Biohacking Kompakt

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Phenylpiracetam (Phenotropil)

Racetam mit anregender Wirkung, in Russland verschreibungspflichtig, in DE/EU nicht zugelassen · Fonturacetam, Carphedon, Phenotropil

Phenylpiracetam ist Piracetam mit einem zusätzlichen Phenylring, und dieser kleine Unterschied macht aus einem eher zurückhaltenden Nootropikum ein anregendes Mittel. In Russland ist es als Phenotropil ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, unter anderem gegen Erschöpfung und nach Hirnschäden. Russische Studien zeigen deutliche Besserungen, eine Studie gegen Placebo wurde nicht gefunden. Im Sport ist es seit 1998 verboten.

Was Phenylpiracetam ist

Phenylpiracetam, auch Fonturacetam genannt, wurde Anfang der 1980er-Jahre in der Sowjetunion als Abkömmling des Piracetams beschrieben. In Russland ist es als Phenotropil ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, inzwischen auch als Actitropil. Die russische Fachinformation nennt unter anderem Hirnfunktionsstörungen nach Gefäßerkrankungen oder Verletzungen, neurotische Zustände, Lernstörungen, Übergewicht und Alkoholabhängigkeit als Anwendungsgebiete.

In der Nootropika-Szene gilt es als das stärkste der Racetame und wird für Konzentration, Antrieb und Leistung genutzt, oft im Vergleich mit Noopept oder als Teil von Nootropika-Kombinationen. Bewertet wird hier der Wissensstand.

Wie es wirkt

Schon die Erstbeschreibung von 1983 zeigte bei Tieren eine stärkere Aktivierung als unter Piracetam, eine Gegenwirkung zur Dämpfung durch Diazepam, Schutz vor Gedächtnisverlust und eine krampfhemmende Wirkung, die Piracetam fehlt. In hohen Dosen wirkte es dagegen dämpfend.

Den wichtigsten Angriffspunkt beschrieb eine Forschungsgruppe aus Riga: Die S-Form hemmt selektiv den Dopamintransporter und erhöht so die Verfügbarkeit von Dopamin, ähnlich wie Modafinil, ohne Noradrenalin- oder Serotoninrezeptoren zu beeinflussen. Phenylpiracetam ist ein Gemisch aus zwei Spiegelbild-Formen; bei Mäusen steigerten beide die Bewegungsaktivität und wirkten antidepressiv, das Gedächtnis verbesserte nur die R-Form. Laut russischer Fachinformation wird der Wirkstoff nach Einnahme vollständig aufgenommen, die Halbwertszeit beträgt 3 bis 5 Stunden. Am Menschen gemessen ist die Wirkung am Dopamintransporter nicht.

Was gut belegt ist

  • Weniger Erschöpfung in russischen Studien. Eine Meta-Analyse aus 11 Arbeiten mit 549 Patienten fand nach einem Monat einen Rückgang der Erschöpfung auf der MFI-20-Skala um im Mittel 16,3 Punkte (95-Prozent-Konfidenzintervall 8,85 bis 23,85), dazu Besserungen bei Stimmung, Schlaf und Denkleistung (Devlikamova 2025).
  • Bessere Erholung nach Schlaganfall. Bei 400 Schlaganfallpatienten erholten sich neurologische Funktionen und Alltagsfähigkeit in der Gruppe mit Phenylpiracetam signifikant besser als in der Vergleichsgruppe (Kovalchuk 2010).
  • Ein klarer Wirkort im Tier. Die S-Form ist ein selektiver Hemmer des Dopamintransporters (Zvejniece 2017).
  • Ein reguläres Arzneimittel in Russland. Phenotropil ist dort verschreibungspflichtig zugelassen, die Registrierung wurde 2025 unbefristet erneuert.

Was die Studien zeigen

Devlikamova 2025: die Meta-Analyse bei Asthenie

Die Autoren fassten 11 russische Arbeiten mit 549 Patienten zusammen, Durchschnittsalter 45,9 Jahre. In allen Studien sank die Erschöpfung nach einem Monat deutlich, im Mittel um 16,3 Punkte auf der MFI-20-Skala, p kleiner 0,0001. Nebenwirkungen traten bei durchschnittlich 5,5 Prozent auf und verschwanden innerhalb einer Woche bei fortgesetzter Behandlung. Ausgewertet wurde die Veränderung gegenüber dem Ausgangswert, nicht der Unterschied zu einer Placebogruppe.

