Biohacking Kompakt

Bioregulator

Cartalax

Tripeptid, Knorpel-/Gelenk-Bioregulator (synthetisch) · AED · Ala-Glu-Asp · T-31 · Kartalax · Knorpel-Cytogen (synthetisches Gegenstück zum Sigumir-Komplex)

Cartalax ist das Knorpel- und Gelenkpeptid der Khavinson-Schule: drei Aminosäuren, Ala-Glu-Asp, kurz AED. In gealterten menschlichen Stammzellen und Knorpelzellen aktiviert es Gene des Knorpelaufbaus und dämpft Alterungssignale. Am Menschen gibt es einen einzigen klinischen Bericht, und der steht in einem Patent.

Kurz gesagt

Cartalax ist ein synthetisches Tripeptid aus der St. Petersburger Bioregulator-Forschung, patentiert als Mittel, das den Stoffwechsel von Knochen und Knorpel normalisieren soll. Zellkulturen zeigen, dass AED in gealterten menschlichen Stammzellen die Knorpelmarker SOX9, Aggrecan und Kollagen Typ II anschaltet und in Knorpelzellen den typischen Alterungsphänotyp zurückdrängt. Im Patent berichten die Entwickler von 29 Arthrose-Patienten, bei denen sich Schmerz und Beweglichkeit in 54,5 bis 62,7 Prozent der Fälle besserten. Der Haken: Das ist eine kleine, nicht begutachtete Studie mit gespritztem Peptid, ohne veröffentlichtes Ergebnis der Kontrollgruppe, während im Handel Kapseln angeboten werden.

Was es ist

Cartalax gehört zu den Cytogenen, den kurzen synthetischen Peptiden der Khavinson-Schule. In der Fachliteratur heißt es meist nur AED oder mit dem Laborcode T-31. Das Patent von 2007 beschreibt es als Peptid, das den Stoffwechsel in Knochen- und Knorpelgewebe normalisiert und bei degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen eingesetzt werden soll.

Abzugrenzen ist Cartalax von Sigumir. Sigumir ist ein Polypeptidkomplex aus Knorpel und Knochen junger Tiere, also ein Extrakt mit vielen Bestandteilen. Cartalax ist ein einzelnes, exakt definiertes Molekül. Die Verbindung zwischen beiden: Nach Angaben der Entwicklergruppe ist AED einer der Bausteine im Knorpel-Polypeptidkomplex. Dieser Komplex befand sich laut einer Übersicht von 2023 in Russland in einer Phase-2-Prüfung bei Arthrose, Cartalax selbst nicht.

Wie es wirken soll

Die Grundidee der Schule: Ultrakurze Peptide gelangen in den Zellkern, lagern sich an DNA und Histone an und verändern, welche Gene abgelesen werden. Bei Cartalax soll das die Gene des Knorpelaufbaus betreffen und die Signale, mit denen alternde Knorpelzellen ihre Umgebung schädigen.

Genau diese beiden Punkte sind in Zellkultur gemessen. In replikativ gealterten menschlichen mesenchymalen Stammzellen aktivierte AED Gene und Proteine der Knorpeldifferenzierung: SOX9, Aggrecan, Kollagen Typ II und COMP. In gealterten Knorpelzellen normalisierte es den sekretorischen Alterungsphänotyp, bei dem die Zellen vermehrt p16, p21, p53, TNF-α und IL-1α bilden und weniger Sirt1. Arthrose gilt als Erkrankung, in der genau dieser Phänotyp den Knorpel zermürbt.

Dazu passen Befunde aus anderen Geweben. In alternden menschlichen Hautfibroblasten steigerte AED Sirtuin-1, Sirtuin-6 und Kollagen I, und in Stammzellkulturen hoben die geprüften Kurzpeptide, darunter AED, die Expression des Wachstumsfaktors IGF1 um das 3,5- bis 5,6-Fache.

Was AED außerhalb des Knorpels tut

Die Gruppe hat AED auch an Nierengewebe untersucht. In alternden Nierenzellkulturen steigerte das Peptid die Zellvermehrung, senkte die Alterungsmarker p16, p21 und p53 und hob Sirtuin-6. Bei alten Ratten verringerte es die Eiweißausscheidung im Urin, und im Modell eines durch Cisplatin ausgelösten akuten Nierenversagens senkte es Eiweiß- und Elektrolytverluste. Für Gelenke sind diese Befunde nur indirekt relevant, sie zeigen aber ein wiederkehrendes Muster: AED wirkt in mehreren alternden Geweben in Richtung Erneuerung und weniger Zellstress.

