Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

Avanafil (Spedra)

Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE5-Hemmer), verschreibungspflichtiges Arzneimittel · Spedra, Stendra, PDE5-Hemmer

Avanafil ist seit 2013 als Spedra in der EU gegen Erektionsstörungen zugelassen und damit deutlich jünger als Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil. Die Wirkung gegenüber Placebo ist in Phase-3-Studien und einer Meta-Analyse belegt. Herausgestellt wird der schnelle Wirkeintritt; nach etwa 15 Minuten gelang Geschlechtsverkehr aber nur bei gut einem Viertel der Versuche. Im großen Netzwerkvergleich war Avanafil 100 mg weniger wirksam als Sildenafil 50 mg.

Was Avanafil ist

Avanafil ist ein verschreibungspflichtiger Phosphodiesterase-5-Hemmer, in der EU seit dem 21.06.2013 als Spedra zugelassen.

Bewertet wird der Wissensstand. Für Avanafil liegen mehrere Phase-3-Studien, darunter bei Diabetes und nach Prostataentfernung, und Meta-Analysen vor. Die Datenbasis und die Marktbeobachtung sind kleiner als bei den älteren PDE5-Hemmern.

Wie es wirkt

Avanafil hemmt wie die anderen PDE5-Hemmer den Abbau des Botenstoffs cGMP und verstärkt so das Stickstoffmonoxid-Signal, das bei sexueller Erregung die Gefäßmuskulatur im Schwellkörper entspannt. Ohne sexuelle Stimulation wirkt es nicht. Laut Fachinformation hemmt es PDE5 mehr als 100-fach stärker als PDE6, das in der Netzhaut vorkommt.

Avanafil wird rasch aufgenommen: Die höchste Konzentration im Blut ist im Median nach 30 bis 45 Minuten erreicht, die Halbwertszeit liegt bei etwa 6 bis 17 Stunden. Eine fettreiche Mahlzeit verzögert die Aufnahme im Mittel um 1,25 Stunden und senkt die Spitzenkonzentration um 39 Prozent.

Was gut belegt ist

  • Die Wirkung gegenüber Placebo. Eine Meta-Analyse über 8 randomisierte Studien mit 3.709 Patienten fand für gelungene Penetration ein relatives Risiko von 3,20 und für gelungenen Geschlechtsverkehr von 2,53; der Erektionsfunktions-Score IIEF-EF lag 4,57 Punkte höher.
  • Wirkung auch in schwierigen Gruppen. Nach nervenschonender Prostataentfernung erreichten 100 und 200 mg in einer Phase-3-Studie mit 298 Patienten alle drei Hauptendpunkte, weniger als 2 Prozent brachen wegen Nebenwirkungen ab.
  • Ein früher Wirkbeginn, gemessen mit der Stoppuhr. Innerhalb von etwa 15 Minuten nach Einnahme gelang Geschlechtsverkehr bei 25,9 Prozent (100 mg) und 29,1 Prozent (200 mg) der Versuche, unter Placebo bei 14,9 Prozent.

Was die Studien zeigen

Die Zulassungsstudie

Goldstein 2012 (J Sex Med) randomisierte 646 Männer mit leichter bis schwerer Erektionsstörung auf 50, 100 oder 200 mg Avanafil oder Placebo über 12 Wochen, Einnahme 30 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr, ohne Vorgaben zu Essen oder Alkohol. Alle drei Dosen waren bei gelungener Penetration, gelungenem Geschlechtsverkehr und Erektionsfunktion besser als Placebo. Von 300 Versuchen innerhalb von 15 Minuten nach Einnahme gelangen 64 bis 71 Prozent unter Avanafil und 27 Prozent unter Placebo, von 80 Versuchen nach mehr als 6 Stunden 59 bis 83 gegenüber 25 Prozent. Häufigste Nebenwirkungen waren Kopfschmerz, Gesichtsröte und verstopfte Nase.

