Biohacking Kompakt

Peptid & Experimentelles

Alprostadil (Caverject, MUSE, Vitaros)

Prostaglandin E1, gefäßerweiternd; verschreibungspflichtiges Arzneimittel gegen Erektionsstörungen als Spritze in den Schwellkörper, als Stäbchen für die Harnröhre und als Creme · Prostaglandin E1, PGE1, Caverject, Caverject Impuls, MUSE, Vitaros, SKAT (Schwellkörper-Autoinjektionstherapie)

Alprostadil ist die arzneiliche Form des körpereigenen Prostaglandins E1 und gegen Erektionsstörungen in Deutschland in drei Formen zugelassen: als Spritze in den Schwellkörper, als Stäbchen für die Harnröhre und als Creme. Anders als Tabletten wie Sildenafil oder Tadalafil setzt es direkt an der Gefäßmuskulatur des Schwellkörpers an. Die Spritze ist seit den 1990er Jahren gut untersucht und wirkt sehr zuverlässig, Creme und Harnröhrenform sind bequemer, aber schwächer.

Kurz gesagt

Für die Spritze in den Schwellkörper, die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie, gibt es große Studien: In einer 6-monatigen Studie mit 683 Männern war nach 94 Prozent der Injektionen Sex möglich, Männer und Partnerinnen bewerteten ihn nach 87 und 86 Prozent als befriedigend. Das Stäbchen für die Harnröhre führte bei knapp zwei Dritteln der Männer zu Hause zu mindestens einem erfolgreichen Verkehr, gegenüber knapp einem Fünftel unter Placebo; die Creme verbesserte den Erektionsfunktions-Score moderat. Häufigste Nebenwirkung sind Penisschmerzen; nach Injektionen kommen selten Dauererektionen und Vernarbungen im Schwellkörper vor. Alle drei Formen sind in Deutschland verschreibungspflichtig zugelassen, die Spritze wird in der Arztpraxis auf die individuelle Dosis eingestellt.

Was Alprostadil ist und wie es wirkt

Alprostadil ist chemisch identisch mit Prostaglandin E1, einem körpereigenen Gewebshormon. Zu seinen wichtigsten Wirkungen gehören die Erweiterung von Blutgefäßen und die Hemmung der Blutplättchen. Gegen Erektionsstörungen wird es dort angewendet, wo es wirken soll: als Injektion direkt in den Schwellkörper (Caverject), als kleines Stäbchen, das in die Harnröhre eingeführt wird (MUSE), oder als Creme auf die Penisspitze (Vitaros).

Laut Fachinformation entspannt Alprostadil die glatte Muskulatur der Schwellkörperbälkchen und erweitert die Schwellkörperarterien. Die Hohlräume füllen sich mit Blut und drücken die abführenden Venen gegen die feste Hülle des Schwellkörpers, das Blut wird gestaut. Nach einer Injektion setzt die Erektion meist nach 5 bis 15 Minuten ein, ihre Dauer hängt von der Dosis ab. PDE5-Hemmer wie Sildenafil, Tadalafil oder Vardenafil verlängern dagegen das Signal des Botenstoffs cGMP, das bei sexueller Erregung entsteht. Alprostadil gilt deshalb als Alternative, wenn Tabletten nicht ausreichend wirken (Papadopoulos 2025).

Was gut belegt ist

  • Die Wirkung der Spritze. In einer Dosis-Wirkungs-Studie mit 296 Männern war jede geprüfte Dosis besser als Placebo, in einer 6-monatigen Studie mit 683 Männern war nach 94 Prozent der Injektionen sexuelle Aktivität möglich (Linet und Ogrinc 1996).
  • Die Wirkung über die Harnröhre. In einer placebokontrollierten Studie mit 1.511 Männern mit organischer Ursache hatten zu Hause 64,9 Prozent mindestens einmal erfolgreichen Verkehr, unter Placebo 18,6 Prozent (Padma-Nathan 1997).
  • Die Wirkung der Creme. In zwei RCTs mit 1.732 Männern verbesserte sie den Erektionsfunktions-Score signifikant, wenn auch moderat (Padma-Nathan und Yeager 2006).
  • Das Nebenwirkungsprofil. Schmerzen, Fibrose und Priapismus nach Injektionen sind in Studien mit Hunderten Männern über Monate erfasst.

Was die Studien zeigen

Spritze in den Schwellkörper: die Zulassungsstudien

Linet und Ogrinc 1996 (NEJM) berichten drei Studien bei Männern mit Erektionsstörungen aus Gefäß-, Nerven-, psychischen und gemischten Ursachen. In der Dosis-Wirkungs-Studie mit 296 Männern war jede Dosis Placebo überlegen, höhere Dosen wirkten häufiger. In der Dosisfindung mit 201 Männern genügte bei 20 bis 38 Prozent je nach Ursache schon eine sehr niedrige Dosis. In der 6-monatigen Selbstinjektionsstudie mit 683 Männern war nach 94 Prozent der Injektionen sexuelle Aktivität möglich, die Männer bewerteten sie nach 87 Prozent, die Partnerinnen nach 86 Prozent als befriedigend.