Der klinische Bericht im Patent

Das Patent enthält ein Beispiel mit 29 Patienten zwischen 52 und 72 Jahren, die seit 5 bis 20 Jahren an Kniegelenksarthrose litten und lange Schmerz- und Entzündungsmittel genommen hatten. Sie wurden laut Patent randomisiert auf 2 Gruppen verteilt; 12 Patienten bildeten die Kontrollgruppe und erhielten Kochsalz-Injektionen nach demselben Schema. Die Behandlung lief 20 Tage mit täglichen Spritzen in den Muskel.

Das Ergebnis: weniger Schmerzen und bessere Beweglichkeit in 54,5 bis 62,7 Prozent der Fälle, je nach Schweregrad, am deutlichsten in frühen Stadien. Die Röntgenbefunde veränderten sich im Beobachtungszeitraum laut Patent nicht wesentlich.

Was gut belegt ist

Gut dokumentiert ist, was AED in Zellen tut, die für Arthrose zählen. Die Arbeiten der Gruppe um Linkova und Myakisheva zeigen an menschlichen Stammzellen und Knorpelzellen ein stimmiges Bild: Knorpelgene werden angeschaltet, Alterungs- und Entzündungssignale gehen zurück. Im Gewebeversuch des Patents wuchsen Knorpel-Explantate von Ratten unter dem Peptid um 26 Prozent stärker als ohne, gemessen am 3. Tag und in gleicher Richtung nach 7 Tagen.

Der Patientenbericht zeigt in dieselbe Richtung. Mehr als die Hälfte der behandelten Arthrose-Patienten hatte weniger Schmerzen und mehr Beweglichkeit, und das bei einer Gruppe, die zuvor mit Schmerzmitteln nur kurzfristig Erleichterung fand. Die Entwicklergruppe schreibt in einer Übersicht von 2023, AED habe in Tiermodellen und bei älteren Arthrose-Patienten nach oraler Gabe hohe Wirksamkeit gezeigt.

Was die Studien zeigen

Arthrose-Patienten im Patent

Laut Patent von 2007 wurden 29 Patienten mit Kniegelenksarthrose randomisiert, 12 davon erhielten Kochsalz. Nach 20 Tagen intramuskulärer Gabe besserten sich Schmerz und Beweglichkeit in 54,5 bis 62,7 Prozent der Fälle, im Röntgen zeigte sich keine wesentliche Veränderung. Das Ergebnis der Kontrollgruppe, Messskalen, Verblindung und Nebenwirkungen sind nicht angegeben.

Knorpeldifferenzierung in gealterten Stammzellen

Myakisheva und Kollegen gaben AED und den Knorpel-Polypeptidkomplex zu replikativ gealterten menschlichen mesenchymalen Stammzellen (Adv Gerontol 2023). Beide aktivierten Gene und Proteine der Knorpelbildung: SOX9, Aggrecan, Kollagen Typ II und COMP.

Alterungsphänotyp von Knorpelzellen

In einer zweiten Arbeit derselben Gruppe (Adv Gerontol 2023) bildeten gealterte Knorpelzellen mehr p16, p21, p53, TNF-α und IL-1α und weniger Sirt1. AED und der Knorpelkomplex normalisierten diese Signatur.

Knorpel-Explantate der Ratte

Im Patent wurden 28 Knorpelfragmente vom Oberschenkelkopf von Ratten kultiviert. Unter AED lag der Flächenindex als Maß für das Auswachsen der Zellen am 3. Tag 26 Prozent über der Kontrolle, nach 7 Tagen zeigte sich derselbe Effekt.

Wo die Daten aufhören

Eine begutachtete Studie am Menschen gibt es nicht, und kein öffentliches Studienregister führt eine. Der einzige klinische Bericht ist das Patentbeispiel, und dem fehlt Entscheidendes: Wie es der Kontrollgruppe erging, steht nicht darin, ebenso wenig Skalen, Verblindung und Statistik. Ein Effekt gegenüber Placebo lässt sich daraus nicht ablesen. Die Übersicht der Entwickler, die von Wirksamkeit bei oraler Gabe spricht, nennt keine Studie, die sich in PubMed finden ließe. Strukturell hat sich am Knorpel laut Patent in 20 Tagen nichts sichtbar verändert.

Zwei weitere Punkte gehören zur Einordnung. Im Patent wurde gespritzt, verkauft werden überwiegend Kapseln; ob ein geschlucktes Tripeptid im Gelenk ankommt, ist nicht gemessen. Und die Wirkung ist nicht auf Knorpel beschränkt: AED wirkte in Studien derselben Gruppe auch auf Nierenzellen, auf die Nierenfunktion alter Ratten und auf Hautfibroblasten. Das macht das Peptid nicht wirkungslos, relativiert aber die Idee eines reinen Gelenk-Bioregulators.

Status, Zulassung und Recht

Cartalax ist in Deutschland und der EU kein zugelassenes Arzneimittel. Für einen Verkauf als Nahrungsergänzung fehlt die Genehmigung nach der Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283. In russischsprachigen Ländern und online wird es für Gelenkbeschwerden angeboten, hierzulande als Forschungspeptid. Im Sport fällt eine nicht zugelassene Substanz unter die Gruppe S0 der Welt-Anti-Doping-Agentur.

