Biohacking Kompakt

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Ligandrol (LGD-4033)

Selektiver Androgenrezeptor-Modulator (SARM), nicht zugelassen · LGD-4033, VK5211, VK 5211, SARM

Ligandrol, auch LGD-4033 oder VK5211, gilt in der Kraftsportszene als der SARM für den Masseaufbau. Am Menschen ist es kurz, aber placebokontrolliert untersucht, und die fettfreie Masse stieg dabei schon nach drei Wochen. Kraft, Langzeitsicherheit und die Frage, was nach dem Etikett wirklich in der Kapsel steckt, sind offen.

Kurz gesagt

Ligandrol aktiviert den Androgenrezeptor, die Andockstelle von Testosteron, und soll dabei vor allem Muskel und Knochen ansprechen. In einer placebokontrollierten Studie mit 76 gesunden jungen Männern stieg die fettfreie Masse in 21 Tagen dosisabhängig, in der höchsten Stufe um etwa 1,2 kg, die Beinkraft aber nicht. Bei älteren Menschen nach Hüftfraktur legte die fettfreie Masse in 12 Wochen placebobereinigt um bis zu 9,1 Prozent zu, veröffentlicht nur als Register- und Firmenmeldung. Schon in drei Wochen sanken Testosteron und HDL-Cholesterin, und es gibt mehrere Fallberichte schwerer Leberschäden. Ligandrol ist nirgends zugelassen und steht auf der Dopingliste.

Was es ist

Ligandrol ist ein kleines, nichtsteroidales Molekül mit dem Entwicklungscode LGD-4033. Unter dem Namen VK5211 prüfte die Firma Viking Therapeutics denselben Wirkstoff bei älteren Menschen nach einer Hüftfraktur, einer Situation, in der rascher Muskelabbau über Selbstständigkeit entscheidet.

In der Szene hat Ligandrol einen anderen Ruf: stärker als Ostarin, gedacht für den Aufbau statt für den Erhalt. Für diese Einordnung gibt es keinen Direktvergleich am Menschen, sie beruht auf Erfahrungsberichten.

Wie es wirken soll

SARM steht für selektiver Androgenrezeptor-Modulator. Das Konzept stammt von 1999 und ist den selektiven Östrogenrezeptor-Modulatoren nachempfunden: Ein Wirkstoff soll denselben Rezeptor in einem Gewebe anschalten und in einem anderen kaum. Für den Androgenrezeptor heißt das: Muskel und Knochen ja, Prostata und Haut möglichst nicht.

Ligandrol bindet den Androgenrezeptor mit hoher Affinität und ist oral wirksam. Weil es kein Steroid ist, wird es nicht zu DHT oder Östrogen umgebaut. Eine kritische Übersicht von 2025 gibt zu bedenken, dass ein Teil der scheinbaren Selektivität genau daher rührt und dass kein Direktvergleich mit klassischen Androgenen existiert.

Die Studie an jungen Männern

Die wichtigste begutachtete Arbeit erschien 2013. 76 gesunde Männer zwischen 21 und 50 Jahren nahmen 21 Tage lang Ligandrol in drei Dosisstufen oder Placebo, danach wurden sie 5 Wochen weiter beobachtet. Die fettfreie Masse stieg dosisabhängig, in der höchsten Stufe um etwa 1,2 kg mehr als unter Placebo. Die Fettmasse änderte sich nicht.

Das ist für drei Wochen ohne vorgegebenes Training ein deutliches Signal, und es zeigt, dass der Wirkstoff beim Menschen tut, wofür er gebaut wurde. Die Beinkraft blieb allerdings unverändert. Die Autoren selbst schreiben, längere Studien müssten klären, ob Funktion und Gesundheit profitieren.

Nach der Hüftfraktur

In der Phase-2-Studie von Viking erhielten 108 Menschen ab 65 Jahren nach einer Hüftfraktur-Operation 12 Wochen lang VK5211 oder Placebo. Die fettfreie Masse stieg placebobereinigt um 4,8, 7,2 und 9,1 Prozent, je nach Dosisstufe, also um bis zu 3,1 kg. Der primäre Endpunkt war erreicht.

Bei Gehstrecke und Alltagsfunktion gab es nur numerische Verbesserungen, auf die die Studie nicht ausgelegt war. Ausgewertet wurden laut Register 79 der 108 Teilnehmer. Eine begutachtete Vollpublikation ließ sich bis September 2026 nicht finden, und eine Phase-3-Studie hat Viking nicht angekündigt.

