Biohacking Kompakt

Supplement

Traubensilberkerze (Cimicifuga)

Kräuter · Cimicifuga racemosa, Actaea racemosa, Black Cohosh, Juli-Silberkerze, Cimicifugae rhizoma

Die Traubensilberkerze ist in Deutschland ein zugelassenes pflanzliches Arzneimittel gegen Hitzewallungen und Schwitzen in den Wechseljahren. Ob sie mehr bewirkt als Placebo, beantworten die großen Übersichtsarbeiten unterschiedlich: Eine Meta-Analyse von 2023 findet einen mittleren Effekt, der Cochrane-Review von 2012 keinen Unterschied. Arzneimittel tragen einen Warnhinweis zur Leber, für Lebensmittel empfehlen die Behörden die Pflanze nicht.

Was die Traubensilberkerze ist

Die Traubensilberkerze, botanisch Cimicifuga racemosa oder heute Actaea racemosa, ist eine Staude aus Nordamerika. Verwendet wird der getrocknete Wurzelstock, meist als Trockenextrakt mit Ethanol oder Isopropanol. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA beschreibt in ihrer 2018 überarbeiteten EU-Monografie drei solcher Extrakte als Arzneimittel mit anerkannter medizinischer Verwendung bei Hitzewallungen und übermäßigem Schwitzen in den Wechseljahren.

Im BK-Score stehen 7 von 10 Punkten bei der Human-Evidenz. Diese Achse bewertet den Wissensstand, nicht die Substanz: viel untersucht heißt hier nicht eindeutig wirksam, denn die Übersichtsarbeiten kommen zu gegensätzlichen Ergebnissen. Beim Mechanismus bleiben 3 von 10, weil niemand genau sagen kann, wie die Pflanze wirkt.

Wie sie wirkt

Ein Wirkweg ist nicht geklärt. Die Übersicht zum Isopropanol-Extrakt berichtet, dass Hormonspiegel in den Studien unverändert blieben und östrogenempfindliches Gewebe wie Brust und Gebärmutterschleimhaut nicht beeinflusst wurde. Eine östrogenartige Wirkung erklärt einen möglichen Effekt damit nicht. Die Pflanzenliste von Bund und Ländern nennt als kritische Inhaltsstoffe tetrazyklische Triterpenglykoside.

Für die Praxis heißt das: Die Ergebnisse gelten für die geprüften Extrakte. Ein Pulver oder ein anders hergestellter Auszug ist nicht automatisch dasselbe.

Was gut belegt ist

  • Amtlich als Arzneimittel anerkannt. Die EMA stuft drei definierte Extrakte als anerkannte medizinische Verwendung bei Hitzewallungen und übermäßigem Schwitzen in den Wechseljahren ein, nicht nur als traditionelle Anwendung.
  • Ein mittlerer Effekt in der neuesten Meta-Analyse. Über 22 Arbeiten mit 2.310 Frauen besserten sich die Wechseljahresbeschwerden insgesamt mit Hedges g = 0,575 (0,283 bis 0,867) gegenüber Placebo, die Hitzewallungen mit g = 0,315 (0,107 bis 0,524).
  • Verträglich auf Placeboniveau. In derselben Auswertung brachen unter Traubensilberkerze nicht mehr Frauen ab als unter Placebo (Odds Ratio 0,911).
  • Leberwerte in Studien unauffällig. In 5 randomisierten Studien mit 1.117 Frauen veränderten sich die Leberwerte unter dem Isopropanol-Extrakt über 3 bis 6 Monate nicht. Die Auswertung stammt aus dem Umfeld des Herstellers.

Was die Studien zeigen

Cochrane 2012: kein Unterschied zu Placebo

Leach und Moore werteten 16 randomisierte Studien mit 2.027 Frauen in und nach den Wechseljahren aus. Die mittlere Tagesdosis lag bei 40 mg, die Behandlung dauerte im Mittel 23 Wochen. Bei der Zahl der Hitzewallungen ergab sich kein signifikanter Unterschied zu Placebo (0,07 Hitzewallungen pro Tag; −0,43 bis 0,56; 3 Studien, 393 Frauen), ebenso wenig bei den Beschwerde-Scores (SMD −0,10; −0,32 bis 0,11; 4 Studien, 357 Frauen). Eine Hormontherapie senkte die Beschwerde-Scores stärker als die Traubensilberkerze.

Meta-Analyse 2023: mittlerer Effekt auf die Gesamtbeschwerden

Sadahiro und Kollegen fassten 22 Arbeiten mit 2.310 Frauen zusammen, Traubensilberkerze allein oder kombiniert mit anderen Wirkstoffen. Gegenüber Placebo besserten sich die Gesamtbeschwerden (g = 0,575), die Hitzewallungen (g = 0,315) und körperliche Beschwerden (g = 0,418). Angst (g = 0,194) und depressive Symptome (g = 0,406) besserten sich nicht signifikant. Weil auch Kombinationspräparate eingingen, lässt sich der Effekt nicht vollständig der Traubensilberkerze allein zuschreiben.