Sicherheit

Systematische Sicherheitsdaten am Menschen gibt es nicht. Die Toxikologie im Patent stammt von den Entwicklern und nur von Tieren: 66 Mäuse in der Akutprüfung, 64 Ratten über 90 Tage, 90 Meerschweinchen über 6 Monate, jeweils ohne pathologische Befunde. Im Patientenbericht sind keine Nebenwirkungen dokumentiert, weder ihr Auftreten noch ihr Fehlen. Wechselwirkungen mit Schmerzmitteln, Gerinnungshemmern oder Arthrosetherapien sind nicht untersucht. Für Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine Daten, und bei Research-Ware sind Gehalt und Reinheit ungeprüft. Ein plötzlich geschwollenes, heißes oder gerötetes Gelenk gehört ärztlich abgeklärt.

BK-Score Hype weit vor Evidenz

Human-Evidenz2
Mechanismus3
Sicherheits-Datenlage1
Hype-Abstand2
Anwendungserfahrung3

Evidenz 2: Die einzige Humanangabe ist ein Beispiel im russischen Patent RU 2299741 der Entwickler: 29 Patienten mit Kniegelenksarthrose, randomisiert, 12 davon mit Kochsalz-Injektionen, 20 Tage intramuskulär; weniger Schmerz und mehr Beweglichkeit in 54,5 bis 62,7 Prozent der Fälle, ohne wesentliche Röntgenveränderung. Ergebnis der Kontrollgruppe, Skalen, Verblindung und Nebenwirkungen fehlen, begutachtet ist der Bericht nicht, und in Europe PMC wie ClinicalTrials.gov findet sich keine Humanstudie. Präklinisch stimmig: In gealterten menschlichen Stammzellen aktivierte AED SOX9, Aggrecan, Kollagen Typ II und COMP, in gealterten Knorpelzellen normalisierte es p16, p21, p53, TNF-α, IL-1α und Sirt1 (Adv Gerontol 2023), Knorpel-Explantate der Ratte wuchsen um 26 Prozent stärker (Patent). Mechanismus 3, weil die Wirkkette in Zellkultur plausibel, am Menschen aber nicht bestätigt und nicht knorpelexklusiv ist. Sicherheit 1, weil nur Tiertoxikologie aus dem Patent vorliegt (bis zu 6 Monate an 90 Meerschweinchen). Hype 2, weil der beworbene Gelenknutzen eine Grundlage in Zellkultur und einem kleinen Patentbericht hat, Knorpelaufbau und Wirkung als Kapsel aber unbelegt sind. Anwendung 3, weil das Peptid außerhalb Russlands nur als Research-Ware zirkuliert.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Cartalax

Was ist Cartalax?

Cartalax ist ein synthetisches Tripeptid mit der Sequenz Ala-Glu-Asp aus der Bioregulator-Reihe von Vladimir Khavinson. Es soll den Stoffwechsel von Knorpel und Knochen unterstützen und wird vor allem bei Gelenkverschleiß angeboten.

Was ist der Unterschied zwischen Cartalax und Sigumir?

Sigumir ist ein Extrakt aus Knorpel und Knochen junger Tiere mit vielen Peptiden. Cartalax ist ein einzelnes synthetisches Molekül, das nach Angaben der Entwickler auch im Knorpel-Polypeptidkomplex vorkommt.

Hilft Cartalax bei Arthrose?

In Zellkulturen aktiviert es Knorpelgene und dämpft Alterungssignale von Knorpelzellen. Ein Patent berichtet bei 29 Patienten mit Kniegelenksarthrose weniger Schmerzen in 54,5 bis 62,7 Prozent der Fälle. Eine begutachtete, placebokontrollierte Studie mit veröffentlichten Ergebnissen gibt es nicht.

Baut Cartalax Knorpel wieder auf?

Am Menschen ist das nicht gezeigt. Im Patentbericht veränderten sich die Röntgenbefunde im Beobachtungszeitraum nicht wesentlich. Der Knorpelaufbau ist bisher nur in Zellkultur und an Gewebestücken von Ratten gemessen.

Wirkt Cartalax auch als Kapsel?

Das ist offen. Im Patientenbericht wurde das Peptid in den Muskel gespritzt, im Handel werden meist Kapseln angeboten. Ob das Tripeptid nach dem Schlucken im Gelenk ankommt, wurde nicht gemessen.

Ist Cartalax in Deutschland erlaubt?

Es ist weder als Arzneimittel noch als Nahrungsergänzung zugelassen und wird als Forschungspeptid verkauft. Im Wettkampfsport gilt es als verbotene Substanz der Gruppe S0.

Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-27.