Peptid & Experimentelles
NAD+ als Nasenspray und Spritze
Coenzym (Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid), in diesen Darreichungsformen nicht zugelassen · NAD+ Nasal Spray, NAD+-Injektion, subkutanes NAD+, Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid
NAD+ als Nasenspray oder als kleine Spritze unter die Haut soll den Umweg über die Vorstufen NMN und NR abkürzen und ohne stundenlange Infusion auskommen. Unter die Haut gespritzt wurde NAD+ bisher in einer vorläufigen Sicherheitsstudie an 6 Personen über 3 Tage, ohne auffällige Nebenwirkungen. Für das Nasenspray gibt es nur Versuche an Ratten und Mäusen. Eine Studie zu Energie, Fokus oder Altern gibt es für keinen der beiden Wege.
Was NAD+ als Nasenspray und Spritze ist
NAD+ (Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid) ist ein Coenzym, das jede Zelle für den Energiestoffwechsel braucht und das Enzyme wie Sirtuine und PARP verbrauchen. Im Longevity-Umfeld gibt es drei Wege, den Spiegel anzuheben: die Vorstufen NMN und NR zum Schlucken, die Infusion über die Vene und, um die es hier geht, NAD+ direkt in die Nase gesprüht oder mit einer kleinen Spritze unter die Haut gegeben.
Diese Seite behandelt nur Nasenspray und Spritze. Was für die Vorstufen gezeigt ist, etwa der Anstieg von NAD+ im Blut nach NR, lässt sich nicht übertragen: Es ist ein anderer Stoff auf einem anderen Weg. Bewertet wird der Wissensstand, und der ist für beide Darreichungsformen dünn.
Wie es wirken soll
Beim Nasenspray ist die Idee, NAD+ über die Riechschleimhaut direkt Richtung Gehirn zu bringen. Bei Ratten stieg nach Gabe in die Nase tatsächlich der NAD+-Gehalt im Gehirn. Bei der Spritze unter die Haut soll NAD+ den Verdauungstrakt umgehen, in dem es zerlegt würde.
Offen ist, wie viel davon unzerlegt in die Zellen gelangt. Über die Vene infundiert verschwand es beim Menschen in den ersten 2 Stunden vollständig aus dem Blutplasma, und die Abbauprodukte passten zu Enzymen, die NAD+ außerhalb der Zellen zerlegen. Ob Nase oder Haut daran etwas ändern, ist am Menschen nicht gemessen.
Was gut belegt ist
- Spritzen unter die Haut sind kurzfristig gegeben worden. In einer randomisierten Pilotstudie bekamen 6 Personen NAD+ an 3 Tagen unter die Haut, 4 in den Muskel und 5 in die Vene. Alle blieben bis zum Ende in der Studie, auf die Injektionen zurückführbare unerwartete Nebenwirkungen traten nicht auf. Das ist ein Sicherheitssignal für 3 Tage, kein Wirksamkeitsbeleg.
- Über die Nase erreicht NAD+ bei Ratten das Gehirn. Nach Gabe in die Nase stieg der NAD+-Gehalt im Rattenhirn, und nach einem künstlich ausgelösten Schlaganfall waren die Infarkte kleiner. Nicotinamid auf demselben Weg wirkte nicht.
- Was mit NAD+ im Blut passiert, ist am Menschen gemessen. Über die Vene gegebenes NAD+ wird rasch aus dem Plasma entfernt und zerlegt. Das stammt aus einer Pilotstudie mit 6-stündiger Infusion und ist der wichtigste Anhaltspunkt dafür, wie sich NAD+ außerhalb der Zellen verhält.
Was die Studien zeigen
Nkrumah-Elie 2026: drei Wege, je eine Handvoll Personen
Ein Preprint aus dem Jahr 2026, also noch nicht von Fachgutachtern geprüft, fasst zwei Pilotstudien zusammen. In der ersten wurden 45 Personen auf neun Gruppen verteilt: Placebo, NR oder NAD+, jeweils in den Muskel, in die Vene oder unter die Haut, einmal täglich an 3 Tagen. NAD+ unter die Haut bekamen 6 Personen. Gemessen wurden Vitalwerte, Blutwerte, Erfahrungsberichte und Nebenwirkungen, keine Wirkung auf Energie oder Leistung. Alle Teilnehmenden blieben dabei, die Injektionen waren mit Beschwerden verbunden, aber gut verträglich. Die zweite Studie testete nur NR an 39 Personen; dort berichteten 45,9 Prozent über Schmerzen, die länger als 2 Minuten nach der Spritze anhielten. Eine registrierte Studie mit demselben Aufbau aus NR, NAD+ und Placebo auf drei Wegen (NCT06919328) nennt als Hauptzielgröße den Schmerz beim Einstich.
