Peptid & Experimentelles
Stenabolic (SR9009)
Synthetischer Agonist der Uhr-Kernrezeptoren REV-ERBalpha und REV-ERBbeta, nicht zugelassen · SR9009, SR-9009, Rev-erb-Agonist, oft falsch als SARM geführt
Stenabolic, chemisch SR9009, gilt in der Szene als Sport in der Kapsel: mehr Ausdauer, weniger Fett, ohne zu trainieren. Der Zielrezeptor dahinter ist echt und am Muskel gut beschrieben. Die Wirkzahlen stammen bis heute aus Mausversuchen mit Spritzen in die Bauchhöhle.
Kurz gesagt
SR9009 ist ein synthetischer Agonist der Kernrezeptoren REV-ERBalpha und REV-ERBbeta, zweier Bauteile der inneren Uhr, die in der Muskulatur Mitochondrienzahl und Fettverbrennung mitsteuern. Im Tier funktioniert das: Mäuse liefen unter 100 mg/kg über 30 Tage länger und weiter, fettleibige Tiere verloren Fett und Blutfette. Am Menschen ist die Substanz nie in einer Studie untersucht worden, es gibt nicht einmal einen Eintrag in ClinicalTrials.gov. Für die Kapselform entscheidend: Nach Schlundgabe bleiben die Plasmaspiegel unter 0,3 µg/ml, während im Darm über 10 µg/ml erreicht werden. Dazu kommen zwei Fallberichte von Leberschäden nach oraler Einnahme, einer mit Lebertransplantation.
Was es ist
SR9009 ist ein kleines synthetisches Molekül, kein Peptid und kein Hormon. Entwickelt wurde es 2012 von einer Gruppe am Scripps Research Institute in Jupiter, Florida, gemeinsam mit dem nahe verwandten SR9011. Der Name Stenabolic stammt aus dem Graumarkt, nicht aus der Forschung.
Die Einordnung als SARM, die man überall liest, ist falsch. Ein SARM greift am Androgenrezeptor an, dort wo auch Testosteron wirkt. SR9009 bindet stattdessen zwei Kernrezeptoren der inneren Uhr. Die Verwechslung hält sich hartnäckig, sie steht sogar im Titel eines medizinischen Fallberichts von 2025 — und auch die Welt-Anti-Doping-Agentur führt SR9009 nicht bei den anabolen Wirkstoffen, sondern bei den metabolischen Modulatoren.
Wie es wirken soll
REV-ERBalpha und REV-ERBbeta sind Kernrezeptoren, die im Takt des Tages Gene an- und abschalten. Ihr natürlicher Ligand ist Häm, dasselbe eisenhaltige Molekül, das im Blut den Sauerstoff bindet. Setzt sich stattdessen ein synthetischer Agonist in diese Bindetasche, verschiebt sich das Programm der Uhr — und mit ihm eine Reihe von Stoffwechselgenen in Leber, Muskel und Fettgewebe.
Der für Sportler interessante Teil steckt im Muskel. REV-ERBalpha ist in oxidativer, also ausdauerorientierter Muskulatur besonders stark vorhanden. Fehlt es, sinken Mitochondriengehalt und oxidative Kapazität, die Autophagie läuft hoch, die Belastbarkeit fällt. Über den Signalweg Lkb1-Ampk-Sirt1-Ppargc-1alpha hängt das an denselben Schaltern, die auch echtes Ausdauertraining anspricht. Wer diesen Schalter pharmakologisch anstellt, so die Idee, bekommt Trainingsanpassung ohne Training. SR9009 bindet beide Rezeptoren im submikromolaren Bereich: 670 nM am REV-ERBalpha, 800 nM am REV-ERBbeta.
Eine Fußnote gehört dazu. 2019 baute eine Gruppe Mäuse, in denen sich beide Rezeptoren gemeinsam ausschalten lassen. In Zellen ohne REV-ERBalpha und REV-ERBbeta veränderte SR9009 weiterhin Vitalität, Stoffwechsel und Genaktivität. Ein Teil der Wirkung läuft also woanders; Hinweise deuten auf zusätzliche Aktivität am Leber-X-Rezeptor.