Kovalchuk 2010: Rehabilitation nach Schlaganfall

400 Patienten mit ischämischem Schlaganfall wurden ein Jahr lang begleitet; 200 erhielten in der Rehabilitation zusätzlich drei Behandlungskurse mit Phenylpiracetam. Auf mehreren Skalen für neurologische Funktion und Alltagsfähigkeit erholte sich diese Gruppe signifikant besser, p kleiner 0,0001. Ob die Gruppen zufällig zugeteilt und die Bewertungen verblindet waren, geht aus der Zusammenfassung nicht hervor.

Zvejniece 2011 und 2017: zwei Spiegelbild-Formen

Die Forschungsgruppe trennte die beiden Formen und prüfte sie bei Mäusen und Ratten. Beide steigerten die Bewegungsaktivität und wirkten im Schwimmtest antidepressiv, die gedächtnisfördernde Wirkung zeigte nur die R-Form, obwohl beide gleich gut ins Gehirn gelangten. Die S-Form hemmte selektiv den Dopamintransporter und verringerte bei übergewichtigen Ratten und Mäusen über 8 bis 12 Wochen Gewichtszunahme, Fettmasse, Blutzucker und Leptin, ohne die Tiere unruhiger zu machen.

Wo die Daten aufhören

  • Kein Vergleich mit Placebo. Eine placebokontrollierte, verblindete Studie wurde nicht gefunden. Die Meta-Analyse wertet Vorher-nachher-Veränderungen aus, bei denen Zeit, Zuwendung und Erwartung mitwirken.
  • Gesunde Menschen. Für Konzentration, Gedächtnis oder Leistung bei Gesunden gibt es keine kontrollierten Studien. Die Daten betreffen Patienten mit Erschöpfung oder nach Hirnschäden.
  • Abhängigkeit und Langzeit. Phenylpiracetam hemmt den Dopamintransporter wie ein Stimulans. Wie häufig Gewöhnung oder Missbrauch vorkommen, wurde nicht untersucht.
  • Ware außerhalb Russlands. Europäische Arzneimittelprüflabore stellten Phenylpiracetam in großen Rohstoffmengen sicher; was online verkauft wird, ist kein geprüftes Arzneimittel (Vanhee 2025). Mehr dazu unter Graumarkt.

Status, Zulassung und Recht

In Russland ist Phenylpiracetam als Phenotropil ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. In Deutschland und der EU ist es nicht zugelassen, weder als Arzneimittel noch als Nahrungsergänzungsmittel; europäische Arzneimittelprüflabore stellten es dennoch sicher, auch in großen Rohstoffmengen. Es steht weder im Betäubungsmittelgesetz noch in der Arzneimittelverschreibungsverordnung. Eine behördliche Einordnung nach dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz, das ganze Stoffgruppen erfasst, wurde nicht gefunden.

Im Sport war Fonturacetam 1998 das erste verbotene Nootropikum. Heute steht es auf der WADA-Verbotsliste 2026 als nicht-spezifisches Stimulans (S6.A) und ist im Wettkampf verboten. Das deutsche Anti-Doping-Gesetz verbietet deshalb Herstellung, Handel, Abgabe und Verschreibung zu Dopingzwecken im Sport; in der Anlage des Gesetzes, die Erwerb und Besitz nicht geringer Mengen verbietet, steht es nicht.

Sicherheit

In den russischen Studien zur Erschöpfung traten Nebenwirkungen bei durchschnittlich 5,5 Prozent auf und gingen innerhalb einer Woche zurück. Die russische Fachinformation nennt Schlaflosigkeit, vor allem bei Einnahme am Nachmittag, psychomotorische Unruhe sowie in den ersten Tagen Blutdruckanstieg, Hautrötung und Wärmegefühl. Gegenanzeigen sind ein Alter unter 18 Jahren, Schwangerschaft und Stillzeit.

