Peptid & Experimentelles
Fulleren C60 in Olivenöl
Kohlenstoff-Molekül (Fulleren), in Öl gelöst; in der EU nicht als Lebensmittel zugelassen · C60, Buckminsterfulleren, [60]Fulleren, C60-OO, C60-EVOO, C60-Olivenöl
C60 in Olivenöl verdankt seinen Ruf einer einzigen Rattenstudie von 2012: Eine kleine Gruppe Ratten lebte darin fast doppelt so lange. Zwei spätere Studien an Mäusen fanden keine echte Lebensverlängerung, eine davon zeigte, dass C60-Öl unter normalem Raumlicht giftige Stoffe bildet. Am Menschen ist C60 nicht untersucht, und als Lebensmittel ist es in der EU nicht zugelassen.
Was C60 ist
C60, auch Buckminsterfulleren, ist ein Molekül aus 60 Kohlenstoffatomen in Form eines Fußballs. Es wurde 1985 entdeckt und wird synthetisch hergestellt. In Longevity-Kreisen wird es in Olivenöl gelöst angeboten, weil die berühmte Rattenstudie diese Form verwendet hat.
Bewertet wird der Wissensstand. Er beruht vollständig auf Tierversuchen und Laborarbeiten, und auch dort ist der zentrale Befund nicht wiederholt worden.
Wie es wirken soll
C60 fängt im Reagenzglas sehr wirksam freie Radikale ab und gilt deshalb als starkes Antioxidans. In Olivenöl gelöst wird es bei Ratten über den Darm aufgenommen und innerhalb einiger zehn Stunden wieder ausgeschieden. Die Autoren der Rattenstudie führten die längere Lebensdauer vor allem auf weniger altersbedingten oxidativen Stress zurück.
Diese Wirkkette ist nicht belegt. Bei Mäusen ließ sich die Lebensverlängerung nicht wiederholen, und unter Licht entstehen in C60-Öl Abbauprodukte, die selbst schaden.
Was gut belegt ist
- Die Rattenstudie von 2012 ist ein auffälliger Einzelbefund. Ratten, die C60 in Olivenöl bekamen, lebten deutlich länger als Ratten mit reinem Olivenöl oder ohne Behandlung, nach Angaben der Wiederholungsstudie um 90 Prozent länger im Mittel. Es war eine kleine Gruppe, und es ist bis heute die einzige Studie mit diesem Ergebnis.
- Kurzfristig zeigten sich bei Nagern keine Vergiftungszeichen. Eine nach OECD-Leitlinie durchgeführte 14-Tage-Studie an Ratten fand unter C60-Öl keine Nebenwirkungen, ein Mikrokerntest an Mäusen keine Erbgutschädigung. An beiden Arbeiten war F. Moussa beteiligt, Mitautor der Rattenstudie von 2012.
- Die Probleme mit Handelsware sind gemessen. Online gekaufte C60-Öle unterschieden sich in einer unabhängigen Analyse deutlich in Aussehen, Verunreinigungen, Gehalt und Aktivität von frisch hergestelltem C60-Öl.
Was die Studien zeigen
Baati 2012: die Rattenstudie, auf die sich alles stützt
Baati und Kollegen gaben Ratten wiederholt C60 in Olivenöl über den Mund. Sie fanden keine chronische Giftigkeit und eine fast verdoppelte Lebensdauer gegenüber den Kontrollgruppen. In einem Modell mit Tetrachlorkohlenstoff dämpfte C60-Öl die Leberschädigung, woraus die Autoren auf einen Schutz vor oxidativem Stress schlossen. Gelöstes C60 wurde über den Darm aufgenommen und innerhalb einiger zehn Stunden ausgeschieden.
Grohn 2021: Wiederholung an Mäusen ohne Lebensverlängerung
Grohn und Kollegen prüften die These an zwei Mausstämmen. CB6F1-Mäuse, die C60-Öl in die Bauchhöhle bekamen, lebten im Mittel 144 Wochen, mit reinem Olivenöl 145 Wochen (p = 0,87). C57BL/6-Mäuse, die C60 in nativem Olivenöl über den Mund erhielten, ab jungem oder höherem Alter, lebten nicht länger und nicht gesünder als unbehandelte Tiere; die mittlere Lebensdauer lag bei 127 Wochen ohne Behandlung und 128 bis 130 Wochen mit C60-Öl. Zusätzlich bildete C60-Öl unter Licht in der Stärke normaler Raumbeleuchtung Stoffe, die bei Mäusen innerhalb von 2 Wochen zu schweren Erkrankungen und Todesfällen führten.
