Peptid & Experimentelles
HGH-Fragment 176-191
C-terminales Wachstumshormon-Fragment (lipolytische Domäne), nicht zugelassen · hGH 176-191, HGH Frag 176-191, Fragment 176-191, GH-Fragment; verwandt: AOD9401 (hGH 177-191), AOD-9604 (Tyr-hGH 177-191)
Das HGH-Fragment 176-191 ist das Endstück des Wachstumshormons, genau der Abschnitt, der im Tier für den Fettstoffwechsel zuständig zu sein scheint. Die Idee dahinter ist elegant: Fettabbau ohne die Nebenwirkungen des ganzen Hormons. Was dazu belegt ist, hängt stark davon ab, welches Molekül man meint.
Kurz gesagt
Das Fragment umfasst die letzten Aminosäuren des menschlichen Wachstumshormons. In Ratten und Mäusen bremsten Peptide aus diesem Bereich die Fettneubildung und die Gewichtszunahme, ohne den Blutzucker zu verschlechtern, und in menschlichem Fettgewebe im Labor förderten sie die Lipolyse. Im Handel steckt unter dem Namen meist dieselbe Sequenz wie im Entwicklungskandidaten AOD-9604, bei dem ein Tyrosin am Anfang sitzt. Für diese Sequenz gibt es sechs placebokontrollierte Studien mit rund 900 Menschen, die ein gutes Sicherheitsprofil zeigten, die große Abnehmstudie verfehlte aber ihr Ziel. Die natürliche Sequenz 176-191 selbst wurde nur einmal geprüft, 1978 an Ratten, und hob dort kurzfristig den Blutzucker.
Was es ist
Das menschliche Wachstumshormon besteht aus 191 Aminosäuren. Es regt über die Leber die Bildung von IGF-1 an und treibt damit Wachstum, hat aber auch direkte Wirkungen auf das Fettgewebe: Es fördert den Fettabbau und bremst die Fetteinlagerung. Leider bringt es in höherer Menge auch Probleme mit, vor allem eine schlechtere Insulinwirkung. Eine Arbeitsgruppe um den Biochemiker F. M. Ng suchte deshalb über Jahrzehnte nach dem Teil des Moleküls, der allein für den Fettstoffwechsel zuständig ist.
Fündig wurde sie am Ende der Kette. Der Abschnitt 177-191 hemmte im Rattenfettgewebe die Fettneubildung ungefähr so wie das ganze Hormon. Daraus entstanden zwei Entwicklungsnamen: AOD9401 für das unveränderte Stück 177-191 und AOD9604 für dieselbe Sequenz mit einem zusätzlichen Tyrosin am Anfang, das das Peptid stabilisieren soll. AOD9604 besteht damit aus 16 Aminosäuren.
Warum der Name verwirrt
Im natürlichen Wachstumshormon steht an Position 176 ein Phenylalanin, laut der Proteindatenbank UniProt. Das echte Fragment 176-191 beginnt also mit Phenylalanin. AOD9604 beginnt an derselben Stelle mit Tyrosin, weil dort das zusätzliche Tyrosin vor Position 177 gesetzt wurde. Beide Peptide unterscheiden sich damit nur im ersten Baustein.
Eine Übersicht aus dem Jahr 2026 hält fest, dass AOD9604 deshalb oft auch als hGH 176-191 bezeichnet wird. Was als HGH-Fragment 176-191 verkauft wird, ist nach dieser Einordnung in vielen Fällen die AOD9604-Sequenz. Die WADA und das deutsche Anti-Doping-Gesetz führen trotzdem beide Namen getrennt auf. Für die Einordnung heißt das: Die Humandaten zu AOD9604 gelten für ein Produkt nur dann, wenn wirklich diese Sequenz drin ist. Das lässt sich ohne Laboranalyse nicht prüfen.
Wie es wirken soll
Im Tier setzt das Fragment direkt am Fettgewebe an. Es aktivierte in Rattenfett die hormonsensitive Lipase, das Enzym, das gespeichertes Fett freisetzt, und hemmte die Acetyl-CoA-Carboxylase, einen Schlüsselschritt der Fettneubildung. Bei Mäusen stieg unter AOD9604 die Fettoxidation, und die Menge des Beta-3-Adrenozeptors im Fett nahm zu, eines Rezeptors, der den Fettabbau vermittelt. Der Rezeptor selbst ist aber nicht der Angriffspunkt: Bei Mäusen ohne diesen Rezeptor stiegen Energieverbrauch und Fettoxidation akut trotzdem an.
