Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

Tesofensine

Triple Monoamin-Reuptake-Inhibitor (Noradrenalin, Dopamin, Serotonin) · NS2330

Tesofensin ist ein Zufallsfund: Entwickelt wurde es für Parkinson und Alzheimer, aufgefallen ist es durch den Gewichtsverlust der Studienteilnehmer. Als Tablette dämpft es den Appetit deutlich, die wichtigste Studie dazu ist klein, aber sauber. Der Haken liegt beim Herz-Kreislauf-System und beim Zulassungsstatus.

Kurz gesagt

Tesofensin hemmt die Wiederaufnahme von Noradrenalin, Dopamin und Serotonin im Gehirn und senkt dadurch vor allem den Appetit. In der zentralen Phase-2-Studie von 2008 mit 203 Patienten nahmen die Teilnehmer in 24 Wochen je nach Dosis im Mittel 4,5, 9,2 und 10,6 Prozent ab, unter Diät und Placebo waren es 2,0 Prozent. In der mittleren Dosis stieg der Puls um 7,4 Schläge pro Minute, die Kombination mit dem Betablocker Metoprolol, Tesomet genannt, soll das abfangen. Tesofensin ist weder in Deutschland noch in der EU oder den USA zugelassen, in Mexiko liegt ein Zulassungsantrag, eine erteilte Zulassung war bis zuletzt nicht auffindbar.

Was Tesofensin ist

Tesofensin, früher NS2330, ist ein kleines Molekül, das als Tablette eingenommen wird. Fachlich ist es ein Triple-Wiederaufnahmehemmer: Es sorgt dafür, dass die Botenstoffe Noradrenalin, Dopamin und Serotonin nach ihrer Ausschüttung langsamer wieder eingesammelt werden und länger wirken. Diese drei Botenstoffe steuern Appetit, Antrieb und Belohnung mit.

Ursprünglich sollte der Wirkstoff gegen Parkinson und Alzheimer helfen. Bei Alzheimer blieb eine Phase-2b-Studie an 430 Patienten über 14 Wochen ohne Erfolg. In den Studien fiel aber auf, dass die Teilnehmer deutlich an Gewicht verloren. Daraufhin wurde Tesofensin für Adipositas weiterentwickelt, also für starkes Übergewicht. Auffällig ist die lange Halbwertszeit: In einer Auswertung an Alzheimer-Patienten lag sie bei 234 Stunden.

Wie es wirken soll

Der Haupteffekt ist der Appetit. Eine Mechanismus-Studie an 32 übergewichtigen Männern zeigte nach 2 Wochen einen Gewichtsverlust von 1,8 Kilogramm gegenüber Placebo, obwohl die Teilnehmer ihr Essverhalten beibehalten sollten. Sie fühlten sich satter und schätzten ihren Hunger geringer ein. Der Energieverbrauch über 24 Stunden unterschied sich nicht signifikant, nachts lag er um 4,6 Prozent höher, und die Fettverbrennung nahm zu.

Weil Essen für das Gehirn auch Belohnung ist, greift ein Mittel, das Dopamin länger wirken lässt, genau in dieses System ein. Anwender beschreiben das nicht als Verzicht mit Willenskraft, sondern als geringeres Verlangen. Übereinstimmend berichtet wird eine deutliche Appetitdämpfung, oft schon in den ersten Tagen. Das sind Erfahrungsberichte, sie passen aber zum Mechanismus und zu den Studiendaten.

Tablette statt Spritze

Der Reiz von Tesofensin liegt in der Form. Die starken Abnehmmittel der letzten Jahre sind überwiegend Spritzen, die langsam aufdosiert werden müssen und vor allem über den Magen-Darm-Trakt Nebenwirkungen machen. Tesofensin wirkt im Kopf, sein Nebenwirkungsprofil ist entsprechend ein anderes: weniger Magen, mehr Kreislauf und Schlaf. Für Menschen, die keine Spritze wollen oder sie schlecht vertragen, wäre eine wirksame Tablette ein echter Gewinn an Auswahl.

Wie bei jedem Abnehmmittel gilt: Fällt die Appetitdämpfung weg, kommt der Hunger zurück. Wer abnimmt, verliert neben Fett auch Muskel. In der Tesomet-Studie sank neben der Fettmasse auch die fettfreie Masse. Eiweißreiche Ernährung und Krafttraining bleiben deshalb die Grundlage.

Der eigentliche Wert liegt deshalb weniger bei den letzten Kilos vor dem Sommer als bei Menschen mit medizinisch relevantem Übergewicht, bei denen andere Wege gescheitert sind. Ein Beispiel ist die hypothalamische Adipositas, bei der nach einem Tumor oder einer Operation im Zwischenhirn die Appetitsteuerung selbst gestört ist und kaum ein Mittel zuverlässig hilft. Dass die Kombination Tesomet gerade dort in einer ersten randomisierten Studie Gewicht senkte, ist ein ermutigendes Signal.

