Peptid & Experimentelles
TRH (Protirelin)
Tripeptid-Hormon des Hypothalamus, in Deutschland als Diagnostikum zugelassen, verschreibungspflichtig · Thyreoliberin, Thyrotropin-Releasing-Hormon, Protirelin, TRH Ferring, Relefact TRH
TRH ist das Hormon des Hypothalamus, das der Hirnanhangdrüse das Signal gibt, die Schilddrüse anzuregen. Als Protirelin ist es in Deutschland für einen Funktionstest von Schilddrüse und Hypophyse zugelassen. Darüber hinaus gibt es kleine Studien zu einer raschen Stimmungsaufhellung bei Depression und große Studien, in denen TRH Frühgeborenen nicht half.
Kurz gesagt
TRH, auch Thyreoliberin oder als Arzneistoff Protirelin, ist ein Tripeptid aus dem Hypothalamus. Es löst in der Hirnanhangdrüse die Ausschüttung von TSH und Prolaktin aus; dieser Anstieg dient im TRH-Test als Diagnostikum, dafür ist TRH Ferring in Deutschland zugelassen und verschreibungspflichtig. In kleinen Studien besserte sich die Stimmung therapieresistenter Depressiver binnen Stunden, die Wirkung war aber kurz. In 15 Studien mit über 4.600 Schwangeren brachte TRH zur Lungenreifung von Frühgeborenen keinen Nutzen und mehr Nebenwirkungen, bei ALS zeigte sich ebenfalls kein Nutzen. Für die Dauergabe bei Gesunden gibt es keine Daten.
Was TRH ist und wie es wirkt
TRH wird im Hypothalamus gebildet und gelangt über die Portalgefäße zum Hypophysenvorderlappen. Dort löst es die Ausschüttung von Thyreotropin (TSH) aus, das wiederum die Schilddrüse anregt; bei Gesunden steigt zugleich Prolaktin. Nach einer Injektion in die Vene ist TRH binnen 2 bis 5 Minuten am höchsten, TSH nach 20 bis 30 Minuten. Das Tripeptid wird in Blut und Gewebe rasch abgebaut, die Halbwertszeit im Serum liegt bei etwa 3 bis 6,5 Minuten.
Daneben werden TRH Wirkungen auf Antrieb und Stimmung zugeschrieben. Aus dem Blut gelangt es aber schlecht ins Gehirn, weshalb eine Forschergruppe es Depressiven direkt in den Rückenmarkskanal gab. Wie die Stimmungswirkung zustande kommt, ist nicht geklärt.
Was gut belegt ist
Am besten belegt ist TRH als Diagnostikum. Im TRH-Test wird TSH vor und etwa 30 Minuten nach der Injektion gemessen; die Differenz zeigt, ob Schilddrüse und Hypophyse normal reagieren. Dafür ist TRH Ferring in Deutschland zugelassen, die Fachinformation beschreibt Ablauf, Gegenanzeigen und Nebenwirkungen.
Ebenfalls gut belegt ist, was TRH nicht kann: Zur Vorbeugung von Lungenproblemen bei Frühgeborenen wurde es in 15 randomisierten Studien mit über 4.600 Frauen geprüft, ohne Nutzen und mit mehr Nebenwirkungen. Diese großen Studien liefern zugleich die beste Sicherheitsbeschreibung der Einzelgabe.
Was die Studien zeigen
Cochrane-Review zur Lungenreifung, 2013
15 Studien mit über 4.600 Frauen prüften TRH zusätzlich zu Kortison vor einer drohenden Frühgeburt. TRH senkte weder die Sterblichkeit bis zur Entlassung (RR 1,05) noch das Atemnotsyndrom (RR 1,05) oder chronische Lungenerkrankungen (RR 1,01). Die Kinder brauchten häufiger Atemunterstützung (RR 1,16) und hatten häufiger einen niedrigen Apgar-Wert nach 5 Minuten (RR 1,48). Die Mütter litten häufiger unter Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, Harndrang und Gesichtsrötung.
ACTOBAT, Lancet 1995, und die nordamerikanische Studie, NEJM 1998
In der australischen Studie mit 1.234 Frauen trat das Atemnotsyndrom unter TRH sogar etwas häufiger auf (relatives Risiko 1,17), ebenso der Bedarf an Beatmung (1,15). In der nordamerikanischen Studie mit 996 Frauen lagen Atemnotsyndrom (66 gegenüber 65 Prozent), Tod nach 28 Tagen (je 11 Prozent) und chronische Lungenerkrankung gleichauf.
