Bioregulator
Ovagen
Tripeptid, als Leber-Bioregulator vermarktet · EDL · Glu-Asp-Leu · T-35
Ovagen ist das Kurzpeptid EDL aus der Bioregulator-Reihe von Vladimir Khavinson: drei Aminosäuren, Glutaminsäure, Asparaginsäure, Leucin. Verkauft wird es als Leber-Peptid. Der Name klingt nach Eierstock, das Patent beschreibt Lebergewebe, und die begutachtete Literatur handelt überwiegend von der Niere der Ratte. Am Menschen gibt es genau eine Anwendung, und die steht als Beispiel im Patent der Entwickler.
Kurz gesagt
Ovagen gehört zu den Cytogenen, den synthetischen Kurzpeptiden der St. Petersburger Schule. Im Patent von 2006 ist es das Peptid für die Leberregeneration: Leberexplantate wuchsen stärker, nach Teilentfernung der Leber teilten sich bei Ratten doppelt so viele Zellen, und im Vergiftungsmodell normalisierten sich Leberwerte. In Fachzeitschriften erschienen ist dagegen vor allem Nierenforschung: In mehreren Rattenmodellen für akutes Nierenversagen stützte EDL Harnmenge, Harnstoffwerte und die antioxidativen Enzyme. Die einzige Anwendung am Menschen ist ein Patentbeispiel mit 34 Hepatitis-Patienten gegen 15 Kontrollen, ohne beschriebene Randomisierung oder Verblindung und nie begutachtet. Zwei Verwechslungen sind verbreitet: mit dem Leber-Tetrapeptid Livagen und mit Präparaten für Eierstöcke, mit denen Ovagen nichts zu tun hat.
Was es ist
Die Grundidee der Khavinson-Schule: Aus Organextrakten junger Tiere werden kurze Peptidbruchstücke identifiziert, die das jeweilige Gewebe steuern sollen, und dann chemisch nachgebaut. Für die Leber ist das im Patent von 2006 die Folge Glutaminsäure, Asparaginsäure, Leucin, kurz EDL, mit dem Handelsnamen Ovagen. Die Erfinder sind Khavinson, Grigoriev, Malinin und Ryzhak, die Priorität datiert auf den 30. Mai 2006.
In Übersichten der Gruppe wird EDL zusammen mit anderen Kurzpeptiden geführt und dort mit zwei Zuständigkeiten beschrieben: Regulation von Nierenzellen und Leberschutz. Diese Doppelrolle ist für die Einordnung wichtig, denn sie zeigt, dass die beworbene Gewebespezifität auch hier nicht scharf ist.
Zwei Verwechslungen sind verbreitet. Erstens mit Livagen, dem Tetrapeptid KEDA, das ebenfalls als Leberpeptid verkauft wird und eine eigene Datenlage hat. Zweitens mit Präparaten für Eierstöcke oder Hormone: Der Name Ovagen legt das nahe, eine Untersuchung dazu existiert nicht.
Wie es wirken soll
Nach der Hypothese der Schule gelangen ultrakurze Peptide in den Zellkern, binden an DNA und Histone und verändern so die Ablesung von Genen. Für EDL ist dieser Weg in Zellkultur nachgezeichnet: In alternden Nierenzellkulturen senkten EDL und das Schwesterpeptid AED die Alterungsmarker p16, p21 und p53, steigerten SIRT-6 und die Zellteilung. Ein Rechenmodell ordnet die Bindung beider Peptide der kleinen Furche AT-reicher DNA-Abschnitte zu.
Eine zweite Arbeit derselben Gruppe trennt die Rollen deutlicher: In alternden Nierenzellen trieb AED die Zellerneuerung an, während das eigentliche Ziel von EDL die Gelatinase MMP-14 war, ein Enzym des Gewebeumbaus. Für ein Peptid, das als Leber-Bioregulator verkauft wird, ist das ein ungewöhnlicher Befundkern.
Wie das geschluckte Peptid in Leber oder Niere ankommen soll, ist nicht gemessen, sondern modelliert: Eine Arbeit von 2022 berechnet, wie gut ultrakurze Peptide, Ovagen darunter, an die Transporter der POT- und LAT-Familien binden könnten. Das ist eine Plausibilitätsrechnung, kein Nachweis der Aufnahme am Menschen.