Was im Tier passiert ist
Die Stoffwechselarbeit von 2012 gab Mäusen 100 mg/kg zweimal täglich in die Bauchhöhle. Der Sauerstoffverbrauch stieg um 5 Prozent, und zwar bei 15 Prozent geringerer Bewegungsaktivität. Im Modell mit diätbedingtem Übergewicht (20 Wochen alte Tiere, mittleres Gewicht 41 g, zuvor 14 Wochen Hochfettdiät) war der Gewichtsverlust nach 12 Tagen 60 Prozent größer als in der Kontrollgruppe; im Blut sank das Gesamtcholesterin um 47 Prozent, die Glukose um 19 Prozent und das Leptin um 80 Prozent.
Die Ausdauerarbeit folgte 2013. Sie zeigte zuerst genetisch, dass ein Mangel an Rev-erb-alpha im Muskel die Leistung senkt, und dann pharmakologisch, dass SR9009 in 100 mg/kg über 30 Tage die Laufleistung erhöht: signifikant länger und weiter bis zur Erschöpfung, bei sechs Tieren pro Gruppe. In Muskelzellkulturen erhöhten SR9009 und SR9011 in 5 µM den Mitochondriengehalt.
Rundherum liegt weitere Tierliteratur: mehr Wachheit und kürzerer REM- und Tiefschlaf bei Mäusen, und 2018 in einer Nature-Arbeit ein selektiv tödlicher Effekt auf Krebs- und seneszente Zellen. Bemerkenswerte Grundlagenforschung — und alles Daten aus Zellen und Nagern.
Die Kapselfrage
Hier gehen Szeneerzählung und Datenlage auseinander. Sämtliche Wirkbefunde stammen aus Versuchen mit Injektion in die Bauchhöhle. Angewendet wird die Substanz als Kapsel.
Zwei Arbeitsgruppen haben das gemessen. Nach Gabe über die Schlundsonde blieben die Plasmaspiegel bei Mäusen unter 0,3 µg/ml, während im Darm mehr als 10 µg/ml ankamen; vier Wochen tägliche orale Gabe senkten die Gewichtszunahme unter Hochfettdiät, ließen aber die Fettverbrennungsgene im Muskel unverändert. Die Wirkung des oral gegebenen SR9009 könne auf den Darm begrenzt sein, halten die Autoren fest. Eine zweite Gruppe kam 2025 zum selben Bild: Nach sieben Tagen Schlundgabe lagen die Konzentrationen im Hippocampus unter 5 ng/mg.
Dazu die Verweildauer: Halbwertszeit nach oraler Gabe etwa 0,5 Stunden, Serum nach rund 4 Stunden leer. Eine Übersichtsarbeit von 2020 nennt die schlechte Bioverfügbarkeit ausdrücklich als Grund, warum aus den synthetischen REV-ERB-Liganden kein Medikament geworden ist.
Was am Menschen bekannt ist
Nichts über die Wirkung. Eine Abfrage der Schnittstelle von ClinicalTrials.gov am 27. September 2026 gibt zu SR9009 und Stenabolic keinen Eintrag zurück: keine Phase-1-Studie, keine Pharmakokinetik am Menschen, keine Untersuchung zu Ausdauer oder Körperzusammensetzung.
Was es gibt, sind zwei Schadensberichte. Ein 17-Jähriger entwickelte nach etwa achtwöchiger oraler Einnahme eines online gekauften SR9009-Produkts ein akutes Leberversagen mit hepatischer Enzephalopathie Grad 3 und brauchte eine Notfall-Lebertransplantation; virale, autoimmune, metabolische und obstruktive Ursachen waren ausgeschlossen. Ein 40-Jähriger entwickelte einen hepatozellulären Leberschaden nach Beginn von Stenabolic und erholte sich nach dem Absetzen. Zwei Fälle beweisen keine Ursache. Sie sind aber alles, was am Menschen vorliegt.
Was in der Kapsel steckt, ist die dritte offene Frage: Von 44 als SARM verkauften Internetprodukten enthielten nur 52 Prozent einen SARM, 39 Prozent einen anderen nicht zugelassenen Wirkstoff — darunter SR9009.
