Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

hCG (humanes Choriongonadotropin)

Gonadotropin (LH-Mimetikum) · Human Chorionic Gonadotropin, Pregnyl, Ovitrelle

hCG ist ein Hormon aus der Schwangerschaft, ein seit Jahrzehnten zugelassenes Arzneimittel und der Kern einer Abnehmkur, die seit 1995 widerlegt ist. Drei Dinge, ein Wirkstoff. Wer sie auseinanderhält, hat das Thema verstanden.

Kurz gesagt

hCG steht für humanes Choriongonadotropin, ein Hormon der Plazenta, das dem luteinisierenden Hormon ähnelt und denselben Befehl auslöst: Eisprung beim Eierstock, Testosteronproduktion beim Hoden. Als verschreibungspflichtiges Arzneimittel hat es belegte Anwendungen in der Kinderwunschbehandlung, bei bestimmten Formen des Testosteronmangels und beim Hodenhochstand. Für das Abnehmen gilt das Gegenteil: Eine Auswertung von 24 Studien aus dem Jahr 1995 fand keinen Beleg dafür, dass hCG Gewichtsverlust verursacht, Fett umverteilt oder den Hunger fernhält. Was in der hCG-Diät wirkt, ist die Diät mit 500 Kilokalorien am Tag, und die ist für sich genommen gefährlich. Die zweite, in der Szene wichtige Anwendung — die Hodenfunktion unter einer Testosterontherapie aufrechtzuerhalten — ist pharmakologisch schlüssig, hat mit Abnehmen aber nichts zu tun.

Was hCG ist

Humanes Choriongonadotropin ist ein Hormon, das die Plazenta in der Schwangerschaft bildet. Jeder Schwangerschaftstest weist genau dieses Hormon nach. Es ähnelt dem luteinisierenden Hormon, also dem Signal, das den Eierstöcken den Eisprung befiehlt und beim Mann den Hoden sagt, dass sie Testosteron produzieren sollen.

Daraus ergeben sich die zugelassenen Anwendungen. In der Kinderwunschbehandlung löst hCG den Eisprung aus. Bei Männern mit einer bestimmten Form von Testosteronmangel bringt es die eigene Produktion in Gang. Bei Jungen mit Hodenhochstand wird es ebenfalls eingesetzt. Das sind belegte, sinnvolle Anwendungen eines ganz normalen, seit Jahrzehnten verschreibungspflichtigen Arzneimittels.

Woher die Abnehmkur kommt

Mitte der 1950er Jahre behandelte der britische Arzt Albert Simeons in Rom Jungen mit Hodenhochstand mit hCG. Er meinte zu beobachten, dass sie dabei ihre Körperform veränderten. Daraus machte er eine Abnehmkur: täglich eine hCG-Spritze und dazu eine Diät mit 500 Kilokalorien am Tag.

500 Kilokalorien sind etwa ein Viertel dessen, was ein erwachsener Mensch braucht. Simeons behauptete, das hCG sorge dafür, dass der Körper gezielt Fettreserven angreift statt Muskulatur, und dass man trotz dieser Menge keinen Hunger habe. Abgenommen haben die Behandelten tatsächlich. Bei 500 Kilokalorien nimmt jeder ab. Die Wirkung ist echt, die Zuschreibung ist falsch.

Warum der Denkfehler trägt

Das Geschäftsmodell beruht nicht auf dem Hormon, sondern auf der Diät. Wer die Kur macht, verliert 2 Kilogramm in der Woche, manchmal mehr. Er hat gespritzt, er hat gehungert, er hat abgenommen. Welchem der beiden Dinge schreibt er den Erfolg zu? Dem, was sich nach Medizin anfühlt.

Hungern kann jeder, das ist keine Leistung, für die sich Geld verlangen lässt. Eine Spritze ist ein Produkt. Deshalb ist hCG das sauberste Beispiel für einen Denkfehler, der weit über dieses Thema hinausreicht: Wenn zwei Dinge gleichzeitig geschehen und eines davon nach der Ursache aussieht, hören wir auf zu fragen. Die nützliche Gegenfrage lautet: Wenn eine Behandlung nur zusammen mit einer drastischen Maßnahme funktioniert, welches von beiden wirkt?

