Biohacking Kompakt

Supplement

LOLA (L-Ornithin-L-Aspartat)

Aminosäure · L-Ornithin-L-Aspartat, Ornithinaspartat, Hepa-Merz

L-Ornithin-L-Aspartat, kurz LOLA, ist in Deutschland vor allem ein Arzneimittel: apothekenpflichtig zugelassen gegen die hepatische Enzephalopathie, eine Hirnfunktionsstörung durch Ammoniak bei schwerer Lebererkrankung. Dort zeigen viele Studien einen Nutzen, die Cochrane-Auswertung stuft die Evidenz aber als sehr niedrig ein. Für Gesunde, Sportler oder als Katerhilfe gibt es kaum Daten.

Was LOLA ist

LOLA ist ein Salz aus den Aminosäuren L-Ornithin und L-Aspartat. Nach der Aufnahme wird es rasch in beide Bestandteile gespalten. Ornithin dient im Harnstoffzyklus der Leber als Ausgangsstoff und Aktivator, Aspartat liefert unter anderem Bausteine für die Bindung von Ammoniak als Glutamin.

In Deutschland ist LOLA unter dem Namen Hepa-Merz als Granulat und als Infusionslösungs-Konzentrat zugelassen, beide apothekenpflichtig, nicht verschreibungspflichtig. Die Arzneimitteldaten stammen fast ausschließlich von Menschen mit Leberzirrhose und lassen sich nicht auf Gesunde übertragen.

Wie es wirkt

Laut Fachinformation wirkt Ornithinaspartat über zwei Schlüsselwege der Ammoniakentgiftung: die Harnstoffsynthese in den Leberzellen um die Pfortader und die Glutaminsynthese in den Zellen um die Lebervenen. Bei kranker Leber, die Ammoniak nicht mehr ausreichend entgiftet, ist dieser Ansatz plausibel.

Dieselbe Fachinformation hält fest, dass Ornithin und Aspartat unter normalen Bedingungen für die Harnstoffsynthese nicht der begrenzende Faktor sind. Bei einer gesunden Leber fehlt also meist nicht der Rohstoff, und das Versprechen einer „Leberentgiftung“ für Gesunde hat keine Studienbasis.

Was gut belegt ist

  • Viele Studien bei Leberzirrhose. Die Cochrane-Auswertung fand 36 randomisierte Studien, aus 29 mit 1.891 Teilnehmern ließen sich Daten nutzen. Gegenüber Placebo oder keiner Behandlung trat eine hepatische Enzephalopathie seltener auf (RR 0,70; 22 Studien) und die Sterblichkeit war geringer (RR 0,42; 19 Studien) – bei sehr niedriger Evidenzqualität (Goh 2018).
  • Weniger Ammoniak in kontrollierten Studien. Infusionen über 7 Tage bei 126 Patienten und Granulat über 14 Tage bei 66 Patienten senkten das Ammoniak nach einer Eiweißmahlzeit und verbesserten Testleistungen stärker als Placebo (Kircheis 1997, Stauch 1998).
  • Gute Verträglichkeit. Nicht schwere Nebenwirkungen traten in 14 Studien mit 1.076 Teilnehmern nicht häufiger auf als unter Placebo (Goh 2018).

Was die Studien zeigen

Cochrane-Review 2018: Nutzen möglich, aber sehr unsicher

Goh 2018 werteten die randomisierten Studien zu LOLA bei Leberzirrhose aus. Über alle Studien gerechnet sanken Enzephalopathie und Sterblichkeit. In den wenigen Studien mit niedrigem Verzerrungsrisiko verschwand der Effekt: bei der Sterblichkeit RR 0,47 mit einem Vertrauensbereich von 0,06 bis 3,58 (4 Studien), bei der Enzephalopathie RR 0,96 (1 Studie mit 63 Teilnehmern). Gegenüber Laktulose und Rifaximin, den Standardmitteln, fand sich kein Unterschied. Zehn abgeschlossene Studien waren unveröffentlicht.