Grant 2019: was mit NAD+ im Blut passiert
In einer Pilotstudie erhielten Gesunde 6 Stunden lang NAD+ über die Vene. In den ersten 2 Stunden stieg weder NAD+ im Plasma noch eines seiner Abbauprodukte; das zugeführte NAD+ wurde rasch und vollständig aus dem Plasma entfernt. Die Abbauprodukte sprachen für Enzyme, die NAD+ außerhalb der Zellen spalten. Nach 6 Stunden wurden NAD+ und Methylnicotinamid vermehrt im Urin ausgeschieden. Die Studie betrifft die Vene, nicht Nase oder Haut. Sie zeigt aber, dass zugeführtes NAD+ nicht einfach als NAD+ in den Zellen ankommt.
Ying 2007: Ratten, Schlaganfall, Nase
Bei Ratten mit vorübergehend verschlossener Hirnarterie erhöhte NAD+ in die Nase den NAD+-Gehalt im Gehirn. Zwei Stunden nach Beginn der Durchblutungsstörung gegeben, verringerte es die Infarktgröße nach 24 und 72 Stunden und milderte die neurologischen Ausfälle. Nicotinamid auf demselben Weg hatte keinen Effekt. Das ist ein Akutmodell an Tieren, kein Hinweis auf eine Wirkung bei gesunden Menschen.
Yoo 2026: Mäuse ohne Geruchssinn
Bei Mäusen, deren Riechschleimhaut chemisch geschädigt war, verbesserte NAD+ in die Nase den Geruchssinn und die Reparatur der Schleimhaut. In Zellkultur förderte NAD+ die Reifung menschlicher Riech-Stammzellen zu Riechnervenzellen. Die Arbeit ist die erste Spur für eine mögliche medizinische Anwendung in der Nase, beim Menschen aber nicht geprüft.
Wo die Daten aufhören
- Jede Wirkung am Menschen. Für Energie, Konzentration, Schlaf, Erholung oder Altern gibt es weder für das Nasenspray noch für die Spritze eine Studie mit Kontrollgruppe.
- Das Nasenspray überhaupt. Es gibt keine einzige Studie am Menschen, auch keine zur Verträglichkeit an der Nasenschleimhaut oder zur Frage, ob nennenswerte Mengen aufgenommen werden.
- Ob NAD+ in die Zellen gelangt. Gemessen ist nur, dass über die Vene gegebenes NAD+ im Plasma rasch zerlegt wird. Für Haut und Nase fehlen solche Messungen.
- Übertragbarkeit von NMN, NR und Infusion. Die Daten zu den Vorstufen und zur Infusion betreffen andere Stoffe oder andere Wege und gelten nicht automatisch für Nasenspray und Spritze.
- Längere Anwendung. Die längste Beobachtung mit NAD+ unter die Haut umfasst 3 Tage an 6 Personen.
Status, Zulassung und Recht
In Deutschland und der EU wurde bei der Recherche kein zugelassenes Arzneimittel mit NAD+ als Nasenspray oder Injektion gefunden. Nasenspray und Spritze sind keine Lebensmittel, denn Lebensmittel sind nach EU-Recht Erzeugnisse, die zur Aufnahme durch Verzehr bestimmt sind. Produkte, die Körperfunktionen beeinflussen sollen, sind Arzneimittel; ohne Zulassung dürfen sie nach § 21 Arzneimittelgesetz nicht in Verkehr gebracht werden.
Anders ist es beim Schlucken: Der Novel-Food-Katalog der EU-Kommission stuft NAD+ in Nahrungsergänzungsmitteln als nicht neuartig ein (Eintrag vom 01.02.2024). Eine Kapsel mit NAD+ braucht also keine Novel-Food-Zulassung, ein Nasenspray oder eine Spritze fällt aber gar nicht unter das Lebensmittelrecht.
Sicherheit
Für das Nasenspray gibt es keine Sicherheitsdaten am Menschen. Für die Spritze unter die Haut stammen sie aus einem Preprint mit 6 Personen über 3 Tage: keine auf die Injektion zurückführbaren unerwarteten Nebenwirkungen, aber Beschwerden an der Einstichstelle. In der Folgestudie mit dem verwandten NR klagten 45,9 Prozent über Schmerzen länger als 2 Minuten nach der Spritze und 43,2 Prozent über Muskelkater oder Verspannung.
Hinzu kommen die Risiken des Wegs selbst. Ware aus dem Graumarkt ist nicht auf Reinheit und Keimfreiheit geprüft, selbst angemischte Lösungen und Spritzen bergen das Risiko von Infektionen an der Einstichstelle. Langzeit- und Wechselwirkungsdaten fehlen vollständig.