Shytikov 2021: der Effekt hing am Olivenöl
Bei CBA/Ca-Mäusen, die ab einem Alter von 10 bis 12 Monaten 7 Monate lang C60 in Olivenöl bekamen, lebten die Tiere länger als jene mit reinem Olivenöl, aber nicht länger als Tiere, die nur Wasser bekamen. Die Autoren erklären den Unterschied mit einem nachteiligen Effekt des Olivenöls in diesem Mausstamm, den C60 ausglich.
SCCS 2023: Sicherheit in Kosmetika nicht bestätigt
Der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU prüfte Fullerene als Kosmetikzutat. Er konnte ihre Sicherheit wegen Unsicherheiten und Datenlücken nicht bestätigen und ein erbgutschädigendes Potenzial von C60 und C70 nicht ausschließen; hydratisierte hydroxylierte Fullerene stufte er als erbgutschädigend und für Kosmetika nicht sicher ein. Die Bewertung betrifft die Anwendung auf der Haut, nicht das Schlucken, zeigt aber, wie lückenhaft die Datenlage ist.
Wo die Daten aufhören
- Jede Aussage über Menschen. Es gibt keine Studie am Menschen, weder zur Wirkung noch zur Verträglichkeit, auch keine veröffentlichte Fallserie.
- Die Lebensverlängerung. Sie beruht auf einer kleinen Rattenstudie. Zwei unabhängige Mäusestudien fanden gegenüber unbehandelten Tieren keinen Vorteil.
- Die Langzeitsicherheit. Vorliegende Toxizitätsprüfungen an Nagern laufen über Tage bis Wochen. Für Kosmetika konnte der EU-Ausschuss die Sicherheit nicht bestätigen.
- Die Qualität im Handel. Handelsware wich in einer Analyse deutlich von frisch hergestelltem C60-Öl ab, und Licht verändert das Produkt.
Status, Zulassung und Recht
C60 ist in der EU weder als Lebensmittel noch als Arzneimittel zugelassen. Der Novel-Food-Katalog der EU-Kommission enthält keinen Eintrag zu Fullerenen (Abfrage am 05.10.2026), und eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel nach Verordnung (EU) 2015/2283 wurde bei der Recherche nicht gefunden. Da C60 synthetisch hergestellt wird und vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht verzehrt wurde, bräuchte es für den Verkauf als Lebensmittel eine solche Zulassung.
Ein Antrag, C60 als Lebensmittelzusatzstoff in Lachs- und Fischölprodukten zu verwenden, wurde 2010 vom norwegischen Wissenschaftskomitee für Lebensmittelsicherheit geprüft. Ergebnis: Der Antrag erfülle nicht die Voraussetzungen für eine Bewertung durch EU-Kommission und EFSA, die meisten zentralen Sicherheitsdaten fehlten.
Sicherheit
Am Menschen gibt es keine Sicherheitsdaten. Bei Nagern zeigten kurze Studien keine Vergiftungszeichen und keine Erbgutschädigung; beide Arbeiten stammen aus dem Umfeld der Gruppe, die die Rattenstudie von 2012 veröffentlicht hat.
Das am besten belegte Risiko betrifft das Produkt selbst: C60-Öl bildet unter Licht in der Stärke normaler Raumbeleuchtung giftige Stoffe, die bei Mäusen innerhalb von 2 Wochen schwere Erkrankungen und Todesfälle auslösten. Handelsware unterschied sich zudem deutlich in Reinheit und Gehalt. Der EU-Ausschuss für Verbrauchersicherheit konnte ein erbgutschädigendes Potenzial von C60 nicht ausschließen.