Infusion und Granulat gegen Placebo

Kircheis 1997 gaben 126 Patienten mit Zirrhose, erhöhtem Ammoniak und chronischer Enzephalopathie 7 Tage lang Infusionen mit 20 g LOLA oder Placebo. Ammoniak nach einer Eiweißmahlzeit, Zahlenverbindungstest und geistiger Zustand verbesserten sich unter LOLA stärker. Stauch 1998 fanden mit 18 g Granulat pro Tag über 14 Tage bei 66 Patienten ähnliche Ergebnisse, ohne Nebenwirkungen in beiden Gruppen.

Schwere Enzephalopathie: zusätzlich zur Standardtherapie

Jain 2022 behandelten 140 Patienten mit Enzephalopathie Grad III bis IV mit Laktulose und Rifaximin, zusätzlich mit LOLA-Infusionen oder Placebo. Unter LOLA besserte sich der Grad häufiger (92,5 gegenüber 66 Prozent), und nach 28 Tagen waren weniger Patienten gestorben (16,4 gegenüber 41,8 Prozent). Es ist eine einzelne Studie, eine Bestätigung steht aus.

Akutes Leberversagen: kein Nutzen

Acharya 2009 randomisierten 201 Patienten mit akutem Leberversagen auf 3 Tage LOLA-Infusionen oder Placebo. Das Ammoniak unterschied sich zu keinem Zeitpunkt zwischen den Gruppen, und die Sterblichkeit lag unter LOLA bei 42,4 Prozent gegenüber 33,3 Prozent unter Placebo, ein nicht signifikanter Unterschied.

Wo die Daten aufhören

  • Die methodisch besten Studien. Dort war der Nutzen bei Zirrhose nicht nachweisbar, und die Cochrane-Autoren sind nach eigener Aussage „sehr unsicher“.
  • Gesunde und Sportler. Es gibt nur eine kleine Studie mit 11 Ausdauersportlern, die LOLA zusammen mit verzweigtkettigen Aminosäuren bekamen; das Ammoniak lag am Ende der Dauerbelastung sogar höher als unter Placebo, sank danach aber schneller (Mikulski 2015).
  • Leberentgiftung, Katerhilfe, Fettleber. Für diese Versprechen außerhalb der Zirrhose gibt es in den hier ausgewerteten Quellen keine kontrollierten Belege.
  • Akutes Leberversagen. Hier half LOLA in einer großen Studie nicht (Acharya 2009).

Status, Zulassung und Recht

In Deutschland ist L-Ornithin-L-Aspartat als Hepa-Merz Granulat 3000 und als Hepa-Merz Infusionslösungs-Konzentrat zugelassen, beide apothekenpflichtig, nicht verschreibungspflichtig. Anwendungsgebiet ist die latente und manifeste hepatische Enzephalopathie. Zugelassen ist beim Granulat eine Einnahme von bis zu 3-mal täglich 1 bis 2 Beuteln à 3,0 g Ornithinaspartat, beim Konzentrat bis zu 4 Ampullen täglich. Ob LOLA daneben als Nahrungsergänzung verkehrsfähig ist, ist amtlich nicht geklärt: Eine Allgemeinverfügung des BVL dafür ist nicht bekannt, und der Stoff ist Wirkstoff eines zugelassenen Arzneimittels. Für reines L-Ornithin als Nahrungsergänzung gibt es eine solche Allgemeinverfügung, siehe L-Ornithin. Werbung mit der Behandlung von Lebererkrankungen ist Nahrungsergänzungen nicht erlaubt. Ornithin und Aspartat stehen nicht auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur.

Sicherheit

Die Fachinformation nennt gelegentlich Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen, Blähungen und Durchfall, sehr selten Gliederschmerzen; diese Beschwerden sind meist vorübergehend. Gegenangezeigt ist LOLA bei stärkeren Nierenfunktionsstörungen, als Richtwert gilt ein Serumkreatinin über 3 mg/100 ml. In Schwangerschaft und Stillzeit soll es vermieden werden, für Kinder gibt es keine Daten. Das Granulat enthält Fructose und den Farbstoff Gelborange S, der allergische Reaktionen auslösen kann. Wechselwirkungen sind bislang nicht bekannt, wurden aber auch nicht systematisch untersucht. Wer eine Leber- oder Nierenerkrankung hat, gehört mit LOLA in ärztliche Behandlung, nicht in Selbstbehandlung. Dieser Text ist Information und ersetzt keine medizinische Beratung.

