Peptid & Experimentelles
Hexarelin
Synthetisches Wachstumshormon-Sekretagogum (Hexapeptid, Ghrelin-Rezeptor-Agonist) · Examorelin, EP-23905
Hexarelin ist der stärkste Auslöser der Wachstumshormon-Ausschüttung in seiner Klasse. Genau diese Wucht bringt drei Nachteile mit: Es reißt Cortisol und Prolaktin mit hoch, es nutzt sich unter Dauergabe zu einem guten Teil ab, und es ist nie länger als 16 Wochen geprüft worden. Eine Substanz, die zu gut wirkt, um weiter zu wirken.
Kurz gesagt
Hexarelin gehört zur Familie der GHRP, der Wachstumshormon-freisetzenden Peptide, und dockt am Ghrelin-Rezeptor in der Hirnanhangsdrüse an. In einer Studie an 12 gesunden jungen Erwachsenen setzte es etwa doppelt so viel Wachstumshormon frei wie das körpereigene Steuerhormon GHRH allein, und diese akute Wirkung ist gut belegt. Sie ist aber nicht selektiv: In einer zweiten Untersuchung an 6 jungen Erwachsenen stiegen akut auch ACTH, Cortisol und Prolaktin. Und sie hält nicht vollständig: Unter fortlaufender Anwendung fiel die Wachstumshormon-Antwort nach 16 Wochen auf rund 55 % des Ausgangswerts, der größte Teil davon schon in der ersten Woche. Die untersuchte Herzschutzwirkung über den Rezeptor CD36 stammt aus Tierversuchen; am Menschen ist nur eine kurzfristige Steigerung der Pumpleistung nach einmaliger Gabe beschrieben.
Was Hexarelin ist
Hexarelin gehört zur Familie der GHRP, der Wachstumshormon-freisetzenden Peptide. Dazu zählen auch GHRP-2, GHRP-6 und Ipamorelin. Alle docken am selben Rezeptor an, dem Ghrelin-Rezeptor in der Hirnanhangsdrüse, und geben dort dasselbe Signal: Schütte Wachstumshormon aus.
In der Freisetzung ist Hexarelin das stärkste davon. In einer Studie an 12 gesunden jungen Erwachsenen setzte es etwa doppelt so viel Wachstumshormon frei wie das körpereigene Steuerhormon GHRH allein. Das ist beachtlich, und es ist der Grund für den Ruf, den die Substanz in der Szene hat. Es sind allerdings 12 Teilnehmer, und das ist typisch für dieses Feld: Die Studien sind alt, klein und untersuchen meist einzelne Gaben; die längste lief 16 Wochen.
Das erste Problem: Hexarelin ist nicht wählerisch
Akut steigt nicht nur das Wachstumshormon. In einer Untersuchung an 6 jungen Erwachsenen legten auch ACTH und Cortisol zu, in einer Größenordnung wie nach dem körpereigenen Steuerhormon der Stressachse, dazu Prolaktin. Unter 16 Wochen fortlaufender Gabe blieben Cortisol, ACTH- und Prolaktin-Antwort dagegen unverändert. Der Effekt ist kurzfristig deutlich, im Dauergebrauch nicht nachweisbar.
Der Grund liegt im Rezeptor selbst. Er sitzt nicht nur in der Wachstumshormon-Steuerung, sondern ist Teil eines Systems, das eng mit Hunger, Stress und Energiehaushalt verzahnt ist. Neuere Vertreter dieser Klasse wie Ipamorelin ziehen ACTH und Cortisol im Tiermodell nicht mit. Es hat etwas Ironisches, wenn dieselben Leute, die Ashwagandha nehmen, um Cortisol zu senken, sich ein Peptid spritzen, das es kurzfristig anhebt.