Was gut belegt ist
Am solidesten ist die Nierenforschung, weil sie in Fachzeitschriften begutachtet erschien und mehrere unterschiedliche Schadensmodelle umfasst. In Rattenmodellen für akutes Nierenversagen durch das Antibiotikum Gentamicin, durch einen Durchblutungsstopp mit Wiedereinsetzen der Blutversorgung und durch das Krebsmittel Cisplatin verhinderte EDL den Abfall der Harnmenge und den Anstieg der Stickstoffwerte im Blut, senkte die Eiweißausscheidung und hielt die Aktivität der antioxidativen Enzyme aufrecht. In einer Arbeit wird die Wirkung als stärker beschrieben als die der Vergleichspeptide.
Dazu kommen die Leberbefunde aus dem Patent: Leberexplantate von 27 Wistar-Ratten wuchsen bei 10 Nanogramm pro Milliliter um 28 Prozent stärker als die Kontrollen, nach Entfernung von zwei Dritteln der Leber zeigten 18 Ratten nach 96 Stunden doppelt so viele Zellteilungen und 75 Prozent mehr teilungsaktive Zellen, und im Zirrhose-Modell mit Tetrachlorkohlenstoff an 45 Ratten normalisierten sich Bilirubin, ALT und AST. Diese Daten sind konsistent, stammen aber alle aus der Patentschrift der Entwickler und sind nicht begutachtet.
Was die Studien zeigen
Das Patentbeispiel mit 34 Hepatitis-Patienten
Die einzige Anwendung am Menschen beschreibt das Patent WO2007139430: 34 Patienten mit chronischer Hepatitis im Alter von 30 bis 56 Jahren erhielten über zehn Tage Injektionen, eine Kontrollgruppe von 15 Patienten die herkömmliche Behandlung. 89 Prozent der Behandelten berichteten über weniger Erschöpfung, besseren Appetit und mehr Leistungsfähigkeit, 53 Prozent über deutlich weniger Schmerzen; Bilirubin und ALT normalisierten sich. Randomisierung und Verblindung sind nicht beschrieben, Einzelwerte der Kontrollgruppe stehen im Text nicht, und veröffentlicht wurde das Ergebnis nie in einer Fachzeitschrift. In ClinicalTrials.gov findet sich kein Eintrag.
Akutes Nierenversagen bei Ratten (2015 und 2017)
Zamorskii und Kollegen, mit Khavinson als Ko-Autor, prüften EDL an Ratten mit Cisplatin-bedingtem Nierenversagen: Harnmenge, Kreatinin im Urin, Filtrationsleistung und Natriumrückresorption normalisierten sich, die Eiweißausscheidung sank. 2017 folgten Modelle mit Gentamicin und mit Durchblutungsstopp, in denen das Peptid die kritische Minderung der antioxidativen Enzyme verhinderte und den Energiehaushalt der Nierenzellen stützte.
Nieren alter Ratten (2018)
In alten Ratten erhöhten der Nieren-Polypeptidkomplex sowie die Peptide AED und EDL die Harnmenge um das 1,2- bis 1,4-Fache, EDL die Natriumausscheidung um das 1,6-Fache. In der Niere stiegen die antioxidativen Enzyme, die Fettoxidation sank, und die Gewebeuntersuchung zeigte keine Hinweise auf Nierenschäden.
Alternde Nierenzellen in Kultur (2014)
In primären Nierenzellkulturen senkten AED und EDL die Alterungsmarker p16, p21 und p53 und steigerten SIRT-6 und die Zellteilung. In der zweiten Arbeit war MMP-14 das Ziel von EDL, während der Polypeptidkomplex und AED die Zellerneuerung antrieben. Beide Arbeiten sind Zellversuche und sagen nichts über die Wirkung einer geschluckten Kapsel aus.
Wo die Daten aufhören
Es gibt keine randomisierte, verblindete oder placebokontrollierte Studie am Menschen, keine begutachtete Patientenarbeit und keinen Registereintrag. Die eine Patientenanwendung lief per Injektion; ob das Peptid als Kapsel überhaupt in Leber oder Niere ankommt, ist nicht gemessen, sondern nur am Rechner abgeschätzt.
Inhaltlich klafft eine Lücke zwischen Verkauf und Literatur. Beworben wird die Leber, begutachtet erschienen ist die Rattenniere; die Leberdaten stehen im Patent der Erfinder. Die häufigen Anliegen – Fettleber, erhöhte Leberwerte nach Alkohol, Leberfibrose – sind nie gezielt untersucht, und auch die Chromatin- und Markerbefunde stammen aus Nierenzellen, nicht aus Leberzellen.
