Supplement
PQQ
Antioxidant · Pyrrolochinolinchinon
PQQ ist ein kleines Molekül, das Bakterien als Coenzym nutzen und das in Spuren in vielen Lebensmitteln steckt. Bekannt wurde es als Mitochondrien-Booster. Inzwischen gibt es mehrere kleine Humanstudien, vor allem zu Gedächtnis und Aufmerksamkeit, die in eine positive Richtung zeigen.
Kurz gesagt
PQQ, kurz für Pyrrolochinolinchinon, ist ein Redox-Coenzym, das in Zellversuchen die Bildung neuer Mitochondrien anstößt. Am Menschen liegen mindestens drei placebokontrollierte Studien mit 20 bis 21,5 mg täglich über 12 Wochen vor, die Verbesserungen in Teilbereichen von Gedächtnis und Aufmerksamkeit fanden. In der EU ist PQQ-Dinatriumsalz seit 2018 als neuartiges Lebensmittel zugelassen, mit einer Höchstmenge von 20 mg pro Tag. Der Haken: Alle Studien sind klein und kurz, an zweien waren Mitarbeitende des Herstellers beteiligt, und die Mitochondrien-Geschichte ist am Menschen nur über einen einzelnen Marker angedeutet.
Was PQQ ist
Pyrrolochinolinchinon wurde als Coenzym bakterieller Enzyme entdeckt. Es kann Elektronen aufnehmen und abgeben, also zwischen oxidierter und reduzierter Form wechseln, und das sehr oft hintereinander. Deshalb gilt es als besonders stabiles Redox-Molekül.
In Lebensmitteln kommt freies PQQ nur in Spuren vor, eine Untersuchung fand 3,7 bis 61 ng pro Gramm. Supplements liefern um Größenordnungen mehr: Die EFSA schätzt, dass 20 mg pro Tag mindestens 250-mal über der üblichen Aufnahme mit der Nahrung liegen. Verkauft wird es meist als PQQ-Dinatriumsalz, das fermentativ mit Bakterien hergestellt wird. Die EU-Zulassung geht auf einen Antrag des japanischen Herstellers Mitsubishi Gas Chemical zurück, der das Material mit dem Bakterium Hyphomicrobium denitrificans gewinnt.
Wie es wirken soll
Die Mitochondrien-Erzählung hat einen soliden Ursprung. In Leberzellen der Maus erhöhte PQQ die Zahl der Mitochondrien, die Atmung und den Gehalt an mitochondrialer DNA. Der Weg lief über die Aktivierung von CREB und PGC-1α, dem zentralen Schalter für die Neubildung von Mitochondrien. Ohne diese beiden Faktoren blieb der Effekt aus.
Am Menschen gibt es einen passenden Hinweis. In einer Studie mit 23 untrainierten Männern stieg unter 20 mg PQQ und 6 Wochen Ausdauertraining der PGC-1α-Proteingehalt stärker als unter Placebo. In einer kleinen Crossover-Studie mit 10 Personen sanken nach wenigen Tagen die Entzündungsmarker CRP und IL-6, und Urinmetaboliten verschoben sich in Richtung eines aktiveren Mitochondrienstoffwechsels. Das Bild ist aber nicht einheitlich: In menschlichen Hautzellen steigerte PQQ die Mitochondrienbildung nicht. Für das Gehirn verweisen die Studienautoren auf Rattenversuche, in denen Tiere mit PQQ im Futter besser lernten, und auf eine vermehrte Bildung des Nervenwachstumsfaktors.
Gedächtnis und Aufmerksamkeit
Die meisten Humanstudien betreffen die geistige Leistungsfähigkeit. In einer Studie mit 64 gesunden Menschen zwischen 40 und 80 Jahren verbesserten 21,5 mg täglich über 12 Wochen mehrere Bereiche eines computergestützten Tests, darunter verbales Gedächtnis, Reaktionszeit und Aufmerksamkeit. Eine zweite Studie mit 41 älteren Gesunden fand unter 20 mg einen stabileren Stroop-Test, also bessere selektive Aufmerksamkeit.
Eine dritte Studie untersuchte Erwachsene zwischen 20 und 65 Jahren. Nach 12 Wochen hatten sich zusammengesetztes und verbales Gedächtnis verbessert. Interessant ist die Altersaufteilung: Bei den Jüngeren zeigten sich Verbesserungen bei Flexibilität und Verarbeitungsgeschwindigkeit schon nach 8 Wochen, bei den Älteren betrafen sie das Gedächtnis und traten nach 12 Wochen auf.