Depression: TRH in den Rückenmarkskanal, 1997
Acht medikamentenfreie Patienten mit therapieresistenter Depression erhielten doppelblind einmal TRH und einmal eine Schein-Punktion, im Abstand einer Woche. Fünf von acht sprachen an, definiert als Halbierung des Depressionswerts, und die Suizidalität sank deutlich.
Bipolare Depression: nächtliche Infusion, 2005
20 Patienten mit bipolarer Depression bekamen um Mitternacht TRH oder Kochsalz in die Vene. Binnen 24 Stunden halbierten 60 Prozent unter TRH und 10 Prozent unter Kochsalz ihren Depressionswert; im Mittel sank er um 52 gegenüber 12 Prozent. Beobachtet wurde über 48 Stunden, die Manie-Werte stiegen leicht.
Toleranz bei wiederholter Gabe, 1997
Bei zwei Patienten mit bipolarer Depression wirkte TRH in die Vene wie in den Rückenmarkskanal. Bei wiederholter Gabe in die Vene ließ die Wirkung nach, über den Rückenmarkskanal sprachen beide erneut an. Das sind Einzelbeobachtungen.
Erschöpfung bei Krebs, 2012, und ALS, 1986
In einer Pilot-Crossover-Studie mit 8 Krebspatienten besserten sich nach TRH Energie- und Erschöpfungswerte. Bei ALS zeigten weder einzelne Infusionen noch tägliche Injektionen über 3 Monate bei 25 Patienten einen Nutzen.
Wo die Daten aufhören
- Stimmung und Antrieb bei Gesunden. Alle Stimmungsdaten stammen von Patienten mit Depression oder Krebs, aus Studien mit 2 bis 20 Teilnehmern und Beobachtung über Stunden bis Tage. Für Gesunde gibt es keine Daten.
- Dauerhafte Wirkung. Die Effekte waren kurz, und bei wiederholter Gabe in die Vene ist nachlassende Wirkung beschrieben. In den hier ausgewerteten Depressionsstudien wurde TRH nur einmal oder wenige Male gegeben.
- Andere Anwendungswege. Die positiven Stimmungsbefunde betreffen Infusionen und Gaben in den Rückenmarkskanal unter Klinikbedingungen; auf andere Anwendungswege lassen sie sich nicht übertragen.
- ALS. Weder einzelne Infusionen noch tägliche Injektionen über 3 Monate brachten einen messbaren Nutzen.
Status, Zulassung und Recht
In Deutschland ist TRH Ferring 0,2 mg/ml Injektionslösung zugelassen (Zulassung 01.09.1998, verlängert 04.08.2015) und verschreibungspflichtig. Einziges Anwendungsgebiet ist der TRH-Test in der Schilddrüsen- und Hypophysendiagnostik; die Fachinformation nennt dafür bei Erwachsenen in der Regel eine einmalige Gabe von 200 µg in die Vene, eine Wiederholung frühestens nach 14 Tagen. Die Nutzung gegen Depression, Erschöpfung oder als Antriebsmittel ist Off-Label und nicht belegt. In der WADA-Liste 2026 ist Protirelin nicht namentlich aufgeführt; die Auffangklasse S0 greift nicht, weil es als Arzneimittel zugelassen ist.
Sicherheit
Schon die einzelne Gabe in die Vene löst für 1 bis 3 Minuten typische Beschwerden aus: Hitzegefühl, Übelkeit, Harndrang, leichte Kopfschmerzen, Benommenheit, Flush und Missempfindungen im Bauch- und Beckenbereich. Gelegentlich steigen Blutdruck und Puls, selten löst TRH bei Neigung dazu Krampfanfälle und bei Asthmatikern Asthmaanfälle aus. Bei großen Hypophysentumoren sind Tumorvergrößerung und Einblutungen im zeitlichen Zusammenhang beschrieben. Gegenanzeigen sind unter anderem akuter Herzinfarkt, instabile Angina pectoris, erhöhte Krampfbereitschaft und ausgeprägte Bronchialobstruktion. In den Schwangerschaftsstudien hatten die Kinder häufiger niedrige Apgar-Werte und brauchten häufiger Atemunterstützung. Zur wiederholten oder dauerhaften Anwendung bei Gesunden gibt es keine Daten.
