Peptid & Experimentelles
TP508 (Rusalatide, Chrysalin)
Synthetisches Thrombin-Fragment (23 Aminosäuren, Prothrombin 508–530), Forschungssubstanz, nie zugelassen · Rusalatide-Acetat, Rusalatid, Chrysalin, Thrombin-Peptid TP508, TP-508
TP508 ist ein kurzes Stück aus dem Gerinnungsenzym Thrombin, das in den 2000ern als Heilmittel für Wunden und Knochenbrüche am Menschen getestet wurde. Eine kleine Studie an diabetischen Fußgeschwüren fiel positiv aus, die große Studie an Handgelenksbrüchen nicht. Zugelassen ist TP508 nirgends, angeboten wird es heute als Forschungspeptid.
Kurz gesagt
TP508, auch Rusalatide-Acetat oder Chrysalin, ist ein synthetisches Peptid aus 23 Aminosäuren, das einen Abschnitt des menschlichen Prothrombins nachbildet. In Zell- und Tierversuchen förderte es Gefäßneubildung sowie Wund- und Knochenheilung. Am Menschen gibt es eine veröffentlichte randomisierte Studie mit 60 Patienten, in der äußerlich aufgetragenes TP508 mehr diabetische Fußgeschwüre vollständig abheilen ließ als Placebo. Die große Studie an Handgelenksbrüchen mit 274 Teilnehmern wurde abgebrochen, weil kein Nutzen gegenüber Placebo zu sehen war. Zu wiederholten Injektionen gibt es keine Humandaten. Im Sport ist TP508 jederzeit verboten.
Was TP508 ist und wie es wirkt
Thrombin ist das Schlüsselenzym der Blutgerinnung, gibt aber auch den Anstoß zur Gewebereparatur. TP508 bildet die Aminosäuren 508 bis 530 des menschlichen Prothrombins nach, Sequenz AGYKPDEGKRGDACEGDSGGPFV. Laut der Entwicklergruppe ist das die Stelle, mit der Thrombin an eine Untergruppe von Rezeptoren auf Fibroblasten bindet; die gerinnungsaktive Spaltfunktion des ganzen Enzyms hat das Bruchstück nicht.
In menschlichen Endothelzellen, den Zellen der Gefäßinnenwand, setzte TP508 binnen 5 Minuten Stickstoffmonoxid frei, zwei- bis viermal so viel wie ohne Peptid und in ähnlicher Größenordnung wie der Wachstumsfaktor VEGF, aber über einen anderen Signalweg. In Tiermodellen beschleunigte es die Heilung von Haut- und Knochenwunden, bei Ratten fanden sich im Frakturkallus mehr große Blutgefäße. Bei Mäusen verbesserte eine einzelne Injektion 24 Stunden nach tödlicher Bestrahlung das Überleben und schützte die Darmschleimhaut. Welcher Rezeptor genau angesprochen wird, ist nicht eindeutig geklärt; die Entwickler schrieben 2010 selbst, die molekularen Mechanismen seien unklar.
Was gut belegt ist
- Ein positiver randomisierter Befund an Wunden. In einer doppelblinden, placebokontrollierten Phase-I/II-Studie mit 60 Menschen mit diabetischen Fußgeschwüren heilten unter äußerlich aufgetragenem TP508 mehr als doppelt so viele Geschwüre vollständig ab wie unter Placebo, und die mediane Zeit bis zum vollständigen Verschluss war um etwa 40 Prozent kürzer.
- Ein beschriebener Wirkweg. Die schnelle Freisetzung von Stickstoffmonoxid in menschlichen Endothelzellen und die Gefäßneubildung in Wund- und Frakturmodellen sind in Zellkultur und Tier gemessen.
- Unauffällige Verträglichkeit in der Wundstudie. Lokale Reaktionen und Nebenwirkungen traten unter TP508 und Placebo gleich häufig auf, Laborveränderungen durch den Wirkstoff und schwere Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.
Was die Studien zeigen
Diabetische Fußgeschwüre, Fife 2007
60 Teilnehmer wurden doppelblind auf TP508 in Kochsalzlösung oder Kochsalzlösung allein verteilt, zweimal pro Woche auf das Geschwür aufgetragen, zusätzlich zu Standardversorgung und Druckentlastung. TP508 mehr als verdoppelte den Anteil vollständig abgeheilter Fußgeschwüre, beschleunigte die mittlere Verschlussrate um etwa 80 Prozent und verkürzte die mediane Zeit bis zum vollständigen Verschluss um etwa 40 Prozent, jeweils p<0,05. Den dosisabhängigen Effekt berichten die Autoren für die Per-Protokoll-Auswertung, also nur für die Teilnehmer, die die Studie wie geplant durchliefen. Bei Fersengeschwüren heilten 6 von 7 gegenüber 0 von 5 unter Placebo.