BK-Score Hype weit vor Evidenz
| Human-Evidenz | 2 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 3 | |
| Sicherheits-Datenlage | 2 | |
| Hype-Abstand | 2 | |
| Anwendungserfahrung | 3 |
Evidenz 2, weil es für keinen der beiden Wege eine Wirksamkeitsstudie am Menschen gibt: Unter die Haut gespritzt wurde NAD+ nur in einer randomisierten Pilotstudie an 6 Personen über 3 Tage, ausgewertet auf Verträglichkeit und bisher nur als Preprint veröffentlicht (Nkrumah-Elie 2026), für das Nasenspray liegen ausschließlich Ratten- und Mausdaten vor (Ying 2007; Yoo 2026). Mechanismus 3, weil NAD+ in die Nase bei Ratten den NAD+-Gehalt im Gehirn erhöhte, beim Menschen aber offen ist, wie viel unzerlegtes NAD+ ankommt – über die Vene gegeben verschwand es in den ersten 2 Stunden vollständig aus dem Plasma (Grant 2019). Sicherheit 2, weil für das Nasenspray keine und für die Spritze nur Dreitagesdaten an 6 Personen existieren. Hype 2, weil Energie, Fokus und Anti-Aging versprochen werden, ohne dass eine dieser Wirkungen auf diesen Wegen je am Menschen gemessen wurde. Anwendung 3, weil beide Formen erst seit wenigen Jahren über Longevity-Praxen und den Graumarkt verbreitet sind, ohne Zulassung. Richtung offen, weil es keinen Endpunkt am Menschen gibt, der für oder gegen einen Nutzen spricht.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu NAD+ als Nasenspray und Spritze
Wirkt NAD+ als Nasenspray?
Am Menschen ist das nicht untersucht. Es gibt nur Tierversuche: Bei Ratten erhöhte NAD+ in die Nase den NAD+-Gehalt im Gehirn und verkleinerte Infarkte nach einem künstlich ausgelösten Schlaganfall, bei Mäusen half es nach chemisch ausgelöstem Geruchsverlust. Studien zu Energie, Fokus oder Altern gibt es nicht.
Ist NAD+ unter die Haut besser als NMN oder NR?
Das ist nicht verglichen worden. Für die Vorstufen NMN und NR gibt es Placebo-Studien, die einen Anstieg von NAD+ im Blut zeigen. Für NAD+ unter die Haut gibt es nur eine Sicherheitsauswertung an 6 Personen über 3 Tage, ohne Messung einer Wirkung.
Kommt NAD+ aus dem Nasenspray im Gehirn an?
Bei Ratten ja, dort stieg der NAD+-Gehalt im Gehirn nach Gabe in die Nase. Beim Menschen wurde das nie gemessen. Über die Vene gegebenes NAD+ wird im Blut rasch zerlegt, deshalb lässt sich nicht einfach annehmen, dass es unzerlegt in die Zellen gelangt.
Ist ein NAD+-Nasenspray in Deutschland erlaubt?
Ein zugelassenes Arzneimittel mit NAD+ als Nasenspray oder Spritze wurde bei der Recherche nicht gefunden. Nasenspray und Spritze sind keine Lebensmittel; als Produkte zur Beeinflussung von Körperfunktionen wären sie Arzneimittel, die ohne Zulassung nicht in Verkehr gebracht werden dürfen. NAD+ zum Schlucken gilt dagegen in Nahrungsergänzungsmitteln als nicht neuartig.
Welche Nebenwirkungen hat NAD+ als Spritze?
In einer vorläufigen Studie mit 6 Personen über 3 Tage traten keine auf die Spritze zurückführbaren unerwarteten Nebenwirkungen auf, die Injektionen waren aber mit Beschwerden verbunden. In der Folgestudie mit NR berichtete fast die Hälfte über Schmerzen länger als 2 Minuten nach der Spritze. Langzeitdaten fehlen.
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Quellen
- Nkrumah-Elie Y et al., medRxiv 2026 (Preprint) – vorläufige Sicherheitsauswertung zweier Pilotstudien mit Injektionen von NR und NAD+ unter die Haut, in den Muskel und in die Vene
- Grant R et al., Front Aging Neurosci 2019 – NAD+-Metabolom in Plasma und Urin während einer 6-stündigen NAD+-Infusion, Pilotstudie
- Ying W et al., Front Biosci 2007 – NAD+ in die Nase verringert die Hirnschädigung bei Ratten nach vorübergehender Ischämie
- Yoo SH et al., Exp Mol Med 2026 – NAD+ in die Nase bei Geruchsverlust, Maus und menschliche Riech-Stammzellen
- ClinicalTrials.gov NCT06919328 – Aufnahme und Verträglichkeit von injiziertem NR im Vergleich zu NAD+, randomisiert, verblindet
- ClinicalTrials.gov NCT07251608 – Sicherheitsstudie mit wiederholten Injektionen von NR unter die Haut und in den Muskel über 100 Tage
- EU-Kommission, Novel-Food-Katalog – Nicotinamide adenine dinucleotide (NAD+): nicht neuartig in Nahrungsergänzungsmitteln
- Verordnung (EG) Nr. 178/2002, Artikel 2 – Begriff Lebensmittel
- Arzneimittelgesetz § 21 – Zulassungspflicht
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.