BK-Score Belegt, mit Einschränkungen
| Human-Evidenz | 6 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 7 | |
| Sicherheits-Datenlage | 7 | |
| Hype-Abstand | 4 | |
| Anwendungserfahrung | 7 |
Evidenz 6, weil TRH in großen randomisierten Studien am Menschen geprüft ist, allerdings vor allem mit negativem Ergebnis: In 15 Studien mit über 4.600 Schwangeren verbesserte TRH zusätzlich zu Kortison die Lungenreife Frühgeborener nicht und erhöhte den Bedarf an Atemunterstützung (Cochrane 2013, RR 1,16); für die im Biohacking interessante Stimmungswirkung gibt es nur kleine Studien mit 8 bis 20 Patienten und kurzer Wirkdauer (Marangell 1997, Szuba 2005). Mechanismus 7, weil die Kette vom Hypothalamus über TSH und Prolaktin so genau vermessen ist, dass sie als Diagnostikum dient, die Wirkung im Gehirn aber nicht geklärt ist. Sicherheit 7, weil die Einzelgabe aus der Diagnostik und aus den großen Schwangerschaftsstudien gut beschrieben ist; wiederholte Gaben bei Gesunden sind nicht untersucht. Hype 4: TRH wird auf dem Graumarkt als Peptid für Stimmung und Antrieb angeboten, gestützt auf kleine, teils jahrzehntealte Studien. Anwendung 7, weil der TRH-Test seit Jahrzehnten in der Diagnostik eingesetzt wird, nicht aber als Dauertherapie. Richtung gemischt: belegt als Diagnostikum, angedeutet und kurzlebig gegen Depression, negativ bei Lungenreifung und ALS.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu TRH (Protirelin)
Was ist TRH?
TRH ist ein Hormon aus dem Hypothalamus, das aus drei Aminosäuren besteht. Es regt die Hirnanhangdrüse an, TSH auszuschütten, das wiederum die Schilddrüse steuert. Als Arzneistoff heißt es Protirelin.
Wofür ist TRH in Deutschland zugelassen?
Ausschließlich für den TRH-Test, mit dem Ärzte die Funktion von Schilddrüse und Hypophyse prüfen. Das Präparat TRH Ferring ist verschreibungspflichtig und wird einmalig in die Vene gespritzt.
Hilft TRH gegen Depression?
In kleinen Studien besserte sich die Stimmung bei einem Teil der Patienten binnen Stunden, etwa bei 5 von 8 Patienten nach Gabe in den Rückenmarkskanal und bei 60 Prozent nach einer nächtlichen Infusion. Die Wirkung war kurz, bei wiederholter Gabe ist nachlassende Wirkung beschrieben, und große Studien fehlen.
Steigert TRH Energie oder Antrieb bei Gesunden?
Dafür gibt es keine Daten. Die einzige Studie zur Erschöpfung lief mit 8 Krebspatienten, alle übrigen Stimmungsstudien mit Depressiven.
Hilft TRH Frühgeborenen bei der Lungenreifung?
Nein. In 15 Studien mit über 4.600 Frauen brachte TRH zusätzlich zu Kortison keinen Nutzen. Die Kinder brauchten sogar häufiger Atemunterstützung, und die Mütter hatten mehr Nebenwirkungen.
Welche Nebenwirkungen hat TRH?
Typisch sind für einige Minuten Hitzegefühl, Übelkeit, Harndrang, Kopfschmerzen und Flush, gelegentlich ein Anstieg von Blutdruck und Puls. Selten kann es bei entsprechender Neigung Krampf- oder Asthmaanfälle auslösen.
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Quellen
- Fachinformation TRH Ferring 0,2 mg/ml Injektionslösung (Stand 08/2015) – Anwendungsgebiet, Dosierung, Nebenwirkungen
- Crowther CA et al., Cochrane 2013 – TRH zusätzlich zu Kortison vor Frühgeburt, 15 Studien
- ACTOBAT Study Group, Lancet 1995 – TRH vor Frühgeburt, 1.234 Frauen
- Ballard RA et al., N Engl J Med 1998 – TRH vor Frühgeburt, 996 Frauen
- Marangell LB et al., Arch Gen Psychiatry 1997 – TRH in den Rückenmarkskanal bei therapieresistenter Depression
- Szuba MP et al., J Clin Psychopharmacol 2005 – nächtliche TRH-Infusion bei bipolarer Depression
- Callahan AM et al., Biol Psychiatry 1997 – TRH in Vene und Rückenmarkskanal, Toleranz
- Kamath J et al., Support Care Cancer 2012 – TRH bei krebsbedingter Erschöpfung
- Mitsumoto H et al., Neurology 1986 – TRH bei ALS
- NADA, WADA-Verbotsliste 2026 (informatorische Übersetzung)
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