Für RAD140 ist die Rezeptorwirkung beim Menschen gezeigt, die Gewebeselektivität im Tier.

Die Esterbindung soll das Molekül nach der Darstellung im Handel länger wirksam und verträglicher machen. Zwei Wege wären denkbar: Der Körper spaltet die Benzoesäure ab und setzt RAD140 frei, oder der Ester wirkt selbst am Rezeptor. Für keinen der beiden Wege gibt es eine Messung. Das Patent bezeichnet die Verbindung weder als Vorstufe noch als Depotform, und Daten zu Aufnahme, Abbau oder Halbwertszeit sind nicht veröffentlicht.

Was es gibt, ist ein Bindungswert. Im Test des Patents, einer zellfreien Fluoreszenzpolarisation am Androgenrezeptor der Ratte, lag die IC50 von Beispiel 87 bei 130 nM. RAD140 erreichte im selben Test 2 nM. Der Ester bindet den Rezeptor also, aber rund 65-fach schwächer als sein Mutterstoff.

Was gut belegt ist

Belastbar ist die Chemie. Struktur, Herstellungsweg und Stereochemie von RAD-150 sind in einem Patent des Originalentwicklers und in PubChem eindeutig beschrieben, mit eindeutiger Kennung. Das ist bei Graumarkt-Substanzen keine Selbstverständlichkeit, und es heißt: Ein Labor könnte prüfen, ob ein Produkt tatsächlich diesen Ester enthält.

Belastbar ist auch, dass die Verbindung den Androgenrezeptor bindet, wenn auch schwächer als RAD140. Und für den Mutterstoff ist am Menschen gezeigt, dass er den Rezeptor aktiviert: In der Phase-1-Studie mit 22 Frauen mit metastasiertem Brustkrebs sank das Bindungsprotein SHBG bei 18 von 18 Patientinnen, der Androgenmarker PSA stieg bei 16 von 20, die Halbwertszeit lag bei 44,7 Stunden. Für RAD-150 selbst ist davon nichts gemessen.

Was die Studien zeigen

US-Patent 8,629,167, Radius Health — die einzige Messung zu RAD-150

Das Patent beschreibt eine Reihe von SARMs aus dem RAD140-Programm, darunter Beispiel 87, den Benzoesäureester von RAD140. Für alle Beispiele ist die Bindung an den Androgenrezeptor der Ratte angegeben, gemessen als Verdrängung eines fluoreszierenden Liganden; die Werte sind Einzel- oder Mittelwerte. Beispiel 87 kommt auf 130 nM, RAD140 auf 2 nM, die Ester Acetat und Propionat auf 110 und 120 nM. Tierversuche zeigt das Patent nur für zwei andere Verbindungen, nicht für den Ester.

LoRusso et al., Clinical Breast Cancer 2022 — der Mutterstoff am Menschen

Diese Studie betrifft RAD140, nicht RAD-150, und steht hier, weil sie die einzige klinische Studie aus dieser Substanzfamilie ist. Offene Dosissteigerung bei 22 stark vorbehandelten postmenopausalen Frauen mit ER-positivem, HER2-negativem metastasiertem Brustkrebs. Häufigste Nebenwirkungen waren Anstiege von AST bei 59,1 Prozent, ALT bei 45,5 Prozent und Bilirubin bei 27,3 Prozent. Die Rezeptorwirkung war über SHBG, PSA und Tumorbiopsien nachweisbar, die klinische Nutzenrate nach 24 Wochen lag bei 18,2 Prozent. Muskelmasse wurde nicht gemessen.

Van Wagoner et al., JAMA 2017 — was in SARM-Produkten steckt

44 online als SARM verkaufte Produkte wurden mit Anti-Doping-Verfahren analysiert. Nur 23, also 52 Prozent, enthielten überhaupt einen SARM, 17 einen anderen nicht zugelassenen Wirkstoff. RAD-150 war nicht Teil der Analyse; eine Untersuchung von Produkten unter diesem Namen ist nicht veröffentlicht.

Wo die Daten aufhören

Nach dem Bindungswert. Für RAD-150 gibt es keine Tierstudie, keine Pharmakokinetik, keine Toxikologie, keine Studie am Menschen und keinen Fallbericht. Eine Abfrage von ClinicalTrials.gov am 14. Oktober 2026 liefert zu RAD150, RAD-150 und TLB-150 keinen Eintrag, Europe PMC keine Publikation.