Was gut belegt ist
Belastbar ist die Biologie des Zielrezeptors. Dass REV-ERBalpha in oxidativer Muskulatur Mitochondrienzahl, oxidative Kapazität und Autophagie mitsteuert und dass sein Verlust die Belastbarkeit senkt, ist genetisch und zellbiologisch gut gezeigt. Belastbar ist auch, dass SR9009 diesen Rezeptor bindet und im Tier die circadiane Genexpression in Leber, Muskel und Fettgewebe verschiebt.
Was die Studien zeigen
Solt et al., Nature 2012 — die Stoffwechselarbeit
Chemisch-tierexperimentelle Arbeit ohne Humananteil. SR9009 und SR9011 wurden als REV-ERB-Agonisten charakterisiert und Mäusen in 100 mg/kg zweimal täglich intraperitoneal gegeben. Im Übergewichtsmodell (20 Wochen alte Tiere, 41 g, 14 Wochen Hochfettdiät, 12 Tage Behandlung) war der Gewichtsverlust 60 Prozent größer als in der Kontrolle, das Cholesterin sank um 47 Prozent.
Woldt et al., Nature Medicine 2013 — die Ausdauerarbeit
Zuerst genetisch: Rev-erb-alpha-Mangel im Muskel senkt Mitochondriengehalt und oxidative Funktion, die Laufleistung fällt. Dann pharmakologisch: SR9009 in 100 mg/kg über 30 Tage, sechs Tiere pro Gruppe, Laufband bis zur Erschöpfung — die behandelten Mäuse liefen länger und weiter.
Yu et al., Nature Communications 2021 — die orale Frage
Die für die Kapsel entscheidende Messung. Nach Schlundgabe lagen die Plasmaspiegel unter 0,3 µg/ml, im Darm über 10 µg/ml. Mäuse auf Hochfettdiät erhielten vier Wochen einmal täglich SR9009 oral: geringere Gewichtszunahme bei unverändertem Futterverzehr, aber unveränderte Fettsäureoxidations-Gene im Muskel.
Dierickx et al., PNAS 2019 — die Mechanismusprüfung
Mäuse mit bedingter Deletion von REV-ERBalpha und REV-ERBbeta. In Zellen ohne beide Rezeptoren veränderte SR9009 weiterhin Vitalität, Stoffwechsel und Gentranskription — die Effekte taugen damit nicht als Surrogat für REV-ERB-Aktivität.
Wo die Daten aufhören
Am Menschen gibt es keine Wirksamkeitsdaten. Keine Studie, keine Registrierung, keine Pharmakokinetik — die Abfrage von ClinicalTrials.gov am 27. September 2026 liefert null Treffer. Alles, was über Ausdauer und Fettabbau gesagt wird, stammt aus Mausversuchen mit Injektion in die Bauchhöhle, über 12 bis 30 Tage, mit Surrogatmarkern als Endpunkt. Langzeitdaten existieren in keiner Spezies.
Dazu drei belegte Einschränkungen: Oral erreicht die Substanz den Körperkreislauf kaum, die Wirkung könnte sich auf den Darm beschränken. Ein Teil der Effekte tritt auch ohne die Zielrezeptoren auf. Und die Produktqualität im Handel ist nachweislich unzuverlässig. Wer Stenabolic einordnet, arbeitet mit einer spannenden Hypothese, nicht mit einem geprüften Wirkstoff.
Status, Zulassung und Recht
SR9009 ist in Deutschland, der EU und den USA weder als Arzneimittel noch als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen; der Vertrieb läuft als Forschungschemikalie oder als nicht zugelassenes Supplement. Im Sport ist die Substanz jederzeit verboten: Die WADA-Verbotsliste 2026, in Kraft seit dem 1. Januar 2026, nennt in Abschnitt S4.4.1 der metabolischen Modulatoren ausdrücklich Rev-erb-alpha-Agonisten mit den Beispielen SR9009 und SR9011; die Klasse S4.4 ist nicht-spezifiziert und in und außerhalb des Wettkampfs untersagt. In Deutschland steht SR9009, synonym Stenabolic, namentlich in der Anlage zu Paragraf 2 Absatz 3 des Anti-Doping-Gesetzes; damit sind Erwerb, Besitz und Verbringen in nicht geringer Menge zum Zwecke des Dopings verboten, ebenso Handel und Abgabe zu diesem Zweck. Nachweisbar ist die Substanz über N-dealkylierte Metaboliten.