Was Anwender berichten

Anwender beschreiben einen schnellen Zuwachs an Gewicht und Kraft innerhalb weniger Wochen, oft mit etwas Wassereinlagerung, und nutzen Ligandrol vor allem in Aufbauphasen. Ebenso häufig werden Blutbilder mit gesunkenem Testosteron und HDL geteilt. Ein publizierter Einzelfall aus dem Jahr 2022 hat das genau vermessen: Ein 25-Jähriger nahm 5 Wochen Ligandrol zusammen mit MK-677. Die fettfreie Masse stieg um 3,1 Prozent, die Fettmasse aber um 15,4 Prozent, HDL fiel um 36,4 Prozent, der Leberwert ALT stieg um 205,0 Prozent und das Gesamttestosteron sank um 62,3 Prozent. Die meisten Werte normalisierten sich nach dem Absetzen, Fettmasse und LDL nicht.

Was gut belegt ist

Gut belegt ist, dass Ligandrol beim Menschen die fettfreie Masse erhöht, und zwar schnell: In einer placebokontrollierten Studie mit 76 jungen Männern reichte dafür ein Zeitraum von 21 Tagen, in der höchsten Dosisstufe etwa 1,2 kg gegenüber Placebo. Bei älteren Menschen nach Hüftfraktur zeigte sich derselbe Effekt über 12 Wochen, placebobereinigt bis zu 9,1 Prozent. Ebenso belegt ist die Wirkung auf den Hormonhaushalt: Gesamttestosteron, SHBG, HDL und Triglyceride sinken dosisabhängig, und zwar reversibel. Beides zusammen bestätigt, dass Ligandrol den Androgenrezeptor beim Menschen anspricht.

Was die Studien zeigen

Basaria et al., Journals of Gerontology 2013

Randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 76 gesunden Männern zwischen 21 und 50 Jahren, 21 Tage, drei Dosisstufen. Fettfreie Masse dosisabhängig gestiegen, in der höchsten Stufe etwa 1,2 kg über Placebo, Fettmasse und Beinkraft unverändert. Gesamttestosteron, SHBG, HDL und Triglyceride sanken dosisabhängig und kehrten nach dem Absetzen zurück. Leberwerte, PSA und Blutbild blieben unverändert.

VK5211 nach Hüftfraktur, Registerergebnisse 2017

Randomisierte Phase 2 mit 108 Patienten ab 65 Jahren, 12 Wochen, drei Dosisstufen gegen Placebo. Fettfreie Masse placebobereinigt plus 4,8, 7,2 und 9,1 Prozent, primärer Endpunkt erreicht. Funktion nur explorativ und ohne signifikanten Unterschied. Bisher nur im Studienregister und als Firmenmitteilung veröffentlicht.

Cardaci et al., Experimental Physiology 2022

Fallbericht eines 25-jährigen Anwenders, der 5 Wochen Ligandrol mit MK-677 kombinierte. Fettfreie Masse plus 3,1 Prozent, Fettmasse plus 15,4 Prozent, HDL minus 36,4 Prozent, ALT plus 205,0 Prozent, Gesamttestosteron minus 62,3 Prozent, Knochendichte minus 2,1 Prozent. Ein einzelner Mensch, zwei Wirkstoffe, aber genau vermessen.

Wo die Daten aufhören

Mehr Masse heißt hier noch nicht mehr Kraft. In der Studie an jungen Männern blieb die Beinkraft gleich, nach der Hüftfraktur waren die Funktionsdaten explorativ und nicht signifikant. Insgesamt gibt es nur zwei kontrollierte Studien, beide kurz, 21 Tage und 12 Wochen, und die längere ist nicht begutachtet veröffentlicht. Die Einnahmemuster der Szene, über Wochen und oft kombiniert mit anderen Wirkstoffen, hat niemand kontrolliert geprüft. Gemessen wurde per DXA, das Wasser mitzählt, und bei einem Wirkstoff, dem Anwender Wassereinlagerung nachsagen, ist das keine Nebensache. Für die Sicherheit über mehr als 12 Wochen gibt es keine kontrollierten Daten.

Status, Zulassung und Recht

Ligandrol ist weltweit nicht als Arzneimittel zugelassen; nach der Phase 2 hat Viking für VK5211 keine weitere Studie angekündigt. Die US-Arzneimittelbehörde FDA stellt klar, dass SARMs keine Nahrungsergänzungsmittel sind, sondern nicht zugelassene Arzneimittel. In Deutschland steht Ligandrol namentlich in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes; Herstellung und Handel zum Zweck des Dopings im Sport sind verboten, ebenso Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge zu diesem Zweck. Die Welt-Anti-Doping-Agentur führt LGD-4033 in der Liste 2026 unter S1.2 und verbietet es jederzeit. Die Dopinganalytik erfasst langlebige Abbauprodukte, und es ist sogar ein positiver Test nach Übertragung beim Intimkontakt beschrieben.