Der entscheidende Unterschied zum ganzen Hormon: AOD9604 bindet im Labor nicht an den Wachstumshormon-Rezeptor und löst dort keine Zellteilung aus. Deshalb steigt IGF-1 nicht, und genau das war das Verkaufsargument. Welcher Rezeptor stattdessen die Wirkung vermittelt, ist bis heute nicht geklärt.
Was Anwender berichten
In der Fitness- und Bodybuilding-Szene gilt das Fragment als Fettabbau-Peptid, das den Hunger nicht steigert und den Blutzucker in Ruhe lässt. Eine kritische Übersicht von 2026 nennt es ausdrücklich unter den Peptiden, die für Fettstoffwechsel und Körperkomposition beworben werden. Erfahrungsberichte sind unkontrolliert und lassen offen, welches Molekül in der Ampulle war. Sie werden hier als Anwenderbild ernst genommen, sind aber kein Wirkungsnachweis.
Was gut belegt ist
Gut belegt ist, dass das Endstück des Wachstumshormons im Tier eine eigene, fettstoffwechselaktive Domäne trägt. Das unveränderte Stück 177-191 hemmte die Fettneubildung wie das ganze Hormon, bremste die Gewichtszunahme fettleibiger Mäuse und Ratten und verkleinerte bei Zucker-Ratten über 20 Tage die Fettzellen von 110 auf 80 Mikrometer Durchmesser. Oral gegeben verringerte es bei ob/ob-Mäusen ab Tag 16 die Gewichtszunahme, obwohl die Tiere gleich viel fraßen. In menschlichem Fettgewebe im Labor förderte es die Lipolyse und bremste die Lipogenese.
Ebenso gut belegt ist das Sicherheitsprofil der AOD9604-Sequenz beim Menschen: sechs randomisierte, placebokontrollierte Studien zwischen 2001 und 2006 mit 893 Teilnehmern, bis zu 24 Wochen lang. IGF-1 stieg nicht, der Glukosetoleranztest verschlechterte sich nicht, Antikörper gegen das Peptid fanden sich nicht.
Was die Studien zeigen
Ng und Bornstein 1978 — das echte Fragment
Die einzige gefundene Arbeit, die das natürliche Stück 176-191 prüfte. Normale Ratten bekamen mehrere synthetische Endstücke des Wachstumshormons einmalig gespritzt. Die Peptide 172-191, 176-191, 177-191 und 178-191 lösten einen kurzen Blutzuckeranstieg und einen länger anhaltenden Insulinanstieg aus, kürzere Stücke waren wirkungslos. Die Richtung war damit blutzuckersteigernd, nicht fettverbrennend. Fettstoffwechsel und Gewicht wurden nicht gemessen.
Ng 2000 — Fettzellen werden kleiner
Fettleibige Zucker-Ratten erhielten das unveränderte Stück 177-191 über 20 Tage. Die Gewichtszunahme fiel geringer aus, der mittlere Fettzelldurchmesser sank von 110 auf 80 Mikrometer, und anders als unter Wachstumshormon trat keine Insulinresistenz auf. In einer Parallelarbeit mit der Tyrosin-Variante nahmen Zucker-Ratten über 19 Tage 15,8 statt 35,6 Gramm zu, also über 50 Prozent weniger.
Heffernan 2000 — oral und am menschlichen Fett
Ob/ob-Mäuse bekamen 30 Tage lang das Fragment über den Mund, 10 Tiere gegen 8 Kontrolltiere. Ab Tag 16 nahmen sie signifikant weniger zu, der Futterverbrauch blieb gleich. Energieverbrauch und Fettoxidation stiegen akut. Zusätzlich förderte das Peptid in isoliertem Fettgewebe von Nagern und Menschen die Lipolyse und hemmte die Lipogenese.