Langzeit-Selbstinjektion in Europa

Die European Alprostadil Study Group schloss 848 Männer von 18 bis 75 Jahren ein. Bei 93 Prozent ließ sich in der Praxis eine Dosis für zu Hause finden, bei 86 Prozent lag sie bei höchstens 20 Mikrogramm. Über 6 Monate führten 88 Prozent der Injektionen nach Angabe der Männer und 90 Prozent nach Angabe der Partnerinnen zu befriedigender sexueller Aktivität. Nur 3 Prozent brachen wegen Schmerzen ab.

Harnröhrenform (MUSE)

Padma-Nathan 1997 (NEJM) testete 1.511 Männer von 27 bis 88 Jahren mit organisch bedingter Erektionsstörung zunächst in der Praxis; 65,9 Prozent erreichten eine für Verkehr ausreichende Erektion. Diese Männer wurden für drei Monate zu Hause auf Alprostadil oder Placebo verteilt: 64,9 Prozent unter Alprostadil hatten mindestens einmal erfolgreichen Verkehr, unter Placebo 18,6 Prozent. Bei Männern, die ansprachen, folgte im Schnitt auf 7 von 10 Anwendungen Verkehr, unabhängig von Alter und Ursache, auch bei Diabetes und nach Operationen.

Creme (Vitaros)

Padma-Nathan und Yeager 2006 werteten zwei placebokontrollierte Studien mit 1.732 Männern über 12 Wochen gemeinsam aus, auch Männer mit Diabetes oder unter Nitraten waren eingeschlossen. Der Erektionsfunktions-Score änderte sich um +1,6 bis +2,5 Punkte gegenüber −0,7 unter Placebo. Eine Meta-Analyse von 2025 mit 5.869 Patienten fand für die Creme +4,7 Punkte gegenüber Placebo und für die Harnröhrenform ebenfalls eine deutliche Verbesserung, bewertet die Studienqualität aber als niedrig (Papadopoulos 2025).

Was Anwender berichten

Eine Fragebogen-Studie befragte 42 Männer zu ihrer Langzeiterfahrung mit der Selbstinjektion. 57 Prozent nutzten sie im Mittel nach knapp 4 Jahren noch, 43 Prozent hatten nach durchschnittlich 21 Monaten aufgehört; schwere Komplikationen wurden nicht berichtet (Lundberg 1996).

Wo die Daten aufhören

  • Alter der Studien. Die großen Studien zur Spritze und zur Harnröhrenform stammen aus den 1990er Jahren; direkte Vergleiche mit PDE5-Hemmern in großen modernen Studien fehlen.
  • Qualität bei Creme und Harnröhrenform. Die Meta-Analyse von 2025 bewertet die methodische Qualität der Studien als niedrig, die Ergebnisse streuen stark.
  • Sehr lange Anwendung. Daten über viele Jahre stammen vor allem aus kleinen Beobachtungen, etwa einer Befragung von 42 Männern.
  • Größe der Creme-Wirkung. In der großen Auswertung lag der Vorteil gegenüber Placebo bei wenigen Punkten im Erektionsfunktions-Score.

Status, Zulassung und Recht

Alprostadil ist in Deutschland verschreibungspflichtig. Gegen Erektionsstörungen zugelassen sind Caverject zur Injektion in den Schwellkörper (seit 30.07.1997), MUSE zur Anwendung in der Harnröhre (seit 22.02.1999) und Vitaros-Creme mit 300 Mikrogramm (seit 09.03.2016).

Die zugelassene Anwendung laut Fachinformation: Bei Caverject werden die ersten Injektionen und die Einstellung auf die niedrigste wirksame Dosis in der Arztpraxis vorgenommen; die Erektion soll nicht länger als eine Stunde anhalten. Die meisten Patienten sprechen auf 5 bis 20 Mikrogramm an, höchstens sind 40 Mikrogramm zugelassen, höchstens einmal täglich und nicht häufiger als dreimal pro Woche. Für MUSE gelten höchstens 2 Anwendungen in 24 Stunden und 7 in 7 Tagen, für Vitaros höchstens 2 bis 3 Anwendungen pro Woche und eine in 24 Stunden.

Sicherheit

Häufigste Nebenwirkung der Spritze sind Penisschmerzen: Laut Fachinformation traten sie bei 30 Prozent der Patienten mindestens einmal und nach 11 Prozent der Injektionen auf, meist leicht bis mäßig, 3 Prozent brachen deshalb ab. Eine Penisfibrose, also Vernarbungen mit Knötchen oder Verkrümmung, fand sich bei 3 Prozent der Studienteilnehmer, in längeren Studien bei etwa 8 Prozent; das Risiko kann mit der Behandlungsdauer steigen. Eine Erektion von 4 bis 6 Stunden trat bei 4 Prozent auf, ein Priapismus von über 6 Stunden bei 0,4 Prozent. Ein Priapismus ist ein Notfall, die Behandlung muss innerhalb von höchstens 6 Stunden beginnen. In den Zulassungsstudien kamen Blutergüsse bei 8 Prozent der Männer hinzu (Linet und Ogrinc 1996).

