Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

Bromantan (Ladasten)

Adamantan-Abkömmling, in Russland verschreibungspflichtig, in DE/EU nicht zugelassen · Ladasten, Bromantane

Bromantan stammt aus der russischen Forschung an sogenannten Aktoprotektoren, Stoffen, die körperliche und geistige Belastbarkeit erhöhen sollen. In Russland ist es als Ladasten ein verschreibungspflichtiges Mittel gegen Erschöpfungszustände. International bekannt wurde es 1996 als Dopingfall bei den Olympischen Spielen in Atlanta. Russische Studien zeigen weniger Erschöpfung als unter Placebo; unabhängige Daten fehlen.

Was Bromantan ist

Bromantan ist ein kleines synthetisches Molekül aus der Familie der Adamantane, zu der auch das Parkinsonmittel Amantadin und das Demenzmittel Memantin gehören. Russische Pharmakologen ordnen es den Aktoprotektoren zu, einer in der sowjetischen und russischen Forschung entwickelten Stoffklasse, die Leistungsfähigkeit unter Belastung erhalten soll, ohne Sauerstoffverbrauch und Wärmebildung zu steigern.

In Russland ist es als Ladasten ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel gegen Asthenie, also krankhafte Erschöpfung nach Krankheiten und Infekten, und gegen Neurasthenie. In der Nootropika-Szene wird es als Mittel für Antrieb und Stimmung gehandelt, oft neben Modafinil oder in Nootropika-Kombinationen. Bewertet wird hier der Wissensstand.

Wie es wirkt

Bromantan soll vor allem die Bildung von Dopamin anregen. Bei Ratten erhöhte eine Einzelgabe die Ablesung und Menge der Tyrosinhydroxylase, des Schlüsselenzyms der Dopaminsynthese, und den Gehalt an Dopamin und seiner Vorstufe L-DOPA in mehreren Hirnregionen. In Hirnschnitten verwandelte Bromantan eine kurzfristige synaptische Verstärkung in eine dauerhafte, abhängig von Eiweißneubildung und von Dopamin-D1/D5-Rezeptoren (Mikhaylova 2007).

Klinisch beschreiben russische Studien eine Mischung aus anregender und angstlösender Wirkung, die für Stimulanzien ungewöhnlich ist. Am Menschen gemessen ist keiner der Mechanismen.

Was gut belegt ist

  • Eine Studie gegen Placebo. In einer randomisierten, verblindeten Studie bei Neurasthenie besserten sich die Kernsymptome der Erschöpfung unter Ladasten über 28 Tage schneller und stärker als unter Placebo. Nach dem Absetzen trat kein Entzugssyndrom auf (Neznamov 2009).
  • Breite Anwendung in Russland. In einer Multicenterstudie an 28 russischen Zentren mit 728 auswertbaren Patienten sprachen je nach Skala 76,0 bis 90,8 Prozent an. Nebenwirkungen traten bei 3 Prozent auf, abgebrochen wurde bei 0,8 Prozent (Voznesenskaia 2010).
  • Ein zugelassenes Arzneimittel. In Russland wird Ladasten auf Rezept gegen Asthenie und Neurasthenie verordnet.

Was die Studien zeigen

Neznamov 2009: die Placebostudie

Patienten mit Neurasthenie erhielten nach einer Auswaschphase 28 Tage lang verblindet Ladasten oder Placebo, danach eine Woche Placebo. Ladasten senkte die Hauptsymptome der Erschöpfung schneller und stärker als Placebo; nach dem Wechsel auf Placebo traten keine Entzugszeichen auf, was die Autoren als fehlendes Abhängigkeitspotenzial deuten. Die Arbeit ist nur auf Russisch erschienen, die Zusammenfassung nennt weder Teilnehmerzahl noch Effektgrößen.

Voznesenskaia 2010: 728 Patienten an 28 Zentren

Patienten mit Erschöpfung im Rahmen eines psychovegetativen Syndroms wurden 28 Tage behandelt und bis einen Monat danach beobachtet. Die Wirkung setzte am dritten Tag ein und hielt nach dem Absetzen an; neben der Erschöpfung besserten sich Angst, Schlaf und Lebensqualität. Eine Kontrollgruppe gab es nicht, ein Teil der Besserung kann also auch auf Zeit und Erwartung zurückgehen.

Atlanta 1996: der Dopingfall

Bei den Olympischen Spielen 1996 wurde Bromantan bei russischen Athleten gefunden, darunter der Schwimmer Andrei Korneev und der Ringer Gouliev. Das IOC schloss sie aus, das Internationale Sportschiedsgericht hob die Entscheidung am 04.08.1996 auf: Die vorgelegten Daten reichten nicht, um Bromantan als Stimulans einzustufen. Das Gericht hielt es aber für wahrscheinlich ein Stimulans und forderte das russische Olympische Komitee auf, den Einsatz zu beenden. Heute steht Bromantan ausdrücklich auf der Verbotsliste.

Wo die Daten aufhören

  • Unabhängige Bestätigung. Alle klinischen Studien stammen aus Russland. Die einzige Placebostudie ist nur in einer knappen russischen Zusammenfassung zugänglich, ohne Teilnehmerzahl und Effektgröße.
  • Gesunde Menschen. Für Konzentration, Stimmung oder Ausdauer bei Gesunden gibt es keine kontrollierten Humanstudien. Die Daten betreffen Patienten mit krankhafter Erschöpfung.
  • Langzeit. Die Behandlung in den Studien dauerte vier Wochen. Über längere Einnahme, Gewöhnung und Absetzen darüber hinaus ist nichts bekannt.
  • Ware außerhalb Russlands. Was online als Bromantan verkauft wird, ist kein geprüftes Arzneimittel. Mehr dazu unter Graumarkt.