Das zweite Problem: Die Wirkung lässt nach
Das ist der besser dokumentierte Teil und der wichtigere. Bei 12 gesunden Älteren fiel die Wachstumshormon-Antwort unter fortlaufender Anwendung nach 16 Wochen auf rund 55 % des Ausgangswerts, und der größte Teil des Verlusts trat schon in der ersten Woche ein. Bei kleinwüchsigen Kindern unter Nasenspray hatte sich die Antwort nach sieben Tagen halbiert.
Der Fachbegriff dafür ist Tachyphylaxie. Der Körper regelt den Rezeptor herunter, weil er dauernd angeschrien wird. Das ist keine Meinung, sondern eine gemessene Kurve. Die Empfindlichkeit kommt zurück, etwa 4 Wochen nach dem Absetzen, und das ist der Grund, warum in der Szene mit Pausen gearbeitet wird. An der Grundfrage ändert das nichts: Eine Substanz, deren Wirkung unter Dauergabe um fast die Hälfte nachlässt, ist ein schlechter Kandidat für irgendetwas Dauerhaftes. In derselben Studie blieben IGF-I, Fettmasse, Magermasse und Knochendichte über 16 Wochen unverändert.
Die Herz-Geschichte
Wissenschaftlich am interessantesten ist ein zweiter Wirkweg. Hexarelin bindet nicht nur an den Ghrelin-Rezeptor, sondern auch an CD36, einen Rezeptor auf Herzmuskelzellen. Über diesen Weg zeigt es in Tierversuchen herzschützende Effekte, die unabhängig vom Wachstumshormon sind. Das ist eine ernsthafte Forschungsrichtung.
Diese Arbeiten sind allerdings Tierversuche an Mäusen und Ratten. Am Menschen gibt es dazu kleine Untersuchungen mit einmaliger Gabe: Bei 7 Männern mit Wachstumshormonmangel stieg die Auswurffraktion auch ohne Anstieg des Wachstumshormons, bei 24 Männern während einer Bypass-Operation stieg sie von 10 bis 90 Minuten nach der Gabe, anders als unter Wachstumshormon, GHRH oder Placebo. Bei erweiterter Herzkammer (dilatative Kardiomyopathie) tat sich nichts. Kurzfristige Messungen nach einer einzelnen Gabe sind keine Grundlage für etwas, das man sich zu Hause spritzt. Die Richtung gehört ins Labor, nicht in den Badezimmerschrank.
Was gut belegt ist
Gut belegt ist die akute Wirkung auf das Wachstumshormon. Hexarelin ist der potenteste Auslöser seiner Klasse und setzt etwa doppelt so viel Wachstumshormon frei wie GHRH allein. Ebenfalls gut belegt und für die Anwendung entscheidend ist das Gegenstück dazu: die rasche Desensibilisierung. Nach 16 Wochen lag die Antwort bei rund 55 % des Ausgangswerts, den größten Teil davon verlor sie in der ersten Woche, und die Empfindlichkeit kehrte etwa 4 Wochen nach dem Absetzen zurück. Beides stammt aus demselben Datenbestand, und beides gehört zusammen genannt.
Was die Studien zeigen
Erste Untersuchungen an 12 und 6 gesunden jungen Erwachsenen
Bei 12 gesunden jungen Erwachsenen setzte Hexarelin etwa doppelt so viel Wachstumshormon frei wie das körpereigene Steuerhormon GHRH allein (Ghigo 1994). In einer zweiten Untersuchung an 6 Teilnehmern stiegen auch ACTH und Cortisol, in einer Größenordnung wie nach dem körpereigenen Steuerhormon der Stressachse, dazu Prolaktin (Arvat 1997). Die Aussagekraft ist durch kleine Gruppen und einzelne Gaben begrenzt.
Desensibilisierung unter fortlaufender Anwendung
Bei 12 gesunden Älteren fiel die Wachstumshormon-Antwort unter 16 Wochen fortlaufender Gabe auf rund 55 % des Ausgangswerts, der größte Teil des Verlusts trat in der ersten Woche ein. Vier Wochen nach dem Absetzen war der Ausgangswert wieder erreicht. IGF-I, Fett- und Magermasse sowie Knochendichte blieben unverändert (Rahim 1998). Cortisol, ACTH- und Prolaktin-Antwort änderten sich über die 16 Wochen nicht (Rahim 1999).
