Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

CJC-1295 mit DAC

Langwirksames GHRH-Analogon (Albumin-gebunden) · CJC-1295 DAC, DAC-GRF, Drug Affinity Complex GRF

CJC-1295 mit DAC ist ein Wachstumshormon-Signal mit eingebautem Langzeit-Anker. Ein kleiner chemischer Baustein heftet das Peptid an das Bluteiweiß Albumin, und aus einem Signal, das der Körper im Minutentakt abbaut, wird eines, das tagelang wirkt. Die Humandaten dazu sind für ein nie zugelassenes Peptid erstaunlich gut, sie enden aber bei den Hormonspiegeln.

Kurz gesagt

CJC-1295 mit DAC ist ein langwirksames Analogon des körpereigenen Freisetzungshormons GHRH, das die Hirnanhangsdrüse zu mehr Wachstumshormon anregt. In zwei randomisierten, placebokontrollierten Studien an Gesunden stieg das Wachstumshormon nach einer einzigen Gabe im Mittel auf das 2- bis 10-Fache für 6 Tage oder länger, IGF-1 auf das 1,5- bis 3-Fache für 9 bis 11 Tage, bei einer Halbwertszeit von 5,8 bis 8,1 Tagen. Die natürlichen Pulse blieben dabei erhalten. Wirksamkeitsdaten zu Schlaf, Muskel oder Regeneration gibt es nicht, die einzige Phase-2-Studie wurde 2006 nach einem Todesfall mit ungeklärtem Zusammenhang abgebrochen, zugelassen wurde das Peptid nie.

Was es ist

GHRH ist das Kommando aus dem Hypothalamus an die Hirnanhangsdrüse: Schütte Wachstumshormon aus. Die kanadische Firma ConjuChem entwickelte daraus CJC-1295, eine Variante der ersten 29 Aminosäuren von GHRH mit 4 Austauschen, die das Molekül gegen Abbau schützen. Am Ende sitzt ein zusätzliches Bauteil, der Drug Affinity Complex, kurz DAC. Er trägt eine reaktive Maleimid-Gruppe, die sich nach der Gabe fest an eine bestimmte Stelle des Albumins bindet, die freie Thiolgruppe an Cystein 34.

Albumin ist das häufigste Eiweiß im Blut und hat eine außergewöhnlich lange Lebensdauer. Das Peptid fährt gewissermaßen huckepack mit und ist vor den Enzymen geschützt, die freie Peptide rasch zerlegen. Im Tierversuch von 2005 war CJC-1295 noch nach 72 Stunden im Plasma nachweisbar und setzte über 2 Stunden 4-fach mehr Wachstumshormon frei als das unveränderte GRF(1-29).

Achtung Namensverwirrung: Als CJC-1295 wird auf dem Markt auch die Variante ohne DAC verkauft, die eigentlich Mod GRF 1-29 heißt. 2009 fand ein norwegisches Labor in einem beschlagnahmten Präparat mit dem Etikett CJC-1295 genau diese Form ohne Anker. Die Studien auf dieser Seite gelten nur für die Form mit DAC.

Wie es wirkt

CJC-1295 mit DAC bindet an den GHRH-Rezeptor der Hirnanhangsdrüse und verstärkt dort das Signal zur Ausschüttung. Die Drüse bleibt dabei der Chef: Sie schüttet aus, was sie kann, und die Rückkopplung über Somatostatin und IGF-1 bleibt aktiv. Das unterscheidet den Ansatz grundlegend von gespritztem Wachstumshormon, das die eigene Achse umgeht.

IGF-1 ist dabei der eigentliche Arbeitswert. Wachstumshormon schwankt stark, IGF-1 wird vor allem in der Leber gebildet, ist träge und stabil und vermittelt einen großen Teil der Wirkungen auf Gewebe. Genau dieser Wert stieg in den Studien verlässlich und anhaltend.

Das Prinzip, ein kurzlebiges Peptid über Albumin langlebig zu machen, kennt man heute von den Abnehmspritzen. Semaglutid nutzt dafür allerdings eine Fettsäure, die sich locker an Albumin anlagert, CJC-1295 eine feste chemische Bindung. Gleiches Grundprinzip, andere Technik.

