Biohacking Kompakt

Supplement

Pau d’Arco (Lapacho)

Kräuter · Lapacho, Lapachorinde, Taheebo, Ipê roxo, Tabebuia impetiginosa, Tabebuia avellanedae, Handroanthus impetiginosus

Pau d’Arco, in Deutschland als Lapacho bekannt, ist die innere Rinde eines südamerikanischen Baums. Seit den 1960er-Jahren gilt sie als Wundermittel gegen Krebs, dazu kamen Pilze und Infekte. Am Menschen gibt es zur Rinde eine einzige Studie mit zwölf Frauen, ohne Kontrollgruppe. Deutlicher sind die Warnsignale: Der Inhaltsstoff Lapachol war im Rattenversuch stark fruchtschädigend, und für die Rinde ist eine Störung des Vitamin-K-Kreislaufs beschrieben.

Was Pau d’Arco ist

Pau d’Arco, auch Lapacho oder Taheebo genannt, ist die innere Rinde von Tabebuia impetiginosa, botanisch inzwischen Handroanthus impetiginosus. Der Baum wächst im Amazonasgebiet und in anderen Teilen Südamerikas. Dort wird die Rinde traditionell als Abkochung gegen bakterielle und Pilzinfektionen, Fieber, Malaria sowie Magen- und Blasenbeschwerden getrunken (Gómez Castellanos 2009).

In den 1960er-Jahren berichtete die brasilianische Presse über angebliche Heilungen von Krebspatienten; etwa zur selben Zeit nahm das US-amerikanische National Cancer Institute die Pflanze in sein Suchprogramm nach Krebswirkstoffen auf. In Deutschland ist Lapacho vor allem als Tee bekannt. Im BK-Score steht die Human-Evidenz bei 2 von 10 Punkten. Diese Achse bewertet den Wissensstand, nicht die Pflanze: lange getrunken heißt nicht untersucht.

Wie es wirken soll

Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind Naphthochinone, vor allem Lapachol und Beta-Lapachon. In Zell- und Tierversuchen wirken Extrakte entzündungshemmend, antibakteriell und pilzhemmend, Beta-Lapachon zusätzlich stark zellschädigend auf Tumorzellen (Zhang 2020; Gómez Castellanos 2009). Beta-Lapachon gelangte als isolierter Wirkstoff bis in klinische Studien der Phase 2 (Zhang 2020).

Zwischen Laborbefund und Teetasse fehlt das Bindeglied: Wie viel Lapachol oder Beta-Lapachon aus Tee oder Kapsel im Körper ankommt, ist für die Rinde am Menschen nicht beschrieben. Dazu kommt, dass die Handelsware laut einer Übersicht stark in Qualität und Zusammensetzung schwankt (Gómez Castellanos 2009).

Was gut belegt ist

  • Lange Tradition. Die Rinde wird in Südamerika seit langem als Abkochung verwendet und ist in Deutschland als Tee bekannt.
  • Wirkungen im Labor. Entzündungshemmende, antibakterielle und pilzhemmende Effekte sind in Zell- und Tierversuchen vielfach beschrieben.
  • Warnsignale aus der Toxikologie. Lapachol tötete im Rattenversuch fast alle Feten ab, und für die Rinde ist eine Störung des Vitamin-K-Kreislaufs beschrieben.

Was die Studien zeigen

Regelschmerzen: zwölf Frauen, keine Kontrollgruppe

McClure 2022 gab zwölf gesunden Frauen zwischen 18 und 45 Jahren mit primären Regelschmerzen acht Wochen lang 1.050 mg Pau d’Arco täglich in Kapseln. Die Studie war offen und hatte keine Vergleichsgruppe; im Vordergrund standen Sicherheit und Verträglichkeit. Neun von zwölf beendeten die Studie, neun meldeten unerwünschte Ereignisse, meist leicht und keines schwerwiegend. Gemessen wurden unter anderem die Gerinnungszeit und das Blutbild; die Laborwerte blieben überwiegend im Normbereich, mit einzelnen leichten Abweichungen. Die Schmerzstärke sank gegenüber dem Ausgangswert. Ohne Placebogruppe lässt sich das nicht von einem Placeboeffekt trennen, und die Autoren selbst sprechen von mäßiger Verträglichkeit.