Handgelenksbruch, Phase 2b (NCT00131482)
274 Erwachsene mit Bruch der Speiche am Handgelenk erhielten bei der Operation eine einzige Gabe TP508 in einer von vier Dosisstufen oder Placebo an die Bruchstelle. Der primäre Endpunkt war die Zeit bis zur Abnahme jeder festen Ruhigstellung. Die Studie wurde im März 2007 abgebrochen; als Grund nennt das Register, dass TP508 keinen Nutzen gegenüber Placebo zeigte. Ergebnisse sind im Register nicht hinterlegt.
Die Darstellung der Entwickler, 2008
In einer Übersicht beschreiben Carney und Olszewska-Pazdrak eine Phase-III-Studie an Handgelenksbrüchen, eine der größten Frakturstudien ihrer Zeit. Im Röntgenbild heilten die Brüche unter TP508 signifikant schneller, den klinischen Hauptendpunkt, die Zeit bis zur Abnahme der Ruhigstellung, verfehlte das Mittel aber in der Gesamtgruppe. In einer Teilgruppe von Frauen mit Osteopenie wurde er erreicht. Teilgruppenbefunde nach einem verfehlten Hauptendpunkt erzeugen Hypothesen, sie belegen keinen Nutzen. Ob diese Studie mit dem Registereintrag identisch ist, geht aus den Quellen nicht eindeutig hervor; beide nennen denselben Hauptendpunkt.
Strahlenschäden im Tier, Kantara 2015
Die Firma Chrysalis BioTherapeutics stellte TP508 für Versuche als Mittel gegen akute Strahlenschäden bereit. Bei Mäusen, die eine tödliche Strahlendosis erhielten, verbesserte eine einzelne Injektion 24 Stunden danach das Überleben, die Darmkrypten blieben eher erhalten. Am Menschen ist das nicht untersucht.
Wo die Daten aufhören
- Eine einzige veröffentlichte Wirksamkeitsstudie. Der positive Befund stammt aus 60 Patienten mit diabetischen Fußgeschwüren und wurde nicht in einer größeren Studie bestätigt.
- Knochenbrüche: Nullbefund. Die große Frakturstudie wurde ohne Nutzen gegenüber Placebo abgebrochen; die günstigen Befunde der Entwickler betreffen Röntgenbilder und eine Teilgruppe.
- Keine Daten zur wiederholten Injektion. Am Menschen wurde TP508 äußerlich auf Wunden oder einmalig an eine Bruchstelle gegeben. Für andere Anwendungsformen gibt es nur Tierdaten.
- Keine laufende Entwicklung am Menschen. Seit dem Abbruch 2007 ist im Register keine weitere Studie eingetragen (Abfrage 05.10.2026). Die Forschung zu Strahlenschäden ist Tierforschung.
- Graumarkt-Ware ist nicht das Studienpräparat. Was als Forschungspeptid auf dem Graumarkt verkauft wird, ist in Reinheit, Gehalt und Sterilität ungeprüft.
Status, Zulassung und Recht
TP508 ist weder in Deutschland noch in der EU oder den USA als Arzneimittel zugelassen. Entwickelt wurde es als Chrysalin von OrthoLogic, die Frakturstudie lief unter Capstone Therapeutics und wurde 2007 abgebrochen. Weil es nie ein Arzneimittel wurde, steht es auch nicht in der Liste verschreibungspflichtiger Stoffe; angeboten wird es als Forschungschemikalie. Im Sport fällt TP508 unter S0 der WADA-Liste 2026, nicht zugelassene Substanzen, und ist damit jederzeit verboten.
Sicherheit
In der Wundstudie mit 60 Teilnehmern waren lokale Wundreaktionen und Nebenwirkungen in beiden Gruppen gleich häufig, wirkstoffbedingte Laborveränderungen und schwere Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. Die Entwickler geben auch für die Frakturstudien keine wirkstoffbedingten Nebenwirkungen an. Das ist eine schmale Basis: einige hundert Patienten, kurze Beobachtung, äußerliche oder einmalige lokale Gabe. Langzeitdaten und Daten zu wiederholten Injektionen fehlen, ebenso Daten zu Menschen mit Gerinnungsstörungen, Gefäß- oder Tumorerkrankungen.