Herzwirkung über CD36 in Tierversuchen und eine Untersuchung am Menschen
In Mäusen und Ratten zeigt Hexarelin über den Rezeptor CD36 herzschützende Effekte, die unabhängig vom Wachstumshormon sind. Am Menschen stieg die Auswurffraktion nach einmaliger Gabe bei Wachstumshormonmangel (Bisi 1999) und während einer Bypass-Operation bei koronarer Herzkrankheit (Broglio 2002), bei dilatativer Kardiomyopathie nicht (Imazio 2002).
Wo die Daten aufhören
Die längste Untersuchung lief 16 Wochen an 12 gesunden Älteren und fand keine Veränderung bei IGF-I, Körperzusammensetzung oder Knochendichte. Ansonsten stammen die Humandaten aus kleinen, alten Untersuchungen zu einzelnen Gaben; im US-Studienregister ist keine Studie eingetragen. Daten über mehr als 16 Wochen gibt es nicht.
Status, Zulassung und Recht
Hexarelin ist nirgends als Arzneimittel zugelassen. Die Entwicklung wurde nicht weitergeführt, und die Substanz ist ausschließlich über den Graumarkt erhältlich, ohne Arzneibuchqualität und ohne einen Hersteller, der haftet. Im Sport ist Hexarelin (Examorelin) nach der WADA-Liste jederzeit verboten.
Sicherheit
Die wichtigsten bekannten Effekte ergeben sich aus der fehlenden Selektivität. Hexarelin hebt akut ACTH und Cortisol an, in einer Größenordnung wie das körpereigene Steuerhormon der Stressachse, und zusätzlich Prolaktin; unter 16 Wochen fortlaufender Gabe waren diese Werte dagegen nicht verändert. Nächtliche Gabe verringerte bei 7 gesunden jungen Männern den Tiefschlaf und erhöhte Wachstumshormon, Prolaktin, ACTH und Cortisol im Schlaf; das körpereigene Ghrelin wirkt auf den Tiefschlaf gegenteilig. Sicherheitsdaten über mehr als 16 Wochen gibt es nicht. Und wie bei allen Substanzen dieser Klasse gilt: Selbst wenn das Wachstumshormon steigt, ist offen, ob daraus ein Nutzen wird.
BK-Score Dünne Humanevidenz
| Human-Evidenz | 4 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | 7 | |
| Sicherheits-Datenlage | 3 | |
| Hype-Abstand | 2 | |
| Anwendungserfahrung | 2 |
Für ein Graumarkt-Peptid ungewöhnlich viele Humandaten – alle aus den 1990ern von derselben Turiner Gruppe (Ghigo, Arvat) in J Clin Endocrinol Metab und anderen: Dosis-Wirkungs-Studien zur Wachstumshormonfreisetzung, kardiale Effekte bei Hypophyseninsuffizienz, akute Hämodynamik während Bypass-Operationen. Die klinische Entwicklung wurde nach den Arbeiten der Neunzigerjahre nicht weitergeführt; im US-Studienregister ist keine Studie eingetragen (Stand 24.09.2026). Die beworbene Kardioprotektion stützt sich auf Rattenmodelle und akute Surrogatparameter, nicht auf klinische Endpunkte.
Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen
Häufige Fragen zu Hexarelin
Ist Hexarelin wirklich das stärkste GH-Peptid?
In der akuten Freisetzung ja. In einer Studie an 12 gesunden jungen Erwachsenen setzte es etwa doppelt so viel Wachstumshormon frei wie das körpereigene Steuerhormon GHRH allein. Diese Aussage gilt allerdings für einzelne Gaben an 12 Menschen.
Warum lässt die Wirkung nach?