Der Wirkeintritt nach 15 Minuten

Hellstrom 2015 (J Urol) randomisierte 440 Männer auf 100 mg, 200 mg oder Placebo und maß mit der Stoppuhr, ob innerhalb von etwa 15 Minuten nach Einnahme eine für vollendeten Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion gelang. Das traf auf 25,9 und 29,1 Prozent der Versuche zu, unter Placebo auf 14,9 Prozent. Ein statistisch signifikanter Unterschied zeigte sich schon nach 10 Minuten unter 200 mg und nach 12 Minuten unter 100 mg. Die Mehrheit der frühen Versuche gelang also auch unter Avanafil nicht.

Nach Prostataentfernung

Mulhall 2013 (J Urol) behandelte 298 Männer mit Erektionsstörung nach beidseitig nervenschonender radikaler Prostatektomie 12 Wochen lang mit 100 mg, 200 mg oder Placebo; 71,5 Prozent hatten eine schwere Erektionsstörung. Beide Dosen waren bei allen drei Hauptendpunkten besser als Placebo. Versuche nach 15 Minuten oder früher gelangen zu 36,4 gegenüber 4,5 Prozent. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.

Meta-Analyse und Vergleich mit anderen PDE5-Hemmern

Li 2019 (Am J Mens Health) fasste 8 randomisierte Studien mit 3.709 Patienten zusammen. Gegenüber Placebo waren gelungene Penetration (RR 3,20) und gelungener Geschlechtsverkehr (RR 2,53) deutlich häufiger, Nebenwirkungen allerdings auch (RR 1,78). 200 mg wirkte beim Geschlechtsverkehr etwas besser als 100 mg, bei gleicher Nebenwirkungsrate. Chen 2015 (Eur Urol) verglich in einer Netzwerk-Meta-Analyse mit 82 Studien die Startdosen aller PDE5-Hemmer: Avanafil 100 mg hatte ähnlich viele Nebenwirkungen wie Sildenafil 50 mg, aber eine deutlich geringere Gesamtwirksamkeit. Den Vergleich der beiden bekannteren Wirkstoffe zeigt die Seite Tadalafil gegen Sildenafil.

Wo die Daten aufhören

  • Ein Vorteil gegenüber Sildenafil. Den zeigen die Daten nicht. Im Netzwerkvergleich der Startdosen war Avanafil weniger wirksam als Sildenafil 50 mg; direkte Vergleichsstudien liegen in den hier ausgewerteten Quellen nicht vor.
  • Der schnelle Wirkeintritt im Alltag. Statistisch setzt die Wirkung früh ein, praktisch gelangen nach etwa 15 Minuten nur 26 bis 29 Prozent der Versuche, unter Placebo 15 Prozent.
  • Langzeit- und Marktdaten. Avanafil ist erst seit 2013 in der EU zugelassen. Die Erfahrung aus der Marktbeobachtung ist entsprechend kürzer als bei Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil.
  • Produkte außerhalb der Apotheke. Die Studien gelten für das zugelassene Arzneimittel, nicht für Ware vom Graumarkt.

Status, Zulassung und Recht

Spedra ist seit dem 21.06.2013 in der EU zugelassen, Avanafil ist in Deutschland verschreibungspflichtig. Anwendungsgebiet ist die erektile Dysfunktion bei erwachsenen Männern. Die zugelassene Dosierung laut Fachinformation beträgt 100 mg bei Bedarf etwa 15 bis 30 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr, je nach Wirkung und Verträglichkeit 50 mg oder höchstens 200 mg, höchstens einmal täglich.

Andere Anwendungsgebiete wie Lungenhochdruck oder Beschwerden der gutartigen Prostatavergrößerung deckt die Zulassung nicht ab; dafür sind Sildenafil beziehungsweise Tadalafil zugelassen.

Sicherheit

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Kopfschmerz, Gesichtsröte und verstopfte Nase. In der Meta-Analyse waren Nebenwirkungen insgesamt häufiger als unter Placebo, relatives Risiko 1,78. Alkohol kann zusammen mit Avanafil einen Blutdruckabfall mit Schwindel oder Ohnmacht begünstigen.