Sicherheit

Schon in 21 Tagen sanken in der kontrollierten Studie Gesamttestosteron, SHBG und HDL dosisabhängig, in der höchsten Stufe auch FSH und freies Testosteron; die Werte kehrten nach dem Absetzen zurück, die Leberwerte blieben dort unverändert. Außerhalb von Studien sieht das anders aus: Mehrere begutachtete Fallberichte beschreiben schwere cholestatische Leberschäden bei Anwendern, darunter ein 37-Jähriger mit einem Bilirubin 30-fach über der Norm und Gallengangsschwund in der Biopsie. Typisch ist nach einer Übersicht eine schleichende Gelbsucht mit starkem Bilirubinanstieg bei nur leicht erhöhten Leberenzymen. Eine systematische Übersicht fand ALT-Anstiege im Mittel bei 7,1 Prozent der SARM-Exponierten in Studien. Die FDA nennt für SARMs zudem Herzinfarkt, Schlaganfall, Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten. Und in einer JAMA-Analyse enthielten nur 52 Prozent der als SARM verkauften Produkte überhaupt einen SARM. Nicht für Schwangere, nicht bei Lebererkrankungen, nicht für Wettkampfsportler.

BK-Score Dünne Humanevidenz

Human-Evidenz4
Mechanismus6
Sicherheits-Datenlage3
Hype-Abstand2
Anwendungserfahrung4

Evidenz 4, weil es nur zwei kontrollierte Humanstudien gibt, beide kurz und mit Surrogatendpunkt: 76 gesunde junge Männer über 21 Tage mit dosisabhängigem Zuwachs fettfreier Masse, in der höchsten Stufe etwa 1,2 kg über Placebo, aber unveränderter Beinkraft (Basaria 2013), und 108 Patienten ab 65 Jahren nach Hüftfraktur mit placebobereinigt bis zu 9,1 Prozent mehr fettfreier Masse in 12 Wochen, die nur als Registereintrag und Firmenmitteilung vorliegt. Mechanismus 6, weil die Rezeptorwirkung am Menschen über die dosisabhängige Senkung von Gesamttestosteron, SHBG und HDL bestätigt ist, die behauptete Gewebeselektivität aber ohne Direktvergleich mit klassischen Androgenen offen bleibt (Bond 2025). Sicherheit 3, weil kontrollierte Daten nur über 21 Tage und 12 Wochen vorliegen; dazu kommen mehrere begutachtete Fallberichte schwerer cholestatischer Leberschäden bei Anwendern und ein genau vermessener Anwender-Fall mit HDL minus 36,4 Prozent und ALT plus 205,0 Prozent. Hype 2, weil Ligandrol als starker Aufbau-SARM mit schnellen Kraftgewinnen gehandelt wird, während die einzige begutachtete Studie keinen Kraftgewinn fand und die Hormonsuppression schon nach 21 Tagen messbar war. Anwendung 4, weil es in der Kraftsportszene verbreitet ist, ohne jeden regulatorischen Rahmen. Richtung offen: Masse ist gezeigt, ob daraus Kraft oder Funktion wird, ist nicht geprüft.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Ligandrol (LGD-4033)

Was ist LGD-4033?

LGD-4033 ist der Entwicklungscode von Ligandrol, einem selektiven Androgenrezeptor-Modulator. Unter dem Namen VK5211 wurde derselbe Wirkstoff bei älteren Menschen nach Hüftfraktur geprüft. Zugelassen ist er nirgends.

Wie viel Muskelmasse bringt Ligandrol laut Studien?

Bei 76 gesunden jungen Männern stieg die fettfreie Masse in 21 Tagen in der höchsten Dosisstufe um etwa 1,2 kg mehr als unter Placebo. Bei älteren Menschen nach Hüftfraktur waren es in 12 Wochen placebobereinigt bis zu 9,1 Prozent. Die Beinkraft änderte sich in der ersten Studie nicht.

Senkt Ligandrol das Testosteron?

Ja. Schon in 21 Tagen sanken Gesamttestosteron und SHBG dosisabhängig, in der höchsten Stufe auch FSH und freies Testosteron. Nach dem Absetzen kehrten die Werte in der Studie auf den Ausgangswert zurück.

Ist Ligandrol schädlich für die Leber?

In der kurzen kontrollierten Studie blieben die Leberwerte unverändert. Es gibt aber mehrere begutachtete Fallberichte schwerer Gallestauung bei Anwendern, teils mit Leberbiopsie und Klinikaufenthalt. Ob der Wirkstoff selbst oder Verunreinigungen der Ware verantwortlich sind, lässt sich im Einzelfall oft nicht klären.

Ist Ligandrol stärker als Ostarin?

Das wird in der Szene so erzählt, einen Direktvergleich am Menschen gibt es nicht. Beide Wirkstoffe erhöhen in Studien die fettfreie Masse, für beide ist ein Kraftgewinn nicht gesichert. Ostarin ist am Menschen deutlich umfangreicher untersucht.

Ist Ligandrol in Deutschland legal?

Ligandrol ist kein zugelassenes Arzneimittel und kein Nahrungsergänzungsmittel. Es steht namentlich in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes, Handel zum Zweck des Dopings ist verboten. Im Sport ist es nach der WADA-Liste jederzeit verboten.

Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-27.