Sicherheit
Systematisch untersucht ist am Menschen nichts. Bekannt sind zwei Fallberichte von Leberschäden nach oraler Einnahme: ein akutes Leberversagen bei einem 17-Jährigen, das eine Notfall-Lebertransplantation nötig machte, und ein hepatozellulärer Leberschaden bei einem 40-Jährigen mit Besserung nach dem Absetzen. Beide belegen einen zeitlichen Zusammenhang, keine Ursache — sie sind aber die gesamte Humanerfahrung in der Literatur. Aus dem Tierversuch kommt ein zweiter Hinweis: REV-ERB-Agonisten verkürzten REM- und Tiefschlaf. Wechselwirkungen sind nicht untersucht, eine Obergrenze von EFSA, BfR oder NIH gibt es nicht, weil die Substanz kein Lebensmittelstoff ist. Dazu die Produktqualität: In 59 Prozent der 44 untersuchten Internetprodukte wich die Wirkstoffmenge vom Etikett ab. Für Menschen mit Lebererkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit und für Jugendliche kommt die Substanz nicht in Betracht, für getestete Sportler bedeutet sie eine Sperre.
BK-Score Nicht am Menschen untersucht
| Human-Evidenz | 1 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 4 | |
| Sicherheits-Datenlage | 1 | |
| Hype-Abstand | 1 | |
| Anwendungserfahrung | 4 |
Evidenz 1, weil am Menschen keine einzige Wirksamkeitsstudie existiert – die Abfrage der ClinicalTrials.gov-Schnittstelle zu SR9009 und Stenabolic gibt am 27.09.2026 keinen Eintrag zurück –, und die gesamte Humanliteratur aus zwei Schadensfallberichten besteht (Case Reports Hepatol 2026, Cureus 2025). Die Wirkerzählung stammt aus Mausversuchen mit intraperitonealer Gabe: 60 Prozent stärkerer Gewichtsverlust über 12 Tage und Cholesterin minus 47 Prozent bei fettleibigen Tieren (Solt et al., Nature 2012), mehr Laufleistung unter 100 mg/kg über 30 Tage (Woldt et al., Nat Med 2013). Mechanismus 4, weil die Zielstruktur am Menschen bedeutsam und die Wirkkette im Tier gut beschrieben ist (IC50 670 und 800 nM, Signalweg Lkb1-Ampk-Sirt1-Ppargc-1alpha), die Zuordnung aber nachweislich unvollständig bleibt: In Zellen ohne REV-ERBalpha und REV-ERBbeta wirkt SR9009 weiter (Dierickx et al., PNAS 2019), und es gibt Hinweise auf LXR-Aktivität. Sicherheit 1, weil am Menschen nichts systematisch untersucht ist und die einzigen Befunde zwei Leberschäden sind, einer mit Notfalltransplantation. Hype 1, weil die Vermarktung als Sport in der Kapsel echte Mauszahlen aus Bauchhöhleninjektionen auf Kapseln überträgt, obwohl nach Schlundgabe die Plasmaspiegel unter 0,3 µg/ml bleiben, die Halbwertszeit rund 0,5 Stunden beträgt und die Wirkung nach Autorenangabe auf den Darm begrenzt sein könnte (Yu et al., Nat Commun 2021). Anwendung 4, weil die Substanz seit Jahren ohne jeden regulatorischen Rahmen im Fitnessmarkt kursiert – in 39 Prozent von 44 als SARM verkauften Internetprodukten fand sich ein anderer nicht zugelassener Wirkstoff, darunter SR9009 (JAMA 2017). Richtung offen: Die Humanfrage ist nicht beantwortet, aber die orale Pharmakokinetik spricht gegen die verkaufte Anwendungsform. Einordnungsfehler, der überall wiederkehrt: SR9009 ist kein SARM, sondern ein REV-ERB-Agonist; die WADA führt es unter S4.4.1, nicht unter S1.2.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Stenabolic (SR9009)
Ist Stenabolic ein SARM?