Schließlich ist die Datenlage auf eine Forschungslinie beschränkt: St. Petersburg und eine Gruppe in Czernowitz, mit Khavinson als Ko-Autor. Das spricht nicht gegen die Befunde, macht aber eine unabhängige Wiederholung zur offenen Aufgabe – ähnlich wie bei Cartalax und Crystagen, deren Humanbelege ebenfalls nur in Patentschriften stehen.
Status, Zulassung und Recht
Ovagen ist in Deutschland und der EU kein zugelassenes Arzneimittel. Als Nahrungsergänzung bräuchte es eine Genehmigung nach der Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283, die nicht vorliegt. Patentiert ist das Peptid als Mittel zur Anregung der Leberregeneration (RU 2297239 und WO2007139430, Priorität 30.05.2006). Eine Arzneimittelzulassung in Russland ließ sich nicht nachweisen; verkauft wird es als Kapselpräparat oder Forschungspeptid über Online-Händler.
Im Sport gilt die Gruppe S0 der Welt-Anti-Doping-Agentur: Namentlich steht Ovagen nicht auf der Verbotsliste 2026, fällt aber als nicht zugelassene Substanz darunter und ist damit jederzeit verboten.
Sicherheit
Systematische Sicherheitsdaten am Menschen gibt es nicht. Die Toxikologie stammt aus der Patentschrift: eine einmalige Gabe an 66 Mäusen ohne beobachtete Reaktionen, 90 Tage tägliche Gabe an 55 Ratten und sechs Monate an 88 Meerschweinchen, jeweils ohne auffällige Organ- und Blutbefunde. Dazu kommt die zehntägige Anwendung bei den 34 Patienten des Patentbeispiels, aus der keine Nebenwirkungen berichtet werden – was bei dieser Berichtsform wenig heißt.
Was fehlt, ist Pharmakokinetik am Menschen, Information über Wechselwirkungen und jede Langzeitbeobachtung. Erhöhte Leberwerte, eine Fettleber, eine Hepatitis oder eine Nierenerkrankung gehören in ärztliche Abklärung und Behandlung; ein Peptid aus dem Graumarkt ersetzt keine Diagnose, und bei Research-Ware sind Gehalt und Reinheit ungeprüft.
BK-Score Hype weit vor Evidenz
| Human-Evidenz | 2 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 3 | |
| Sicherheits-Datenlage | 2 | |
| Hype-Abstand | 2 | |
| Anwendungserfahrung | 3 |
Evidenz 2, weil die einzige Anwendung am Menschen ein Beispiel in der Patentschrift der Entwickler ist: 34 Patienten mit chronischer Hepatitis zwischen 30 und 56 Jahren gegen 15 Kontrollen mit herkömmlicher Behandlung, 10 Tage Injektionen, 89 Prozent mit weniger Erschöpfung und 53 Prozent mit deutlich weniger Schmerzen sowie normalisiertem Bilirubin und ALT – ohne beschriebene Randomisierung oder Verblindung, nicht begutachtet und ohne veröffentlichte Einzelwerte der Kontrollgruppe; ClinicalTrials.gov führt keinen Eintrag. Tragend ist stattdessen Tierarbeit, und zwar in zwei Richtungen: Leberexplantate mit 28 Prozent mehr Wachstumsfläche und nach Teilentfernung der Leber doppelt so viele Zellteilungen (Patent), dazu begutachtete Nierenstudien an Ratten, in denen EDL bei Gentamicin-, Ischämie- und Cisplatin-Schäden Harnmenge, Harnstoff und Eiweißausscheidung stützte (Zamorskii et al. 2015, 2017, 2018). Mechanismus 3, weil die epigenetische Wirkkette der Khavinson-Schule in Zellkultur plausibel gemacht ist – in alternden Nierenzellen sanken p16, p21 und p53, SIRT-6 stieg, MMP-14 gilt als Ziel von EDL –, am Menschen aber nicht bestätigt und nicht gewebespezifisch ist; die Aufnahme nach dem Schlucken ist nur per Computermodell über PEPT- und LAT-Transporter betrachtet. Sicherheit 2, weil nur Tiertoxikologie aus der Patentschrift vorliegt (66 Mäuse einmalig, 55 Ratten über 90 Tage, 88 Meerschweinchen über 6 Monate) und eine 10-tägige Patientenanwendung, ohne Pharmakokinetik am Menschen. Hype 2, weil der Verkauf als Leber-Bioregulator auf einem unveröffentlichten Patentbeispiel ruht, während die begutachtete Literatur vor allem die Rattenniere betrifft und der Name eine Wirkung auf Eierstöcke suggeriert, die nirgends untersucht ist. Anwendung 3, weil das Peptid außerhalb Russlands nur als Research-Ware zirkuliert. Vergleichbar eingeordnet: Livagen (2/3/1/2/3), Cartalax (2/3/1/2/3) und Crystagen (2/3/2/3/3) – alle drei mit Patentbeispiel als einziger Humanquelle.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Ovagen
Was ist Ovagen?