BK-Score Dünne Humanevidenz

Human-Evidenz5
Mechanismus6
Sicherheits-Datenlage7
Hype-Abstand5
Anwendungserfahrung8

Evidenz 5, weil es bei Leberzirrhose viele RCTs gibt, der Cochrane-Review die Qualität aber als sehr niedrig einstuft und der Effekt in den Studien mit niedrigem Verzerrungsrisiko verschwindet (Goh 2018, 29 Studien mit 1.891 Teilnehmern), beim akuten Leberversagen kein Nutzen gefunden wurde (Acharya 2009) und für Gesunde nur eine kleine Kombinationsstudie vorliegt (Mikulski 2015). Mechanismus 6, weil die Wirkung auf Harnstoff- und Glutaminsynthese bei kranker Leber beschrieben ist und Ammoniak in mehreren Studien sank (Kircheis 1997, Stauch 1998), Ornithin und Aspartat bei gesunder Leber laut Fachinformation aber nicht begrenzend sind. Sicherheit 7, weil LOLA als Arzneimittel unter Pharmakovigilanz steht, die Fachinformation Nebenwirkungen und Gegenanzeigen klar benennt und nicht schwere Nebenwirkungen in 14 Studien nicht häufiger waren als unter Placebo. Hype 5, weil die Arzneimittelaussagen eng gefasst sind, als Nahrungsergänzung aber Leberentgiftung, Katerhilfe und Sportnutzen versprochen werden, die bei Gesunden nicht untersucht sind. Anwendung 8, weil LOLA in Deutschland als apothekenpflichtiges Arzneimittel seit vielen Jahren bei Lebererkrankungen eingesetzt wird. Richtung gemischt: Nutzen in der Gesamtheit der Zirrhose-Studien, aber nicht in den methodisch besten und nicht beim akuten Leberversagen.

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu LOLA (L-Ornithin-L-Aspartat)

Was ist LOLA?

LOLA steht für L-Ornithin-L-Aspartat, ein Salz aus zwei Aminosäuren. In Deutschland ist es unter dem Namen Hepa-Merz als apothekenpflichtiges Arzneimittel gegen die hepatische Enzephalopathie bei schwerer Lebererkrankung zugelassen. Es unterstützt die Entgiftung von Ammoniak über Harnstoff- und Glutaminsynthese.

Ist LOLA verschreibungspflichtig?

Nein. Granulat und Infusionslösungs-Konzentrat sind laut Fachinformation apothekenpflichtig, aber nicht verschreibungspflichtig. Zugelassen sind sie nur für die hepatische Enzephalopathie. Ob LOLA auch als Nahrungsergänzung verkauft werden darf, ist amtlich nicht geklärt.

Hilft LOLA bei Leberzirrhose?

Möglicherweise. Über 22 Studien trat eine hepatische Enzephalopathie seltener auf, über 19 Studien war die Sterblichkeit geringer. Die Cochrane-Auswertung stuft die Evidenz aber als sehr niedrig ein, weil der Effekt in den methodisch besten Studien nicht zu sehen war. Die Behandlung gehört in ärztliche Hände.

Entgiftet LOLA die Leber bei Gesunden?

Dafür gibt es keinen Beleg. Laut Fachinformation sind Ornithin und Aspartat bei gesunder Leber nicht der begrenzende Faktor der Harnstoffbildung. Für Gesunde, Sportler oder nach Alkohol gibt es keine belastbaren kontrollierten Studien.

Welche Nebenwirkungen hat LOLA?

Gelegentlich Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen, Blähungen und Durchfall, sehr selten Gliederschmerzen. Bei stärkeren Nierenfunktionsstörungen darf LOLA nicht genommen werden, in Schwangerschaft und Stillzeit soll es vermieden werden. Das Granulat enthält Fructose.

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Quellen

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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-05.