Daten zur Anwendung über Monate, zu Wechselwirkungen mit anderen anregenden Mitteln und zur Abhängigkeit fehlen. Für Menschen mit Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist der in der Fachinformation genannte Blutdruckanstieg besonders relevant.

BK-Score Lange angewendet, kaum untersucht

Human-Evidenz3
Mechanismus4
Sicherheits-Datenlage3
Hype-Abstand3
Anwendungserfahrung6

Evidenz 3, weil die klinischen Daten aus Russland stammen und keine placebokontrollierte Studie gefunden wurde: Eine Meta-Analyse aus 11 Arbeiten mit 549 Patienten mit Asthenie zeigt einen Rückgang der Erschöpfung um 16,3 Punkte gegenüber dem Ausgangswert (Devlikamova 2025), eine Studie mit 400 Schlaganfallpatienten eine bessere Erholung als in der Vergleichsgruppe (Kovalchuk 2010); für Gesunde gibt es keine Daten. Mechanismus 4, weil die selektive Hemmung des Dopamintransporters durch die S-Form (Zvejniece 2017) und die unterschiedlichen Wirkungen beider Spiegelbild-Formen im Tier (Zvejniece 2011) beschrieben sind, am Menschen aber nicht gemessen. Sicherheit 3, weil Nebenwirkungen nur aus kurzen russischen Studien (im Mittel 5,5 %) und der russischen Fachinformation bekannt sind, ohne Langzeit-, Abhängigkeits- oder Pharmakovigilanzdaten außerhalb Russlands; die Achse bewertet die Datenlage, nicht die Gefahr. Hype 3, weil Phenylpiracetam als besonders starkes Racetam für Konzentration und Leistung gehandelt wird, die Daten aber Patienten mit Erschöpfung und nach Hirnschäden betreffen. Anwendung 6, weil Phenotropil in Russland seit Jahren als verschreibungspflichtiges Arzneimittel verordnet wird und der Stoff seit 1998 als Dopingmittel bekannt ist. Richtung offen, weil die positiven russischen Befunde nie unabhängig und gegen Placebo geprüft wurden.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
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Häufige Fragen zu Phenylpiracetam (Phenotropil)

Was ist Phenylpiracetam?

Ein Abkömmling von Piracetam mit einem zusätzlichen Phenylring, auch Fonturacetam genannt. In Russland ist es als Phenotropil ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Es wirkt deutlich anregender als Piracetam; die S-Form hemmt im Tier den Dopamintransporter.

Wirkt Phenylpiracetam besser als Piracetam?

Im Tier wirkt es stärker aktivierend und zusätzlich krampfhemmend. Eine Studie, die beide Mittel am Menschen direkt vergleicht, wurde nicht gefunden. Die klinischen Daten zu Phenylpiracetam stammen aus russischen Studien bei Erschöpfung und nach Schlaganfall.

Hilft Phenylpiracetam Gesunden bei Konzentration?

Das ist nicht untersucht. Die Studien betreffen Patienten mit Erschöpfungszuständen oder nach Hirnschäden. Kontrollierte Studien an Gesunden zu Konzentration, Gedächtnis oder Leistung gibt es nicht.

Ist Phenylpiracetam im Sport verboten?

Ja. Als Fonturacetam steht es auf der WADA-Verbotsliste 2026 unter den nicht-spezifischen Stimulanzien (S6.A) und ist im Wettkampf verboten. Es war 1998 das erste Nootropikum, das verboten wurde.

Welche Nebenwirkungen hat Phenylpiracetam?

Die russische Fachinformation nennt Schlaflosigkeit, psychomotorische Unruhe sowie in den ersten Tagen Blutdruckanstieg, Hautrötung und Wärmegefühl. In den Studien zur Erschöpfung traten Nebenwirkungen bei durchschnittlich 5,5 Prozent auf. Langzeitdaten und Daten zur Abhängigkeit fehlen.

Ist Phenylpiracetam in Deutschland legal?

Es ist in Deutschland weder als Arzneimittel noch als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen und steht nicht im Betäubungsmittelgesetz. Herstellung, Handel und Abgabe zu Dopingzwecken im Sport verbietet das Anti-Doping-Gesetz.

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-07.