Die Anwendung, die pharmakologisch trägt

Es gibt eine zweite Verwendung, und die hat Hand und Fuß. Wer von außen Testosteron zuführt, schaltet damit das eigene Signal ab. Die Hoden bekommen keine Anweisung mehr und stellen die Arbeit ein, sie schrumpfen, die Fruchtbarkeit leidet. hCG ahmt genau dieses fehlende Signal nach und hält den Betrieb aufrecht.

Ärzte setzen es in diesem Zusammenhang ein, meist außerhalb der offiziellen Zulassung. Mit Abnehmen hat das nichts zu tun, es ist derselbe Wirkstoff für eine völlig andere Frage. Wer hCG hier für sinnvoll hält, hat damit kein Argument für die Diät gewonnen. Umgekehrt entwertet die widerlegte Diät diese Anwendung nicht.

Tropfen ohne Rezept

Verkauft werden auch Tropfen, für die man kein Rezept braucht. hCG ist ein großes Eiweißmolekül, und ein Eiweiß, das man schluckt, wird verdaut wie jedes andere. Es kommt nicht als Hormon im Blut an. Viele dieser Tropfen sind zusätzlich homöopathisch verdünnt, enthalten also ohnehin praktisch nichts. Die Behörden in den USA sind dagegen vorgegangen. Wer solche Tropfen nimmt, macht in Wahrheit einfach nur die 500-Kalorien-Diät.

Was gut belegt ist

Gut belegt ist die Hormonwirkung selbst. hCG spricht dasselbe Signal an wie das luteinisierende Hormon, und darauf beruhen die zugelassenen Anwendungen: Auslösung des Eisprungs, Anstoßen der eigenen Testosteronproduktion bei bestimmten Formen des Mangels, Behandlung des Hodenhochstands. Ebenso gut belegt ist die Negativaussage zum Abnehmen, und zwar besser als fast alles in diesem Themenfeld. 14 randomisierte Studien mit zusammen 605 Teilnehmern sind eine Klarheit, die es zu Graumarktsubstanzen sonst nie gibt.

Was die Studien zeigen

Auswertung von 24 Studien, British Journal of Clinical Pharmacology 1995

1995 erschien eine Auswertung, die 24 Studien zu hCG bei der Gewichtsabnahme zusammentrug, 14 davon randomisiert, mit zusammen 605 Teilnehmern. In 12 der 14 randomisierten Studien war der Gewichtsverlust unter hCG nicht größer als unter Placebo oder unter der Diät allein. Der Schlusssatz der Arbeit: Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass hCG Gewichtsverlust verursacht, Fett umverteilt, den Hunger fernhält oder ein Wohlgefühl erzeugt, weshalb die Anwendung als Therapie zur Gewichtsreduktion als ungeeignet anzusehen sei. Diese Auswertung ist 31 Jahre alt.

Was hCG nicht leistet

Für das Abnehmen ist nicht wenig belegt, sondern das Gegenteil belegt. Die drei Versprechen der Kur — gezielter Fettabbau, Schutz der Muskulatur, ausbleibender Hunger — sind genau die Punkte, die die Auswertung von 1995 ausdrücklich verneint. Das ist kein dünner Datenstand, das ist ein Schlussstrich, und er liegt 31 Jahre zurück.

Status, Zulassung und Recht

hCG ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und seit Jahrzehnten zugelassen: zur Auslösung des Eisprungs in der Kinderwunschbehandlung, bei bestimmten Formen des Testosteronmangels und beim Hodenhochstand. Der Einsatz zum Erhalt der Hodenfunktion unter einer Testosterontherapie erfolgt meist außerhalb dieser Zulassung. Als Abnehmmittel ist hCG nicht zugelassen. Gegen rezeptfreie, oft homöopathisch verdünnte hCG-Tropfen sind die Behörden in den USA vorgegangen, und die amerikanische Arzneimittelbehörde hat ausdrücklich gewarnt, dass eine Kalorienzufuhr in der Größenordnung von 500 Kilokalorien am Tag tödlich enden kann.