Stier 2013 — sechs Studien am Menschen
Die Zusammenfassung der klinischen Entwicklung von AOD9604: zwei Studien mit Einmalinfusion, vier orale Studien, darunter eine über 12 Wochen mit 300 und eine über 24 Wochen mit 502 randomisierten Teilnehmern. Das Profil unerwünschter Ereignisse glich dem von Placebo, Kopfschmerz war am häufigsten. Die Arbeit berichtet nur Sicherheit, keine Wirksamkeit, und stammt aus dem Umfeld des Rechteinhabers.
Wo die Daten aufhören
Für das echte Fragment mit Phenylalanin gibt es genau eine Tierstudie, und die zeigt einen kurzen Blutzucker- und Insulinanstieg. Studien zu Fettabbau oder Körperzusammensetzung mit dieser Sequenz fehlen ganz, Humandaten ebenfalls. Die positiven Tierdaten stammen vom Stück 177-191 und von der Tyrosin-Variante. Warum dieselbe Arbeitsgruppe früher akut blutzuckersteigernde und später unter Dauergabe stoffwechselneutrale Wirkungen fand, erklären die Abstracts nicht.
Bei der Wirksamkeit am Menschen hört es früh auf. Die 24-Wochen-Studie mit 534 eingeschlossenen Teilnehmern verfehlte nach Angaben des Herstellers 2007 ihren Gewichtsendpunkt, das Programm wurde eingestellt. Begutachtet veröffentlicht wurden die Wirksamkeitsergebnisse nie. Geprüft wurde als Tablette; gespritzt wurde das Peptid nur in Einmalgaben zur Sicherheit getestet. Zu Bauchfett, Muskelerhalt, Leistung oder Gelenken gibt es keine Humandaten, die Knorpeldaten stammen aus einem Versuch mit 32 Kaninchen. Im Studienregister ClinicalTrials.gov findet sich kein Eintrag.
Status, Zulassung und Recht
Das HGH-Fragment 176-191 ist in Deutschland, der EU und den USA kein zugelassenes Arzneimittel und wird als Forschungschemikalie verkauft. Die WADA-Verbotsliste 2026 nennt unter S2.2.3 ausdrücklich AOD-9604 und hGH 176-191, verboten im Wettkampf und außerhalb. Das deutsche Anti-Doping-Gesetz führt in seiner Anlage unter den Wachstumshormon-Fragmenten ebenfalls beide Namen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte AOD-9604 als Rezeptursubstanz mit möglichen erheblichen Risiken eingestuft; die Nominierung wurde zurückgezogen, die Einschätzung steht auf der Seite mit Stand 22.04.2026 weiter.
Sicherheit
Für die AOD9604-Sequenz ist die Datenlage für ein Forschungspeptid ungewöhnlich gut: rund 900 Menschen in kontrollierten Studien, bis 24 Wochen, Nebenwirkungen auf Placeboniveau, kein Anstieg von IGF-1, keine Blutzuckerverschlechterung. Nach Infusionen berichteten 5 von 23 Probanden eine leichte Euphorie, unter Placebo niemand. Die FDA nennt als offene Punkte das Risiko von Immunreaktionen gegen das Peptid, Verunreinigungen und schwerwiegende Ereignisse mit unklarer Ursache. Für das echte Fragment mit Phenylalanin fehlen Sicherheitsdaten am Menschen, und im Tier hob es kurzfristig Blutzucker und Insulin. Für Menschen mit Diabetes, Schwangere, Stillende, Jugendliche und Menschen mit Krebsvorgeschichte gibt es keine Datengrundlage. Graumarktware ist häufig falsch deklariert.