Erfahrungsberichte
Eine dokumentierte Stimme der Anwenderinnen gibt es aus einer Hautstudie: Frauen mit trockener Haut nahmen 8 Wochen lang 20 mg täglich. Gemessen wurde ein gebremster Wasserverlust über die Haut, und in den Fragebögen beschrieben die Teilnehmerinnen einen positiven Eindruck von ihrer Haut. Solche Selbstauskünfte sind Berichte, keine Wirkungsbelege, zeigen aber, wofür sich Anwender interessieren.
Was gut belegt ist
Am besten belegt ist die Kognition bei gesunden Erwachsenen. Drei randomisierte, placebokontrollierte Studien mit reinem PQQ-Dinatriumsalz in 20 bis 21,5 mg täglich über 12 Wochen fanden Verbesserungen in Teilbereichen von Gedächtnis und Aufmerksamkeit. In der größten davon mit 58 ausgewerteten Teilnehmern traten keine unerwünschten Ereignisse auf.
Gut belegt ist auch die Sicherheit im zugelassenen Rahmen. Die EFSA leitete aus einer 90-Tage-Studie einen NOAEL von 100 mg pro Kilogramm Körpergewicht ab. Bei 20 mg pro Tag ergibt sich ein Sicherheitsabstand von 344, den die Behörde als ausreichend bewertet. Auf dieser Grundlage hat die EU das Dinatriumsalz 2018 zugelassen.
Was die Studien zeigen
64 Gesunde, 12 Wochen
Randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert, Teilnehmer von 40 bis unter 80 Jahren, 21,5 mg täglich. 58 Personen beendeten die Studie. Der primäre Endpunkt, ein computergestützter Kognitionstest, verbesserte sich in mehreren Bereichen gegenüber Placebo, dazu ein Fragebogen zur Vergesslichkeit und der Mini-Mental-Status-Test. Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.
Training und Mitochondrien
23 untrainierte Männer nahmen 20 mg PQQ oder Placebo und trainierten 6 Wochen lang Ausdauer. Beide Gruppen wurden fitter, zwischen den Gruppen gab es keinen Unterschied in der aeroben Leistung. Der Marker PGC-1α stieg nur unter PQQ signifikant. Ein biologisches Signal ohne messbaren Leistungsvorteil.
Stoffwechselsignale nach wenigen Tagen
In einer Crossover-Studie mit 10 Personen, 5 Frauen und 5 Männern, erhielten die Teilnehmer zunächst eine Einzeldosis von 0,2 mg pro Kilogramm Körpergewicht und später täglich 0,3 mg pro Kilogramm. Nach 76 Stunden täglicher Einnahme waren CRP, IL-6 und Trimethylamin-N-oxid gesunken, die üblichen Laborwerte blieben unverändert. Die Autoren sehen darin eine erste Brücke zwischen den Tierdaten und dem Menschen. Mit 10 Personen und wenigen Tagen ist das ein Pilotbefund, der eine größere Studie verdient.
Leichte kognitive Beeinträchtigung
34 ältere Menschen, im Mittel 71,9 Jahre alt, erhielten 6 Wochen eine Mischung aus wasserstoffbildenden Mineralien und PQQ oder Placebo. Der primäre Endpunkt BDNF stieg innerhalb der Gruppe, der Vergleich mit Placebo war aber nicht signifikant (p = 0,14). Die Orientierung im ADAS-Cog verbesserte sich (p = 0,03), ebenso die Sauerstoffsättigung im Gehirn von 48,4 auf 52,8 %. Weil es ein Kombinationspräparat ist, lässt sich der Anteil von PQQ nicht abgrenzen.
Wo die Daten aufhören
Alle Humanstudien sind klein und laufen höchstens 12 Wochen. Zwei der drei Kognitionsstudien haben Autoren vom Hersteller des Rohstoffs, eine unabhängige Wiederholung und eine Meta-Analyse fehlen. Die Verbesserungen betreffen einzelne Testbereiche, alltagsnahe Endpunkte wurden kaum erhoben.
Die Mitochondrien-Neubildung ist in Zellkultur und Tier gut gezeigt, am Menschen nur über den Anstieg eines Proteinmarkers, ohne Leistungsgewinn. Bei Blutfetten fand eine Studie mit 29 Erwachsenen unveränderte Triglyzeride und einen nur grenzwertig signifikanten Rückgang des LDL-Cholesterins von 136,1 auf 127,0 mg/dL. Eine Studie ohne Kontrollgruppe mit 50 Frauen fand keinen Effekt auf das Anti-Müller-Hormon als Marker der Eizellreserve. Wie PQQ beim Menschen aufgenommen und verstoffwechselt wird, ist laut EFSA nur begrenzt untersucht.