Status, Zulassung und Recht

In Russland ist Bromantan als Ladasten ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. In Deutschland und der EU ist es nicht zugelassen, weder als Arzneimittel noch als Nahrungsergänzungsmittel. Es steht weder im Betäubungsmittelgesetz noch in der Arzneimittelverschreibungsverordnung.

Im Sport ist Bromantan nach der WADA-Verbotsliste 2026 als nicht-spezifisches Stimulans (S6.A) im Wettkampf verboten. Das deutsche Anti-Doping-Gesetz verbietet deshalb Herstellung, Handel, Abgabe und Verschreibung zu Dopingzwecken im Sport. In der Anlage des Gesetzes, die Erwerb und Besitz nicht geringer Mengen verbietet, steht Bromantan nicht.

Sicherheit

In der großen russischen Studie traten Nebenwirkungen bei 3 Prozent der Patienten auf, schwere gar nicht. Die russische Gebrauchsinformation nennt Überaktivierung und Einschlafstörungen, die laut Gebrauchsinformation meist kein Absetzen erfordern, sowie allergische Reaktionen. Gegenanzeigen sind Schwangerschaft, Stillzeit und ein Alter unter 18 Jahren. Die Halbwertszeit liegt laut Gebrauchsinformation bei rund 11 Stunden.

Daten über vier Wochen hinaus, zu Wechselwirkungen mit anderen anregenden Mitteln und eine Arzneimittelüberwachung außerhalb Russlands fehlen.

BK-Score Experimentell

Human-Evidenz3
Mechanismus4
Sicherheits-Datenlage3
Hype-Abstand4
Anwendungserfahrung5

Evidenz 3, weil am Menschen fast nur russische Studien an Patienten mit Erschöpfungszuständen vorliegen – eine randomisierte, verblindete Studie gegen Placebo bei Neurasthenie über 28 Tage (Neznamov 2009) und eine offene Multicenterstudie mit 728 Patienten ohne Kontrollgruppe (Voznesenskaia 2010) –, ohne unabhängige Bestätigung und ohne Studien an Gesunden. Mechanismus 4, weil die Steigerung der Dopaminsynthese über die Tyrosinhydroxylase und die dopaminabhängige Verstärkung der synaptischen Plastizität im Tier und in Hirnschnitten beschrieben sind (Mikhaylova 2007), am Menschen aber nicht gemessen. Sicherheit 3, weil die Verträglichkeit nur über vier Wochen in russischen Studien erfasst ist (Nebenwirkungen bei 3 %, Voznesenskaia 2010) und es keine Langzeit- oder Pharmakovigilanzdaten außerhalb Russlands gibt; die Achse bewertet die Datenlage, nicht die Gefahr. Hype 4, weil Bromantan als nebenwirkungsarmer Dopamin-Booster für Fokus und Ausdauer gehandelt wird, während die Daten Patienten mit Asthenie betreffen; der Abstand ist deutlich, die Kernaussage gegen Erschöpfung ist aber in Studien gestützt. Anwendung 5, weil Ladasten in Russland als verschreibungspflichtiges Arzneimittel verordnet wird und der Stoff schon in den 1990er-Jahren im russischen Spitzensport auftauchte, außerhalb Russlands aber nur im Graumarkt zirkuliert. Richtung offen, weil positive russische Patientendaten keiner unabhängigen Prüfung gegenüberstehen.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Bromantan (Ladasten)

Was ist Bromantan?

Ein Adamantan-Abkömmling aus der russischen Forschung an Aktoprotektoren, Stoffen, die die Belastbarkeit erhöhen sollen. In Russland ist es als Ladasten ein verschreibungspflichtiges Mittel gegen Erschöpfungszustände. Im Tier steigert es die Bildung von Dopamin.

Wirkt Bromantan gegen Erschöpfung?

In russischen Studien ja: In einer verblindeten Studie bei Neurasthenie besserte sich die Erschöpfung schneller und stärker als unter Placebo, in einer offenen Studie mit 728 Patienten sprachen 76 bis 91 Prozent an. Unabhängige Studien außerhalb Russlands gibt es nicht.

Hilft Bromantan Gesunden bei Konzentration oder Ausdauer?

Das ist nicht untersucht. Die Studien betreffen Patienten mit krankhafter Erschöpfung. Kontrollierte Studien an Gesunden zu Konzentration, Stimmung oder sportlicher Leistung gibt es nicht.

Warum ist Bromantan im Sport verboten?

Es steht auf der WADA-Verbotsliste 2026 als nicht-spezifisches Stimulans (S6.A) und ist im Wettkampf verboten. Bekannt wurde es 1996 in Atlanta, wo es bei russischen Athleten gefunden wurde; das Sportschiedsgericht hob die Ausschlüsse damals auf, weil die Stimulanzwirkung noch nicht ausreichend belegt war.

Ist Bromantan in Deutschland legal?

Bromantan ist in Deutschland nicht zugelassen, weder als Arzneimittel noch als Nahrungsergänzungsmittel, und steht nicht im Betäubungsmittelgesetz. Nach dem Anti-Doping-Gesetz sind Herstellung, Handel und Abgabe zu Dopingzwecken im Sport verboten.

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-07.