Dauersignal oder Puls

Um CJC-1295 mit DAC dreht sich eine große Debatte: Zerstört das Dauersignal den natürlichen Takt der Wachstumshormon-Pulse, den sogenannten GH-Bleed statt klarer Spitzen? Die Daten dazu sind beruhigender als der Ruf. Ionescu und Frohman untersuchten 2006 gesunde Männer zwischen 20 und 40 Jahren über 12 Stunden in der Nacht mit Blutentnahmen alle 20 Minuten, vor und eine Woche nach einer Gabe. Häufigkeit und Höhe der Pulse blieben unverändert. Angehoben wurde vor allem der Sockel dazwischen, der Talspiegel stieg auf das 7,5-Fache, das mittlere Wachstumshormon um 46 Prozent und IGF-1 um 45 Prozent.

Die Pulse bleiben also erhalten, sie laufen auf einem höheren Grundpegel. Ob dieser dauerhaft angehobene Sockel über Monate Vor- oder Nachteile hat, ist allerdings nicht untersucht.

Wer es nutzt und was berichtet wird

In Foren wird CJC-1295 für Gewichtsverlust, Muskelaufbau, jugendlichere Haut, besseren Schlaf und die Heilung von Verletzungen genutzt, das zeigte eine Auswertung von 23 Diskussionssträngen aus 9 Foren. Anwender der DAC-Variante berichten typischerweise von tieferem Schlaf, schnellerer Erholung nach dem Training, anfangs volleren Muskeln durch Wassereinlagerung und über Wochen besserer Haut und besseren Nägeln. Viele lassen ihr IGF-1 messen und sehen den Anstieg bestätigt.

Das sind Erfahrungsberichte, keine Wirkungsbelege. Der IGF-1-Anstieg passt zu den Studien, die übrigen Effekte wurden nie kontrolliert geprüft. Geschätzt wird die DAC-Form vor allem von Pragmatikern, die lange Wirkdauer ist ihr größter Reiz.

Was gut belegt ist

Für ein Peptid, das nie auf den Markt kam, ist die Pharmakologie gut dokumentiert. Teichman und Kollegen führten 2006 zwei randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Studien an gesunden Erwachsenen zwischen 21 und 61 Jahren durch, über 28 und 49 Tage. Nach einer einzigen Gabe stieg das Wachstumshormon dosisabhängig im Mittel auf das 2- bis 10-Fache für 6 Tage oder länger und IGF-1 auf das 1,5- bis 3-Fache für 9 bis 11 Tage. Die Halbwertszeit lag bei 5,8 bis 8,1 Tagen, nach mehreren Gaben blieb IGF-1 bis zu 28 Tage über dem Ausgangswert. Schwere Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.

Dazu kommt der Befund zur Pulsatilität: Das natürliche Muster der Ausschüttung blieb erhalten, der Zuwachs kam vor allem über den angehobenen Grundpegel.

Was die Studien zeigen

Teichman et al. 2006 — die Kernstudie

Zwei randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Studien mit ansteigender Dosis an 2 Zentren, Dauer 28 und 49 Tage, gesunde Erwachsene von 21 bis 61 Jahren. Wachstumshormon im Mittel 2- bis 10-fach für 6 Tage oder länger, IGF-1 1,5- bis 3-fach für 9 bis 11 Tage, Halbwertszeit 5,8 bis 8,1 Tage, nach mehreren Gaben kumulativer Effekt mit IGF-1 bis zu 28 Tage über Ausgangswert. Gemessen wurden Hormonspiegel, keine klinischen Endpunkte.

Ionescu & Frohman 2006 — bleiben die Pulse?

Gesunde Männer von 20 bis 40 Jahren, nächtliche Hormonprofile über 12 Stunden, vor und eine Woche nach einer Gabe. Häufigkeit und Höhe der Pulse unverändert, Talspiegel 7,5-fach, mittleres Wachstumshormon plus 46 Prozent, IGF-1 plus 45 Prozent. Ohne Placeboarm.