Nein. Ein SARM wirkt am Androgenrezeptor, dort wo auch Testosteron ansetzt. SR9009 bindet stattdessen die Kernrezeptoren REV-ERBalpha und REV-ERBbeta, zwei Bauteile der inneren Uhr. Die Verwechslung ist verbreitet und steht sogar im Titel eines medizinischen Fallberichts; die Welt-Anti-Doping-Agentur führt SR9009 bei den metabolischen Modulatoren, nicht bei den anabolen Wirkstoffen.
Gibt es Studien am Menschen zu SR9009?
Zur Wirkung keine. Eine Abfrage des Studienregisters ClinicalTrials.gov am 27. September 2026 findet weder zu SR9009 noch zu Stenabolic einen Eintrag, und in der Literatur gibt es keine Phase-1-Studie und keine Pharmakokinetik am Menschen. Veröffentlicht sind zwei Fallberichte über Leberschäden nach oraler Einnahme.
Wirkt SR9009 als Kapsel überhaupt?
Die Daten sprechen dagegen, dass viel davon im Körper ankommt. Nach oraler Gabe blieben die Plasmaspiegel bei Mäusen unter 0,3 µg/ml, während im Darm über 10 µg/ml erreicht wurden, und die Halbwertszeit liegt bei rund 0,5 Stunden. Eine Arbeitsgruppe hält ausdrücklich fest, die Wirkung des oral gegebenen SR9009 könne auf den Darm begrenzt sein.
Warum ist aus SR9009 kein Medikament geworden?
Zwei Gründe stehen in der Fachliteratur. Erstens die Pharmakokinetik: schlechte Bioverfügbarkeit und sehr kurze Verweildauer. Zweitens die unklare Zuordnung: SR9009 verändert Zellstoffwechsel und Genaktivität auch in Zellen, in denen beide REV-ERB-Rezeptoren fehlen. Damit ist die Substanz als Werkzeug unsauber und als Arzneistoffkandidat schwach.
Ist Stenabolic im Sport verboten?
Ja, jederzeit. Die WADA-Verbotsliste 2026 nennt Rev-erb-alpha-Agonisten mit dem Beispiel SR9009 in Abschnitt S4.4.1; das Verbot gilt im und außerhalb des Wettkampfs. In Deutschland steht SR9009 zusätzlich namentlich in der Anlage zum Anti-Doping-Gesetz. Nachweisbar ist die Substanz über ihre Abbauprodukte, für die zertifizierte Referenzmaterialien vorliegen.
Was ist über Nebenwirkungen bekannt?
Wenig, und was bekannt ist, betrifft die Leber. Zwei Fallberichte beschreiben Leberschäden nach oraler Einnahme, einer davon mit akutem Leberversagen und Notfalltransplantation bei einem 17-Jährigen. Aus Tierversuchen kommt der Hinweis, dass REV-ERB-Agonisten REM- und Tiefschlaf verkürzen. Wechselwirkungen mit Medikamenten sind nicht untersucht.
Quellen
- Solt et al., Nature 2012 — synthetische REV-ERB-Agonisten, Verhalten und Stoffwechsel
- Woldt et al., Nature Medicine 2013 — Rev-erb-alpha, Mitochondrien und Laufleistung
- Dierickx et al., PNAS 2019 — SR9009 wirkt auch ohne REV-ERB
- Yu et al., Nature Communications 2021 — orale Gabe, Plasmaspiegel und Darmwirkung
- Chen et al., Advanced Science 2025 — orale Gabe, Exposition im Gehirn
- Wang et al., Theranostics 2020 — Übersicht REV-ERBalpha als Wirkstoffziel
- Shams Bin Shaheen et al., Case Reports in Hepatology 2026 — akutes Leberversagen nach SR9009
- Govil et al., Cureus 2025 — Leberschaden nach Stenabolic
- Van Wagoner et al., JAMA 2017 — Inhaltsstoffe von 44 als SARM verkauften Internetprodukten
- WADA — Prohibited List 2026, Abschnitt S4.4.1 (Rev-erb-alpha-Agonisten)
In der Datenbank öffnen – mit Suche, Filtern und Vergleich
Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-27.