BK-Score Hype weit vor Evidenz
| Human-Evidenz | 3 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 4 | |
| Sicherheits-Datenlage | 2 | |
| Hype-Abstand | 2 | |
| Anwendungserfahrung | 2 |
Evidenz 3, weil es genau eine veröffentlichte randomisierte Studie gibt: 60 Patienten mit diabetischen Fußgeschwüren, äußerliche Anwendung, mehr als doppelt so viele vollständige Abheilungen wie unter Placebo (Fife 2007); die große Frakturstudie mit 274 Teilnehmern wurde laut Register abgebrochen, weil TP508 keinen Nutzen gegenüber Placebo zeigte (NCT00131482), und die Entwickler berichten für die Phase III ein verfehltes Hauptziel (Carney 2008). Mechanismus 4, weil Bindung an Thrombin-Rezeptoren auf Fibroblasten, NO-Freisetzung in Endothelzellen und Gefäßneubildung in Zell- und Tiermodellen gezeigt sind, der Rezeptor aber nicht eindeutig benannt ist und die Entwickler die molekularen Mechanismen 2010 selbst als unklar bezeichneten. Sicherheit 2, weil Verträglichkeitsdaten nur aus einigen hundert Patienten mit äußerlicher oder einmaliger lokaler Gabe stammen; zu wiederholten Injektionen gibt es keine Humandaten. Hype 2, weil TP508 als Heilungspeptid gehandelt wird, obwohl der größte Test am Menschen keinen Nutzen fand. Anwendung 2: wenige Studien in den 2000ern, keine Zulassung, seither keine registrierte Studie. Richtung gemischt: ein kleiner positiver Befund an Wunden, ein großer Nullbefund an Knochenbrüchen.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu TP508 (Rusalatide, Chrysalin)
Was ist TP508?
TP508 ist ein im Labor hergestelltes Peptid aus 23 Aminosäuren, das einen Abschnitt des Gerinnungsenzyms Thrombin nachbildet. Es wurde unter dem Namen Chrysalin als Heilmittel für Wunden und Knochenbrüche entwickelt, aber nie zugelassen.
Hilft TP508 bei der Wundheilung?
Eine Studie mit 60 Menschen mit diabetischen Fußgeschwüren spricht dafür: Unter äußerlich aufgetragenem TP508 heilten mehr als doppelt so viele Geschwüre vollständig ab wie unter Placebo. Eine größere Bestätigungsstudie gibt es nicht.
Beschleunigt TP508 die Heilung von Knochenbrüchen?
Belegt ist das nicht. Die große Studie an Handgelenksbrüchen mit 274 Teilnehmern wurde abgebrochen, weil kein Nutzen gegenüber Placebo zu sehen war. Die Entwickler berichten schnellere Heilung im Röntgenbild und einen Effekt in einer Teilgruppe, den Hauptendpunkt verfehlte TP508 aber.
Ist TP508 zugelassen?
Nein, weder in Deutschland noch in der EU oder den USA. Seit dem Abbruch der Frakturstudie 2007 ist im Studienregister keine weitere Studie am Menschen eingetragen.
Ist TP508 im Sport erlaubt?
Nein. Als nicht zugelassene Substanz fällt TP508 unter S0 der WADA-Verbotsliste 2026 und ist innerhalb und außerhalb des Wettkampfs verboten.
Wie sicher ist TP508?
In den kleinen Studien traten unter TP508 nicht mehr Nebenwirkungen auf als unter Placebo. Die Daten stammen aber aus wenigen hundert Patienten mit äußerlicher oder einmaliger Gabe; zu wiederholten Injektionen und zur Langzeitanwendung gibt es keine Humandaten.
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Quellen
- Fife C et al., Wound Repair Regen 2007 – Phase I/II, diabetische Fußgeschwüre, 60 Teilnehmer
- ClinicalTrials.gov NCT00131482 – Phase 2b bei Handgelenksbruch, 274 Teilnehmer, abgebrochen ohne Nutzen gegenüber Placebo
- Carney DH, Olszewska-Pazdrak B, Expert Opin Pharmacother 2008 – Übersicht der Entwickler, Phase-III-Frakturstudie
- Ryaby JT et al., J Bone Joint Surg Am 2006 – Wirkweg und frühe Studien
- Olszewska-Pazdrak B et al., J Vasc Res 2010 – NO-Freisetzung in menschlichen Endothelzellen
- Kantara C et al., Lab Invest 2015 – Strahlenschäden im Mausmodell, Sequenz und Herkunft
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