BK-Score Hype weit vor Evidenz
| Human-Evidenz | 3 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 4 | |
| Sicherheits-Datenlage | 4 | |
| Hype-Abstand | 2 | |
| Anwendungserfahrung | 3 |
Evidenz 3, weil das natürliche Fragment 176-191 nur in einer akuten Rattenstudie von 1978 geprüft wurde, die kurzfristig Blutzucker und Insulin anhob, und weil die Humandaten ausschließlich die Tyrosin-Variante AOD9604 betreffen, die im Handel oft unter diesem Namen läuft: sechs placebokontrollierte Studien mit 893 Teilnehmern (Stier 2013), deren größte über 24 Wochen mit 502 Randomisierten laut Hersteller 2007 den Gewichtsendpunkt verfehlte. Mechanismus 4: Im Tier ist die Wirkkette am Fettgewebe gezeigt – hormonsensitive Lipase rauf, Acetyl-CoA-Carboxylase runter, keine Bindung am Wachstumshormon-Rezeptor (Ng 2000, Heffernan 2001) – und in menschlichem Fettgewebe ex vivo bestätigt, der Rezeptor ist aber unbekannt. Sicherheit 4, weil kontrollierte Daten über bis zu 24 Wochen vorliegen, allerdings nur für die AOD9604-Sequenz, aus Sponsor-Nähe und ohne Daten zum natürlichen Fragment. Hype 2, weil das Fragment als Fettabbau-Peptid gehandelt wird, obwohl der Humanbeleg für Gewichtsverlust fehlt und die Namensgleichheit die Humandaten eines anderen Moleküls überträgt. Anwendung 3: Die Tyrosin-Sequenz lief nur in Studien; der Szenegebrauch ist verbreitet, aber nicht beziffert. Richtung gemischt: im Tier konsistent positiv, am Menschen (oral) kein Gewichtseffekt, das natürliche Fragment im Tier eher blutzuckersteigernd.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu HGH-Fragment 176-191
Was ist das HGH-Fragment 176-191?
Ein kurzes Peptid aus dem Endstück des menschlichen Wachstumshormons, das im Tier den Fettstoffwechsel beeinflusst. Im Handel ist damit meist dieselbe Sequenz gemeint wie beim Entwicklungskandidaten AOD9604.
Ist HGH-Fragment 176-191 dasselbe wie AOD-9604?
Fast. AOD9604 ist das Stück 177-191 mit einem Tyrosin am Anfang, das natürliche Fragment 176-191 beginnt mit Phenylalanin. Viele Produkte unter dem Namen 176-191 tragen die AOD9604-Sequenz, sicher ist das ohne Analyse nicht.
Hilft das Fragment beim Abnehmen?
Bei fettleibigen Ratten und Mäusen bremste es die Gewichtszunahme. Am Menschen verfehlte die große 24-Wochen-Studie mit der AOD9604-Sequenz ihren Gewichtsendpunkt, andere Wirksamkeitsdaten wurden nicht begutachtet veröffentlicht.
Erhöht das Fragment IGF-1 oder den Blutzucker?
Für die AOD9604-Sequenz nicht: In den Humanstudien blieben IGF-1 und Glukosetoleranz unverändert. Das natürliche Fragment 176-191 hob in einer Rattenstudie von 1978 kurzfristig Blutzucker und Insulin.
Ist das Fragment sicher?
Für die AOD9604-Sequenz zeigten sechs placebokontrollierte Studien mit rund 900 Menschen ein placeboähnliches Profil bis 24 Wochen. Langzeitdaten fehlen, und bei Graumarktware ist unklar, was genau enthalten ist.
Ist HGH-Fragment 176-191 im Sport erlaubt?
Nein. Die WADA führt AOD-9604 und hGH 176-191 namentlich als verbotene Wachstumshormon-Fragmente, und in Deutschland stehen sie in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes.
Quellen
- Ng und Bornstein, Am J Physiol 1978 (natürliches Fragment 176-191 an Ratten)
- Ng et al., J Mol Endocrinol 2000 (AOD9401, Zucker-Ratten)
- Heffernan et al., Am J Physiol Endocrinol Metab 2000 (oral, ob/ob-Mäuse, menschliches Fettgewebe)
- Ng et al., Horm Res 2000 (AOD9604 oral, Zucker-Ratten)
- Heffernan et al., Int J Obes 2001 (keine GH-Rezeptor-Bindung)
- Stier et al., J Endocrinol Metab 2013 (Sicherheit am Menschen, sechs Studien)
- Cox et al., Drug Test Anal 2015 (Struktur und Nachweis von AOD9604)
- Dominikowski et al., Front Endocrinol 2026 (Übersicht Peptide der GH-IGF-1-Achse)
- WADA, Verbotsliste 2026, Abschnitt S2.2.3
- FDA, Bulk Drug Substances mit möglichen Sicherheitsrisiken
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-27.