BK-Score Nicht am Menschen untersucht
| Human-Evidenz | 0 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 3 | |
| Sicherheits-Datenlage | 2 | |
| Hype-Abstand | 1 | |
| Anwendungserfahrung | 2 |
Evidenz 0, weil C60 in Olivenöl nie am Menschen untersucht wurde, weder in einer Studie noch in einer veröffentlichten Fallserie. Mechanismus 3, weil die antioxidative Wirkung im Reagenzglas und die Aufnahme über den Darm bei Ratten gezeigt sind (Baati 2012), der behauptete Weg zur Lebensverlängerung aber bei Mäusen nicht bestätigt wurde: Gegenüber unbehandelten Tieren gab es weder mehr Lebenszeit noch mehr gesunde Lebenszeit, und unter Raumlicht bildet C60-Öl giftige Abbauprodukte (Grohn 2021). Sicherheit 2, weil nur Kurzzeit-Toxizitätstests an Nagern vorliegen (Burres 2024; Moussa 2025) und der EU-Ausschuss für Verbrauchersicherheit ein erbgutschädigendes Potenzial von C60 nicht ausschließen konnte (SCCS 2023). Hype 1, weil eine verdoppelte Lebensdauer aus einer einzigen kleinen Rattenstudie beworben wird, die sich in zwei Mäusestudien nicht wiederholen ließ (Grohn 2021; Shytikov 2021). Anwendung 2, weil C60-Öl nur in kleinen Kreisen über Online-Händler verbreitet ist, ohne Zulassung als Lebensmittel. Richtung offen, weil am Menschen keine Daten existieren; die Tierdaten sprechen eher gegen eine Lebensverlängerung.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Fulleren C60 in Olivenöl
Verlängert C60 das Leben?
Bei Menschen ist das nie untersucht worden. In einer kleinen Rattenstudie von 2012 lebten die Tiere fast doppelt so lange. Zwei spätere Mäusestudien fanden gegenüber unbehandelten Tieren keinen Vorteil, eine davon prüfte genau die Gabe in Olivenöl über den Mund.
Warum wird C60 in Olivenöl verkauft?
Weil die Rattenstudie von 2012 diese Form verwendet hat. In einer Mäusestudie lag ein Teil des scheinbaren Effekts allerdings am Olivenöl selbst: Tiere mit C60-Öl lebten länger als Tiere mit reinem Öl, aber nicht länger als Tiere mit Wasser.
Ist C60-Öl gefährlich?
Am Menschen ist das nicht untersucht. Belegt ist, dass C60-Öl unter Licht in der Stärke normaler Raumbeleuchtung giftige Stoffe bildet, die bei Mäusen innerhalb von 2 Wochen zu schweren Erkrankungen und Todesfällen führten. Kurze Toxizitätsstudien an Nagern mit frisch hergestelltem C60-Öl fanden dagegen keine Nebenwirkungen.
Ist C60 in Deutschland als Nahrungsergänzung erlaubt?
Eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel wurde bei der Recherche nicht gefunden, und der Novel-Food-Katalog der EU-Kommission hat keinen Eintrag zu Fullerenen. Da C60 ein synthetischer Stoff ist, der vor 1997 nicht verzehrt wurde, bräuchte es eine solche Zulassung, um als Lebensmittel verkauft zu werden.
Gibt es Studien mit C60 am Menschen?
Zum Schlucken wurde bei der Recherche keine gefunden, weder in der Fachliteratur noch im Studienregister. Für Kosmetika konnte der EU-Ausschuss für Verbrauchersicherheit 2023 die Sicherheit von Fullerenen nicht bestätigen.
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Quellen
- Baati T et al., Biomaterials 2012 – Verlängerung der Lebensdauer von Ratten durch wiederholte orale Gabe von C60
- Grohn KJ et al., GeroScience 2021 – C60 in Olivenöl: lichtabhängige Giftigkeit, keine Lebensverlängerung bei Mäusen
- Shytikov D et al., Rejuvenation Res 2021 – Langzeitgabe von C60 bei CBA/Ca-Mäusen, Vergleich mit Olivenöl und Wasser
- Burres C et al., EXCLI J 2024 – Kurzzeit-Toxizitätsstudie zu gelöstem C60 bei Ratten nach OECD-Leitlinie
- Moussa F, Nanomaterials 2025 – Mikrokerntest zu C60/C70 in Olivenöl bei Mäusen
- SCCS (Wissenschaftlicher Ausschuss Verbrauchersicherheit der EU), Stellungnahme SCCS/1649/23 vom 26.10.2023 – Fullerene und hydroxylierte Fullerene in Kosmetika
- VKM (Norwegisches Wissenschaftskomitee für Lebensmittelsicherheit), Bericht 2010:41 – Antrag auf Verwendung von Fulleren C60 als Lebensmittelzusatzstoff
- EU-Kommission, Novel-Food-Katalog (Suche, kein Eintrag zu Fullerenen, Abfrage 05.10.2026)
- Verordnung (EU) 2015/2283 über neuartige Lebensmittel
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