Jetté et al. 2005 und Alba et al. 2006 — die Tierdaten

Bei Ratten war CJC-1295 über 72 Stunden im Plasma nachweisbar und 4-fach wirksamer als unverändertes GRF(1-29). Bei Mäusen ohne eigenes GHRH normalisierte die tägliche Gabe über 5 Wochen Gewicht und Länge, seltenere Gaben wirkten schwächer. Zugleich vermehrten sich die Wachstumshormon-bildenden Zellen der Hirnanhangsdrüse.

Wo die Daten aufhören

Alle Humandaten sind Hormonspiegel bei Gesunden über wenige Wochen. Ob CJC-1295 mit DAC Schlaf, Muskelmasse, Körperfett, Haut oder Regeneration verbessert, wurde nie untersucht. Die einzige Wirksamkeitsstudie, eine Phase-2-Studie bei HIV-Patienten mit Bauchfett, begann im Dezember 2005 und wurde im Juli 2006 gestoppt, nachdem ein Teilnehmer an einem argentinischen Studienzentrum gestorben war. Der Zusammenhang mit dem Peptid war damals ungeklärt, Ergebnisse wurden nie veröffentlicht, und die Entwicklung wurde nicht weitergeführt. Eine Übersicht von 2026 ordnet CJC-1295 mit DAC deshalb in die zweite von vier Evidenzstufen ein: Daten zur Pharmakologie am Menschen, keine kontrollierten Wirksamkeitsdaten.

Offen ist auch, was ein über Wochen erhöhtes IGF-1 langfristig bedeutet. Langzeitdaten fehlen vollständig, und im Tierversuch vermehrten sich unter CJC-1295 die Wachstumshormon-bildenden Zellen der Hirnanhangsdrüse. Was das für den Menschen heißt, weiß niemand.

Status, Zulassung und Recht

CJC-1295 mit DAC ist weder in Deutschland noch in der EU oder den USA als Arzneimittel zugelassen und wird als Forschungspeptid über den Graumarkt vertrieben. Im Sport ist es jederzeit verboten: Es steht namentlich auf der WADA-Verbotsliste 2026 unter S2.2.4 und in der Anlage des deutschen Anti-Doping-Gesetzes. Die US-Arzneimittelbehörde FDA nennt schwerwiegende unerwünschte Ereignisse und begrenzte klinische Daten. Dosierangaben machen wir bei nicht zugelassenen Wirkstoffen grundsätzlich nicht.

Sicherheit

In den Studien von 2006 war das Peptid kurzfristig gut verträglich, schwere Nebenwirkungen traten nicht auf. Anwender berichten am häufigsten über Rötung oder Quaddeln an der Einstichstelle, dazu Wassereinlagerung, Kribbeln in den Händen, mehr Hunger und morgendliche Trägheit. Die FDA verweist auf schwerwiegende Ereignisse mit erhöhter Herzfrequenz und einer Gefäßerweiterungsreaktion im ganzen Körper. Wie bei allen Wachstumshormon-Freisetzern kann die Insulinempfindlichkeit sinken, und weil IGF-1 ein Wachstumssignal ist, gilt das Peptid bei aktiver oder früherer Krebserkrankung als tabu. Ein klinisches Krebssignal ist nicht belegt, Langzeitdaten gibt es aber nicht. Die Qualität der Graumarktware ist ein eigenes Risiko: In einer noch nicht begutachteten Auswertung von 6441 Proben aus 14 Peptiden, darunter CJC-1295, fielen je nach Maßstab 41,6 bis 71,1 Prozent durch grundlegende Qualitätskriterien, 15 Prozent enthielten messbar Endotoxin.

