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Uridin (Uridinmonophosphat)
Stress & Geist · Uridinmonophosphat, UMP
Uridin ist ein Nukleosid, aus dem der Körper RNA und Bausteine für Zellmembranen bildet. In der Nootropika-Szene gilt es als Synapsen-Baustein, meist kombiniert mit Cholin und Omega-3-Fettsäuren. Diese Idee stammt aus der Forschung um Richard Wurtman und wurde als Nährstoffkombination Fortasyn Connect in Souvenaid bei früher Alzheimer-Krankheit geprüft, mit gemischten Ergebnissen. Zu Uridin allein gibt es am Menschen fast keine Daten.
Kurz gesagt
Uridin liefert über mehrere Zwischenstufen den Baustein, mit dem Cholin und Fettsäuren wie DHA zu Phosphatidylcholin verbaut werden, dem Hauptbestandteil von Zellmembranen. In Wüstenrennmäusen hob die Kombination aus Uridinmonophosphat, Cholin und DHA nach vier Wochen Membranbausteine und Synapsenproteine im Gehirn. Am Menschen wurde dieselbe Idee nur als Mischung aus elf Nährstoffen geprüft: Bei leichter Alzheimer-Krankheit besserte sich das Gedächtnis in zwei Studien, bei mittelschwerer nicht, und bei früher Alzheimer-Krankheit verfehlte die Zwei-Jahres-Studie ihr Hauptziel. Die Cochrane-Auswertung sieht wahrscheinlich kaum einen Unterschied bei den geistigen Leistungen.
Was Uridin ist
Uridin ist ein Nukleosid aus der Base Uracil und dem Zucker Ribose. Der Körper stellt es selbst her, es steckt in Muttermilch, laut dänischer Lebensmittelbehörde mit 2,2 mg je Kilogramm, und in den meisten Lebensmitteln vor allem als Bestandteil von RNA. Als Nahrungsergänzung wird meist Uridin-5′-monophosphat verkauft, kurz UMP, häufig als Dinatriumsalz.
Uridin begegnet einem auch indirekt: Citicolin wird im Körper in Cholin und Cytidin gespalten, und das Cytidin wird beim Menschen zu Uridin umgebaut. In Säuglingsnahrung ist Uridinmonophosphat als einer von fünf zugelassenen Nukleotidzusätzen erlaubt.
Wie es wirkt
Für den Aufbau von Phosphatidylcholin braucht die Nervenzelle drei Zutaten aus dem Blut: Cholin, eine Pyrimidinquelle wie Uridin, die über UTP zu CTP wird, und eine mehrfach ungesättigte Fettsäure wie DHA. Wurtmans Gruppe zeigte an Wüstenrennmäusen, deren Pyrimidinstoffwechsel dem menschlichen ähnelt, dass mehr von diesen Vorstufen mehr Membran entstehen lässt: Phosphatidylcholin im Gehirn stieg mit Uridin und Cholin oder mit DHA allein um 13 bis 22 Prozent, mit allen dreien um 45 Prozent. Die Synapsenproteine Synapsin-1 und PSD-95 nahmen um 41 und 38 Prozent zu. Zusätzlich aktiviert UTP sogenannte P2Y-Rezeptoren.
Darauf beruht die Kombination aus Uridin, Cholin und Omega-3-Fettsäuren, die in der Szene als Synapsen-Stack bekannt ist. Ob beim Menschen dadurch mehr Synapsen entstehen, ist nicht gemessen. Gemessen wurden Gedächtnistests, EEG und Hirnvolumen, und zwar nur unter der Mischung Fortasyn Connect.
Was gut belegt ist
Gut belegt ist die Biochemie: Uridin ist eine Vorstufe im Kennedy-Weg der Membranbildung, und im Tier steigert die Kombination mit Cholin und DHA Membranbausteine und Synapsenproteine messbar.