Sicherheit

Zwei Risiken, die man getrennt betrachten muss. Das Hormon selbst ist nicht harmlos: Zyklusstörungen, Brustspannen bis hin zur Brustvergrößerung beim Mann, Stimmungsveränderungen und ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel. Bei Frauen in der Kinderwunschbehandlung ist die Überstimulation der Eierstöcke eine bekannte, ernste Komplikation, weshalb das Hormon in ärztliche Hand gehört. Das zweite Risiko ist die Kur: 500 Kilokalorien über Wochen sind keine Diät, sondern Mangelernährung. Dokumentiert sind Muskelabbau, Gallensteine, die bei sehr schnellem Gewichtsverlust häufiger entstehen, Störungen im Elektrolythaushalt und daraus folgende Herzrhythmusstörungen.

BK-Score Gut belegt, stark überhöht beworben

Human-Evidenz8
Mechanismus9
Sicherheits-Datenlage9
Hype-Abstand4
Anwendungserfahrung9

Seit Jahrzehnten zugelassen und mechanistisch klar: Über den LH-Rezeptor erhält hCG die Leydigzellfunktion. Eine Übersicht (Transl Androl Urol 2018) fasst Studien zusammen, in denen zuvor azoosperme Männer nach im Mittel vier Monaten wieder auf durchschnittlich 22 Millionen Spermien pro Milliliter kamen. Die Kombination mit einer Testosterontherapie zum Fertilitätserhalt ist mechanistisch gut begründet, aber Off-Label. Die als hCG-Diät verbreitete Anwendung zur Gewichtsreduktion ist dagegen widerlegt: 14 randomisierte Studien mit 605 Teilnehmern, in 12 davon kein Vorteil gegenüber Placebo oder Diät allein.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu hCG (humanes Choriongonadotropin)

Nimmt man mit hCG schneller ab als ohne?

Nein. In 12 von 14 randomisierten Studien war der Gewichtsverlust unter hCG nicht größer als unter Placebo oder unter der Diät allein. Der Gewichtsverlust in der hCG-Diät kommt von den 500 Kilokalorien am Tag.

Warum berichten dann so viele von Erfolgen?

Weil sie tatsächlich abnehmen, etwa 2 Kilogramm in der Woche. Nur liegt das an der extremen Kalorienbegrenzung und nicht an der Spritze. Beides passiert gleichzeitig, und zugeschrieben wird der Erfolg dem, was sich nach Medizin anfühlt.

Sind hCG-Tropfen aus dem Internet eine Alternative?

Nein. hCG ist ein großes Eiweißmolekül und wird beim Schlucken verdaut, es kommt nicht als Hormon im Blut an. Viele dieser Tropfen sind zusätzlich homöopathisch verdünnt und enthalten praktisch nichts. Wer sie nimmt, macht in Wahrheit nur die 500-Kalorien-Diät.

Wofür ist hCG zugelassen?

Es ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das in der Kinderwunschbehandlung den Eisprung auslöst, bei bestimmten Formen des Testosteronmangels die eigene Produktion anstößt und bei Jungen mit Hodenhochstand eingesetzt wird. Abnehmen gehört nicht dazu.

Erhält hCG unter einer Testosterontherapie die Hodenfunktion?

Der Mechanismus ist schlüssig: Von außen zugeführtes Testosteron schaltet das körpereigene Signal ab, hCG ersetzt dieses Signal und hält die Hoden in Betrieb. Ärzte nutzen das, meist außerhalb der offiziellen Zulassung. Mit der Abnehmkur hat diese Anwendung nichts zu tun.

Wie gefährlich ist die 500-Kalorien-Diät?

Sie ist keine Diät, sondern Mangelernährung. Dokumentiert sind Muskelabbau, Gallensteine, Störungen im Elektrolythaushalt und daraus folgende Herzrhythmusstörungen. Die amerikanische Arzneimittelbehörde hat gewarnt, dass eine Kalorienzufuhr in dieser Größenordnung tödlich enden kann.

Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-13.