Bei der Harnröhrenform waren leichte Penisschmerzen nach 10,8 Prozent der Anwendungen die häufigste Nebenwirkung; in der Praxis fiel bei 3,3 Prozent der Blutdruck ab, Priapismus oder Fibrose traten in der Studie nicht auf (Padma-Nathan 1997). Bei der Creme beschränkten sich die meisten Nebenwirkungen auf die Auftragsstelle und klangen innerhalb von 2 Stunden ab (Padma-Nathan und Yeager 2006).

BK-Score Gut belegt

Human-Evidenz9
Mechanismus8
Sicherheits-Datenlage8
Hype-Abstand8
Anwendungserfahrung9

Evidenz 9, weil alle drei Darreichungsformen in großen Studien geprüft sind – die Spritze in den Schwellkörper mit 296 Männern im Placebovergleich und 683 Männern über 6 Monate (Linet und Ogrinc 1996), die Harnröhrenform in einer RCT mit 1.511 Männern (Padma-Nathan 1997), die Creme in zwei RCTs mit 1.732 Männern (Padma-Nathan und Yeager 2006) – und eine Meta-Analyse vorliegt (Papadopoulos 2025); die Studien sind meist älter und die Meta-Analyse bewertet die Qualität als niedrig, deshalb nicht 10. Mechanismus 8, weil die Entspannung der Schwellkörpermuskulatur an menschlichem Gewebe gezeigt und der Weg zur Erektion beschrieben ist (Fachinformation Caverject). Sicherheit 8, weil Schmerzen, Fibrose und Priapismus in Studien mit Hunderten Männern über Monate vermessen sind; Daten über viele Jahre stammen vor allem aus kleineren Beobachtungen. Hype 8, weil Alprostadil kaum überhöht beworben wird und die Grenzen der schwächeren Darreichungsformen offen in den Studien stehen. Anwendung 9, weil die Spritze seit 1997, die Harnröhrenform seit 1999 und die Creme seit 2016 in Deutschland zugelassen sind. Richtung positiv: Die Daten stützen die Wirkung bei Erektionsstörungen. Zum Vergleich: Sildenafil (10/9/9/7/10), Tadalafil (10/9/9/7/10), Vardenafil (9/9/9/8/9).

Bewertet wird der Wissensstand, nicht die Substanz. „Sicherheits-Datenlage 9“ heißt: gut untersucht – nicht: harmlos. „Anwendungserfahrung 9“ heißt: lange und breit angewendet – das ist kein Wirksamkeitsbeleg.
Subjektive Einschätzung von Biohacking Kompakt auf Basis offengelegter Vergaberegeln – keine wissenschaftliche Bewertung und keine medizinische Empfehlung. Regeln und alle Bewertungen

Häufige Fragen zu Alprostadil

Wie wirkt Alprostadil anders als Viagra?

Sildenafil und andere PDE5-Hemmer verlängern ein Signal, das bei sexueller Erregung entsteht. Alprostadil entspannt die Gefäßmuskulatur des Schwellkörpers direkt und wird dort angewendet, wo es wirken soll: als Spritze, Harnröhrenstäbchen oder Creme.

Wie gut wirkt die Spritze in den Schwellkörper?

In einer 6-monatigen Studie mit 683 Männern war nach 94 Prozent der Injektionen sexuelle Aktivität möglich, Männer und Partnerinnen bewerteten sie nach 87 und 86 Prozent als befriedigend.

Wirken Creme und Harnröhrenstäbchen genauso gut?

Nein, schwächer. Mit dem Stäbchen hatten zu Hause 64,9 Prozent mindestens einmal erfolgreichen Verkehr, unter Placebo 18,6 Prozent. Die Creme verbesserte den Erektionsfunktions-Score um wenige Punkte gegenüber Placebo.

Was ist das größte Risiko?

Bei der Spritze eine zu lange Erektion: Erektionen von 4 bis 6 Stunden traten bei 4 Prozent auf, ein Priapismus über 6 Stunden bei 0,4 Prozent. Ein Priapismus muss innerhalb von 6 Stunden behandelt werden. Dazu kommen Penisschmerzen und Vernarbungen im Schwellkörper.

Ist Alprostadil in Deutschland zugelassen?

Ja. Caverject zur Injektion seit 1997, MUSE für die Harnröhre seit 1999 und Vitaros-Creme seit 2016, alle verschreibungspflichtig. Die Dosis der Spritze wird in der Arztpraxis individuell eingestellt.

Ähnliche Themen

Quellen

Diese Studien mit Studientyp und Jahr in der Studien-Datenbank ansehen

In der Datenbank öffnen – mit Suche, Filtern und Vergleich

Reine Information, keine medizinische Beratung und keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung. Verschreibungspflichtige und nicht zugelassene Wirkstoffe gehören in ärztliche Hände. Stand: 2026-10-07.