Am Menschen ist gezeigt, dass eine Mischung mit 625 mg Uridinmonophosphat am Tag über Monate gut vertragen wurde. In zwei randomisierten Studien bei leichter, unbehandelter Alzheimer-Krankheit schnitt sie im Gedächtnistest besser ab als ein gleich schmeckendes Kontrollgetränk.
Was die Studien zeigen
Souvenir I (Scheltens 2010) – leichte Alzheimer-Krankheit, 12 Wochen
225 Patienten ohne Alzheimer-Medikamente tranken täglich Souvenaid oder ein Kontrollgetränk. Beim verzögerten Abruf einer Wortliste, einem der beiden primären Endpunkte, lag die Souvenaid-Gruppe nach 12 Wochen vorn (p = 0,021). Der zweite primäre Endpunkt, ein Alzheimer-Kognitionstest, und alle weiteren Maße wie Alltagsfunktion und Lebensqualität blieben unverändert.
Souvenir II (Scheltens 2012) – leichte Alzheimer-Krankheit, 24 Wochen
Bestätigungsstudie bei unbehandelten Patienten mit leichter Alzheimer-Krankheit. Der Gedächtnis-Score einer neuropsychologischen Testbatterie stieg über 24 Wochen stärker als unter Kontrolle (p = 0,023; Cohen d = 0,21). Im EEG zeigten sich Unterschiede in der funktionellen Vernetzung zugunsten der aktiven Gruppe, beim Gesamtwert der Testbatterie nur ein Trend (p = 0,053).
S-Connect (Shah 2013) – mittelschwere Alzheimer-Krankheit unter Medikamenten
527 Patienten, die bereits Alzheimer-Medikamente nahmen, erhielten 24 Wochen Souvenaid oder ein Kontrollgetränk. Die geistigen Leistungen nahmen in beiden Gruppen gleich ab, Unterschied 0,37 Punkte im Kognitionstest (p = 0,513). Nebenwirkungen und Blutwerte unterschieden sich nicht. Die Studie beschreibt die Mischung: Uridinmonophosphat, Cholin, Phospholipide, EPA, DHA, die Vitamine E, C, B12 und B6, Folsäure und Selen.
LipiDiDiet (Soininen 2017 und 2021) – frühe Alzheimer-Krankheit, bis 36 Monate
311 Menschen mit prodromaler Alzheimer-Krankheit, also Gedächtnisstörung ohne Demenz, wurden auf Fortasyn Connect oder ein Kontrollgetränk verteilt; die Studie war öffentlich finanziert. Nach 24 Monaten verfehlte der primäre Endpunkt die Signifikanz (Differenz 0,098; p = 0,166), weil auch die Kontrollgruppe viel langsamer abbaute als erwartet. Nach 36 Monaten war der Abbau im Testwert um 60 Prozent geringer (p = 0,014), beim Demenz-Schweregrad CDR-SB um 45 Prozent (p = 0,014); in diese Auswertung gingen nur noch 81 Teilnehmende mit 36-Monats-Daten ein.
Cochrane 2020 – Souvenaid bei Alzheimer-Krankheit
Drei randomisierte Studien mit 1.097 Teilnehmenden, mit niedrigem Verzerrungsrisiko, zwei davon vom Hersteller finanziert. Bei früher Alzheimer-Krankheit traten nach 24 Monaten nicht weniger Demenzen auf (RR 1,09; 95 % KI 0,82 bis 1,43). Bei den geistigen Leistungen ergab sich wahrscheinlich kaum oder kein Unterschied, bei kombinierten Denk- und Alltagsmaßen widersprüchliche Ergebnisse. Nebenwirkungen waren selten, für eine Aussage zur Langzeitverträglichkeit reichten die Daten nicht.
Kondo 2011 – Uridin allein bei Depression
Die einzige gefundene Humanstudie mit Uridin als Einzelstoff im neuropsychiatrischen Bereich: eine offene Fallserie mit sieben depressiven Jugendlichen mit bipolarer Störung, sechs Wochen. Die depressiven Symptome gingen zurück, Uridin wurde gut vertragen. Ohne Kontrollgruppe ist daraus keine Wirkung abzulesen.