Lapachol in der Krebsforschung der 1970er-Jahre

Das National Cancer Institute prüfte den Einzelstoff Lapachol in frühen klinischen Studien (Block 1974). Diese Studien galten einem isolierten Wirkstoff, nicht der Rinde oder dem Tee, und sie haben nicht zu einem zugelassenen Krebsmittel geführt.

Lapachol im Tierversuch: stark fruchtschädigend

Guerra 2001 gab trächtigen Ratten vom 8. bis 12. Trächtigkeitstag Lapachol über die Schlundsonde. Die Muttertiere blieben unauffällig, aber 99,2 Prozent der Feten starben ab. Felício 2002 fand bei Gabe kurz vor der Geburt keine Schäden bei den Muttertieren, aber ein verzögertes Wachstum der Feten.

Wo die Daten aufhören

  • Krebs. Eine kontrollierte Studie mit Lapacho-Tee oder Kapseln bei Krebspatienten ließ sich nicht finden. Laborbefunde zu Beta-Lapachon und frühe Studien mit reinem Lapachol sagen nichts über die Rinde.
  • Candida und andere Pilzinfektionen. Pilzhemmende Effekte gibt es nur im Labor; klinische Studien mit Einnahme ließen sich nicht finden.
  • Regelschmerzen. Die einzige Humanstudie hatte zwölf Teilnehmerinnen und keine Placebogruppe.
  • Qualität der Ware. Weil Zusammensetzung und Wirkstoffgehalt schwanken, lässt sich nicht sagen, was ein bestimmtes Produkt enthält.

Status, Zulassung und Recht

Lapacho ist in Deutschland kein Arzneimittel. Die Stoffliste des Bundes und der Bundesländer (Stand 2014) führt die Rinde von Tabebuia impetiginosa mit bekannter Verwendung als Tee und ordnet sie keiner der Listen zu, auf denen von einer Verwendung in Lebensmitteln abgeraten oder eine Beschränkung empfohlen wird. Als kritische Inhaltsstoffe nennt sie die Naphthochinone, etwa Lapachol, und weist allgemein darauf hin, dass sich Extrakte von der Pflanze selbst unterscheiden können. Im Novel-Food-Katalog der EU-Kommission hat die Pflanze keinen Eintrag; ob Rindenpulver oder Extrakt in Kapseln genauso zu bewerten ist wie Tee, ist behördlich nicht ausdrücklich geklärt. Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe gibt es nicht. Werbung gegen Krebs, Pilze oder Infekte ist damit nicht erlaubt.

Sicherheit

Die Sicherheit ist kaum systematisch untersucht. Die deutlichsten Signale kommen aus dem Tierversuch: Lapachol tötete bei trächtigen Ratten fast alle Feten ab. Für die Rinde ist außerdem eine Störung des Vitamin-K-Kreislaufs beschrieben, den der Körper für die Blutgerinnung braucht (mehr zu Vitamin K auf der Seite zu Vitamin K2); das betrifft besonders Menschen, die Gerinnungshemmer einnehmen. Die BVL-Stoffliste nennt Reizungen von Haut und Schleimhaut sowie bei großen Mengen zytotoxische Effekte und Störungen des Verdauungstrakts. In der einzigen Humanstudie meldeten neun von zwölf Frauen meist leichte unerwünschte Ereignisse.

Schwangerschaft, Stillzeit und die Einnahme von Gerinnungshemmern sind deshalb ein Fall für die ärztliche Rücksprache. Im BK-Score steht die Sicherheits-Datenlage bei 3 von 10 Punkten; diese Achse misst, wie gut die Sicherheit untersucht ist, nicht wie sicher die Pflanze ist. Dieser Text ist Information und ersetzt keine medizinische Beratung.