Isopropanol-Extrakt: günstige Daten aus dem Herstellerumfeld

Castelo-Branco und Kollegen trugen 35 Studien zum Isopropanol-Extrakt iCR zusammen. Gegenüber Placebo ergab sich eine standardisierte Mittelwertdifferenz von −0,694 bei vegetativen und psychischen Wechseljahresbeschwerden, die Wirkung war laut Autoren mit niedrig dosiertem Östradiol über die Haut oder Tibolon vergleichbar. Mehrere Autoren arbeiten beim Hersteller dieses Extrakts.

Leberwerte: Auswertung aus 5 Studien

Naser und Kollegen werteten die Leberenzyme AST, ALT und GGT aus 5 doppelblinden, kontrollierten Studien mit 1.117 Frauen zwischen 40 und 60 Jahren aus, behandelt über 3 bis 6 Monate. Zwischen Extrakt und Vergleich fand sich kein Unterschied. Seltene, schwere Leberschäden lassen sich mit Studien dieser Größe allerdings weder belegen noch ausschließen.

Wo die Daten aufhören

  • Ein klarer Nutzen gegenüber Placebo. Cochrane-Review und neuere Meta-Analysen widersprechen sich. Die Unterschiede liegen unter anderem in den eingeschlossenen Studien, Kombinationspräparaten und Extrakten.
  • Stimmung und Angst. Hier fand auch die günstige Meta-Analyse von 2023 keinen signifikanten Effekt.
  • Gleichwertigkeit mit der Hormontherapie. Im Cochrane-Review wirkte die Hormontherapie stärker. Wer zwischen beidem abwägt, findet die Datenlage zur Hormontherapie in der Menopause auf einer eigenen Seite.
  • Seltene Leberschäden. Die EMA führt Leberschäden als Nebenwirkung mit unbekannter Häufigkeit. Kontrollierte Studien sind zu klein, um so seltene Ereignisse zu erfassen.
  • Nahrungsergänzungen. Die Studien liefen mit definierten Arzneimittel-Extrakten. Zu Produkten mit anderer Herstellung gibt es keine eigenen Daten.

Status, Zulassung und Recht

In Deutschland ist die Traubensilberkerze ein Arzneimittel. Die EU-Monografie der EMA von 2018 erkennt drei Extrakte als anerkannte medizinische Verwendung an, 2024 lief eine erneute Überprüfung mit Aufruf zur Einreichung neuer Daten. Die Pflanzenliste von Bund und Ländern verweist beim Risiko Lebertoxizität auf eine Stellungnahme des HMPC und einen Bescheid des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte zu Cimicifuga-haltigen Arzneimitteln.

Für Lebensmittel sieht es anders aus. Die Pflanzenliste des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit führt den Wurzelstock als Arzneistoff und in Liste A: Eine Verwendung in Lebensmitteln wird wegen bekannter Risiken unabhängig von der Dosierung nicht empfohlen. Nahrungsergänzungen mit Traubensilberkerze sind damit nach Einschätzung der Behörden in Deutschland nicht geeignet.

Sicherheit

Die EU-Monografie nennt Leberschäden, darunter Hepatitis, Gelbsucht und veränderte Leberwerte, mit unbekannter Häufigkeit. Wer Müdigkeit, Appetitlosigkeit, eine Gelbfärbung von Haut oder Augen, starke Oberbauchschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen oder dunklen Urin bemerkt, soll das Mittel absetzen und sofort ärztlich abklären lassen. Bei früheren Lebererkrankungen ist Vorsicht angezeigt. Beschrieben sind außerdem allergische Hautreaktionen, Schwellungen im Gesicht und an den Beinen sowie Magen-Darm-Beschwerden.

Ohne ärztlichen Rat soll die Traubensilberkerze nicht zusammen mit Östrogenen und nicht länger als sechs Monate genommen werden. Wer wegen Brustkrebs oder eines anderen hormonabhängigen Tumors behandelt wird oder wurde, soll sie nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden. Scheidenblutungen gehören ärztlich abgeklärt. In Schwangerschaft und Stillzeit wird sie nicht empfohlen. Im BK-Score steht die Sicherheit bei 7 von 10 Punkten; diese Achse misst, wie gut die Sicherheit untersucht ist, nicht wie sicher die Pflanze ist. Dieser Text ist Information und ersetzt keine medizinische Beratung.