Was gut belegt ist

Belegt ist ein deutlicher Gewichtsverlust in einer randomisierten, doppelblinden Phase-2-Studie mit 203 Patienten über 24 Wochen, die im Lancet erschien. Die Effekte waren dosisabhängig, und die mittlere Dosis könnte nach Einschätzung der Autoren etwa doppelt so viel Gewichtsverlust bewirken wie die damals zugelassenen Abnehmmittel. Belegt ist auch der Mechanismus über den Appetit, gemessen in einer Studie im Stoffwechselraum. Die Kombination mit Metoprolol hat in einer kleinen randomisierten Studie bei hypothalamischer Adipositas, einer schweren Form von Übergewicht nach Schäden im Zwischenhirn, zusätzlich 6,3 Prozent Gewicht gegenüber Placebo gesenkt, ohne signifikante Unterschiede bei Puls und Blutdruck.

Was die Studien zeigen

Phase-2-Studie TIPO-1, Lancet 2008

Astrup und Kollegen randomisierten 203 Patienten mit Adipositas in 5 dänischen Zentren auf 3 Tesofensin-Dosen oder Placebo, jeweils mit kalorienreduzierter Diät, über 24 Wochen. 161 Teilnehmer, 79 Prozent, beendeten die Studie. Unter Diät und Placebo nahmen sie im Mittel 2,0 Prozent ab, unter den 3 Dosen 4,5, 9,2 und 10,6 Prozent. Häufigste Nebenwirkungen waren Mundtrockenheit, Übelkeit, Verstopfung, Durchfall und Schlaflosigkeit. Der Blutdruck stieg in der niedrigen und mittleren Dosis nicht signifikant, der Puls in der mittleren Dosis um 7,4 Schläge pro Minute. Die Autoren forderten eine Bestätigung in Phase-3-Studien.

Tesomet bei hypothalamischer Adipositas, 2022

Huynh und Kollegen randomisierten 21 Erwachsene mit hypothalamischer Adipositas auf Tesofensin plus Metoprolol oder Placebo über 24 Wochen, 18 beendeten die Studie. Primärer Endpunkt war die Sicherheit. Gegenüber Placebo sank das Gewicht zusätzlich um 6,3 Prozent, 8 von 13 Teilnehmern gegenüber 1 von 8 erreichten mindestens 5 Prozent Gewichtsverlust. Puls und Blutdruck unterschieden sich nicht signifikant. Häufiger waren Schlafstörungen mit 50 gegenüber 13 Prozent, Mundtrockenheit mit 43 gegenüber 0 Prozent und Kopfschmerzen mit 36 gegenüber 0 Prozent. Bei einer Person verschlimmerte sich eine bestehende Angststörung.

Wo die Daten aufhören

Die belastbarste veröffentlichte Studie stammt aus dem Jahr 2008, ist eine Phase-2-Studie mit 203 Teilnehmern und lief 24 Wochen. Phase-3-Ergebnisse existieren laut Hersteller Saniona, die Phase-3-Studie habe Wirksamkeit und Sicherheit aus Phase 2 bestätigt. Eine begutachtete Vollpublikation dieser Daten war nicht auffindbar. Für Langzeitwirkung, Gewichtserhalt nach dem Absetzen und harte Endpunkte wie Herzinfarkte gibt es keine Daten.

Auch der Vergleich mit den modernen Spritzen ist nicht direkt geprüft. Die Aussage, Tesofensin spiele in derselben Liga, beruht auf dem Vergleich verschiedener Studien mit unterschiedlichen Teilnehmern und Laufzeiten. Tesomet ist als Vollpublikation in einer einzigen kleinen Studie mit 21 Personen und einer seltenen Erkrankung untersucht. Die Erfahrungsberichte aus der Szene betreffen Ware aus dem Graumarkt, deren Gehalt niemand kontrolliert.

Status, Zulassung und Recht

Tesofensin ist in Deutschland, der EU und den USA nicht als Arzneimittel zugelassen, Dosierungsangaben entfallen deshalb. In Mexiko hat der Partner Medix einen Zulassungsantrag gestellt. Das technische Komitee der Behörde COFEPRIS äußerte sich im Februar 2023 positiv, das war laut Hersteller eine nicht bindende Stellungnahme. Im November 2024 teilte Saniona mit, die Zulassung sei noch nicht erteilt, im Februar 2025 kündigte Medix eine überarbeitete Einreichung an. Eine erteilte Zulassung war bis September 2026 nicht auffindbar. Im Sport steht Tesofensin auf der WADA-Verbotsliste 2026 ausdrücklich unter den Stimulanzien, verboten im Wettkampf.