Damit sind die Versprechen aus dem Handel, RAD-150 sei stärker, wirke länger oder sei verträglicher als RAD140, unbelegt. Die eine vorhandene Zahl spricht eher in die andere Richtung, zumindest für die direkte Rezeptorbindung. Ob der Ester im Körper zu RAD140 wird, wie schnell und wie vollständig, ist die entscheidende offene Frage. Von ihr hängt ab, ob für RAD-150 im Wesentlichen die Daten von RAD140 gelten. Solange sie nicht beantwortet ist, sind alle Angaben zu Wirkung und Risiken Übertragungen vom Mutterstoff.

Und auch der Mutterstoff selbst ist dünn untersucht: eine Phase-1-Studie an Krebspatientinnen, keine kontrollierte Studie zum Muskelaufbau, keine Langzeitdaten.

Status, Zulassung und Recht

RAD-150 ist nirgends als Arzneimittel zugelassen und wurde nie klinisch entwickelt; verkauft wird es als Forschungschemikalie. Die US-Arzneimittelbehörde FDA stellt für die SARM-Klasse klar, dass solche Produkte keine Nahrungsergänzungsmittel sind, sondern nicht zugelassene Arzneimittel, die oft als „nur für Forschungszwecke“ deklariert und trotzdem für den Menschen verkauft werden.

Im Sport ist die Lage eindeutig. Die WADA-Verbotsliste 2026, in Kraft seit dem 1. Januar 2026, führt in Abschnitt S1.2 die selektiven Androgenrezeptor-Modulatoren als offene Gruppe, „including, but not limited to“, mit RAD140 als Beispiel. RAD-150 steht dort nicht namentlich, ist als SARM aber erfasst und jederzeit verboten, im und außerhalb des Wettkampfs. In Deutschland führt die Anlage zum Anti-Doping-Gesetz unter den anderen anabolen Stoffen ebenfalls die SARMs mit „Zum Beispiel“ und nennt RAD-140, synonym Testolon; RAD-150 ist nicht genannt. Herstellung, Handel und Abgabe zu Dopingzwecken sind für Stoffe der WADA-Liste nach Paragraf 2 Absatz 1 des Anti-Doping-Gesetzes verboten. Ein Betäubungsmittel ist RAD-150 nicht, und in der Arzneimittelverschreibungsverordnung steht es nicht. Dosierangaben machen wir nicht.

Sicherheit

Für RAD-150 ist nichts untersucht und nichts berichtet. Die Risiken, die sich benennen lassen, stammen vom Mutterstoff und von der SARM-Klasse und sind für den Ester nicht gemessen. Unter RAD140 waren erhöhte Leberwerte die häufigste Nebenwirkung, und ein Fallbericht beschreibt einen 26-Jährigen mit Gelbsucht und akutem Leberschaden, der sich nach dem Absetzen innerhalb von zwei Monaten normalisierte. Die FDA warnt für SARMs allgemein vor Leberschäden bis zum Leberversagen, Herzinfarkt und Schlaganfall, Psychosen, Schlafstörungen, Unfruchtbarkeit und Hodenschrumpfung. Wechselwirkungen sind nicht untersucht.

Dazu kommt die Produktfrage: Ob ein als RAD-150 verkauftes Pulver oder eine Lösung den Ester enthält, RAD140 oder etwas ganz anderes, ist ohne Laboranalyse nicht zu sagen. Für Menschen mit Lebererkrankungen, Herz-Kreislauf-Risiken oder Kinderwunsch, in Schwangerschaft und Stillzeit und für Jugendliche kommt die Substanz nicht in Betracht; für Frauen ist sie wegen der Androgenwirkung besonders ungeeignet, für getestete Sportler bedeutet sie eine Sperre.