Status, Zulassung und Recht
PQQ-Dinatriumsalz ist seit dem 2. September 2018 in der EU als neuartiges Lebensmittel zugelassen, und zwar nur für Nahrungsergänzungsmittel für Erwachsene, ausgenommen Schwangere und Stillende. Die Höchstmenge liegt bei 20 mg pro Tag, und das Etikett muss auf die Zielgruppe hinweisen. Eine zugelassene gesundheitsbezogene Werbeaussage gibt es nicht. Eine Dopingrelevanz ist in der ausgewerteten Literatur nicht beschrieben.
Sicherheit
In den Humanstudien bis 12 Wochen traten keine unerwünschten Ereignisse auf, und Blut- sowie Urinwerte blieben unauffällig. Die EFSA hält 20 mg pro Tag für gesunde Erwachsene für sicher, mit einem Sicherheitsabstand von 344 zum NOAEL aus Tierversuchen. Schwangere und Stillende sind von der Zulassung ausgenommen. Langzeitdaten am Menschen fehlen, und Wechselwirkungen mit Medikamenten sind in der ausgewerteten Literatur nicht beschrieben.
BK-Score Dünne Humanevidenz
| Human-Evidenz | 4 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 4 | |
| Sicherheits-Datenlage | 4 | |
| Hype-Abstand | 3 | |
| Anwendungserfahrung | 5 |
Drei placebokontrollierte Studien mit reinem PQQ-Dinatriumsalz (J Am Nutr Assoc 2022 mit 64 Teilnehmern, Adv Exp Med Biol 2016 mit 41, Food Funct 2023) fanden mit 20 bis 21,5 mg über 12 Wochen Verbesserungen in Teilbereichen von Gedächtnis und Aufmerksamkeit; alle sind klein, zwei haben Herstellerautoren. Die 34-Personen-Studie (J Nutr Health Aging 2024) testete ein Kombinationspräparat und verfehlte den primären Endpunkt im Gruppenvergleich. Die Mitochondrien-Neubildung ist in Zellkultur belegt; am Menschen stieg unter Training nur der Marker PGC-1α, die Leistung nicht (J Am Coll Nutr 2020). Die EFSA bewertete 20 mg pro Tag als sicher (Sicherheitsabstand 344), seit 2018 ist PQQ in der EU zugelassen; Langzeitdaten am Menschen fehlen.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu PQQ
Was bringt PQQ wirklich?
Drei kleine placebokontrollierte Studien fanden über 12 Wochen Verbesserungen in Teilbereichen von Gedächtnis und Aufmerksamkeit. In der einzigen Trainingsstudie zeigte sich keine Leistungssteigerung. Die Studien sind klein, an zweien waren Mitarbeitende des Herstellers beteiligt.
Wie viel PQQ ist erlaubt?
In der EU liegt die zugelassene Höchstmenge bei 20 mg pro Tag in Nahrungsergänzungsmitteln. Die Studien haben 20 bis 21,5 mg täglich verwendet. Für Schwangere und Stillende ist PQQ nicht zugelassen.
Bildet PQQ neue Mitochondrien?
In Zellkultur und Tier ja, über den Signalweg PGC-1α. Am Menschen stieg in einer Studie dieser Marker unter Training, die Ausdauerleistung verbesserte sich aber nicht stärker als unter Placebo. Ein direkter Nachweis im menschlichen Gewebe fehlt.
Kann ich PQQ über die Ernährung aufnehmen?
PQQ steckt in vielen Lebensmitteln, aber nur in Nanogramm-Mengen. Die in Studien verwendeten Mengen liegen laut EFSA mindestens 250-mal darüber. Über die Ernährung allein kommt man also nicht in diesen Bereich.
Wann merkt man eine Wirkung von PQQ?
In den Studien wurde nach 8 und 12 Wochen gemessen, bei Jüngeren zeigten sich manche Veränderungen nach 8 Wochen. Kürzere Zeiträume sind kaum untersucht. Spürbare Sofortwirkungen sind nicht belegt.
Ist PQQ sicher?
Die EFSA hält 20 mg pro Tag für gesunde Erwachsene für sicher, und in den Studien traten keine Nebenwirkungen auf. Langzeitdaten fehlen. Schwangere und Stillende sollten es nicht nehmen.
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- Wirkt zusammen mitCoenzym Q10 (Ubiquinol)
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- Auch bei anti-aging und energieTaurin
Quellen
- Shiojima et al., J Am Nutr Assoc 2022
- Itoh et al., Adv Exp Med Biol 2016
- Tamakoshi et al., Food Funct 2023
- Hwang et al., J Am Coll Nutr 2020
- Baltic et al., J Nutr Health Aging 2024
- Harris et al., J Nutr Biochem 2013
- Chowanadisai et al., J Biol Chem 2010
- EFSA NDA Panel, EFSA Journal 2017
- Durchführungsverordnung (EU) 2018/1122
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-26.