BK-Score Belegt, mit Einschränkungen

Human-Evidenz7
Mechanismus3
Sicherheits-Datenlage7
Hype-Abstand5
Anwendungserfahrung8

Evidenz 7, weil es viele randomisierte Studien gibt, deren Zusammenfassungen sich aber widersprechen: Der Cochrane-Review mit 16 Studien und 2.027 Frauen fand keinen signifikanten Unterschied zu Placebo bei Hitzewallungen und Beschwerde-Scores (Leach 2012), eine neuere Meta-Analyse über 22 Arbeiten mit 2.310 Frauen dagegen einen mittleren Effekt auf die Gesamtbeschwerden (g 0,575) und einen kleinen auf Hitzewallungen (g 0,315) (Sadahiro 2023); die günstigste Auswertung zum Isopropanol-Extrakt stammt teilweise aus dem Herstellerumfeld (Castelo-Branco 2021). Mechanismus 3, weil der Wirkweg nicht geklärt ist; Hormonspiegel und östrogenempfindliches Gewebe blieben laut der Übersicht zum Isopropanol-Extrakt unverändert (Castelo-Branco 2021), eine Östrogenwirkung als Erklärung trägt damit nicht. Sicherheit 7, weil kontrollierte Daten über im Mittel 23 Wochen (Leach 2012), eine Auswertung der Leberwerte aus 5 Studien mit 1.117 Frauen (Naser 2011) und eine EU-Monografie mit Pharmakovigilanz vorliegen; Leberschäden sind dort als Nebenwirkung mit unbekannter Häufigkeit aufgeführt. Hype 5, weil die Werbung als natürliche Alternative zur Hormontherapie über die Daten hinausgeht, die Wirkung bei Hitzewallungen aber nicht frei erfunden ist. Anwendung 8, weil Extrakte seit Jahrzehnten als zugelassene Arzneimittel unter Aufsicht verwendet werden (EU-Monografie mit anerkannter medizinischer Verwendung). Richtung gemischt: positive neuere Meta-Analysen stehen einem Cochrane-Review ohne Unterschied zu Placebo gegenüber.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Traubensilberkerze (Cimicifuga)

Hilft Traubensilberkerze gegen Hitzewallungen?

Die Daten widersprechen sich. Eine Meta-Analyse von 2023 über 22 Arbeiten mit 2.310 Frauen fand einen kleinen Effekt auf Hitzewallungen und einen mittleren auf die Wechseljahresbeschwerden insgesamt. Der Cochrane-Review von 2012 mit 16 Studien fand bei der Zahl der Hitzewallungen keinen Unterschied zu Placebo. Die EMA erkennt bestimmte Extrakte als Arzneimittel bei Hitzewallungen und Schwitzen an.

Ist Traubensilberkerze schädlich für die Leber?

Die EU-Monografie führt Leberschäden wie Hepatitis und Gelbsucht als Nebenwirkung mit unbekannter Häufigkeit. In Studien mit 1.117 Frauen veränderten sich die Leberwerte über 3 bis 6 Monate nicht, seltene Fälle lassen sich so aber nicht ausschließen. Bei Gelbfärbung, dunklem Urin, starker Müdigkeit oder Oberbauchschmerzen soll das Mittel abgesetzt und ärztlich abgeklärt werden.

Wirkt Traubensilberkerze wie ein Östrogen?

Nach den vorliegenden Daten nicht. In den Studien zum Isopropanol-Extrakt blieben Hormonspiegel unverändert, Brust und Gebärmutterschleimhaut wurden nicht beeinflusst. Wie die Pflanze wirkt, ist nicht geklärt. Zusammen mit Östrogenen soll sie laut EMA nur nach ärztlichem Rat verwendet werden.

Darf man Traubensilberkerze nach Brustkrebs nehmen?

Die EMA schreibt, dass Frauen, die wegen Brustkrebs oder eines anderen hormonabhängigen Tumors behandelt werden oder wurden, die Traubensilberkerze nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden sollen. Die Entscheidung gehört also in die behandelnde Praxis, nicht in die Selbstmedikation.

Gibt es Traubensilberkerze als Nahrungsergänzungsmittel?

In Deutschland empfehlen die Behörden das nicht. Die Pflanzenliste von Bund und Ländern führt den Wurzelstock als Arzneistoff in Liste A, also als Pflanze, deren Verwendung in Lebensmitteln wegen bekannter Risiken unabhängig von der Dosierung nicht empfohlen wird. Erhältlich ist sie als pflanzliches Arzneimittel mit Packungsbeilage und Warnhinweisen.

Ist Traubensilberkerze eine Alternative zur Hormontherapie?

Im Cochrane-Review wirkte die Hormontherapie stärker als die Traubensilberkerze. Für Frauen, die keine Hormone nehmen können oder wollen, ist sie ein zugelassenes Arzneimittel mit unsicherer Wirkung. Welche Option passt, hängt von Beschwerden und Vorerkrankungen ab und gehört ärztlich besprochen.

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.