Wo die Daten aufhören
Die Lücke ist grundsätzlich: Alle kontrollierten Humanstudien prüften eine Mischung aus elf Nährstoffen. Welchen Anteil das Uridin am Ergebnis hat, ist nicht untersucht, ebenso wenig, ob Uridin mit Cholin und Omega-3 allein dasselbe leistet. Für Gesunde, die ihr Gedächtnis oder ihre Konzentration verbessern wollen, gibt es keine einzige Studie.
Auch die Alzheimer-Daten sind nicht eindeutig. Positive Gedächtnisbefunde stammen aus kurzen Studien bei leichter Erkrankung, die größte Studie unter Medikamenten war negativ, und der günstige 36-Monats-Befund aus LipiDiDiet stützt sich auf eine stark geschrumpfte Gruppe. Dass sich im Tier mehr Synapsenproteine bilden, ist ein Surrogat, kein Nachweis besserer Hirnleistung.
Status, Zulassung und Recht
Uridin ist in Deutschland kein Arzneimittel. Souvenaid wird als medizinisches Lebensmittel für Menschen mit früher Alzheimer-Krankheit vermarktet. In Säuglingsnahrung ist Uridin-5′-monophosphat bis 1,75 mg je 100 kcal erlaubt (Delegierte Verordnung (EU) 2016/127).
Für Nahrungsergänzungsmittel gibt es keine amtliche Höchstmenge und keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Die dänische Lebensmittelbehörde ließ Uridinmonophosphat 2020 als neuen Nährstoff für Nahrungsergänzungsmittel bewerten; das Lebensmittelinstitut der Technischen Universität Dänemarks konnte ein Gesundheitsrisiko bei 300 mg am Tag nicht ausschließen, weil Sicherheitsstudien fehlen.
Sicherheit
Schädliche Wirkungen von Uridin sind in der Literatur nicht beschrieben, aber es gibt auch kaum Daten, die danach gesucht hätten. Das dänische Lebensmittelinstitut fand nur eine begrenzte akute Giftigkeitsstudie an Nagern; Studien an Tieren mit wiederholter Gabe oder an Gesunden lagen nicht vor. Die Souvenaid-Studien mit 625 mg Uridinmonophosphat täglich über bis zu 24 Wochen zeigten keine Häufung von Nebenwirkungen, waren aber nicht darauf ausgelegt, Sicherheitsprobleme zu finden, und liefen bei älteren Kranken, nicht bei der Allgemeinbevölkerung.
Wer eine Depression oder bipolare Störung hat oder Psychopharmaka nimmt, sollte Uridin ärztlich besprechen; die einzigen Daten in diesem Bereich stammen aus einer Fallserie mit sieben Jugendlichen. Für Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine Untersuchungen.
BK-Score Dünne Humanevidenz
| Human-Evidenz | 4 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 5 | |
| Sicherheits-Datenlage | 4 | |
| Hype-Abstand | 3 | |
| Anwendungserfahrung | 4 |
Evidenz 4, weil es mehrere randomisierte Studien mit zusammen rund 1.100 Teilnehmenden gibt, die aber alle eine Mischung aus elf Nährstoffen bei Alzheimer-Krankheit prüften: Gedächtnisvorteil bei leichter Erkrankung in Souvenir I und II, kein Effekt bei mittelschwerer Erkrankung (S-Connect, 527 Patienten), verfehlter Hauptendpunkt nach 24 Monaten bei früher Erkrankung (LipiDiDiet); zu Uridin allein gibt es nur eine offene Fallserie mit sieben Jugendlichen. Mechanismus 5, weil der Weg über CTP zu Phosphatidylcholin biochemisch klar ist und im Tier mehr Synapsenproteine entstanden, am Menschen aber nicht gemessen ist. Sicherheit 4, weil die Mischung über Monate gut vertragen wurde, die dänische Lebensmittelbehörde aber mangels Sicherheitsstudien ein Risiko bei 300 mg am Tag nicht ausschließen konnte. Hype 3, weil Uridin als Synapsen-Baustein für Gesunde verkauft wird, wofür es keine Studie gibt. Anwendung 4, weil es als Nukleotid in Säuglingsnahrung und als Teil eines medizinischen Lebensmittels genutzt wird, als Einzelstoff aber nur in einer Nische. Richtung gemischt.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Uridin
Was bringt Uridin für das Gehirn?