BK-Score Dünne Humanevidenz

Human-Evidenz4
Mechanismus7
Sicherheits-Datenlage3
Hype-Abstand3
Anwendungserfahrung3

Teichman et al. (J Clin Endocrinol Metab 2006) berichten zwei randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Studien an Gesunden über 28 und 49 Tage: nach einer Gabe GH 2- bis 10-fach für 6 Tage oder länger, IGF-1 1,5- bis 3-fach für 9 bis 11 Tage, Halbwertszeit 5,8 bis 8,1 Tage, keine schweren Nebenwirkungen. Ionescu & Frohman (2006) zeigten, dass die Pulse erhalten bleiben und der Anstieg über den Talspiegel läuft (7,5-fach). Damit ist die Wirkkette bis IGF-1 am Menschen quantifiziert, klinische Endpunkte fehlen aber ganz: Die einzige Phase-2-Studie (NCT00267527) wurde 2006 nach einem Todesfall mit ungeklärtem Zusammenhang abgebrochen, Ergebnisse gibt es nicht, eine Zulassung gab es nie. Was dauerhaft erhöhtes IGF-1 langfristig bedeutet, ist nicht untersucht; die FDA nennt schwerwiegende Ereignisse wie erhöhten Puls und Gefäßerweiterungsreaktionen. In Deutschland kein verkehrsfähiges Arzneimittel, auf der WADA-Verbotsliste.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu CJC-1295 mit DAC

Was ist der Unterschied zwischen CJC-1295 mit und ohne DAC?

Mit DAC trägt das Peptid einen Anker, der es fest an Albumin bindet, die Halbwertszeit lag in Studien bei 5,8 bis 8,1 Tagen. Ohne DAC, auch Mod GRF 1-29 genannt, ist es kurz wirksam. Humandaten gibt es nur für die Form mit DAC.

Wie lange wirkt CJC-1295 mit DAC?

Nach einer einzigen Gabe blieb das Wachstumshormon in Studien 6 Tage oder länger erhöht, IGF-1 für 9 bis 11 Tage. Nach mehreren Gaben lag IGF-1 bis zu 28 Tage über dem Ausgangswert.

Zerstört CJC-1295 mit DAC die natürlichen Wachstumshormon-Pulse?

Nach den vorliegenden Daten nicht. In einer Studie an gesunden Männern blieben Häufigkeit und Höhe der Pulse unverändert, angehoben wurde vor allem der Grundpegel dazwischen. Langzeitdaten zu diesem angehobenen Sockel fehlen.

Warum wurde CJC-1295 nie zugelassen?

Die Entwicklung endete, nachdem eine Phase-2-Studie bei HIV-Patienten 2006 nach dem Tod eines Teilnehmers abgebrochen worden war. Der Zusammenhang war ungeklärt, Wirksamkeitsergebnisse wurden nie veröffentlicht.

Ist CJC-1295 besser als Wachstumshormon?

Es wirkt anders. CJC-1295 regt die eigene Hirnanhangsdrüse an, deren Rückkopplung aktiv bleibt, gespritztes Wachstumshormon umgeht die Achse. Einen direkten Vergleich am Menschen gibt es nicht.

Ist CJC-1295 in Deutschland erlaubt?

CJC-1295 ist kein zugelassenes Arzneimittel und wird als Forschungsware verkauft. Im Sport ist es verboten und steht namentlich in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes.

Die Podcast-Folge dazu

Folge 37

CJC-1295 mit DAC: Das Langzeit-Signal für Wachstumshormon

Der Podcast von Paul Höser (Folge 37) · mit Paul & Paula. Frische, positive KI-Dialogfolge über das Wachstumshormon-Signal mit Langzeit-Anker: wie der Drug Affinity Complex das Peptid ans Albumin heftet (6–8 Tage Halbwertszeit statt 30 Minuten), die bemerkenswerten Humandaten (Teichman, JCEM 2006: 2–10-faches GH, bis zu 11 Tage erhöhtes IGF-1 nach einer Gabe) und die große Debatte Dauersignal („GH-Bleed") gegen natürliche Pulse. Plus Vergleich mit direktem HGH und die typische berichtete Anwendung (ohne Empfehlung). Reine Information, keine Dosier- oder Anwendungsempfehlung – nicht zugelassen, im Sport verboten.

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Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-27.