Gegenanzeigen sind die gleichzeitige Anwendung mit Nitraten oder Stickstoffmonoxid-Donatoren, deren blutdrucksenkende Wirkung Avanafil verstärkt, und mit starken CYP3A4-Hemmern wie Ketoconazol, Ritonavir oder Clarithromycin; Ritonavir erhöhte die Wirkstoffmenge im Blut auf etwa das 13-Fache. Gegenangezeigt ist Avanafil auch bei schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung. Sehstörungen durch NAION und plötzlicher Hörverlust wurden selten unter anderen PDE5-Hemmern berichtet, in den Avanafil-Studien nicht.

BK-Score Gut belegt

Human-Evidenz8
Mechanismus9
Sicherheits-Datenlage7
Hype-Abstand6
Anwendungserfahrung7

Evidenz 8, weil Phase-3-Studien mit zusammen mehr als 1.300 Männern und eine Meta-Analyse über 8 RCTs mit 3.709 Patienten die Wirkung gegenüber Placebo zeigen (Li 2019), die Datenbasis aber deutlich kleiner ist als bei Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil. Mechanismus 9, weil die PDE5-Hemmung am Menschen gut verstanden und die Pharmakokinetik mit raschem Wirkeintritt beschrieben ist. Sicherheit 7, weil die Nebenwirkungen in RCTs erfasst sind und denen anderer PDE5-Hemmer ähneln, die Marktbeobachtung aber erst seit 2013 läuft. Hype 6, weil vor allem der schnelle Wirkeintritt herausgestellt wird: Nach etwa 15 Minuten gelang Geschlechtsverkehr bei 25,9 bis 29,1 Prozent der Versuche gegenüber 14,9 Prozent unter Placebo (Hellstrom 2015), und im Netzwerkvergleich war Avanafil 100 mg deutlich weniger wirksam als Sildenafil 50 mg (Chen 2015). Anwendung 7, weil Avanafil erst seit 2013 in der EU zugelassen ist. Richtung positiv: Die Daten stützen die Wirkung bei Erektionsstörungen, einen Vorteil gegenüber Sildenafil zeigen sie nicht.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Avanafil (Spedra)

Wie schnell wirkt Avanafil?

Statistisch früh: In einer Studie mit 440 Männern zeigte sich ein Unterschied zu Placebo schon nach 10 bis 12 Minuten. Innerhalb von etwa 15 Minuten gelang Geschlechtsverkehr bei 25,9 bis 29,1 Prozent der Versuche, unter Placebo bei 14,9 Prozent. Laut Fachinformation wird Avanafil 15 bis 30 Minuten vorher eingenommen.

Ist Avanafil besser als Sildenafil?

Das zeigen die Daten nicht. In einer Netzwerk-Meta-Analyse mit 82 Studien war Avanafil 100 mg weniger wirksam als Sildenafil 50 mg, bei ähnlich vielen Nebenwirkungen. Direkte Vergleichsstudien liegen in den hier ausgewerteten Quellen nicht vor.

Wie gut ist Avanafil untersucht?

Eine Meta-Analyse fasst 8 randomisierte Studien mit 3.709 Patienten zusammen, dazu kommen Phase-3-Studien bei Diabetes und nach Prostataentfernung. Das ist solide, aber deutlich weniger als bei Sildenafil und Tadalafil, und die Marktbeobachtung läuft erst seit 2013.

Was darf man mit Avanafil nicht kombinieren?

Nitrate und Stickstoffmonoxid-Donatoren, weil der Blutdruck stark abfallen kann, sowie starke CYP3A4-Hemmer wie Ketoconazol, Ritonavir oder Clarithromycin. Alkohol kann einen Blutdruckabfall mit Schwindel begünstigen.

Ist Avanafil in Deutschland zugelassen?

Ja, seit 2013 als Spedra, verschreibungspflichtig, für die erektile Dysfunktion bei erwachsenen Männern. Die zugelassene Startdosis beträgt 100 mg bei Bedarf, höchstens 200 mg und höchstens einmal täglich.

Ähnliche Themen

Quellen

Diese Studien mit Studientyp und Jahr in der Studien-Datenbank ansehen

In der Datenbank öffnen – mit Suche, Filtern und Vergleich

Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.