Sicherheit

Tesofensin wirkt aktivierend. Der wichtigste Punkt ist das Herz-Kreislauf-System: In der Lancet-Studie stieg der Puls in der mittleren Dosis um 7,4 Schläge pro Minute, deshalb wurde die Kombination mit einem Betablocker entwickelt. Häufig sind Mundtrockenheit, Schlafstörungen, Übelkeit und Verdauungsbeschwerden, dazu Einflüsse auf Stimmung und Unruhe. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Angststörungen oder unter Psychopharmaka, vor allem serotonergen Antidepressiva, gehören nicht zu den Kandidaten. Graumarktware ist ein eigenes Risiko: Bei einem so niedrig dosierten Wirkstoff führen schon kleine Abweichungen im Gehalt zu einer Überdosis. Wegen der langen Halbwertszeit baut sich der Wirkstoff nach dem Absetzen nur langsam ab. Tesofensin gehört, wenn überhaupt, in ärztliche Begleitung.

BK-Score Dünne Humanevidenz

Human-Evidenz5
Mechanismus7
Sicherheits-Datenlage4
Hype-Abstand3
Anwendungserfahrung3

Die belastbarste veröffentlichte Studie stammt aus dem Jahr 2008: Astrup et al. (Lancet) zeigten an 203 Patienten über 24 Wochen eine dosisabhängige Gewichtsreduktion von 4,5 bis 10,6 Prozent gegenüber 2,0 Prozent unter Placebo. Phase-3-Ergebnisse existieren laut Herstellerangaben, sind aber nicht als begutachtete Vollpublikation auffindbar – die Werbung stützt sich damit auf Pressemitteilungen, und eine behauptete Zulassung in Mexiko ist bislang nicht erteilt. Die Substanz wurde ursprünglich gegen Alzheimer entwickelt und blieb dort in einer Phase-IIb-Studie an 430 Patienten ohne Wirkung; der Puls stieg in der mittleren Dosis um 7,4 Schläge pro Minute. In Deutschland nicht zugelassen.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Tesofensine

Wie viel nimmt man mit Tesofensin ab?

In der zentralen Phase-2-Studie mit 203 Patienten waren es nach 24 Wochen je nach Dosis im Mittel 4,5, 9,2 und 10,6 Prozent des Körpergewichts. Unter Diät und Placebo waren es 2,0 Prozent. Größere, veröffentlichte Phase-3-Daten fehlen bisher.

Wie wirkt Tesofensin?

Es hemmt die Wiederaufnahme von Noradrenalin, Dopamin und Serotonin im Gehirn. Dadurch sinkt vor allem der Appetit, das Sättigungsgefühl steigt. Der Energieverbrauch steigt nur geringfügig.

Ist Tesofensin in Deutschland zugelassen?

Nein, weder in Deutschland noch in der EU oder den USA. In Mexiko wurde ein Zulassungsantrag gestellt, eine erteilte Zulassung war bis September 2026 nicht auffindbar. Im Sport steht es auf der Verbotsliste.

Was ist Tesomet?

Tesomet ist die Kombination von Tesofensin mit dem Betablocker Metoprolol. Der Betablocker soll den Pulsanstieg abfangen. In einer kleinen Studie an 21 Menschen mit hypothalamischer Adipositas senkte die Kombination das Gewicht zusätzlich um 6,3 Prozent gegenüber Placebo, ohne signifikante Unterschiede bei Puls und Blutdruck.

Welche Nebenwirkungen hat Tesofensin?

Am häufigsten sind Mundtrockenheit, Schlafstörungen, Übelkeit und Verdauungsbeschwerden. Der Puls kann steigen, in der mittleren Studiendosis um 7,4 Schläge pro Minute. Auch Unruhe und Stimmungsveränderungen sind möglich.

Ist Tesofensin besser als die Abnehmspritze?

Das wurde nie direkt verglichen. Tesofensin ist eine Tablette und wirkt über das Gehirn, die Spritzen wirken stärker über den Magen-Darm-Trakt. Die Datenlage der Spritzen ist mit großen Phase-3-Studien deutlich breiter.

Die Podcast-Folge dazu

Folge 34

KI-Podcast: Tesofensine – der Zufalls-Fund als Abnehm-Tablette (mit Tesomet-Trick)

Der Podcast von Paul Höser (Folge 34). KI-generierte deutsche Folge (Paul & Paula) mit Fachrecherche. Nur Information – keine medizinische Beratung, keine Dosier- oder Anwendungsempfehlung. Bei uns nicht als Arzneimittel zugelassen; wirkt auf Herz-Kreislauf – im Zweifel ärztlich abklären.

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Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-26.