BK-Score Lange angewendet, kaum untersucht

Human-Evidenz2
Mechanismus3
Sicherheits-Datenlage3
Hype-Abstand1
Anwendungserfahrung6

Evidenz 2, weil zur Rinde am Menschen nur eine offene Studie ohne Kontrollgruppe mit 12 Frauen vorliegt, die vor allem die Verträglichkeit prüfte (McClure 2022); die frühen klinischen Studien des National Cancer Institute (Block 1974) galten dem Einzelstoff Lapachol, nicht der Rinde. Mechanismus 3, weil Naphthochinone wie Lapachol und Beta-Lapachon in Zell- und Tierversuchen entzündungshemmend und zellschädigend wirken (Zhang 2020), aber unklar ist, wie viel davon aus Tee oder Kapsel im Körper ankommt. Sicherheit 3, weil es Warnsignale gibt, aber kaum systematische Humandaten: Lapachol war bei Ratten stark fruchtschädigend (Guerra 2001), für die Rinde ist eine Störung des Vitamin-K-Kreislaufs beschrieben (Gómez Castellanos 2009). Hype 1, weil Pau d’Arco seit den 1960er-Jahren als Wundermittel gegen Krebs, Pilze und Infekte gilt, ohne eine einzige kontrollierte Wirksamkeitsstudie. Anwendung 6, weil die Rinde in Südamerika traditionell als Abkochung getrunken wird und die BVL-Stoffliste sie als bekannten Tee führt. Richtung offen: zu wenig Humandaten für eine Aussage.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Pau d’Arco

Hilft Pau d’Arco gegen Krebs?

Dafür gibt es keinen Beleg am Menschen. Der Ruf als Krebsmittel stammt aus brasilianischen Presseberichten der 1960er-Jahre. Beta-Lapachon wirkt im Labor stark auf Tumorzellen, und das National Cancer Institute prüfte den Einzelstoff Lapachol in frühen Studien. Eine kontrollierte Studie mit Tee oder Kapseln bei Krebspatienten ließ sich nicht finden.

Wirkt Pau d’Arco gegen Candida?

Pilzhemmende Effekte sind in Zell- und Tierversuchen beschrieben. Klinische Studien, in denen Menschen Pau d’Arco gegen eine Pilzinfektion einnehmen, ließen sich nicht finden. Eine vermutete Pilzinfektion gehört in ärztliche Abklärung, weil es dafür geprüfte Behandlungen gibt.

Ist Lapacho-Tee dasselbe wie Pau d’Arco?

Ja, beide Namen bezeichnen die Rinde von Tabebuia impetiginosa, auch Taheebo ist gebräuchlich. Tee und Kapseln mit Rindenpulver oder Extrakt unterscheiden sich aber in Menge und Zusammensetzung, und die Handelsware schwankt laut einer Übersicht stark. Ergebnisse lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres von einer Form auf die andere übertragen.

Ist Pau d’Arco in der Schwangerschaft unbedenklich?

Das ist am Menschen nicht untersucht, und die Tierdaten sprechen für Vorsicht. Der Inhaltsstoff Lapachol führte bei trächtigen Ratten zum Absterben von 99,2 Prozent der Feten. Schwangerschaft und Stillzeit sind deshalb ein Fall für die ärztliche Rücksprache, bevor Lapacho eingenommen wird.

Ist Pau d’Arco in Deutschland erlaubt?

Lapacho ist als Tee bekannt und wird auch in Kapseln verkauft. Die Stoffliste des Bundes und der Bundesländer führt die Rinde mit bekannter Verwendung als Tee, im Novel-Food-Katalog der EU hat sie keinen Eintrag. Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe gibt es nicht, Werbung gegen Krankheiten ist damit nicht erlaubt.

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.