Der Körper regelt den Rezeptor herunter, weil er dauernd angesprochen wird. Der Fachbegriff ist Tachyphylaxie. Unter fortlaufender Gabe lag die Antwort nach 16 Wochen bei rund 55 % des Ausgangswerts, den größten Teil davon verlor sie in der ersten Woche.
Helfen Pausen?
Die Empfindlichkeit kommt etwa 4 Wochen nach dem Absetzen zurück, und deshalb wird in der Szene mit Pausen gearbeitet. An der Grundfrage ändert das nichts: In der einzigen längeren Studie blieben IGF-I, Körperzusammensetzung und Knochendichte über 16 Wochen unverändert.
Hebt Hexarelin Cortisol an?
Akut ja. In einer Untersuchung an 6 jungen Erwachsenen stiegen ACTH und Cortisol in einer Größenordnung wie nach dem körpereigenen Steuerhormon der Stressachse, dazu Prolaktin. Unter 16 Wochen fortlaufender Gabe waren Cortisol, ACTH- und Prolaktin-Antwort dagegen unverändert.
Was ist von der herzschützenden Wirkung zu halten?
Sie ist eine ernsthafte Forschungsrichtung und läuft über den Rezeptor CD36, unabhängig vom Wachstumshormon. Die Belege stammen aber aus Mäusen und Ratten. Am Menschen gibt es nur kurzfristige Messungen nach einmaliger Gabe, etwa während einer Bypass-Operation, und das ist keine Grundlage für eine Anwendung zu Hause.
Warum gilt Selektivität als das bessere Kriterium?
Weil ein Peptid, das nur die eine Achse anspricht, einem überlegen ist, das alles gleichzeitig hochfährt, auch wenn die Zahl auf dem Papier kleiner ist. Neuere Vertreter der Klasse wie Ipamorelin ziehen ACTH und Cortisol im Tiermodell nicht mit.
Passt dazu
- Gleiche WirkstoffklasseGHRP-2
- Gleiche WirkstoffklasseGHRP-6
- Gleiches Themenfeld: WachstumshormonTesamorelin (Egrifta)
- Gleiches Themenfeld: WachstumshormonHGH (Wachstumshormon / Somatropin)
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Quellen
- Ghigo et al., J Clin Endocrinol Metab 1994 (Hexarelin an 12 gesunden jungen Erwachsenen, Vergleich mit GHRH)
- Arvat et al., Peptides 1997 (Hexarelin an 6 gesunden jungen Erwachsenen, Wachstumshormon, ACTH, Cortisol und Prolaktin)
- Rahim und Shalet, Growth Horm IGF Res 1998 (Desensibilisierung der Wachstumshormon-Antwort unter fortlaufender Hexarelin-Gabe)
- Rahim et al., J Clin Endocrinol Metab 1998 (16 Wochen Hexarelin: GH-Antwort, IGF-I, Körperzusammensetzung)
- Rahim et al., Clin Endocrinol 1999 (16 Wochen Hexarelin: Cortisol, ACTH und Prolaktin)
- Klinger et al., Eur J Endocrinol 1996 (intranasales Hexarelin bei kleinwüchsigen Kindern)
- Bisi et al., Eur J Pharmacol 1999 (Herzwirkung bei Wachstumshormonmangel)
- Bodart et al., Circ Res 2002 (Hexarelin und CD36, kardiale Effekte im Tiermodell)
- Broglio et al., Eur J Pharmacol 2002 (einmalige Hexarelin-Gabe während Bypass-Operation bei koronarer Herzkrankheit)
- Imazio et al., Eur J Heart Fail 2002 (Hexarelin bei dilatativer und ischämischer Kardiomyopathie)
- Frieboes et al., Psychoneuroendocrinology 2004 (Hexarelin und Tiefschlaf)
- Raun et al., Eur J Endocrinol 1998 (Ipamorelin ohne ACTH- und Cortisol-Anstieg im Tiermodell)
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Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-09-24.