Uridin ist eine Vorstufe für Membranbausteine. Im Tier erhöhte die Kombination mit Cholin und DHA Synapsenproteine im Gehirn. Am Menschen ist das nur als Mischung aus elf Nährstoffen bei Alzheimer-Krankheit geprüft, mit gemischten Ergebnissen. Für Gesunde gibt es keine Studien.
Was ist Souvenaid?
Ein Trinknahrungsprodukt mit der Nährstoffkombination Fortasyn Connect: Uridinmonophosphat, Cholin, Phospholipide, EPA, DHA, mehrere Vitamine und Selen. Es wurde in mehreren randomisierten Studien bei Alzheimer-Krankheit geprüft und wird als medizinisches Lebensmittel vermarktet.
Hilft Souvenaid bei Alzheimer?
Bei leichter Alzheimer-Krankheit ohne Medikamente besserte sich in zwei Studien ein Gedächtnismaß, bei mittelschwerer Erkrankung unter Medikamenten nicht. Bei früher Alzheimer-Krankheit traten nach zwei Jahren nicht weniger Demenzen auf. Die Cochrane-Auswertung sieht wahrscheinlich kaum einen Unterschied bei den geistigen Leistungen.
Wie hängen Uridin, Citicolin und Alpha-GPC zusammen?
Alle drei werden für den Aufbau von Membranbausteinen diskutiert. Citicolin liefert Cholin und Cytidin, das beim Menschen zu Uridin wird; Alpha-GPC liefert Cholin. Uridin liefert die Pyrimidin-Komponente. Vergleichende Studien zwischen den drei Stoffen gibt es nicht.
Ist Uridin sicher?
Schädliche Wirkungen sind nicht beschrieben, aber kaum untersucht. In den Souvenaid-Studien wurden 625 mg Uridinmonophosphat am Tag gut vertragen. Die dänische Lebensmittelbehörde konnte 2020 ein Risiko bei 300 mg am Tag aus Nahrungsergänzung trotzdem nicht ausschließen, weil Sicherheitsstudien fehlen.
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Quellen
- Wurtman RJ et al., Brain Res 2006 – Uridin, Cholin und DHA erhöhen Synapsenproteine im Gehirn von Wüstenrennmäusen (PMID 16631143)
- Scheltens P et al., Alzheimers Dement 2010 – Souvenir I, 225 Patienten mit leichter Alzheimer-Krankheit (PMID 20129316)
- Scheltens P et al., J Alzheimers Dis 2012 – Souvenir II, 24 Wochen (PMID 22766770)
- Shah RC et al., Alzheimers Res Ther 2013 – S-Connect, 527 Patienten unter Alzheimer-Medikamenten (PMID 24280255)
- Soininen H et al., Lancet Neurol 2017 – LipiDiDiet, 24 Monate bei prodromaler Alzheimer-Krankheit (PMID 29097166)
- Soininen H et al., Alzheimers Dement 2021 – LipiDiDiet, 36 Monate (PMID 32920957)
- Burckhardt M et al., Cochrane Database Syst Rev 2020 – Souvenaid bei Alzheimer-Krankheit (PMID 33320335)
- Kondo DG et al., J Child Adolesc Psychopharmacol 2011 – offene Fallserie mit Uridin bei bipolarer Depression (PMID 21486171)
- DTU Fødevareinstituttet 2020 – Risikovurdering af uridin i kosttilskud (Risikobewertung Uridin in Nahrungsergänzungsmitteln)
- Delegierte Verordnung (EU) 2016/127 – zulässige Nukleotide in Säuglingsanfangsnahrung
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-07.