Ovagen ist der Handelsname des synthetischen Tripeptids EDL (Glu-Asp-Leu) aus der Bioregulator-Reihe von Vladimir Khavinson. Patentiert ist es als Peptid zur Anregung der Leberregeneration, in Fachzeitschriften erschienen ist vor allem Nierenforschung an Ratten.
Hat Ovagen etwas mit Eierstöcken zu tun?
Nein. Der Name legt das nahe, aber weder das Patent noch die Fachliteratur befassen sich mit Eierstöcken, Zyklus oder Hormonen. Beschrieben sind Leber- und Nierengewebe.
Gibt es Studien zu Ovagen am Menschen?
Nur eine, und sie steht als Beispiel in der Patentschrift: 34 Patienten mit chronischer Hepatitis gegen 15 Kontrollen, zehn Tage Injektionen, mit berichteter Besserung von Beschwerden, Bilirubin und ALT. Randomisierung und Verblindung sind nicht beschrieben, begutachtet wurde das nie, und in ClinicalTrials.gov gibt es keinen Eintrag.
Was ist der Unterschied zwischen Ovagen und Livagen?
Ovagen ist das Tripeptid EDL, Livagen das Tetrapeptid KEDA (Lys-Glu-Asp-Ala). Beide werden als Leber-Peptide verkauft, haben aber unterschiedliche Patente und unterschiedliche Datenlagen; verwechselt werden sie in Shops häufig.
Hilft Ovagen bei einer Fettleber oder erhöhten Leberwerten?
Dazu gibt es keine Untersuchung. Die Leberdaten stammen aus Rattenmodellen der Patentschrift, die Patientenanwendung betraf chronische Hepatitis. Erhöhte Leberwerte gehören in ärztliche Abklärung.
Ist Ovagen in Deutschland legal?
Es ist weder als Arzneimittel zugelassen noch als neuartiges Lebensmittel genehmigt und wird als Kapselpräparat oder Forschungspeptid online verkauft. Für Sportler gilt es als nicht zugelassene Substanz der Gruppe S0 und ist jederzeit verboten.
Ähnliche Themen
Quellen
- Khavinson et al., Patent WO2007139430 – H-Glu-Asp-Leu-OH für die Leberregeneration: Organkultur, Tiermodelle, Toxikologie, Patientenbeispiel
- Zamorskii et al., Bull Exp Biol Med 2017 – nierenschützende Wirkung von EDL bei akutem Nierenschaden
- Zamorskii et al., Bull Exp Biol Med 2015 – Peptide bei Cisplatin-bedingtem akutem Nierenversagen
- Zamorskii et al., Adv Gerontol 2018 – Peptide und die Nierenfunktion alter Ratten (russisch)
- Khavinson et al., Adv Gerontol 2014 – AED und EDL bremsen die Alterung in Nierenzellkulturen (russisch)
- Khavinson et al., Bull Exp Biol Med 2014 – Signalmoleküle in alternden Nierenzellkulturen, MMP-14 als Ziel von EDL
- Khavinson et al., Molecules 2021 – Peptide und Genexpression: EDL (Ovagen) als Nieren- und Leberpeptid (Übersicht)
- Khavinson et al., Int J Mol Sci 2022 – Transport ultrakurzer Peptide über POT- und LAT-Träger (Ovagen gelistet)
- ClinicalTrials.gov – Suche nach Ovagen ohne eingetragene Studie
- NADA – Verbotsliste 2026, informatorische Übersetzung (Gruppe S0)
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.