BK-Score Nicht am Menschen untersucht

Human-Evidenz0
Mechanismus3
Sicherheits-Datenlage0
Hype-Abstand0
Anwendungserfahrung2

Evidenz 0, weil es zu RAD-150 keine einzige Untersuchung am Menschen gibt, weder Studie noch Fallbericht – ClinicalTrials.gov liefert am 14.10.2026 zu RAD150, RAD-150 und TLB-150 keinen Eintrag, Europe PMC keine Publikation zur Substanz. Mechanismus 3, weil die Identität als Benzoesäureester von RAD140 belegt ist (Radius-Patent US 8,629,167, Beispiel 87; PubChem CID 68547459) und die Verbindung den Androgenrezeptor der Ratte im zellfreien Test bindet, mit einer IC50 von 130 nM gegenüber 2 nM für RAD140 im selben Test; ob sie im Körper zu RAD140 gespalten wird oder selbst wirkt, ist nicht untersucht, Tierdaten fehlen ganz. Sicherheit 0, weil weder Toxikologie noch Pharmakokinetik noch ein Fallbericht vorliegen; was über Leberwerte und Hormonachse bekannt ist, gilt für RAD140 (AST-Anstieg bei 59,1 Prozent in der Phase 1, LoRusso 2022) und ist für RAD-150 nur eine Übertragung. Hype 0, weil die Vermarktung als verbessertes RAD140 mit längerer Wirkdauer und milderen Nebenwirkungen auf keiner veröffentlichten Messung beruht – die einzige Zahl zur Substanz zeigt eine rund 65-fach schwächere Rezeptorbindung. Anwendung 2, weil RAD-150 als Forschungschemikalie im Graumarkt angeboten wird, aber in keiner veröffentlichten Produktanalyse und keinem Fallbericht auftaucht. Richtung offen: Die Frage nach Wirkung und Verträglichkeit am Menschen ist nie gestellt worden.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu RAD-150 (TLB-150)

Was ist RAD-150?

RAD-150, auch TLB-150 genannt, ist der Benzoesäureester von RAD140: dasselbe SARM-Gerüst, an dessen Hydroxygruppe eine Benzoesäure hängt. Beschrieben ist die Verbindung als Beispiel 87 in einem Patent des RAD140-Entwicklers Radius Health; die Datenbank PubChem führt sie unter der Nummer 68547459. Der Name RAD-150 stammt aus dem Handel, nicht aus der Forschung.

Ist RAD-150 stärker als RAD140?

Dafür gibt es keinen Beleg. Die einzige veröffentlichte Messung zur Substanz zeigt das Gegenteil: Im Bindungstest des Patents brauchte RAD-150 für die halbe Verdrängung am Androgenrezeptor 130 nM, RAD140 nur 2 nM. Ob der Körper den Ester zu RAD140 spaltet und was das für die Wirkung heißt, hat niemand untersucht.

Gibt es Studien am Menschen zu RAD-150?

Nein. Das Studienregister ClinicalTrials.gov liefert am 14. Oktober 2026 zu RAD150, RAD-150 und TLB-150 keinen Eintrag, und in der Literaturdatenbank Europe PMC findet sich keine Arbeit zur Substanz. Auch Tierversuche sind nicht veröffentlicht. Alles, was am Menschen bekannt ist, betrifft den Mutterstoff RAD140.

Hat RAD-150 weniger Nebenwirkungen als RAD140?

Das ist nicht untersucht. Für RAD-150 gibt es weder Sicherheitsdaten noch Fallberichte. Beim Mutterstoff RAD140 waren erhöhte Leberwerte die häufigste Nebenwirkung, die AST stieg bei 59,1 Prozent der Patientinnen in der Phase-1-Studie. Ob das für den Ester genauso gilt, ist offen.

Ist RAD-150 im Sport verboten?

Ja, jederzeit. Die WADA-Verbotsliste 2026 führt selektive Androgenrezeptor-Modulatoren in Abschnitt S1.2 als offene Gruppe mit RAD140 als Beispiel; RAD-150 ist nicht namentlich genannt, fällt als SARM aber unter diese Gruppe. In Deutschland nennt die Anlage zum Anti-Doping-Gesetz SARMs ebenfalls mit Beispielen, darunter RAD-140.

Ist in RAD-150-Produkten wirklich RAD-150?

Das weiß niemand. Eine veröffentlichte Inhaltsanalyse von Produkten, die als RAD-150 verkauft werden, gibt es nicht. Bei SARM-Produkten allgemein enthielten in einer Analyse von 44 online gekauften Präparaten nur 52 Prozent überhaupt einen SARM, und nur bei 41 Prozent stimmte die Menge mit dem Etikett.

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-14.